Kutná Hora

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Kutná Hora
Wappen von Kutná Hora
Kutná Hora (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Středočeský kraj
Bezirk: Kutná Hora
Fläche: 3305 ha
Geographische Lage: 49° 57′ N, 15° 16′ O49.9515.266944444444254Koordinaten: 49° 57′ 0″ N, 15° 16′ 1″ O
Höhe: 254 m n.m.
Einwohner: 20.349 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 284 01
Kfz-Kennzeichen: S
Verkehr
Bahnanschluss: Znojmo–Kolín
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 12
Verwaltung
Bürgermeister: Ivo Šanc (Stand: 2011)
Adresse: Havlíčkovo náměstí 552
284 01 Kutná Hora
Gemeindenummer: 533955
Website: www.kutnahora.info
Blick vom Hradek zur Kirche St. Jakob und Erzdekanal
König Wenzel II. erteilt dem Kuttenberger Bergwerk seine Bergordnung.
Kuttenberg (rechts oben) um 1913, 3. Landesaufnahme

Kutná Hora ( Aussprache?/i; deutsch Kuttenberg) ist eine Stadt in der Tschechischen Republik mit 20.470 Einwohnern (2013).

Sie wurde im 12. Jahrhundert als Bergmannssiedlung gegründet. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts entwickelte sie sich zu einer der lebhaftesten und wohlhabendsten Städte Böhmens. Kuttenberg gelang dies durch den Silberbergbau und die berühmte Prägung der Prager Groschen. Es war nach Prag die zweitgrößte Stadt Böhmens, bis im Zuge der Hussitenkriege in den 1420er Jahren ein großer Teil der Bevölkerung von Kuttenberg ermordet wurde. Danach verlor die Stadt viel von ihrer Bedeutung. Heute gehört die Altstadt von Kuttenberg zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Geographie[Bearbeiten]

Kutná Hora ist eine Kleinstadt in der Region Mittelböhmen. Sie liegt etwa 70 km östlich von Prag und 7 km südlich der Elbe (Labe) bei Kolín auf einem Plateau über dem Tal des Flüsschens Vrchlice, das oberhalb von Poličany in der Vrchlice-Talsperre gestaut wird. Der tschechische Name verweist auf den vom Osten flacher ansteigenden und zum Westen stark abfallenden Berg (Kutná Hora = Berg in dem gegraben wird (hier nach Erz)).

Geschichte[Bearbeiten]

1142 gründete der Zisterzienserorden das Kloster Sedletz, zu dessen Ländereien das Gebiet des heutigen Kuttenberg gehörte. Der Legende nach soll ein Mönch bei der Arbeit auf einem Weinberg das erste Silber entdeckt haben. Er markierte die Stelle mit seiner Kutte, woraus der spätere Name Kuttenberg entstanden sein soll.

Nach der Entdeckung von Silberlagerstätten auf den Besitztümern des Zisterzienserordens siedelten sich 1260 deutsche Bergleute an. Die erste urkundliche Erwähnung von Cuthna Antiqua (Alt Kutten) ist aus dem Jahr 1289 bekannt. Die Erzfunde lösten einen wahren Silberboom aus. Innerhalb kürzester Zeit siedelten sich zahlreiche Bergleute in dem vormals ländlichen Gebiet an. Der Schachtbetrieb wurde quasi direkt in der Stadt aufgenommen, zwei Göpelwerke im Stadtgebiet erinnern noch heute daran.

Die Siedlung wuchs, wie es typisch für Bergbausiedlungen war, rasch und planlos heran. König Wenzel II. von Böhmen verlieh der Stadt nach 1300 das Münzrecht. Hier wurde bis 1547 der Prager Groschen geprägt. Dadurch entwickelte sich Kuttenberg zu dieser Zeit zur zweitwichtigsten böhmischen Königsstadt nach Prag.

