Tirol (Südtirol)

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Tirol
(ital.: Tirolo)
Wappen von Tirol
Tirol (Südtirol)
Tirol
Tirol
Lage von Tirol in Südtirol
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Burggrafenamt
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2012)
2.450/2.442
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
96,89 % deutsch
2,89 % italienisch
0,22 % ladinisch
Koordinaten 46° 41′ N, 11° 9′ O46.688811.1563594Koordinaten: 46° 41′ N, 11° 9′ O
Meereshöhe: 323–2998 m s.l.m. (Zentrum: 594 m s.l.m.)
Fläche: 25,6 km²
Dauersiedlungsraum: 4,9 km²
Fraktionen: St. Peter
Nachbargemeinden: Algund, Kuens, Meran, Moos in Passeier, Partschins, Riffian, Schenna
Postleitzahl: 39019
Vorwahl: 0473
ISTAT-Nummer: 021101
Steuernummer: 82003330212
Politik
Bürgermeister (2010): Elisabeth Laimer (SVP)

Tirol, oft der Eindeutigkeit halber Dorf Tirol genannt (italienisch Tirolo), ist eine italienische Gemeinde mit 2442 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) in der Südtiroler Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt.

Sie erstreckt sich vom Zenoberg auf rund 600 Metern bis hinauf zum Naturpark Texelgruppe und zu den Spronser Seen auf rund 2500 m. Angesichts dieser Höhenunterschiede erstreckt sich der Ort über eine vielfältige und kontrastreiche Landschaft. Während im unteren Teil des Dorfes Zypressen, Palmen, Oleander oder Zitronenbäume gedeihen, trifft man in den hohen Lagen auf Nadelhölzer und Alpenblumen. Die umliegenden Gipfel sind oft bis in den Sommer hinein schneebedeckt.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima in der Gemeinde Tirol ist mediterran geprägt, sommerliche Temperaturen mit verhältnismäßig geringen Niederschlägen und einer hohen Zahl an Sonnenstunden herrschen dort von April bis Oktober. Ausschlaggebend hierfür ist die geographische Lage.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte von Tirol ist sichtbar geprägt von Schloss Tirol, dem ehemaligen Sitz der Grafen von Tirol. Um 1140 nannten sich die Grafen von Vinschgau erstmals Grafen von Tirol und strebten nach der Macht über das Land. Hoch über dem Etschtal, in der heutigen Gemeinde Tirol, wurde in den folgenden Jahren das bedeutendste Schloss des Landes als Symbolbau kaiserlicher Gesinnung im Machtkampf zwischen Kaiser und Papst gebaut. Von hier aus trieb Meinhard II. von Görz-Tirol jene politische Vision voran, die das „Land der Gebirge“, wie Tirol damals hieß, zur gefürsteten Grafschaft Tirol werden ließ. Als Geburtsjahr Tirols gilt das Jahr 1248: Fortan hieß das Land dominium comitis Tyrolis. Die Landesordnung ist noch heute im Schloss zu besichtigen, ebenso eine der ersten bildlichen Darstellungen des Tiroler Adlers, wie er heute noch im Landeswappen Tirols zu finden ist. Im 14. Jahrhundert endet die goldene Zeit von Schloss Tirol und die Residenz wurde von Meran nach Innsbruck verlegt. Es begann der Verfall des Schlosses, das zeitweise auch als Steinbruch genutzt wurde. Im Zuge der Annexion Südtirols durch die Bayern wurde das Schloss zu einem geringen Preis versteigert. Die Stadt Meran erwarb es im 19. Jahrhundert und verschenkte es später an Kaiser Franz. Nach dem Ersten Weltkrieg ging Schloss Tirol in den Besitz des italienischen Staats über, 1974 ging es zurück an das Land Südtirol. 1990 übernahm schließlich der Verwaltungsrat des Südtiroler Landesmuseums für Archäologie die Leitung von Schloss Tirol, das heute die Wirkungsstätte des Südtiroler Museums für Kultur- und Landesgeschichte ist.

Die Gemeinde gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zum Gerichtsbezirk Meran und war Teil des Bezirks Meran.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Die Ortschaft Tirol im Meraner Land
Dorf Tirol von den Muthöfen aus gesehen

Die Pfarrkirche von Tirol ist die älteste Missions- und Johannes-Taufkirche der Umgebung und wurde zunächst im romanischen Stil gehalten, später aber um einen hochgotischen Chor erweitert. Vor allem der Taufstein aus weißem Laaser Marmor und die Kirchenorgel mit einer großen Anzahl alter Holz- und Metallpfeifen sind bedeutende Einzelobjekte.

Die kleine Pfarrkirche St. Peter ob Gratsch weist historische Details wie Fresken aus der romanischen Stilepoche und Malereien vorgotischer und gotischer Zeit auf.

Das Johanneum war ein bischöfliches Studentenkonvikt in Tirol, das von 1840 bis 2001 bestand und seit 1856 nach seinem Gründer Johann Nepomuk von Tschiderer Johanneum hieß.

