Ham (Bibel)

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Ham (Hebräisch: חָם, Griechisch Χαμ, Aussprache: Cham) war laut dem Tanach und dem Alten Testament (Gen 9,24) der jüngste Sohn von Noach (Noah) und gilt als Stammvater der Hamiten.

Näheres[Bearbeiten]

Sein Vater Noah soll nach dem Bericht der Bibel Ham zusammen mit seinen beiden Brüdern erst im Alter von über 500 Jahren gezeugt haben: Und Noah war 500 Jahre alt; und er zeugte Sem, Ham und Jafet. (1. Mose 5,32). Ham half seinem Vater beim Bau der Arche und überlebte die Sintflut als einer von nur acht Menschen zusammen mit seiner Ehefrau. Kinder soll Ham erst nach dem Ende der Flut gehabt haben.

Gemäß der Überlieferung der Bibel in der Völkertafel der Genesis stammen alle heute lebenden Menschen von Ham sowie von seinen beiden Brüdern Sem und Jafet ab.

Die Söhne von Ham sind Kusch, Stammvater eines Volks vermutlich südlich Ägyptens, Mizraim, der als Stammvater der Ägypter gilt, Put, Stammvater eines Volks vermutlich aus der Nachbarschaft Ägyptens (Libyer?) und Kanaan.

Der Fluch über Ham[Bearbeiten]

Als Noah sich an vergorenem Rebensaft betrunken hatte, sah ihn sein Sohn Ham entkleidet im Zelt liegen und ging zu ihm. Nachdem er seinen Brüdern davon erzählte, verfluchte Noah Ham, Hams Sohn Kanaan und dessen Nachkommen, die Vorbewohner des Landes Kanaan (Israel), bevor es von den Israeliten eingenommen wird; sie sollten ewig die Knechte der anderen Menschen sein. Zugleich wurden Sem und sein Bruder Japhet durch einen besonderen Segen seines Vaters ausgezeichnet, da sie ihn zugedeckt hatten.[1]

Der Hintergrund des Fluches ist umstritten. Die meisten klassischen Bibelübersetzungen in moderne Sprachen legen nahe, dass Ham seinen betrunkenen Vater Noah zufällig nackt gesehen habe und dafür verflucht wurde. Heutige Forscher übersetzen die hebräische Originalpassage allerdings in der Regel ganz anders und gehen davon aus, dass Ham seinen bewusstlosen Vater nicht etwa nur "nackt gesehen", sondern vielmehr mit ihm geschlafen habe (vgl. auch die deutsche Wendung "er erkannte sein Weib"). Danach habe Ham seinen beiden Brüdern von seiner Tat erzählt. Diese Lesart war bereits in der Antike verbreitet; so wird im Talmud diskutiert, ob Ham Noah nur vergewaltigt oder auch (!) kastriert habe.[2]

Die Verfluchung Hams wurde vielfach zur populären christlichen Rechtfertigung der Versklavung von Schwarzafrikanern durch Europäer herangezogen, vor allem in den calvinistisch geprägten USA.

Irische Mythologie[Bearbeiten]

In der irischen Mythologie wird angenommen, dass Leprechaun, das zentrale Wesen der irischen Mythologie, Nachkomme des Ham ist, der in der Anfangszeit der Besiedlung Irlands auf die Insel gekommen sei.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1. Mose 9, 20-26.
  2. Vgl. zur Diskussion Stephen Haynes: Noah's Curse. Oxford 2002, S. 23ff.