Jihlava

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Jihlava. Der gleichnamige Fluss befindet sich unter Jihlava (Fluss).
Jihlava
Wappen von Jihlava
Jihlava (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Kraj Vysočina
Bezirk: Jihlava
Fläche: 7885 ha
Geographische Lage: 49° 24′ N, 15° 35′ O49.39611111111115.588333333333525Koordinaten: 49° 23′ 46″ N, 15° 35′ 18″ O
Höhe: 525 m n.m.
Einwohner: 50.598 (1. Jan. 2013) [1]
Postleitzahl: 586 01
Kfz-Kennzeichen: J
Verkehr
Straße: Dálnice 1-Znojmo
Bahnanschluss: Znojmo–Kolín
Veselí nad Lužnicí-Jihlava
Struktur
Status: Statutarstadt
Ortsteile: 16
Verwaltung
Oberbürgermeister: Jaroslav Vymazal (Stand: 2007)
Adresse: Masarykovo nám. 1
586 01 Jihlava
Gemeindenummer: 586846
Website: www.jihlava.cz

Jihlava ( Aussprache?/i; deutsch Iglau) ist eine Mittelstadt in Tschechien. Sie ist ein Zentrum des Kraj Vysočina und die älteste Bergstadt in den böhmischen Ländern.

Geographie[Bearbeiten]

Jihlava befindet sich in der Böhmisch-Mährischen Höhe an der Einmündung der Jihlávka in den Fluss Jihlava, der die alte Grenze zwischen Böhmen und Mähren bildet. Durch die Stadt führt die Europastraße 59 (l/38), die nördlich von Jihlava an der Autobahn D 1/ E 50 ihren Anfang nimmt.

Geschichte[Bearbeiten]

Jihlava ist eine alte mährische Bergstadt, in der laut der Legende bereits im Jahre 799 Silber gefördert wurde. König Ottokar I. richtete eine Bergkanzlei und ein Münzamt ein. Die Stadt genoss schon sehr früh weitgehende Privilegien und wurde um 1250 von Wenzel I. zur Königsstadt erhoben. Im Rathaus existiert eine Sammlung alter Gemeinde- und Berggesetze, die sich bis 1389 datieren lassen. Ferner ist Iglau eine alte Tuchmacherstadt, deren Tuche über Jahrhunderte berühmt waren.

In den Hussitenkriegen war Iglau − wie Pilsen und Brüx − ein Zentrum der Katholiken. Die Stadt blieb von Eroberung und Zerstörung verschont, obwohl die kaiserlich-katholischen Truppen im Januar 1422 unweit bei Deutschbrod eine schwere Niederlage erlitten. Die Iglauer Kompaktaten vom 5. Juli 1436, ein Vertrag mit dem gemäßigten Flügel der Hussiten, markierten das Ende der Hussitenkriege. Durch diesen Vertrag wurde Kaiser Sigismund als König von Böhmen anerkannt, er musste jedoch seinerseits weitreichende Zugeständnisse machen.

Eine Granitsäule in der Nähe der Stadt markiert die Stelle, an der Ferdinand I. 1527 den böhmischen Grundbesitzern die Treue schwor. Ab 1596 erweiterte die Stadt durch den Kauf der linksseitig der Igel in Böhmen gelegenen ehemaligen Seelauer Klostergüter von den Trčka von Lípa ihren Besitz beträchtlich. Die erworbenen Gebiete wurden als Neues Gut in Böhmen zusammengefasst.

1625 verkaufte die Stadt den Schrittenzer Teil den Neuen Gutes. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde Iglau zweimal von den Schweden erobert.

Im Schlesischen Krieg 1742 fiel es in preußische Hände.

Im Dezember 1805 wurden die Bayerische Armee unter Wrede in der Nähe der Stadt geschlagen.

Bis zum Ersten Weltkrieg war Iglau Standort der k.u.k. Armee. 1914 hatten hier der Stab, das I., II. und III. Bataillon des Mährischen Infanterie-Regiments Nr. 81 sowie das II. Bataillon des Landwehr-Infanterie-Regiments Nr. 14 ihre Garnison.