In dem hoch über dem Etschtal gelegenen Schloss Tirol befindet sich das Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte, das einen Überblick über die ersten Besiedlungen der Alpenregion ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. gibt. Unter anderem können eine aus der Bronzezeit noch völlig intakte Schmelzofenanlage sowie die älteste Tiroler Glasmalerei besichtigt werden.

Am Burghügel von Schloss Tirol befindet sich das Pflegezentrum für Vogelfauna. Verletzte Wildvögel bekommen hier fachgerechte Pflege bis sie nach ihrer Genesung wieder in die Freiheit entlassen werden. Zweimal täglich finden Flugvorführungen statt: Falken, Adler, Geier, Eulen und Bussarde stellen ihre Flugkünste unter Beweis und fliegen auch dicht über den Köpfen der Zuschauer dahin.

Die Brunnenburg wurde im 13. Jahrhundert auf einem Glazialschuttkegel zwischen Dorf und Schloss Tirol erbaut. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Burg restauriert und beherbergt heute nicht nur ein Südtiroler Bauernwerk-Museum, sondern dient darüber hinaus oftmals als Rahmen für Schlusskonzerte und Dichterlesungen.

Auf dem Spielplatz in dem am Ortseingang gelegenen Burglehenpark steht ein stählernes Pferd namens „Jakob“, das vom Rittner Künstler Franz Messner als Mischung aus Kunstwerk und Spielgerät konstruiert wurde und allen Kindern dieser Erde gewidmet wurde.

Wandern[Bearbeiten]

Brunnenburg

Ein gut markiertes, 70 Kilometer langes Wegenetz mehrerer Schwierigkeitsgrade steht Wanderern in der Gebirgslandschaft zur Verfügung. Zudem laden Themenwege wie der Apfel-, Wein- oder Panoramaweg zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Auf dem Meraner Höhenweg kann Südtirols größter Naturpark Texelgruppe in mehreren Tagesetappen umwandert werden. Im Norden ist mit 2895 Metern der höchste Punkt des Meraner Höhenwegs erreicht. Je nach Ausdauer und Etappenlänge dauert eine komplette Rundwanderung zwischen drei und acht Tagen. Unterwegs finden sich in regelmäßigen Abständen Gaststätten und Schutzhütten, die für das leibliche Wohl der Wanderer sorgen und Schutz vor Wind und Wetter bieten. Darüber hinaus besteht im niedriger gelegenen südlichen Teil an verschiedenen Punkten immer wieder die Möglichkeit, ins Tal abzusteigen.

Essen und Trinken[Bearbeiten]

Die zahlreichen Gastronomiebetriebe bieten alpine und mediterrane Küche gleichermaßen an. Das Angebot reicht von Berggasthöfen und Almen über Jausenstationen und Törggelekeller bis hin zur Haubengastronomie.

Aufgrund seiner geografischen Lage und des milden Klimas eignet sich Tirol als Anbaugebiet für qualitativ hochwertige Weine wie dem Südtiroler Lagrein oder Vernatsch aber auch für Rebsorten wie Blauburgunder, Silvaner und Merlot. Tirol ist Teil eines der ältesten Weinanbaugebiete Südtirols; bereits zu römischer Zeit wurde hier Wein angebaut. Weinbergseminare, in denen Interessierte Wissenswertes über den Wein, seine Geschichte, den Anbau, die Ernte, die verschiedenen Sorten und seine Vermarktung erfahren, sind Teil des touristischen Angebotes.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Brauchtum und Tradition werden in Tirol aktiv gepflegt. Parallel dazu entwickelte sich eine zeitgenössische Kultur in Form von Veranstaltungen wie dem Tiroler Kulturfrühling, im Rahmen dessen regionale Bands und Kapellen den Besuchern Volksmusik in neuem Gewand präsentieren. In den Sommermonaten finden die Soireen auf Schloss Tirol statt, bei denen nationale und internationale Ensembles im Rittersaal musikalische Werke des Mittelalters, der Renaissance und des Frühbarock darbieten. Im Herbst stehen Themenwochen wie „Genuss-Herbst“ oder „Herbstliches Törggelewandern“ im Mittelpunkt: Besucher erfahren etwas über den Wein oder können bei geführten Wanderungen durch die herbstlichen Wälder teilnehmen. Die Veranstaltungsreihe „VinoCulti“, die alljährlich im Herbst über die Bühne geht, steht ebenfalls im Zeichen des Weines.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Fremdenverkehr ist einer der Hauptwirtschaftszweige. So werden in der Gemeinde Tirol etwa 90 % des Bruttosozialprodukts aus dem Tourismus geschöpft. Die zahlreichen Beherbergungsbetriebe – vom Fünf-Sterne-Haus über Frühstückspensionen, Ferienwohnungen bis hin zu Bauernhöfen – sorgen jährlich für rund 700.000 Übernachtungen.

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dorf Tirol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien