Hallstätter See

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Hallstätter See
Hallstätter See (Blick nach Osten)
Hallstätter See (Blick nach Osten)
Geographische Lage Salzkammergut, Oberösterreich
Zuflüsse Traun (hier Koppentraun)
Abfluss Traun
Orte am Ufer Hallstatt, Bad Goisern, Obertraun
Daten
Koordinaten 47° 34′ 43″ N, 13° 39′ 38″ O47.57861111111113.660555555556508Koordinaten: 47° 34′ 43″ N, 13° 39′ 38″ O
Hallstätter See (Oberösterreich)
Hallstätter See
Höhe über Meeresspiegel 508 m ü. A.
Fläche 8,55 km²f5
Länge 5,9 kmf6
Breite 2,3 kmf7
Volumen 0,5581 km³[1]
Maximale Tiefe 125 m[1]
Mittlere Tiefe 65 m[1]
pH-Wert 8.2[2]
Einzugsgebiet 646 km²[1]
Besonderheiten

Hallstattkultur

Das Südufer bei Obertraun
Die Seeklause bei Steeg
Eine Plätte vor Hallstatt

Der Hallstätter See ist ein 8,5 km² großer See im oberösterreichischen Salzkammergut, der von der Traun durchflossen wird.

Geographie[Bearbeiten]

Der Hallstätter See befindet sich auf 508 m ü. A. am nördlichen Fuß des Dachsteinmassivs, im Osten wird er durch den Sarstein, im Westen durch den Plassen begrenzt. Der See ist 5,9 km lang und 2,3 km breit. Das West- und das Ostufer fallen sehr steil ab, nur die Ufer im Norden und Südosten, wo die Traun einmündet bzw. abfließt, sind flach. Die fjordartige tiefe Wanne des Sees wurde in den Eiszeiten vom Traungletscher geformt.

Der im Westen einmündende Gosaubach hat einen Schwemmkegel aufgeschüttet, der den See in ein nördliches Becken mit 2 km² Fläche und einer maximalen Tiefe von 44,5 m und ein größeres südliches Becken mit einer Fläche von 6,5 km² und einer maximalen Tiefe von 125 m teilt.[3]

Weitere größere Zuflüsse neben der Traun, die für 53 % des Zuflusses verantwortlich ist[4], und dem Gosaubach sind der Waldbach bei Lahn südlich von Hallstatt und der Zlambach im Norden unweit des Abflusses. Die Traun verlässt den See am Nordende, wo durch die Seeklause in Steeg der Wasserstand reguliert wird. Der mittlere Abfluss (Reihe 1951-2010) beträgt 36,0 m³/s.[5] Die (theoretische) Wassererneuerungszeit beträgt ein halbes Jahr.[1] Bedingt durch den starken Durchfluss der Traun ist die Wassertemperatur relativ niedrig und erreicht auch im Sommer selten mehr als 16 °C.[3] Die Traun sorgt auch dafür, dass der See im Winter selten zur Gänze zufriert, meistens weist nur der nördliche Bereich eine geschlossene Eisdecke auf.[3]

Der See liegt in den Gemeinden Bad Goisern, Hallstatt und Obertraun. Direkt am westlichen Seeufer befindet sich der frühgeschichtlich bedeutende Ort Hallstatt.

Quer über den See stellt eine Schiffslinie die Verbindung des Orts Hallstadt mit seiner Bahnstation her, diese war bis um 1980 Österreichs einzige postführende Linie per Schiff und wurde bei entsprechender Eisdicke am See auch per Motorschlitten bedient.

