Haube

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Kleidungsstück, für weitere Bedeutungen siehe Haube (Begriffsklärung).
Das "Schokoladenmädchen" von Jean-Étienne Liotard trägt eine klassische Rokokohaube aus der Zeit um 1745.

Eine Haube ist eine Kopfbedeckung, die sowohl über eine Gesichts- als auch über eine Halsöffnung verfügt[1], das heißt, die das Gesicht und den Hals umschließt und unter dem Kinn geschlossen wird. Zu den Hauben gehören daher auch die Kapuzen. Das Wort Haube leitet sich von der althochdeutschen Bezeichnung huba ab.[2]

Das "Modekupfer" aus dem Jahre 1802 zeigt Variationen der Weiterentwicklung der bürgerlichen Rokokohaube (Mitte links und oben rechts) zur Form der Schute.
Verschiedene Formen von Säuglings- und Kinderhauben im 18. Jahrhundert

In Österreich und Teilen von Altbayern wird Haube auch ganz allgemein für weiche Kopfbedeckungen verwendet, die eng am Kopf anliegen, wie etwa Strickmützen[3], oder auch für Badekappen. Fall- oder Sturzhauben gelten als der Vorläufer des Sturzhelms.

Hersenier oder Turnierhaub von 1484

Hauben werden von Männern, Frauen und Kindern getragen. Die männlichen Formen wie die Sturmhaube und die Fliegerhaube, im Mittelalter z.B. die kapuzenartige Gugel, das Hersenier oder die Bundhaube zeigen eine typische Ausprägung, während die weiblichen Hauben oft um den Hals nicht mehr ganz geschlossen werden oder der Verschluss sich auf Bänder reduziert, die unter dem Kinn zur Schleife gebunden werden, insbesondere bei den Trachtenhauben.

Geschichte der Frauenhaube[Bearbeiten]

Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit verlangte die Norm von verheirateten Frauen das Tragen einer Haube, während unverheiratete ihr Haupt unbedeckt lassen durften. Die Redensart unter die Haube kommen (= heiraten) leitet sich davon ab.[4] Die Haube galt als Zeichen der Frauenwürde und der Wohlanständigkeit; eine Frau ohne Haube (oder andere Kopfbedeckung) galt als „loses Frauenzimmer“. In ganz Europa ist sie fester Bestandteil fast aller Frauentrachten.

Die Begründung der Kirche, dass Frauen ihr Haar zu bedecken hatten, leitet sich ab aus Korinther 1, Kapitel 11. Allerdings hatte die Haube auch den praktischen Nutzen, das Haar aus dem Weg zu halten und es vor Verschmutzung zu schützen, z. B. beim Arbeiten am Feuer und anderen Haushaltsverrichtungen. Das weibliche Personal früherer Epochen trug generell Hauben während der Arbeitszeit. Für Dienstmädchen und Zofen in vornehmen Haushalten zählten aufwendig gearbeitete Häubchen und Schürzchen zur Arbeitskleidung und dienten darüber hinaus als Statussymbol des Arbeitgebers.

Hauben wurden meist aus feinem, weißem Leinen gefertigt und - je nach Epoche, Anlass und Finanzkraft der Trägerin - mitunter mit Volants, Spitzen oder Bändern verziert. Ab dem 18. Jahrhundert wurde stattdessen auch Baumwolle verwendet. Daneben gab es auch steife Hauben aus stoffüberzogenem Karton, Hauben ganz aus Spitze, aus Samt, Brokat, mit Stickerei bedeckt usw.

Aus bürgerlichen Kleidermode des Rokoko entwickelte sich um 1800 die Schute.

Hauben für Säuglinge[Bearbeiten]

Um die meist spärlich behaarten Säuglinge vor Kälte und Sonne zu schützen, trugen diese in früherer Zeit generell Hauben. Diese sollten eng sitzen. Durch diese Maßnahme versuchte man, spätere abstehende Ohren bereits im Vorfeld zu vermeiden.

Fall- bzw. Sturzhauben für Kleinkinder[Bearbeiten]

Eine weitere Besonderheit ist die Fallhaube bzw. Sturzhaube, in der Schweiz auch "Bolli" genannt. Diese wurde von Kindern der bürgerlichen Oberschicht und des Adels getragen. Sie sollte verhindern, daß Kleinkinder, während sie laufen lernten, ihre empfindliche Köpfchen verletzten. Die Fall- bzw. Sturzhaube war meist aus Leder gefertigt, innen gepolstert und konnte bis zu einem gewissen Grad an den wachsenden Kopf angepasst werden. Der umlaufende Bund war dabei zu einem dick gepolsterten Wulst geformt. Meist waren diese Hauben mit Schleifen und Bändern geschmückt.

