Gilde Brauerei

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Gilde Brauerei Hannover

Die Gilde Brauerei AG ist eine traditionsreiche Großbrauerei und das älteste Unternehmen in Hannover. Die Geschichte der 1609 gegründeten Brauergilde begann im Jahr 1526 mit der Brauerei von Cord Broyhan. Heute gehört sie zur größten Brauereigruppe der Welt, dem belgisch-brasilianischen Konzern Anheuser-Busch InBev, den es in dieser Form seit 2008 gibt.

Geschichte[Bearbeiten]

Braugilde Hannover[Bearbeiten]

Werksgelände um 1890

Am 31. Mai 1526 erfand Cord Broyhan sein neues, nach ihm benanntes obergäriges Bier, das er ab 1537 im Broyhanhaus braute. Für die Stadt folgte eine wirtschaftliche Blüte. 1546 schlossen sich die Brauer zu einer Gilde zusammen, die im selben Jahr erstmals den „Broyhan-Taler“, ein kupfernes Brau- und Steuerzeichen, prägte.

Im Jahr 1609 erkannte der Rat der Stadt die Brauergilde als eigenständige Rechtsperson an, die über die Rechte und Pflichten der Bierbrauer wachte. Die Gilde war ein Zusammenschluss von Grundbesitzern, auf deren Grundstücken die Braurechte lagen. Im 17. Jahrhundert waren dies rund 320 brauberechtigte Grundstücke. 1745 gründeten etwa 105 Brauberechtigte eine Sozietät, die eine gleich bleibend gute Bierqualität sicherte. Ende des 18. Jahrhunderts errichtete die Braugilde in der Köbelingerstraße ein Brauhaus, in dem das Broyhan-Bier bis 1919 gebraut wurde.

Im 19. Jahrhundert wurden untergärige Lagerbiere wie das „Pilsener Bier“ entwickelt, die länger haltbar waren und damit auch überregional gehandelt werden konnten. Damit entstanden deutschlandweit allmählich Großbrauereien (Jahresproduktion ab 100.000 Hektoliter). 1868 verlor die Braugilde ihr Verkaufsmonopol in Hannover und sie wandelte sich von einer genossenschaftlich organisierten Vereinigung in ein Unternehmen. So übernahm die Braugilde Hannover 1870 das heutige Grundstück an der Hildesheimer Straße nahe dem Maschsee. Darauf entstand bis 1875 ein Werksgebäude im Stil der Neogotik. Durch die Luftangriffe auf Hannover im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurden die Werksanlagen zu etwa 75 % zerstört.

1917 bildete die Städtische Lagerbier-Brauerei gemeinsam mit den ebenfalls in Hannover ansässigen Brauereien Vereinsbrauerei Herrenhausen und Lindener Aktien-Brauerei ein Konsortium, durch das ein - erfolgreiches - Übernahmeangebot den Anteilseignern der Germania-Brauerei unterbreitete wurde.[1]

1925 erwarb die Gilde die Mehrheit am Grundkapital der Lindener Aktien-Brauerei und fusionierte 1968 mit ihr zur Lindener Gilde-Bräu AG. 1970 wurden die Brauereigebäude an der Hildesheimer Straße zu einer der modernsten Brauereien der Welt umgebaut und erweitert. Zur Traditionspflege wurden bis in die 1990er Jahre Gastronomiebetriebe in Einzelfällen mit Pferdefuhrwerken beliefert.

Gilde-Gruppe[Bearbeiten]

Braukesselhaus
Rückseite des Firmensitzes mit modernen Werksgebäuden

1985 weitete die Brauerei ihre Aktivitäten über die Region Hannover hinaus aus und übernahm die Aktienmehrheit an der Hofbrauhaus Wolters AG in Braunschweig. 1988 wurde der Name auf Gilde Brauerei AG geändert. 1989 begann die Produktion der Kultmarke Bölkstoff nach einem Streit des Erfinders der Comic-Figur Werner mit der Flensburger Brauerei, deren Bügelverschluss-Pils durch ihn Kultstatus bekommen hatte.

Im Zuge der Wiedervereinigung übernahm Gilde 1990 die Hasseröder Brauerei GmbH in Wernigerode (Sachsen-Anhalt) und baute sie zu einer der modernsten Brauereien Europas aus. In Hannover wurde 1992 die Mehrheit an der Brauhaus Wülfel AG übernommen und 1997 die Braustätte Linden (Lindener Spezial) geschlossen. Im Jahr 2000 gehörte die Gilde-Gruppe zu den „Top Ten“ der deutschen Brauereiwirtschaft. Sie umfasste nicht nur Brauereien, sondern auch die Malzfabrik Langkopf GmbH in Peine.

Übernahme durch Interbrew[Bearbeiten]

Der belgische Interbrew-Konzern („Stella Artois“) hatte 2001 die niederrheinische Altbier-Brauerei Diebels und 2002 die Bremer Weltmarke Beck's übernommen und sie zur Interbrew Deutschland zusammengefügt. Zum 1. Januar 2003 übernahm der Konzern auch die Gilde Brauerei AG.

Im Herbst 2004 fusionierte Interbrew (nach der Übernahme der Münchener Spaten-Löwenbräu-Gruppe und Dinkelacker-Schwabenbräu[2] in Stuttgart zum 1. Oktober) mit dem brasilianischen AmBev-Konzern zur weltgrößten Brauereigruppe InBev. Interbrew Deutschland wurde am 1. Juli 2005 in InBev Deutschland umfirmiert.

InBev gibt der Produktion und Bewerbung überregionaler Biermarken auch in Hannover den Vorrang und nimmt die hannoverschen Traditionsmarken zunehmend vom Markt. Bereits 2004 wurde die Marke Wilkenburger eingestellt und die Marke Bölkstoff an die Flensburger Brauerei verkauft. Die Braunschweiger Traditionsbrauerei Hofbrauhaus Wolters, die seit 20 Jahren zur Gilde-Gruppe gehörte, sollte zum 31. Dezember 2005 sogar ganz geschlossen werden, wurde aber durch einen Rettungsplan mit Unterstützung der Stadt Braunschweig an vier Manager verkauft und arbeitet seit Oktober 2006 als eigenständige Brauerei.

Im Januar 2009 kündigte der Brauereikonzern Inbev an, 90 der 132 Mitarbeiter zu entlassen. Es sei nicht beabsichtigt, den Standort in Hannover ganz zu schließen, aber eine der beiden Braulinien stillzulegen.

Produkte[Bearbeiten]

Slogan der Brauerei ist: „Das Gildet!“ Dieser Satz ist ein Wortspiel aus dem Namen und dem in der regionalen Umgangssprache gebräuchlichen Wort „gildet“ (oder „güldet“) für „gilt“ und soll Zuverlässigkeit darstellen.

Gilde Ratskeller Premium Pils
  • Slogan: „Unser kühles Gold“ (mehrfach mit dem Goldenen Preis der DLG prämiert)
  • Brauart: untergärig (Pilsener)
  • Biergattung: Vollbier
  • Stammwürze: ca. 11,7 %
  • Alkoholgehalt: Vol ca. 4,9 %
  • Um den Premium-Anspruch zu unterstreichen, wird das Bier seit Mai 2006 in einem Mehrwegkasten mit „Soft-Griff“ angeboten.
Gilde Pilsener
  • Slogan: „Das Hopfenfrische“
  • Brauart: untergärig (Pilsener)
  • Biergattung: Vollbier
  • Stammwürze: ca. 11,3 %
  • Alkoholgehalt: Vol ca. 4,9 %
  • eine der erfolgreichsten Pilsmarken Norddeutschlands
Lindener Spezial
  • Slogans: „Hannovers Spezielles", „braufrisch und ausgezeichnet“
  • Brauart: untergärig (Exportbier)
  • Biergattung: Vollbier
  • Stammwürze: ca. 12,3 %
  • Alkoholgehalt: Vol. ca. 5,1 %
  • erfolgreichste Exportbiermarke Niedersachsens, mehrfach ausgezeichnet mit dem CMA-Biersiegel für hervorragende Qualität
Lüttje Lagen
  • Slogan: „Original hannoversch"
  • Brauart: obergärig
  • Biergattung: Schankbier
  • Stammwürze: ca. 7,5 %
  • Alkoholgehalt: Vol. ca. 2,8 %
  • Das Lüttje-Lagen-Trinken ist ein jahrhundertealter Brauch der Hannoveraner, bei dem ein Glas Bier und ein Glas Korn (32 Vol.%) gleichzeitig getrunken werden.
Vitamalz
  • Slogan: „die gänzlich unamerikanische Erfrischung"
  • Brauart: obergärig
  • Biergattung: Malztrunk
  • Stammwürze: ca. 11,5 %
  • Alkoholgehalt: „alkoholfrei“ (0,2 % vol.)
  • Marktführer in Deutschland, wird von mehreren Brauereien im Verbund hergestellt

Sponsoring[Bearbeiten]

Die Gilde ist Sponsor von vielen großen Sportvereinen in den Bereichen Fußball (Hannover 96), Eishockey (Hannover Indians), Boxen, Reitsport, Radfahren.

Darüber hinaus ist die Gilde auf zahlreichen großen Veranstaltungen präsent, wie dem Schützenfest Hannover, dem Frühlings- und Oktoberfest, dem Maschseefest sowie dem Tag der Niedersachsen.

Selber organisiert auf dem nahe der Brauerei gelegenen Maschsee den Wettbewerb „Crazy Crossing“, in dem kreative Bootsbauten gegeneinander antreten. Den Gewinnern richtet die Brauerei eine große Grillparty aus. 2005 gab es 22 Wettbewerbsteilnehmer und 30.000 Zuschauer.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heuweg-Werke, Hannover. Hannoversche Eishaus- und Waren-Einkaufsgesellschaft m.b.H., in: Paul Siedentopf (Haupt-Schriftleitung), Karl Friedrich Leonhardt (Zusammenstellung des Bildmaterials): Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover im Jahr 1927, Jubiläums-Verlag Walter Gerlach, Leipzig 1927, S. 91
  2. Die Dinkelacker-Schwabenbräu GmbH & Co. KG ist seit dem 2. Januar 2007 wieder ein eigenständiges Unternehmen im Familienbesitz.

52.3545019.754331Koordinaten: 52° 21′ 16″ N, 9° 45′ 16″ O