Einzugsgebiet[Bearbeiten]

Das Einzugsgebiet des Hallstätter Sees liegt zum größten Teil im Kalkstein. Es beträgt 646 km² und erstreckt sich von 508 m ü. A. bis 2995 m ü. A. Der überwiegende Teil des Einzugsgebietes (88,9 %) besteht aus Wäldern und naturnahen Flächen, lediglich 6,2 % werden von landwirtschaftlichen, 2,6 % von verbauten Flächen eingenommen.[2]

Umwelt[Bearbeiten]

Wassergüte[Bearbeiten]

Die Sichttiefe des Hallstätter Sees schwankt zwischen wenig mehr als einem und über 14 Metern[4][6], im Mittel 2007-2010 betrug sie 7,2 m[2]. Sie ist stark von Niederschlägen abhängig, geringe Sichttiefen sind vorwiegend auf mineralische Trübung nach Unwettern zurückzuführen. Die höchsten Sichttiefen werden in der Regel nach längeren niederschlagsfreien Perioden, etwa im Winter und gelegentlich auch im Hochsommer, gemessen.[6]

Durch den Mühlbach, in dessen Einzugsgebiet die Hallstätter Salzlagerstätten liegen, kommt es oft zu hohen Chloridkonzentrationen im See. In der Vergangenheit war der See auch durch Düngestoffe beeinträchtigt, die das Algenwachstum förderten. Insbesondere hohe Phosphorkonzentrationen führten gegen Ende der 1970er Jahre zu einer zunehmenden Eutrophierung.[4] Durch den Bau einer Kläranlage und einer Seeleitung ist der See deutlich entlastet worden und wird heute (Stand 2011) als oligotroph eingestuft.[1][2]

Auch die Chloridbelastung des Sees konnte zunächst durch ein geändertes Salzabbauverfahren verringert werden.[2] Im Oktober 2005 kam es allerdings zu einem Leitungsbruch im höher gelegenen Salzbergwerk, wodurch über den Mühlbach etwa 11.000 Kubikmeter Sole (entspricht 4.000 Tonnen Salz, nach anderen Quellen 3000 Tonnen[7]) in den See geflossen sind. Der dadurch gebildete Salzsee in mehr als 100 m Tiefe dürfte sich dort auf Jahre stabil ablagern und den Lebensraum von Kleinlebewesen und Fischen, wie dem Seesaibling, beschränken.

Flora[Bearbeiten]

Während an den Steilufern, wo die Felswände direkt in den See abfallen, keine Ufervegetation existiert, bieten die Flachufer und insbesondere die Feuchtwiesen und Verlandungsmoore im Norden und Süden einen ökologisch wertvollen Lebensraum für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten.

In den Bachmündungsbereichen finden sich kleinere Auwälder mit Weiden und Erlen.[8]

Der Östliche Teufelsabbiss (Succisella inflexa) kommt in Oberösterreich neben dem Traunsee nur am Hallstätter See bei der Gosaumühle und bei Obertraun vor.[9][8] Der Glanzstendel, eine vom Aussterben bedrohte und streng geschützte Orchidee, wächst auf den Feuchtwiesen bei Steeg am Nordufer.[10] Dort findet sich auch der ebenfalls stark gefährdete Zwerg-Igelkolben.[10]

Im See, insbesondere in den Mündungsbereichen, findet sich eine Submersvegetation mit Haarblättrigem Wasserhahnenfuß, Sumpf-Teichfaden, Laichkräutern und Armleuchteralgen.[8]

Fauna[Bearbeiten]

Die Röhrichtgürtel sind Brutgebiet für verschiedene Wasservögel, in den Feuchtwiesen finden sich Vogelarten wie Rohrammer, Neuntöter und Schwarzkehlchen.[10] Die Steeger Bucht ist ein wichtiger Überwinterungsplatz für zahlreiche Wasservögel, und im Sommer Mauserplatz für Reiher und Tafelenten.[10] Die Entwässerungsgräben in den Feuchtwiesen bei Steeg dienen verschiedenen Amphibienarten als Laichgewässer.[10]

Zu den im See hauptsächlich vorkommenden Fischarten zählen Hecht, Bachforelle, Seesaibling, Reinanke, Aalrutte, Barsch und Seeforelle.[11] Der Aal kam ursprünglich nicht vor, wurde aber eingesetzt oder eingeschleppt.[6]Endemisch lebt hier ein Igelfisch.[12]

Nutzung[Bearbeiten]

Neben der Fischerei (zwischen 7,5 und 10 Tonnen pro Jahr[6]) wird der See für den Tourismus genutzt, sei es zum Baden und Tauchen, oder für Fahrten mit den typischen einruderigen Salzkammergutbooten, den sogenannten Plätten. Da der See im unteren (Nord-)Teil (Nähe Bad Goisern/Steeg) im Winter häufig zufriert, wird er auch für den Wintersport genutzt. Auf der dem Ort Hallstatt gegenüberliegenden Seeseite befindet sich die Bahnstation der Salzkammergutbahn, von der man mit dem Schiff nach Hallstatt kommt.

