Haqqani-Netzwerk

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Das Haqqani-Netzwerk ist eine militante, terroristisch-islamistische Organisation in Afghanistan und Pakistan. Es wird für zahlreiche tödliche Anschläge in Afghanistan verantwortlich gemacht.

Struktur[Bearbeiten]

Es wird von Dschalaluddin Haqqani und seinem Sohn Sirajuddin Haqqani angeführt, gehört zu den Taliban und ist mit Al-Qaida verbündet. Es wird vermutet, dass Sirajuddin Haqqani zur obersten Talibanführungsriege, der Quetta Shura, gehört und besonders enge Verbindungen zum pakistanischen Geheimdienst Inter-Services Intelligence (ISI) unterhält. Pakistan geht, mit Verweis auf seine ausgelasteten militärischen Kapazitäten, nicht gegen das Netzwerk vor.[1] Der Hauptstützpunkt des Netzwerkes, eine Art Zwergstaat mit eigenen Gerichtshöfen, Steuerbehörde und Madrassen soll sich in der pakistanischen Stadt Miranshah befinden.[2]

Das Netzwerk hat enge Verbindungen mit der Islamischen Dschihad Union.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Herbst 2010 war die Organisation im Fokus der US-amerikanischen Drohnenangriffe im Norden von Waziristan, Pakistan, wo sie auch ihre Rückzugsbasis hat.[4]

2011[Bearbeiten]

Hauptgebäude der Botschaft der Vereinigten Staaten in Kabul (2010)

Laut dem US-Botschafter in Kabul, Ryan Crocker, war das Haqqani-Netzwerk für den Angriff auf das Hotel Intercontinental in Kabul 2011 in der Nacht auf den 29. Juni 2011 verantwortlich, bei dem 21 Menschen ums Leben kamen. Außerdem sollen sechs Attentäter des Netzwerks am 13. und 14. September 2011 von einem Rohbau aus das Nato-Hauptquartier und die Botschaft der Vereinigten Staaten in Kabul angegriffen haben. Bei dem 20 Stunden dauernden Gefecht wurden inklusive der Angreifer 27 Menschen getötet.[5][6]

Laut US-Generalstabschef Mike Mullen sind Kämpfer des Netzwerks für den Angriff auf das Hotel Intercontinental, für einen Autobombenanschlag am 11. September 2011 und den Angriff auf die US-Botschaft verantwortlich. Bei dem Angriff auf die Botschaft wurde seinen Worten nach neben einem Taliban-Kämpfer auch ein Mitglied des Haqqani-Netzwerks festgenommen. Außerdem beschuldigte er den pakistanischen Geheimdienst Inter-Services Intelligence (ISI), die Angriffe in Planung und Durchführung unterstützt zu haben.[7] Daraufhin veröffentlichte das Netzwerk ein Dementi auf ihrer Webseite. Es betonte: „Jede unserer zivilen und militärischen Aktivitäten ist unsere eigene Initiative und Tat.[1]

Laut Angaben der ISAF wurde am 27. September Hadschi Mali Khan, der Onkel von Sirajuddin Haqqani, im Südosten Afghanistans festgenommen. Es soll der ranghöchste Kommandant des Netzwerks in Afghanistan sein.[8]

Am 3. Oktober 2011, veröffentlichte das BBC ein Interview mit Sirajuddin Haqqani. Darin behauptet dieser, seine Gruppe sei nicht für das Attentat auf Burhānuddin Rabbāni verantwortlich und werde nicht von Pakistan gesteuert.[9]

Am 5. Oktober gab die Nationale Sicherheitsdirektion bekannt, das sechs Mitglieder des Netzwerks festgenommen worden seien. Die Personen, unter ihnen ein Leibwächter Karzais, drei Studenten sowie ein Universitätsprofessor,[10] hätten die Ermordung von Hamid Karsai geplant.[11]

Laut Angaben der pakistanischen Regierung tötete eine US-Drohne am 13. Oktober in Miranshah vier Mitglieder des Haqqani-Netzwerks. Darunter soll sich ein für Logistik verantwortlicher Anführer befunden haben.[12] Laut US-Regierung wurde am selben Tag Janbaz Zadran (alias Jamil) in Nordwaziristan getötet. Zadran soll das bisher ranghöchste getötete Haqqani-Mitglied gewesen sein. Zu den Umständen des Todes wurden keine Angaben gemacht.[13]