Aufgrund ihrer Bedeutung stand Kuttenberg in dieser Zeit im Mittelpunkt kriegerischer Handlungen; daher belagerte Albrecht von Habsburg 1304 die Stadt. Das führte zu einem beschleunigten Bau der heute noch in Teilen erhaltenen Stadtbefestigung. Der damalige Reichtum der Stadt spiegelt sich in den noch heute erhaltenen Sakralbauten wider.

Sedletz (1422) und Kuttenberg (1424) wurden während der Hussitenkriege durch hussitische Truppen gebrandschatzt und geschleift, worauf die wohlhabende, meist deutsche Bevölkerung abwanderte.

Erst ab 1470 erholte sich der Ort. 1471 wurde Vladislav Jagiello hier zum böhmischen König gekrönt und 1485 der nach der Stadt benannte Kuttenberger Religionsfrieden zwischen Utraquisten und Katholiken Böhmens geschlossen. Die heute ältesten Wohngebäude stammen aus dieser Zeit.

Mitte des 16. Jahrhunderts erschöpften sich die Lagerstätten, der Silberbergbau wurde stark zurückgefahren, die Prägung des Prager Groschens eingestellt und die Stadt verlor ihre Bedeutung für Böhmen. Insgesamt wurden zwischen 1290 und 1620 etwa 2.500 Tonnen Silber gefördert. Ab dem Jahr 1627 kam es mit der Ansiedelung von Jesuiten zur Rekatholisierung der zumeist hussitisch-utraquistischen Bevölkerung.

1757 wurde nach der Schlacht am Tabor-Berg bei Prag im Siebenjährigen Krieg der Stadt das Münzrecht entzogen.

Der Neuaufbau nach zwei Stadtbränden 1770 und 1823 veränderte das Stadtbild, jedoch kam es schon am Ende des 19. Jahrhunderts im Rahmen der damals aufstrebenden tschechischen Nationalbewegung zu ersten denkmalschützerischen Bestrebungen. Bis zum Ersten Weltkrieg war Kutná Hora Garnison der K.u.K. Österreich-Ungarischen Armee. 1914 war hier das Böhmische Infanterie Regiment Nr. 21 (Stab, III./IV. Bataillon) stationiert. Am 22. April 1944 wurde in der städtischen Kaserne bzw. im Jesuitenkolleg die NPEA Böhmen eingerichtet.

1961 wurde Kutná Hora zum städtischen Denkmalschutzreservat. 1995 wurde es in die Liste der UNESCO-Kulturdenkmäler aufgenommen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

1870 erhielt Kutná Hora Anschluss an das Eisenbahnnetz, danach kam es zu einer verhaltenen Industrialisierung. So entstand zu dieser Zeit die Tabakwarenfabrik im Stadtteil Sedlec, die sich noch heute an die gotische Kirche anschließt.

Der im Zweiten Weltkrieg begonnene Abbau von Blei und Zinnerzen endete 1991.

Architektur[Bearbeiten]

Stadtteil Sedlec[Bearbeiten]

Kirche Mariä Himmelfahrt des ehemaligen Zisterzienserklosters
Pestsäule vor dem Beinhaus im Stadtteil Sedlec
Im Beinhaus (1990)

Die Kirche Mariä Himmelfahrt (kostel Nanebevzetí P. Marie) wurde zwischen 1280 und 1320 im gotischen Stil durch die Zisterzienser-Bauhütte erbaut. Von 1699 bis 1707 wurde sie auf den Fundamenten des Klosters der Zisterzienser durch die Architekten Paul Ignaz Bayer und Giovanni Santini-Aichel wiederhergestellt. Dieser Denkmalkomplex gehört zu den bedeutendsten frühen Kirchenbauwerken in Böhmen. Die Kirche wurde auf Erlass von König Wenzel II. im Stil des französischen Kathedralentyps errichtet. Besonders erwähnenswert ist die gotische Monstranz (ca. 1390), die auf einen Entwurf aus der Prager Bauhütte von Peter Parler zurückgeht.[2][3]