Iglau mit Umgebung bildete vor 1945 nach dem Schönhengstgau die zweitgrößte deutsche Sprachinsel in Mähren bzw. in der Tschechoslowakei. Wenige Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die deutschen Bürger aufgrund der Beneš-Dekrete enteignet und in verlustreichen Fußmärschen in Richtung Süden nach Österreich ausgesiedelt. Die Zahl der aus der Iglauer Sprachinsel 1945 umgekommenen Deutschen wird auf 2000 beziffert.[2]

In der Iglauer Sprachinsel und in einigen tschechischen und gemischten Dörfern in der Umgebung blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eine spezifische Volkskultur erhalten. Musikanten benutzten originelle hausgemachte Instrumente und Vierergruppen Fiedeln und Ploschperment. Typische Tänze waren Hatscho/Hatschou, Tuschen und Radln. Bäuerinnen trugen gern alte „pairische“ Trachten mit Scharkaröckchen, glänzenden dunklen Schürzen und großen roten Tüchern.

Ab 1951 war Jihlava ein Ort mehrerer kommunistischer Schauprozesse: Sie richteten sich gegen den Einfluss der Kirche auf die Landbevölkerung und ihr Anlass war der Mord an drei örtlichen kommunistischen Funktionären in Babice. In den Prozessen wurden elf Angeklagte zum Tode verurteilt und 111 Angeklagte erhielten langjährige Zuchthausstrafen. Wegen der Schnelle der Prozesse wird darüber spekuliert, ob der Überfall vom Staatssicherheitsdienst in Auftrag gegeben wurde. Sämtliche verurteilten Personen wurden nach der Samtenen Revolution von 1989 rehabilitiert.

Aus Protest gegen die sowjetische Besatzung 1969 verbrannte sich Evžen Plocek anlässlich des Prager Frühlings auf dem Marktplatz. Dort erinnert eine Gedenktafel an seine Selbstverbrennung.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Masaryk-Platz mit Kirche des hl. Ignatius und Rathaus
Muttergottestor (Aufnahme von 1899)

Zu den wichtigsten Gebäuden gehören die Kirchen St. Jakob, St. Ignatius von Loyola, Johannes dem Täufer und St. Paul, das Rathaus und die Katakomben, die die zweitgrößten in der Tschechischen Republik sind. Auf dem jüdischen Friedhof der Stadt befinden sich einige bemerkenswerte Denkmäler, darunter der Grabstein der Eltern von Gustav Mahler. Gustav Mahler wuchs in Iglau auf.

Den mit 36.653 Quadratmeter bemerkenswert großen Marktplatz dominiert seit 1983 ein Neubau. Seit 1690 erinnert eine Pestsäule anstelle des mittelalterlichen Prangers an die Seuche.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Kataster

Die Stadt Jihlava gliedert sich in die 16 Stadtteile:

  • Antonínův Důl (Antonienthal),
  • Červený Kříž (Rothenkreuz),
  • Henčov (Heinzendorf),
  • Heroltice (Hilbersdorf),
  • Horní Kosov (Obergoß),
  • Hosov (Hossau),
  • Hruškové Dvory (Birnbaumhof),
  • Jihlava (Iglau),
  • Kosov (Gossau),
  • Pávov (Pfauendorf),
  • Pístov (Pistau),
  • Popice (Poppitz),
  • Sasov (Sachsenthal),
  • Staré Hory (Altenberg),
  • Vysoká (Hochdorf) und
  • Zborná (Waldhof).