Der See befindet sich (samt viel Ufer) im Eigentum der Österreichischen Bundesforste mit der Aufgabe den See für die Allgemeinheit zu erhalten. Bedeutsam ist das für den Erhalt des Weltkulturerbes Hallstatt, sowie den (an vielen Stellen freien) Seezugang. Kleine Seenutzung - etwa händisches Wasserschöpfen - ist allgemein erlaubt, es gibt Badeplätze und reglementiert die Möglichkeit zu Tauchen. Um 1980 war der Hallstättersee ein frequentierter Tauchplatz in Österreich.

Zu Fronleichnam findet jährlich eine Seeprozession statt. Dabei fahren neben dem Mutzen, auf dem sich Altar und Priester befinden, viele mit Blumen geschmückte Boote über den See.

Ein weiteres Highlight ist der jährlich Anfang Mai stattfindende Hallstättersee-Rundlauf, ein Halbmarathon mit internationalen Teilnehmern.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hallstätter See – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Bundesamt für Wasserwirtschaft (Hrsg.): Atlas der natürlichen Seen Österreichs mit einer Fläche ≥ 50 ha. Morphometrie - Typisierung - Trophie. Stand 2005. Schriftenreihe des Bundesamtes für Wasserwirtschaft, Band 29, Wien 2008, S. 72-74 (PDF; 9 MB)
  2. a b c d e Seeprofil Hallstättersee (PDF; 442 kB)
  3. a b c Amt der Oö. Landesregierung (Hrsg.): Natur und Landschaft/Leitbilder für Oberösterreich. Band 31: Raumeinheit Salzkammergut-Talungen. Überarb. Fassung, Linz 2007 (PDF; 5,2 MB)
  4. a b c Amt der Oö. Landesregierung (Hrsg.): Gewässerschutz Bericht 20/1998: Die Seen Oberösterreichs - Zustandsbericht 1994 und Langzeitentwicklung seit 1980, teilweise aktualisiert bis einschließlich 1997. (PDF; 13,6 MB)
  5. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (Hrsg.): Hydrographisches Jahrbuch von Österreich 2010. Wien 2012, S. OG 169 (PDF; 13,2 MB)
  6. a b c d Bundesamt für Wasserwirtschaft (Hrsg.): Die Wassergüte ausgewählter Seen des oberösterreichischen und steirischen Salzkammergutes 2001 – 2005. Schriftenreihe des Bundesamtes für Wasserwirtschaft, Band 24, Wien 2006 (PDF; 8 MB)
  7. http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051031016
  8. a b c Amt der Oö. Landesregierung (Hrsg.): Naturraumkartierung Oberösterreich - Biotopkartierung Gemeinde Obertraun. Endbericht, Kirchdorf an der Krems 2012 (PDF; 12,1 MB)
  9. Amt der Oö. Landesregierung (Hrsg.): Naturraumkartierung Oberösterreich - Biotopkartierung Gemeinde Hallstatt. Endbericht, Kirchdorf an der Krems 2011 (PDF; 8,2 MB)
  10. a b c d e Amt der Oö. Landesregierung (Hrsg.): Landschaftserhebung Gemeinde Bad Goisern. Endbericht, Kirchdorf an der Krems 2004 (PDF; 4,4 MB)
  11. Oberösterreichischer Landesfischereiverband
  12. http://www.taucher.net/redaktion/62/Tauchfuehrer_Hallstaettersee_3.html taucher.net Onlinemagazin 62, Tauchführer Hallstättersee