Das Verstreuen von Erde aus dem Heiligen Grab in Jerusalem ließ den Friedhof von Sedlec für die Christen auch außerhalb Böhmens zu größerer Bedeutung kommen. Durch den Bergbau räumlich eingeschränkt, durch Pestepidemie und Kriege belastet, kam es zum Platzmangel. Um weiterhin Bestattungen durchführen zu können, wurde in den Gewölben unterhalb der im 14. Jahrhundert errichteten Friedhofskapelle ein Beinhaus, das Sedletz-Ossarium, eingerichtet. Die Pyramiden aus Gebeinen von rund 40.000 Menschen sind der Sage nach das Werk eines blinden Mönchs des Zisterzienserordens um 1510, die sakralen Ausschmückungen des Raums und das Herrichten der menschlichen Knochen übernahm 1870 der Holzschnitzer František Rint. 1970 drehte der tschechische Surrealist Jan Švankmajer den Kurzfilm „Kostnice“ über das Beinhaus.

Altstadt[Bearbeiten]

Sakralbauten[Bearbeiten]

St.-Barbara-Kathedrale: gotische Deckengewölbe

Der Bau der Kirche des heiligen Jakob und des Erzdekanats wurde um 1320 von der Zisterzienser-Bauhütte begonnen und nach Bauabbruch etwa 1380 durch die Prager Hofbauhütte beendet. Die St.-Jakobs-Kirche wurde im Stil der Gotik erbaut, der Südturm wurde aus Kostengründen nicht vollendet. Der Nordturm gilt als höchster Kirchturm Böhmens.

Der Dom der heiligen Barbara wurde durch die Prager Hofbauhütte im Stil der Gotik errichtet. Im Gegensatz zur Kirche des Heiligen Jakob orientiert sich die Architektur an französischen Vorbildern. Der Baubeginn war 1403, nach Bauunterbrechung durch die Hussitenkriege wurde der Bau 1512 abgeschlossen. Die Westfassade ist eigentlich ein Provisorium, da das Kirchenschiff ursprünglich deutlich länger geplant war. Das charakteristische dreispitzige Dach wurde erst im 19. Jahrhundert aufgesetzt. Der Dom ist der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute, geweiht.

Zwischen 1734 und 1753 entstand die Kirche des heiligen Johannes von Nepomuk im Stil des späten Barock, dem Rokoko, nach Plänen des Baumeisters Franz Maximilian Kaňka.

Die Kirche des Herzens Gottes am Ursulinerinnenkloster wurde nach Plänen des Architekten Kilian Ignaz Dientzenhofer zwischen 1738 und 1743 im Stil des Barock errichtet. Das Ursulinerinnenkloster wurde dem Orden 1989 zurückgegeben.

Unmittelbar vor dem Dom der heiligen Barbara entstand 1667 bis 1700 nach Entwürfen des Architekten Domenico Orsi das Gebäude des Jesuitenkollegs. Die Galerie unterhalb des Jesuitenkollegs entstand auf einer künstlich aufgeschütteten Terrasse und ist mit Darstellungen verschiedener Heiliger und ihrer Bedeutung geschmückt. Sie wurde zwischen 1703 und 1717 von Franz Baugut geschaffen.

Profanbauten[Bearbeiten]

Der steinerne Brunnen, im Hintergrund Hl.-Johannes-Nepomuk-Kirche
Historische Pflasterung am Welschen Hof
Das Steinerne Haus

Die Burg, tschechisch Hrádek, wurde erstmals 1312 erwähnt. 1490 wurde sie durch den Bergbauunternehmer und Vertreter König Wenzels II, Jan Smisek Vrochovist, erworben und baulich verändert. Aus dieser Zeit sind einige Kassettendecken und die königliche Kapelle erhalten. Heute dient das Hrádek als Museum und Eingang zum mittelalterlichen Bergwerk. Hier wird auch das Original der Ratsherrntafel aufbewahrt, die nach dem Brand des Rathauses im Jahre 1770 gerettet werden konnte. Eine Kopie befindet sich im UN-Hauptquartier.