2012[Bearbeiten]

Der afghanische Innenminister Besmillah Mohammadi und der afghanische Geheimdienst machte das Netzwerk für die Angriffe in Afghanistan am 15. April 2012 verantwortlich. Es seien mehrere ihrer Mitglieder festgenommen worden. Bei den Angriffen auf Militärbasen, Botschaften und Regierungsgebäuden wurden mindestens 47 Menschen getötet.[14] Auch der US-amerikanische Botschafter Ryan Crocker ging von einer Urheberschaft des Haqqani-Netzwerks aus. Seinen Worten nach planten diese den Angriff von Pakistan aus.[14]

Ende August erklärten der ISI und der afghanische Geheimdienst den Tod von Badruddin Haqqani durch einen Drohnenangriff in Nord-Waziristan. Der Sohn von Dschalaluddin Haqqani soll ein ranghoher Anführer des Netzwerks gewesen sein. Die Taliban dementierten die Angaben.[15]

Am 7. September stufte die US-Regierung das Haqqani-Netzwerk offiziell als ausländische, terroristische Organisation ein. Bis dahin verzichtete sie auf diese Einordnung, da sie eine Störung der Friedensbemühungen in Afghanistan befürchtete. Ranghohe Mitglieder der Organisation gaben an, diese Entscheidung bedeute, dass die US-Regierung „die Friedensbemühungen in Afghanistan nicht ernst nehmen“ würde. Weiterhin drohten sie mit einer Verschlechterung der Situation von Bowe Bergdahl, einem US-Offizier, welcher 2009 durch Extremisten verschleppt wurde.[16]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Agnes Tandler: Mehr als nur ein großes Missverständnis. In: die tageszeitung. 27. September 2011, abgerufen am 28. September 2011.
  2. Brutal Haqqani Crime Clan Bedevils U.S. in Afghanistan. In: The New York Times. 24. September 2011, abgerufen am 13. Oktober 2011 (englisch).
  3. Sven Hansen: Mehrere deutsche Islamisten getötet. In: die tageszeitung. 5. Oktober 2010, abgerufen am 11. Oktober 2010.
  4. Kabul und USA in Kontakt mit Taliban-Verbündeten. In: ORF. 6. Oktober 2010, abgerufen am 6. Oktober 2010.
  5. US-Botschaft in Kabul unter Feuer. In: Neue Zürcher Zeitung. 14. September 2011, abgerufen am 15. September 2011.
  6. Gefechte nach 19 Stunden beendet. In: die tageszeitung. 14. September 2011, abgerufen am 14. September 2011.
  7. Hilfe für Anschlag in Kabul? In: ORF. 23. September 2011, abgerufen am 23. September 2011.
  8. ISAF fasst Kopf des Haqqani-Netzwerk. In: Frankfurter Rundschau. 1. Oktober 2011, abgerufen am 3. Oktober 2011.
  9. Agnes Tandler: Mehr als nur ein Streit unter Nachbarn. In: die tageszeitung. 3. Oktober 2011, abgerufen am 3. Oktober 2011.
  10. Mordanschlag auf Karzai vereitelt. In: Neue Zürcher Zeitung. 5. Oktober 2011, abgerufen am 6. Oktober 2011.
  11. Mordkomplott gegen Präsident Karsai. In: Frankfurter Rundschau. 5. Oktober 2011, abgerufen am 5. Oktober 2011.
  12. Vier mutmaßliche Aufständische durch US-Drohne in Pakistan getötet. In: Stern. 13. Oktober 2011, abgerufen am 14. Oktober 2011.
  13. Anführer des Haqqani-Netzwerks getötet. In: Der Standard. 13. Oktober 2011, abgerufen am 14. Oktober 2011.
  14. a b Al-Qaida-Ableger verantwortlich für Angriffsserie. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 16. April 2012, abgerufen am 16. April 2012.
  15. Terroristenführer angeblich bei Angriff getötet. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. August 2012.
  16. Haqqani-Netzwerk droht gefangenem US-Offizier. In: Spiegel Online, 7. September 2012.