Heute werden Fall- bzw. Sturzhauben als medizinische Hilfsmittel verwendet. Sie dienen Epileptikern, insbesonderen Kindern mit dieser Erkrankung zur Prophylaxe von Kopfverletzungen.

Gebende, Anfang 14. Jahrhundert
Hörnerhaube („Doppelhennin“) mit Kruseler, 1439
Fontange, Anfang 18. Jahrhundert
Dormeuse um 1770
Unbekannte Dame mit Rokokohaube, vermutlich süddeutsch.

Weibliche Haubenarten[Bearbeiten]

Die Formen reichen von handtellergroßen Flecken über das gesamte Haar bedeckende, zum Teil kunstvoll arrangierte Hauben bis hin zu ausladenden Formen, die auch den unteren Teil des Gesichts und den Hals bedeckten.

Haube um 1920

Gebende[Bearbeiten]

Im späten 13. und frühen 14. Jahrhundert getragene Kombination aus einem Kinnband und einem kronenähnlichen Ring, manchmal mit gekräuseltem Rand.

Krüseler oder Kruseler[Bearbeiten]

Eigentlich eine Art Schleier, bei dem die Stoffkanten eingekräuselt waren. Im Spätmittelalter gebräuchlich.

Hörnerhaube[Bearbeiten]

Eine der vielen, zum Teil recht ausgefallenen Haubenformen des 15. Jahrhunderts, zu denen auch der Hennin gehört.

Fontange[Bearbeiten]

Die Fontange ist eine von ca. 1680 bis 1720 vorherrschende Haubenform, die von einem Aufsatz aus Bandschlaufen und Spitzen überragt wurde. Einer in mehreren Varianten überlieferten Legende nach soll der Name auf eine Mätresse Ludwigs XIV. zurückgehen.

Dormeuse[Bearbeiten]

Eine vor allem im späten 18. Jahrhundert beliebte, den Kopf fast ganz umschließende Haubenform mit seitlich weit nach vorne gezogenen Rüschen.

Calèche[Bearbeiten]

Durch mehrere Fischbeinreifen aufgespannte Haube, die wie das Cabriodach einer Kutsche zusammengeklappt werden konnte. Sie wurde meist aus grüner Seide gefertigt und schützte die um 1770-80 üblichen, hohen Frisuren.

Vorläufer der Riegelhaube, 2. Hälfte 18. Jahrhundert

Riegelhaube[Bearbeiten]

Die Riegelhaube bedeckt den Hinterkopf bis zu den Ohren und läuft am unteren Ende in zwei Spitzen aus, die als "Geißeuterl" bezeichnet werden. Tatsächlich waren nicht die Euter von Ziegen das Vorbild. Sie entwickelte sich aus einer Haube des 18. Jahrhunderts, die mit einer Schleife im Nacken geziert wurde.

Weitere[Bearbeiten]

Fladuse (auch: Flattuse), Schneppenhaube, Rise, Bückeburger Haube, Flinderhaube, Wulsthaube, Calotte.

Hauben im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Helmut Heinter, Die Fallhaube: eine Erfindung des 16. Jahrhunderts?, Medizinhistorisches Journal, 1984 Kinderleben in Basel, Eine Kulturgeschichte der frühen Jahre, Katalog zur Ausstellung 2005/2006, Historisches Museum Basel

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christian F. Feest und Alfred Janata: Technologie und Ergologie in der Völkerkunde Band 2. Berlin, Dietrich Reimer Verl. 1989, S. 172
  2. Eintrag zu Geschichte der Kopfbedeckungen in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online  (im Heimatlexikon) abgerufen am 4. Januar 2011
  3. Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA): Achte Runde „Strickmütze“, Universität Augsburg, 14. Jänner 2012
  4. Dieses Sprichwort lässt sich aber auch auf den verballhornten Begriff des jüdischen Traubaldachins Chuppa zurückführen. Jüdisches Brauchtum (PDF; 318 kB), Bibelpastorale Arbeitsstelle im Seelsorgeamt der Diözese Regensburg, abgerufen am 6. März 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Haube – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Hauben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur über Haube im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek