Haus der Technik (Essen)

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Haus der Technik
Haus der Technik (Essen), Südansicht

Das Haus der Technik, kurz HDT, ist Deutschlands ältestes, unabhängiges Weiterbildungsinstitut mit Sitz in Essen und Zweigstellen in Berlin, Bremerhaven und München.

Das von Edmund Körner entworfene, seit 1987 denkmalgeschützte Essener Stammhaus befindet sich nördlich des Essener Hauptbahnhofes und diente bis 1934 der damaligen Essener Börse.

Geschichte[Bearbeiten]

Bevor das Gebäude der Essener Börse, das heutige Haus der Technik, entstand, befand sich hier am östlichen Bahnhofsvorplatz ein Blechwalzwerk der Firma Schulz Knaudt & Co. und Wohnbebauung mit kleinen Häusern, die im Zuge der Neugestaltung des Bereiches Anfang der 1920er Jahre niedergelegt wurden.

Sitz der Essener Börse[Bearbeiten]

Essener Börse um 1928
Heinrich Reisner, Gründer des Hauses der Technik in Essen; Bronzeskulptur von Jürgen Ebert (2011)

Bereits 1855 entstand aus einem privaten Börsenverein im Rahmen regelmäßiger sonntäglicher Verhandlungen die Essener Börse, die zunächst nur zwei Jahre existierte. Auf Veranlassung des Bergbauvereins wurde die Essener Börse am 21. Dezember 1865 wieder ins Leben gerufen. Die zu dieser Zeit beantragte Verleihung des amtlichen Charakters wurde 1866 abgelehnt. Gehandelt wurden Aktien von Bergwerks- und Hüttengesellschaften, Kuxe, Aktien der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft sowie Industrieanleihen. 1880 wurde die Essener Börse der Aufsicht der Handelskammer unterstellt, wobei sie eine Börsenordnung erhielt. Der Handelsschwerpunkt lag in Montanwerten.

1905 schlossen die Düsseldorfer und die Essener Börsen eine Allianz. Daraufhin wurden seit November des Jahres die turnusmäßigen Börsenversammlungen in beiden Städten abgehalten. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges musste die Börse Ende Juli 1914 schließen. Nachdem in den Kriegsjahren Ersatzgeschäfte mit inoffiziellen Versammlungen über Papiere der Kriegsgüterindustrie für Steigerungsraten sorgten, nahm man am 1. Januar 1918 die Börsennotierungen wieder auf, wobei die steigende Inflation Spuren hinterließ.

1924/1925 verlagerte man die Essener Börse in das neue, vom Architekten Edmund Körner eigens dafür errichtete Börsengebäude, dem heutigen Haus der Technik. Der Bau dieses Gebäudes begann bereits 1922.

1934 wurde die Essener Börse geschlossen. Die Schließung resultierte aus einem Erlass des Reichswirtschaftsministers Kurt Schmitt, der im Interesse eines funktionalen deutschen Wertpapiermarktes die Anzahl der deutschen Börsen von 21 auf 9 herabgesetzt hatte. So übernahm die Rheinisch-Westfälische Börse zu Düsseldorf die Aufgaben des Essener Börsenplatzes.[1]

Haus der Technik[Bearbeiten]

Vom Bauschmuck Will Lammerts blieben nur dieser und ein weiterer Kopf übrig.

