Hagelflieger

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Cessna 210, umgebaut als Hagelflieger. Stationiert am Flugplatz Krems-Langenlois in Niederösterreich.
Detailansicht der Fackel-Batterie und des Silberiodid-Generators.

Hagelflieger sind besonders ausgerüstete Flugzeuge, die bei speziellen Wetterlagen über eine Zusatzeinrichtung ein Silberiodid-Aceton-Gemisch in die Wolken versprühen, um die Bildung sehr kleiner Hagelkörner zu erreichen. Der Bildung großer und gefährlicher Hagelkörner soll so entgegengewirkt werden. Auf diese Weise soll die Landwirtschaft zum Teil vor den Schäden durch Hagelschlag bewahrt werden. Eine andere Methode verwendet spezielle Hagelraketen für den gleichen Zweck.

Einsatz in Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland haben die bayerischen Landkreise Rosenheim, Traunstein und Miesbach gemeinsam Hagelflieger, die am Flugplatz Vogtareuth stationiert sind. Die jährlichen Kosten von 200.000 Euro werden geteilt, betrieben wird die Staffel jedoch vom Landkreis Rosenheim. Die Staffel besteht aus zwei zweimotorigen Flugzeugen, die mit einer Lösung aus Silberjodid und Aceton arbeiten. Der Rems-Murr-Kreis und der Schwarzwald-Baar-Kreis in Baden-Württemberg unterhalten ebenfalls jeweils zwei entsprechend ausgerüstete Flugzeuge.[1][2][3]

Auch am Stuttgarter Flughafen sind Hagelflieger stationiert, die nicht nur in der Landwirtschaft eingesetzt werden, sondern auch zum Schutz vor Hagelschäden an den zur Auslieferung bereit stehenden Autos der Mercedes-Benz Werke dienen.[4]

Vergleichbare Anwendungen[Bearbeiten]

Eine derartige Technik soll auch angewandt werden können, um bestimmte Regenwolken zum „Abregnen“ des Wassergehalts zu bringen (künstlicher Regen), auch, um bestimmte Großereignisse regensicher zu machen, wie die 9.-Mai-Paraden in Moskau 2005 und 2008 oder die Ankunft des Olympischen Feuers in Peking 2008. Die dabei berichteten Erfolge sind jedoch umstritten.[5] So kündigten russische Meteorologen auch an, Regen beim G8-Gipfel in Sankt Petersburg 2006 mittels Silberjodid verhindern zu wollen, während der Konferenz kam es jedoch zu Wolkenbrüchen.[6] Auch sollen trockene Gebiete mit mehr Feuchtigkeit durch zum Abregnen gebrachte Wolken versorgt werden. Dabei lässt sich jedoch nur lokal ein Effekt von 10% Veränderung in der Niederschlagsmenge statistisch nachweisen.[7] Israelische Studien bezweifeln eine größere Wirksamkeit der sogenannten "Wolkenimpfung".[8]

Wissenschaftlicher Nachweis[Bearbeiten]

Es ist keine Wirksamkeit der Methode nachgewiesen. Theoretisch ist ein Effekt denkbar, in der Praxis bestehen jedoch große Probleme, bei der tatsächlichen Einbringung von Silberjodid in geeignete Wolkenschichten zum richtigen Zeitpunkt, da die lokalen Wetterbedingungen stark schwanken. Wissenschaftliche Studien zur Erfolgsmessung existieren bislang nicht, aus Betriebsuntersuchungen ließen sich keine klaren Ergebnisse ableiten.[9] So wurde von der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik zwischen 1981 und 2000 eine langfristige Studie durchgeführt.[10] Die Auswertungen zeigen zwar teilweise eine Hagelschadensminderung um bis zu 40 %, jedoch standen keine Daten von unbeeinflussten Regionen als Vergleichswert zur Verfügung.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SWR2 Wissen-Manuskript von Udo Ziegel Die Wettermacher (RTF; 95 kB)
  2. Südkurier Artikel über den Verein zur Hagelabwehr im Schwarzwald-Baar-Kreis
  3. [1] Hagelabwehr - die Wettermacher
  4. Birgit Klein: Hagelflieger im Dauereinsatz. Neues Warnsystem in Arbeit. In: stuttgarter-nachrichten.de (Webportal der Stuttgarter Nachrichten). 13. Mai 2009, abgerufen am 4. September 2013.
  5. Controlling the Weather
  6. Ein Donnerwetter auf Knopfdruck. Welt, 7. Mai 2010
  7. Planned and Inadvertent Weather Modification. American Meteorological Society, 1998
  8. ‘Cloud Seeding’ Not Effective at Producing Rain as Once Thought
  9. J. Wieringa, I. Holleman: If cannons cannot fight hail, what else ?. Meteorologische Zeitschrift 15, Ausgabe 3, Juni 2006
  10. Otto Svabik: Hagelabwehr in Niederösterreich 1981-2000 (Pdf; 2,3 MB)