Hans Leo Kornberg

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Sir Hans Leo Kornberg mit einem Studenten an der Boston University (2010)

Sir Hans Leo Kornberg, FRS (* 14. Januar 1928 in Bad Salzuflen, Regierungsbezirk Detmold) ist ein britischer Biochemiker deutscher Abstammung.

Biografie[Bearbeiten]

Kornberg wurde als Sohn jüdischer Eltern in Deutschland geboren und emigrierte nach der Machtergreifung der NSDAP zu seinem Onkel in Yorkshire in Großbritannien. Seine Eltern blieben in Deutschland zurück, weil der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ihre Ausreise verhinderte.[1] Sie wurden 1942 ins Warschauer Ghetto deportiert. Der Vater, Max Kornberg, wurde 1943 im Zwangsarbeitslager Trawniki erschossen. Die Mutter, Selma Kornberg, fand im Vernichtungslager Treblinka den Tod. [1]

Nach seiner schulischen Ausbildung an der School for German Refugees (dt. Schule für Flüchtlinge aus Deutschland), sowie an der Wakefield Grammar School studierte er an der University of Sheffield. Im Anschluss an seine Promotion ging er in die USA und war zwischen 1953 und 1955 Mitarbeiter an der Yale University sowie der University of New York.

Nach seiner Rückkehr nach England wurde er 1955 Mitarbeiter der von Hans Adolf Krebs gegründeten Forschungsgruppe für Stoffwechsel beim Medizinischen Forschungsrat (Medical Research Council Cell Metabolism Research Unit) der University of Oxford.

Kornberg hatte maßgeblich auf dem Gebiet des mikroorganischen Stoffwechsels gearbeitet und wurde insbesondere wegen der Entdeckung des Glyoxylatzyklus bekannt, der nach seinen weiteren Entdeckern Hans Adolf Krebs und Harry Beevers auch Krebs-Kornberg-Zyklus bzw. Krebs-Kornberg-Beevers-Zyklus bezeichnet wird.[2][3]Dieser erklärt, wie Bakterien in Fettsäuren wachsen und wie Sämlinge Fette während der Keimung in Kohlenhydrate umwandeln.

1960 wurde Kornberg zunächst Professor am neugeschaffenen Lehrstuhl für Biochemie an der University of Leicester. Für seine wissenschaftliche Verdienste wurde er 1965 Fellow der Royal Society und erhielt mehrere weitere Ehrungen und Preise, wie 1973 die Otto-Warburg-Medaille der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie.[4]Außerdem war er Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Räte.

1975 nahm er einen Ruf als Professor am Lehrstuhl für Biochemie an der University of Cambridge an. Daneben war er Vorsitzender der Königlichen Kommission über Umweltverschmutzung (Royal Commission on Environmental Pollution), sowie Mitglied des Stiftungsrates (Trustee) der Suffield Foundation und des Wellcome Trusts.

1978 wurde er von Königin Elisabeth II. zum Ritter (Knight) geschlagen und führt seitdem den Namenszusatz Sir. Im Jahr 1982 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt. 1995 folgte er dem Ruf als Professor für Biologie an der Boston University.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Gritta Odenthal: Einer der letzten Zeitzeugen, in Lippe aktuell vom 15. August 2012
  2. Kornberg, HL. und Krebs, HA. (1957): Synthesis of cell constituents from C2-units by a modified tricarboxylic acid cycle. In: Nature 179(4568); 988–991; PMID 13430766; doi:10.1038/179988a0
  3. Kornberg, HL. und Beevers, H. (1957): The glyoxylate cycle as a stage in the conversion of fat to carbohydrate in castor beans. In: Biochim Biophys Acta 26(3); 531–537; PMID 13499412
  4. Preisträger der Otto-Warburg-Medaille