Die Gründung des HDT geht auf das Jahr 1909 zurück. Auf einer Versammlung der von ihm gegründeten Rheinisch-Westfälischen Gesellschaft für die Exakten Wissenschaften wies Heinrich Reisner auf die Notwendigkeit der Weiterbildung von Ingenieuren hin. 1912 beschloss die Gesellschaft in Essen eine Fortbildungseinrichtung zu diesem Zwecke zu gründen. Aber erst durch die ebenfalls von Reisner zusammen mit dem Essener Oberbürgermeister Hans Luther, sowie dem Chemiker Franz Fischer und dem Bankier Wilhelm von Waldthausen im Jahre 1919 gegründete und noch heute bestehende Gesellschaft für Wissenschaft und Leben im rheinisch-westfälischen Industriegebiet als neue Dachgesellschaft für die wissenschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Bestrebungen konnte schließlich das angestrebte Fortbildungsinstitut als Haus der Technik im Gebäudetrakt der Essener Börse eingerichtet und am 21. November 1927 feierlich eröffnet werden. Am 9. Januar 1930 wurde dann der gleichnamige Verein gegründet. Der vom Essener Bildhauer Will Lammert geschaffene Skulpturenschmuck fiel als Entartete Kunst bis auf zwei aus der Ostwand ragende Köpfe der Zerstörungswut der Nationalsozialisten zum Opfer.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das HDT am 5. März 1943 bei einem Bombenangriff vollkommen zerstört. Dieser Zerstörung fiel auch die Bibliothek und die Patentschriftenstelle zum Opfer. Noch bevor das Gebäude wieder aufgebaut worden war, fand am 24. April 1946 die erste Vorlesung nach dem Krieg statt. Im selben Jahr richtete die RWTH Aachen hier eine ihrer Außenstelle ein.

Der eigentliche Wiederaufbau wurde zwischen 1951 und 1953 durchgeführt. Hierbei fand eine Aufstockung um ein Stockwerk statt und wurde die optische Gestaltung der Arkaden verändert, was seinerzeit nicht unumstritten war. Das heutige Gebäude verfügt, nach dem Umbau des alten Börsengebäudes, über 40 Seminarräume und Tagungssäle mit Kapazitäten zwischen 10 und 570 Teilnehmerplätzen mit moderner Tagungstechnik.

Weiterbildungsinstitut[Bearbeiten]

Ostansicht

Das Haus der Technik ist ein Außeninstitut der RWTH Aachen und hat die Rechtsform eines gemeinnützigen, eingetragenen Vereins. Mehr als 1500 Veranstaltungen, Seminare, Tagungen und Kongresse (zum Teil mit Ausstellungen) werden pro Jahr vom Haus der Technik zu einer breiten Palette an Arbeitsgebieten angeboten.[2] Zusammen mit universitären Kooperationspartnern bietet das HDT daneben auch Studiengänge mit universitärem Abschluss an.

Das Haus der Technik kooperiert mit den Partner-Universitäten Duisburg-Essen, Münster, Bonn und TU Braunschweig.[3]

Heute arbeitet das HDT mit über 5.000 Referenten aus Hochschulen, Industrie, Ministerien, Wirtschaft und Verbänden zusammen. Schwerpunkte sind Anlagen-, Elektro-, Energie-, Fahrzeug-, Fertigungs-, Gebäude-, Medizin- und Verfahrenstechnik sowie Bauwesen, Betriebswirtschaft, Brandschutz, Chemie, EDV, Maschinenwesen, Pharmazie, Qualitätswesen, Strahlenschutz, Umweltschutz und Werkstoffwissenschaft.

Seit einigen Jahren setzt sich das Haus der Technik sehr intensiv in der Öffentlichkeit für die Verbreitung des Wissens um die Wichtigkeit des Themas Brandschutz ein. Zu diesem Zweck wurde mit den einmal pro Jahr stattfindenden Essener Brandschutztagen ein zentrales Branchenforum geschaffen. Nach Schätzungen von Experten sind jedes Jahr rund 200 Großbrände in deutschen Unternehmen zu verzeichnen, bei denen die reinen Brandschäden jeweils über 500.000 Euro liegen. Etwa 70 Prozent der betroffenen Unternehmen müssen nach einem Brand sofort oder im Folgejahr Insolvenz anmelden.[4]

Ergänzend hat das Haus der Technik mit den Essener Explosionsschutztagen ein weiteres Branchenforum geschaffen, welches dem Austausch des Wissens über die Gefahren von Explosionen und der möglichen Gegenmaßnahmen und Prävention dient. Da Explosionsgefahren ein großes Risiko für jedes Unternehmen darstellen und mit hohem Schaden im Falle des Eintretens zu rechnen wäre, ist ein effektiver und umsichtiger vorbeugender Explosionsschutz unter Berücksichtigung technischer, baulicher, anlagentechnischer und organisatorischer Maßnahmen unerlässlich und durch die Behörden und Brandversicherer gefordert.[5]

Seit dem Jahr 2005 bietet das Haus der Technik auch Studiengänge mit universitärem Abschluss an, zum größeren Teil berufsbegleitend. Die Studiengänge der HDT-University werden in Zusammenarbeit mit den universitären Kooperationspartnern des Hauses der Technik entwickelt und durchgeführt.