Der Welsche Hof entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zur sicheren Aufbewahrung des Silbererzes und als Prägestätte des Prager Groschen. Der Welsche Hof wurde im 14. Jahrhundert zur zentralen Münzstätte des böhmischen Königreichs entwickelt. Ende des 14. Jahrhunderts wurde er durch die Prager Hofbauhütte umgebaut. Er wurde zur königlichen Residenz, es entstand die königliche Kapelle mit der darunterliegenden Schatzkammer, an deren gesicherter Tür die lateinische Aufschrift Noli me tangere – Berühre mich nicht – noch heute zu erkennen ist. Nach dem Entzug des Münzrechts 1724 durch kaiserliche Verfügung verlor der Welsche Hof seine Bedeutung und verfiel. Auf Bestreben der Stadt wurde er Ende des 19. Jahrhunderts wiederhergestellt. Die königliche Kapelle wurde 1904 durch Frantisek und Marie Urban im Jugendstil ausgestaltet, ohne dass ihre ursprüngliche gotische Raumform verloren ging.

Das Steinerne Haus ist neben vielen anderen erhaltenen Bürgerhäusern Ausdruck des früheren Reichtums Kuttenbergs. Es wurde bereits vor der hussitischen Eroberung der Stadt errichtet. Sein jetziges Aussehen erhielt es 1489 durch den Baumeister Briccius Gauske aus Görlitz. Die prunkvollen Verzierungen künden noch heute vom Können dieses Baumeisters und Steinmetzen. Die Stadt erwarb das Haus Ende des 19. Jahrhunderts und ließ es 1901 bis 1902 als Museum umgestalten.

Kuttenberg hatte auf Grund des Bergbaus und der damit zusammenhängenden Absenkung des Grundwassers Probleme mit der Wasserversorgung. Das Wasser wurde mittels Pumpwerk und Rohrleitungen in Wasserressorts innerhalb der Stadt geleitet. Der Steinerne Brunnen ist eines dieser öffentlichen Wasserentnahmestellen aus dem 15. Jahrhundert. Die reichen Verzierungen im Stil der Gotik sind Ausdruck des Reichtums, aber auch des Kunstsinns der Bürger Kuttenbergs.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt Kutná Hora gehören die Ortsteile Hlouška (Hlisow), Kaňk (Gang), Karlov (Karlshof), Kutná Hora-Vnitřní Město (Kuttenberg-Innenstadt), Malín (Malin), Neškaredice (Neschkareditz), Perštejnec (Persteinitz), Poličany (Politschan), Sedlec (Sedletz), Šipší (Sipetz), Vrchlice (Wrchlitz) und Žižkov (Cirkwitz).

Partnerstädte[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Schätze der Welt – Erbe der Menschheit. Band 5. Chronik, München, Gütersloh 1999, ISBN 3-577-14525-0.
  • Rolf Tomann (Hrsg.): Gotik – Architektur, Skulptur, Malerei. Könemann, Köln 1998, ISBN 3-89508-313-5.
  • Jiří Podrazil, Vladislav Dudák: Kuttenberg. Baset, Prag 2002, ISBN 80-86223-66-3.
  • Johann Georg Megerle von Mühlfeld: Merkwürdigkeiten der königlichen freien Bergstadt Kuttenberg und des daselbst befindlichen uralten Silberbergwerkes. Wien 1825. (Google books)
  • Filip Velimský: Gründung, Struktur und Entwicklung der mittelalterlichen Bergstadt Kutná Hora/Kuttenberg aus Sicht der Archäologie, der Montanarchäologie und der Geschichte. in: Yves Hoffmann, Uwe Richter (Hg.): Die Frühgeschichte Freibergs im überregionalen Vergleich. Städtische Frühgeschichte – Bergbau – früher Hausbau. Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 2013, S. 327–336, ISBN 978-3-95462-132-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Jaroslav Pešina, Karel Kibic (Red.): ABC kulturních pamatek. Panorama, Praha 1985, S. 467–468
  3. Emanuel Poche: Kunstdenkmäler in der Tschechoslowakei. Böhmen und Mähren. Edition Leipzig, Leipzig 1986, ISBN 3-361-00071-8, S. 437–438

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kutná Hora – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien