Golčův Jeníkov

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Golčův Jeníkov
Wappen von Golčův Jeníkov
Golčův Jeníkov (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Kraj Vysočina
Bezirk: Havlíčkův Brod
Fläche: 2749 ha
Geographische Lage: 49° 49′ N, 15° 29′ O49.81611111111115.476666666667376Koordinaten: 49° 48′ 58″ N, 15° 28′ 36″ O
Höhe: 376 m n.m.
Einwohner: 2.656 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 582 82
Verkehr
Straße: ČáslavHabry
Bahnanschluss: Znojmo–Kolín
ČáslavSvětlá nad Sázavou
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 9
Verwaltung
Bürgermeister: Pavel Kopecký (Stand: 2007)
Adresse: náměstí T. G. Masaryka 110
582 82 Golčův Jeníkov
Gemeindenummer: 568635
Website: www.golcuv-jenikov.cz

Golčův Jeníkov (deutsch Goltsch-Jenikau) ist eine Stadt in Tschechien. Sie liegt zwölf Kilometer südöstlich von Čáslav und gehört zum Okres Havlíčkův Brod.

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt befindet sich in der Böhmisch-Mährischen Höhe am Vohančický potok. Nachbarorte sind Chrastice und Stupárovice im Norden, Sirákovice und Vrtěšice im Osten, Nasavrky und Olšinky im Süden, Vohančice, Budka und Římovice im Südwesten, Kozohlody im Westen sowie Podmoky im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals erwähnt wurde Jeníkov 1150 in einem Schreiben des Olmützer Bischofs Heinrich Zdik. Gesichert ist die Existenz des Dorfes in der zwischen 1344 und 1350 entstandenen Beschreibung der Diözese Prag. 1407 ging der Ort an weltliche Besitzer über. Unter den Chlumský entwickelte sich im 15. Jahrhundert das frühere Dorf zu einem Handelsplatz und erhielt Marktrechte. Ein Teil seiner Bewohner waren jüdische Händler und Handwerker. Aus dem Besitz des Klosters Wilimov wurde das Dorf Zábělčice zur Herrschaft Jeníkov hinzuerworben.

Während der Hussitenkriege war der Ort ein Zentrum der Aufständischen. 1580 erwarb Johann Libeniczký von Wrchowisst Jenikov. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Jenikau 1619 durch die Truppen des Generals Bucquoy gebrandschatzt. Nächster Besitzer war von 1632 bis 1636 Jan Rudolf Trčka von Lípa. Nach der Konfiszierung dessen Besitzes erhielt der Generalfeldzeugmeister Martin Maximilian von der Goltz für seine Verdienste bei der Befreiung Prags von der schwedischen Belagerung die Herrschaft Jenikau mit den zugehörigen 15 Dörfern als kaiserliches Geschenk. 1639 verwüsteten die Schweden unter General Banér den Ort. Von der Goltz ließ den Ort wieder aufbauen und das Rathaus errichten. In den Jahren 1650 bis 1653 entstand neben der alten Feste eine neue Turmfeste im frühbarocken Stil. Zusammen mit seiner Frau Maria Magdalena Juliana, geb. Opsinnig, betrieb er eifrig die Rekatholisierung der utraquistischen Bewohner und holte die Jesuiten nach Jenikau. Während dieser Zeit entstand der Doppelname Goltz-Jenikau, aus dem sich im Laufe der Jahrhunderte die Bezeichnung "Goltsch-Jenikau / Golčův Jeníkov entwickelte.

Nachdem 1653 Freiherr von der Goltz und vier Jahre später seine Frau ohne Nachkommen verstarben, erbte deren Neffe Johann Dietrich von Ledebur den Besitz mit der Auflage, einen Glockenturm zu errichten und den Jesuiten 1000 Gulden zu überlassen. Nach dem von Ledebur 1673 von den Jesuiten gerichtlich zur Einhaltung des Goltzschen Vermächtnisses gezwungen wurde, verkaufte er die Herrschaft an Gräfin Barbara Eusebia Caretto-Millesimo. In den nachfolgenden Jahren wechselten sich die Besitzer mehrmals ab. 1766 erwarb Philipp Krakovský von Kolowrat die Herrschaft. Sein Sohn Leopold Krakovský von Kolowrat ließ zwischen 1774 und 1775 das alte Schloss zum Verwaltungssitz umbauen und im Neuen Schloss eine Tabakmanufaktur errichten, die bis 1812 bestand. Er begründete in Goltsch-Jenikau die erste Nadelfabrik Europas und führte den Anbau von Luzerne, Klee und Kartoffeln ein. 1773 übergab Maria Theresia den jesuitischen Besitz an Leopold Kolowrat. 1783 erfolgte die Erhebung der Pfarrkirche zur Dekanatskirche. Am 21. Oktober 1784 wurden große Teile des Ortes durch einen Brand vernichtet. Nach dem Tode des Grafen Kolowrat brach ein Erbstreit aus, der bis 1817 anhielt und dem Ort den Niedergang brachte. Die Nadelfabrik ging ein, und die Tabakmanufaktur wurde nach Sedletz bei Kuttenberg verlegt. 1817 kaufte die Tochter Kolowrats, Louise von Herberstein, schließlich die Herrschaft auf. Ihr Sohn Otto von Herberstein ließ in den Jahren 1827 bis 1828 die Tabakfabrik zum Verwaltungssitz herrichten, dabei erfuhr sie als das so genannte Neue Schloss eine klassizistische Neugestaltung und wurde mit einem Englischen Park umgeben. 1830 erwarb Theresia von Trautmannsdorff die Herrschaft. Sie gründete die Schlossbrauerei. Zwischen 1834 und 1836 erfolgte der Abriss des alten Feste. 1838 wurde Friedrich Ritter von Neupauer Herr auf Goltsch-Jenikau. Er erhielt ein Jahr später durch König Ferdinand V. das Privileg für sechs Jahrmärkte.

Nach der Ablösung der Patrimonialherrschaften wurde Goltsch-Jenikau 1849 zur selbstständigen Marktgemeinde. 1869 fuhr der erste Zug der Österreichischen Nordwestbahn auf der Strecke von Kolín nach Goltsch-Jenikau und im 1870 wurde der Betrieb zwischen Deutschbrod und Goltsch-Jenikau aufgenommen. 1871 wurde die Synagoge errichtet. Im Jahre 1890 lebten in Goltsch-Jenikau 3768 Menschen und 1930 waren es 3516. Am 13. Februar 1913 wurde Goltsch-Jenikau zur Stadt erhoben. Bereits in den Jahrhunderten zuvor war der Ort in Urkunden als Stadt tituliert worden, obwohl er zu dieser Zeit noch keine Stadtrechte besaß.

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Golčův Jeníkov besteht aus den Ortsteilen Kobylí Hlava (Roßhaupt), Nasavrky (Nassaberg), Římovice (Rimowitz), Sirákovice (Sirakowitz), Stupárovice (Stuparowitz) und Vrtěšice (Wirteschitz) sowie den Siedlungen Budka, Dolík und Olšinky.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Dekanatskirche des hl. Franziskus, erbaut 1780
  • jüdischer Friedhof
  • Glockenturm, Wahrzeichen der Stadt
  • Altes Schloss
  • Neues Schloss
  • Synagoge
  • Friedhofskirche St. Margarethe
  • Feste
  • Loretto-Kapelle
  • Dekanatsgebäude

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Ignaz Franz Schrecker, österreichischer Hoffotograph
  • Friedrich Thieberger (1888-1958), Religionsphilosoph und Judaist
  • Zbyněk Šidák (1933–1999), tschechischer Mathematiker

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)