Im Haus der Technik befindet sich seit 2006 auch ein für die Öffentlichkeit frei zugängliches Foucaultsches Pendel, an dem die Rotation der Erde sichtbar wird. Das mit Leuchtdioden ausgerüstete Pendel zeigt die Erdrotation dadurch an, dass sich seine Schwingungsebene gegenüber der Erde dreht - abzulesen an den mit Leuchtdioden versehenen Markierungen in der Bodenplatte.[6]

Seit Beginn des neuen Jahrtausends hat sich das Haus der Technik zu einem der wichtigsten Anbieter von Seminaren und Tagungen aus dem Bereich Windenergie entwickelt und Essen zu einem Treffpunkt der Windbranche gemacht. Unter dem Motto Windkraft inside bietet das Haus der Technik eine umfassende Themenpalette an - von der Planung, dem Netzanschluss und dem Betrieb von Windparks über Windturbinen, Rotorblätter und Antriebsstränge in Windenergieanlagen bis hin zu Türmen und Gründungen und vielen weiteren Themen. Das Tagungsangebot zur Windenergie ist auch international erfolgreich, so dass das Haus der Technik hier verstärkt mit Simultanübersetzung arbeitet bzw. viele Veranstaltungen komplett auf Englisch anbietet.[7]

Seit 2009 vergibt das Haus der Technik jährlich den Deutschen Weiterbildungspreis.[8]

Geschäftsführung[Bearbeiten]

  • Ulrich Brill (geschäftsführendes Vorstandsmitglied), Dr. R. Pohlig (Vorsitzender des Vorstandes) und U.Lindner (Stellv. Vorstandsvorsitzender)
Ehemalige geschäftsführende Vorstandsmitglieder
  • bis 1951 Heinrich Reisner
  • 1951-1964 Karl Krekeler
  • 1964-1974 Kurt Giesen
  • 1974-2004 Eberhard Steinmetz

Publikationen[Bearbeiten]

Fachbuchreihe[Bearbeiten]

Die verlegerische Betreuung der Reihe Haus der Technik Fachbuch hat der expert verlag Renningen inne.[9]

Technische Mitteilungen[Bearbeiten]

Das Haus der Technik gibt auch die Internetzeitschrift TM 2.0 Technische Mitteilungen - Technical Reports (kurz TM 2.0 genannt) heraus. Die TM 2.0 ist in erster Linie eine Zeitschrift für technisch-wissenschaftliche Informationen in Form von Fachartikeln. Mit ihr setzt das Haus der Technik seine gedruckte Zeitschrift Technische Mitteilungen (TM) fort, die 1907 in Dortmund gegründet wurde und 100 Jahre lang erschien.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Börse Düsseldorf – Historie, offline
  2. http://www.hdt-essen.de/htd/katalog/tagungen.html - offline
  3. www.hdt-essen.de; abgerufen am 26. März 2013
  4. www.brandschutzbeauftragter.de; abgerufen am 26. März 2013
  5. www.brandschutzbeauftragter.de; abgerufen am 26. März 2013
  6. Pressemitteilung zum Foucault-Pendel vom 23. April 2007; abgerufen am 26. März 2013
  7. Vorletzter Absatz der Pressemitteilung vom 17. Juni 2009; abgerufen am 26. März 2013
  8. Deutscher-Weiterbildungspreis.de; abgerufen am 26. März 2013
  9. Haus der Technik Publikationen; abgerufen am 26. März 2013
  10. Haus der Technik, Über die TM 2.0; abgerufen am 26. März 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Haus der Technik (Essen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.45257.015Koordinaten: 51° 27′ 9″ N, 7° 0′ 54″ O