Jihlava besteht aus 18 Katastralgebieten:

  • Antonínův Důl (Antonienthal),
  • Bedřichov u Jihlavy (Friedrichsdorf),
  • Helenín (Helenenthal),
  • Henčov (Heinzendorf),
  • Heroltice u Jihlavy (Hilbersdorf),
  • Horní Kosov (Obergoß),
  • Hosov (Hossau),
  • Hruškové Dvory (Birnbaumhof),
  • Jihlava (Iglau),
  • Kosov u Jihlavy (Gossau),
  • Pančava, Pávov (Pfauendorf),
  • Pístov u Jihlavy (Pistau),
  • Popice u Jihlavy (Poppitz),
  • Sasov (Sachsenthal),
  • Staré Hory (Altenberg),
  • Vysoká u Jihlavy (Hochdorf) und
  • Zborná (Waldhof).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Seit den 1990er-Jahren nimmt der Beschäftigungsanteil in der Landwirtschaft stetig ab. Im Industriesektor sind 65 Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt. Damit spielt er die wichtigste Rolle.

Unternehmen[Bearbeiten]

Wichtige Unternehmen sind:

  • Maschinenbau:
    • BOSCH Diesel s.r.o., gegründet 1993, Fertigung von Kfz-Komponenten für Dieselmotoren, 4100 Mitarbeiter
    • Motorpal a.s, gegründet 1949, Fertigung von Kfz-Teilen und -zubehör einschl. Motorteilen, 2750 Mitarbeiter
    • Automotive Lighting s.r.o., gegründet 1999, Fertigung von Kfz-Frontscheinwerfern, 1750 Mitarbeiter
    • Moravské kovárny a.s., gegründet 1953, Verarbeitung von Roheisen und Stahl; Gesenkschmiedeteile 900 Mitarbeiter
    • Sixt Umformtechnik s.r.o., gegründet 1999, Fertigung von Stanz-, Zieh- und Pressteilen für die Automobilindustrie
  • Sonstige Branchen:
    • Silnice Jihlava a.s, Straßen- und Brückenbau, 364 Mitarbeiter
    • Kronospan ČR s.r.o., 1883 gegründet, bis 1994 Jihlavské dřevařské závody, Holzproduktion, Produktion von Holzspanplatten und Türen, 668 Mitarbeiter
    • Jihlavské sklárny Bohemia a.s., Glashütte (Fertigung von Hohlglas), 1086 Mitarbeiter

Bildung[Bearbeiten]

Seit 2004 existiert in Jihlava die Polytechnische Hochschule Jihlava, eine nichtuniversitäre öffentliche Hochschule mit etwa 600 Studenten.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Achatzi: Iglauer Heimatbuch. Gemeinschaft Iglauer Sprachinsel e. V. 1962.
  • Jiri Cerny: Poutni mista jihozapadni Moravy (Wallfahrtsorte Südwestmährens). Pelhrimov 2005.
  • Peter von Chlumecký: Die Regesten oder die chronologischen Verzeichnisse der Urkunden in den Archiven zu Iglau […]. Nitsch & Grosse, Brünn 1856 (Digitalisat).
  • Petr Hruby: Die Bergstadt Jihlava/Iglau im 13. Jahrhundert. Stadt und Bergwerke – Bürger und Bergleute. In: Yves Hoffmann, Uwe Richter (Hg.): Die Frühgeschichte Freibergs im überregionalen Vergleich. Städtische Frühgeschichte – Bergbau – früher Hausbau. Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale 2013, S. 295–314, ISBN 978-3-95462-132-3.
  • Martin Leupold von Löwenthal: Chronik der Königlichen Stadt Iglau (1402–1607). Hrsg. v. Christian d’Elvert. Brünn 1861 (Digitalisat).
  • Alois Pokorny: Die Vegetationsverhältnisse von Iglau. Ein Beitrag zur Pflanzengeographie des böhmisch-mährischen Gebirges. Wien 1852 (Digitalisat).
  • Andreas Sterly: Drangsale der Stadt Iglau unter der schwedischen Zwingherrschaft. Iglau 1828 (Digitalisat).
  • Vybihal Jiri: Jihlava pod hakovym krizem. Nova tiskarna Pelhrimov 2009.
  • Viktor Velek: Iglau. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2003, ISBN 3-7001-3044-9..

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2013 (PDF; 543 KiB)
  2. Polizei untersucht Massenmord an Deutschen Welt-Online, 18. August 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jihlava – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien