Betriebswirtschaftslehre

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Betriebswirtschaft)
Wechseln zu: Navigation, Suche
BWL ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zu weiteren Bedeutungen siehe BWL (Begriffsklärung).
Betriebswirtschaft ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zur wissenschaftlichen Zeitschrift der Betriebswirtschaftslehre siehe Die Betriebswirtschaft.

Die Betriebswirtschaftslehre (BWL) (englisch: business administration), auch als Betriebsökonomie bezeichnet, ist ein Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften. Wie ihre Schwesterdisziplin, die Volkswirtschaftslehre (VWL) (englisch: economics), basiert die BWL auf der Annahme, dass Güter grundsätzlich knapp sind und dementsprechend einen ökonomischen Umgang erfordern. Im Unterschied zur abstrakteren Volkswirtschaftslehre nimmt die Betriebswirtschaftslehre zumeist dabei die Perspektive von einzelnen Betrieben ein. Ziele sind dabei die Beschreibung und Erklärung sowie die konkrete Unterstützung der zumeist von mehreren Personen getragenen Entscheidungsprozesse in Unternehmen. Eine Ausnahme bildet hier die Portfoliotheorie, die als Teilgebiet der BWL börsennotierte Unternehmen aus Sicht von Investoren betrachtet.

Geschichte[Bearbeiten]

Im deutschen Sprachraum wird zuweilen davon ausgegangen, die Betriebswirtschaftslehre sei erst 1898 entstanden, als das Fach mit der Gründung der Handelshochschulen in Leipzig, Aachen und Wien in den Kanon der Wissenschaften aufgenommen wurde. Aber ihre Geschichte, von der nur wenige Zeugnisse erhalten geblieben sind, reicht zurück bis zu den um 2000 v. Chr. in den Büchern der Lebensweisheiten mehrerer Pharaonen erwähnten Handelsschulen Ägyptens, in denen Schreiben, Rechnen, Zahlungsabwicklung, Buchhaltung und Reiseplanung unterrichtet wurden.[1]

Antike[Bearbeiten]

Die ersten Schriften zur Betriebsführung stammen aus der Antike. Xenophon schilderte um 380 v. Chr. in seinem Oikonomikos das Prozedere des Getreidehandels, die Qualitätssteigerung der Produktion durch Arbeitsteilung und das unternehmerische Gewinnstreben. Aristoteles beschrieb um 350 v. Chr. in seiner Lehrschrift Über Haushaltung in Familie und Staat ebenfalls die Gewinnorientierung der wirtschaftenden Haushaltung und forderte ihre jederzeitige Solvenz sowie eine ausgeglichene Risikoverteilung.[2] In seinem Werk De re rustica postulierte der Römer Columella im 1. Jahrhundert ein Controlling mittels Benchmarks, z. B. im Weinbau eine „ewige Rente“ von sechs Prozent pro Jahr.[3]

Mittelalter[Bearbeiten]

Im hohen Mittelalter verfasste der Syrer Scheikh Abu l´Fadl Gafar ben Ali ad Dimisqi das Buch über die Schönheiten des Handels (1174 n. Chr.). Darin erklärte er die Entstehung des Geldes, stellte eine Warenkunde zusammen, beschrieb die Warenkalkulation und begründete das Zustandekommen der Preise durch Angebot und Nachfrage.[4]

1202 veröffentlichte der aus Pisa stammende Mathematiker Leonardo Fibonacci ein Rechenbuch (IL Liber Abaci), mit dem er das aus Indien über Bagdad nach Italien gelangte dezimale Zahlensystem erstmals in italienischer Sprache vorstellte und mit Beispielen aus dem Wirtschaftsleben veranschaulichte. Die Veröffentlichung hatte erheblichen Einfluss auf die Kaufmannschaft, die mit den „indischen Zahlen“ ihre Geschäfte besser quantifizieren und Entscheidungen rechnerisch leichter nachvollziehen konnte.[5]

Die scholastische Wirtschaftslehre[6] begann mit Thomas von Aquin (1225–1274), der allerdings kein ökonomisches Buch hinterlassen hat, sondern nur über sein Gesamtwerk verstreute wirtschaftstheoretische Aussagen. Thomas bejahte die Notwendigkeit des Handels unter der Bedingung, dass er dem Ausgleich mangelnder Waren zwischen Stadt und Land diene. Außerdem entwickelte er die Lehre des „gerechten Preises“ (justum pretium) für beide Tauschpartner und beschäftigte sich mit der Handelsspanne. Für Thomas besitzen alle Güter einen „immanenten, inneren Wert“ (valor intrinsecus), nicht jedoch Geld, das nur einen „aufgepfropften Wert“ (valor impositus) besitze. Es ist nur Tauschmittel, Geldzins wird deshalb als Wucher verworfen.

Weiter führt das Werk von Bernhardin von Siena (1380–1444), der den Handel durch die Arbeitsteilung gerechtfertigt sah und ihn als Arbeitsleistung und Risikoübernahme verstand, die zu entgelten seien. Für Antonin von Florenz (1389–1459) und deutlicher noch für Antonio Maria Venusti (um 1560) waren der Preis das Ergebnis von Angebot und Nachfrage und die Handelsspanne durch die Kosten gerechtfertigt, welche der Handel verursacht – jedenfalls solange das darin enthaltene Entgelt des Händlers einem vernünftigen Zweck zugeführt wurde, z. B. dem Unterhalt der Familie und einer standesgemäßen Lebensführung.[7]

Renaissance[Bearbeiten]

In der Zeit der Renaissance entstanden in Oberitalien Handschriften, in denen das Know-how der Kaufmannsfamilien bewahrt wurde, um im Zweifelsfall nachzuschlagen oder es vom Vater auf den Sohn vererben zu können. Beschrieben wurde darin das Handelsgeschäft, die wichtigsten Handelsrouten, Handelsplätze und lokale Handelsusancen sowie die Methoden der Marktbeobachtung anhand des See- und des Überlandverkehrs. Außerdem waren in den Schriften „Tarife“ aufgeführt, etwa Tabellen mit Zöllen und Gebühren aber auch mit Umrechnungen von Münzen, Maßen und Gewichten in unterschiedliche regionale Einheiten, um den Kontoristen die komplizierte Rechenarbeit abzunehmen. Veröffentlicht wurden die Schriften nicht, denn ihr Inhalt galt als Betriebsgeheimnis.[8]

Die wirkungsvollste dieser Geheimschriften, den Libro di divisamenti di paesi e di misure di mercatantie e d’altre cose bisognevoli di sapere a mercatanti di diverse parti del mondo, verfasste um 1340 der Florentiner Kaufmann Francesco Balducci Pegolotti, der sich dabei möglicherweise auf eine 1279 verfertigte Arbeit eines unbekannten Autors aus Pisa stützte (in Frage käme die in Siena archivierte Handschrift: Hec est memoria de tucte le mercantie come carican le navi in Alexandria e il pesi come tornano duna terra addunaltra).[9]

Wirkungsvoll war Pegolottis Schrift, weil sie nicht wirklich geheim blieb. Schon bald nach ihrer Fertigstellung soll sie einem Anonymus aus Venedig als Vorlage für ein Kaufmanns-Manual gedient haben (Tarifa zoè noticia dy pexi e mexure di luogi e tere che s´adovra marcadantia per el mondo). Im Jahre 1442 nutzte Giovanni di Bernardo aus Uzzano sie als Quelle für sein Werk Practica della Mercatura, das wiederum Giorgio di Lorenzo Chiarini aus Florenz 1458 in ein Kompendium aufnahm, in dem er auch die älteste theoretische Darstellung der Buchführung wiedergab, die Benedetto Cotrugli in seinem Werk Della Mercatura et del mercante perfetto hinterlassen hatte. Vermutlich auf dieses Kompendium griff Luca Pacioli zurück, als er 1494 seine Summa de Arithmetica, Geometria, Proportioni et Proportionalita verfasste, in deren Anhang er kommerzielle Fragen abhandelte und das System der doppelten Buchführung beschrieb. Die Summa erlangte große Bekanntheit, sodass Pacioli schließlich auch die Erfindung der Doppik zugeschrieben wurde – was er selbst nie beansprucht hat.[10] Erst 1766 veröffentlichte Gian-Francesco Pagnini della Ventura die Kopie einer Kopie von Pegolottis Text als Band 4 einer Geschichte des Florentiner Finanzwesens (Della Decima e di varie altre gravezze imposte dal Commune di Firence della Moneta e della Mercatura dei Fiorentini fino al secolo XVI), und zwar unter dem von Bernardo da Uzzano erdachten Titel, unter dem das Werk seither bekannt ist: Practica della Mercatura.

Im deutschen Sprachraum wurde die erste mit dem Werk Pegolottis vergleichbare Schrift im Jahre 1511 verfasst. Auch sie war nur zum unternehmensinternen Gebrauch bestimmt und blieb daher geheim. Ihr Verfasser ist nicht bekannt und auch über die Identität der (vermutlich süddeutschen) Unternehmung, für die sie geschrieben wurde, kann nur spekuliert werden.[11]

Erst im Jahre 1558 brach Lorenz Meder aus Nürnberg mit der Geheimniskrämerei, indem er seine kaufmännischen Notizen über die „verborgenen Künste, so bisher noch nie an den Tag gekommen“ unter dem Titel Handel Buch veröffentlichte.[12] In Genua aber warfen die Kollegen noch im Jahre 1638 dem Kaufmann Giovanni Domenico Peri (1584–1639) Geheimnisverrat vor, als er die ursprünglich für seine Söhne gedachte Niederschrift seines kaufmännischen Wissens unter dem Titel Il Negotiante publizierte.[13]

Heutzutage hält man den Autoren der Renaissance zuweilen vor, das kaufmännische Wissen ihrer Zeit nicht systematisch und nur lückenhaft abgehandelt, ihre persönlichen Erfahrungen zu stark in den Vordergrund gestellt und moralische Forderungen zum Verhalten von Unternehmern in ihrem persönlichen und betrieblichen Umfeld erhoben zu haben, die nicht Gegenstand der Betriebswirtschaftslehre sein könnten. Inwieweit die Kritikpunkte dem Zeitgeist oder gar dem Zweck der Aufzeichnungen geschuldet sind, mag dahingestellt bleiben. Nicht zu bestreiten ist indes, dass der Betrieb als selbstständiger Organismus betrachtet wurde, den man vorderhand qualitativ, später mittels Buchhaltung und Kalkulation auch quantitativ zu erfassen suchte, womit Kapital und Kosten zu Erkenntnisobjekten wurden – auch wenn diese Begriffe noch nicht klar definiert waren. Die Schriften der Renaissance stellen jedenfalls eine wichtige Grundlage für die Entwicklung der Handlungswissenschaft im 17. und 18. Jahrhundert dar.[14]

Zeit der systematischen Handlungswissenschaft[Bearbeiten]

Als Begründer der Handlungswissenschaft gilt der Franzose Jacques Savary (1622–1690), der im Jahre 1675 das erste systematisch gegliederte Lehrbuch zur Betriebswirtschaft veröffentlichte: Le parfait Négociant. Darin fasste er das gesamte kaufmännische Wissen seiner Zeit zusammen, beschrieb das Handelsgeschäft und die damit verbundenen Risiken und schlug unter anderem vor, zur bilanziellen Bewertung des betrieblichen Vermögens das Niederstwertprinzip anzuwenden und für den periodengerechten Abschluss transitorische Posten vorzusehen.[15]

Savary hatte großen Einfluss auf Paul Jacob Marperger (1656–1730) aus Nürnberg, der in seinem Hauptwerk Nothwendige und nützliche Fragen über die Kauffmannschafft ebenfalls das Handelsgeschäft beschrieb und die Handelsspanne rechtfertigte. Als Erster begründete er den wissenschaftlichen Anspruch des Fachs, indem er forderte, „auff Universitäten öffentliche Professores Mercaturae zu verordnen“.

Als Savarys eigentlicher Nachfolger im deutschen Sprachraum aber gilt Carl Günther Ludovici (1707–1778), der „sein Augenmerk allein auf das Zusammentragen und systematische Aufbauen des Stoffes“ richtete und mit seinem Werk Eröffnete Akademie der Kaufleute oder vollständiges Kaufmannslexikon die beste Sammlung seiner Zeit schuf“ (Eduard Weber), in deren Anhang sich mit dem Grundriß eines vollständigen Kaufmanns-Systems eine systematische Darstellung der Handlungswissenschaft findet, die den Stoff gliedert in die Arten der Handels- und Handelshilfsbetriebe, die produktiven Faktoren (Waren, Personen, Sachmittel) sowie die Handelstätigkeit als Ein- und Verkauf.

Gestützt auf Ludovici, Marperger und Savary veröffentlichte Johann Carl May im Jahre 1762 den Versuch einer allgemeinen Einleitung in die Handlungswissenschaften, wobei er als „Handlung“ jedwede Erwerbswirtschaft bezeichnete, also nicht nur den Warenhandel, sondern auch das Gewerbe, die Schifffahrt und sogar die Landwirtschaft. Durch das Buch, das zahlreiche Auflagen hatte, wurde das Fach vor allem bei Praktikern populär.

Im Jahre 1785 erschien das Gemeinnützige Lehrbuch der Handlungswissenschaft für alle Klassen von Kaufleuten und Handlungsstudierenden von Johann Heinrich Jung, genannt Stilling (1740–1817), das auf den Arbeiten von May und Ludovici gründete, den Stoff aber auf neue Weise ordnete, nämlich in Tausch (Warenkunde, Geldkunde, Handelskunde) und Expedition (Frachtkunde, Zahlungskunde, Kontorkunde).

Ihren Höhepunkt erreichte die Handlungswissenschaft, als Johann Michael Leuchs im Jahre 1804 sein Buch System des Handels veröffentlichte, das insgesamt vier Auflagen erlebte. Er gliederte den Stoff in Warenkunde, Handlung und Buchhaltung und begann, durch Anwendung der Wahrscheinlichkeitsrechnung auf „Preis- und Kursveränderungen, auf Assekuranzgeschäfte und verarbeitende Anstalten“ das Fach zu mathematisieren.

Im 19. Jahrhundert verflachte die handlungswissenschaftliche Literatur. Stattdessen entwickelte sich das Handelsschulwesen, das die in der aufkeimenden Industrie benötigten kaufmännischen Arbeitstechniken vermittelte, die heute zur Propädeutik der BWL gerechnet werden. Die großen Werke der Handlungswissenschaftler gerieten darüber in Vergessenheit. Die vielversprechenden Ansätze von Bleibtreu, Courcelle-Seneuil und Emminghaus in der Mitte des 19. Jahrhunderts blieben ohne Echo. Das von ihnen beschriebene betriebliche Faktorsystem findet sich immerhin 90 Jahre später bei Erich Gutenberg wieder.[16]

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Erst an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert kam es zu einer wissenschaftlichen Neubelebung der Disziplin. Auf die Erkenntnisse der Handlungswissenschaftler und ihrer Vorläufer wurde dabei jedoch kein Bezug genommen. Man fing quasi noch einmal bei null an. Den Schwerpunkt bildeten zunächst die „propädeutischen“ Fächer (kaufmännisches Rechnen, Buchhaltung, Kontorkunde und Korrespondenz) sowie Fremdsprachen. Hinzu kamen die Betriebsorganisation sowie spezielle Lehren des Warenhandels, des Bankgeschäfts, des Transportwesens und der Versicherungen. Nach der Jahrhundertwende begann die vertiefte Analyse des betrieblichen Rechnungswesens (Kostenrechnung, Bilanz).

In den 1920er Jahren kam es zu einer als Methodenstreit in die Geschichte der BWL eingegangene Diskussion über das generelle Wesen und die zentralen Bezugspunkte. Der Streit erfolgte über den Bezug zum Wirtschaftssystem, die Stellung zur Volkswirtschaftslehre, die wissenschaftliche Methodik, das Erkenntnisobjekt, den Praxisbezug, die betrieblichen Ziele sowie schließlich über die Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre als normative, also auf ethische und praktische Normen gerichtete oder andererseits wertfreie, rational-theoretische Wissenschaft. Das Fach wurde als kaufmännische Betriebslehre, Handelswissenschaft, Privatwirtschaftslehre, Einzelwirtschaftslehre und Handelsbetriebslehre geführt, bevor sich die Bezeichnung Betriebswirtschaftslehre seit den 1920er Jahren durchsetzte.[17]

Nach dem Zweiten Weltkrieg ordnete Erich Gutenberg[18] die BWL von Grund auf neu, indem er betriebliche Teilbereiche (Produktion, Absatz, Finanzen) unterschied, Verbrauchsfunktionen in die Kostenrechnung einführte und die absatzpolitischen Instrumente (Absatzmethoden, Preispolitik, Produktgestaltung, Werbung) beschrieb (Produktionsfaktoransatz). Systematisch fortentwickelt wurde die BWL im deutschen Sprachraum von Hans Ulrich[19], der ihre Systemorientierung beleuchtete (Systemansatz), und von Edmund Heinen[20], der ihre Entscheidungsorientierung herausstellte sowie die Möglichkeit, betriebliche Entscheidungen mathematisch zu fundieren (Entscheidungsansatz). Unter dem Einfluss der amerikanischen Managementlehren kam es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Herausbildung des Verhaltensansatzes bei Günther Schanz[21], der auch als Führungs- oder Managementansatz bezeichnet wird[22].

1960 brachte Günter Wöhe zum ersten Mal das – inzwischen als Standardwerk anerkannte – Kompendium Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre heraus, das regelmäßig aktualisiert und seit 2008 von Ulrich Döring weitergeführt wird. In diesem Werk werden weitere Ansätze der Betriebswirtschaftslehre vorgestellt[23].

Abhandlungen zur Geschichte der BWL und Nachdrucke bedeutender handelswissenschaftlicher Werke[24] veröffentlicht die Vereinigung zur Förderung der Geschichte der Betriebswirtschaftslehre.

Gliederung[Bearbeiten]

Die Betriebswirtschaftslehre gliedert sich in zwei Hauptbereiche: die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (ABWL) und die Spezielle Betriebswirtschaftslehre (SBWL), welche wiederum in funktionale und institutionelle Betriebswirtschaftslehren unterteilt ist.

Allgemeine Betriebswirtschaftslehre[Bearbeiten]

Die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (ABWL) befasst sich mit planerischen, organisatorischen und rechentechnischen Entscheidungen in Betrieben. Sie ist dabei funktions- und branchenübergreifend ausgerichtet. Die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre gibt einen Überblick über die Wissenschaft der Betriebswirtschaftslehre und legt dabei funktions- und branchenübergreifende Zusammenhänge dar. Ziel ist es, das fachübergreifende Denken und Entscheiden zu fördern.

Spezielle Betriebswirtschaftslehre[Bearbeiten]

Die Spezielle Betriebswirtschaftslehre (SBWL) – bisweilen auch Besondere Betriebswirtschaftslehre (BBWL) genannt – fokussiert auf ausgewählte Fragen, die jeweils nur für bestimmte Unternehmen oder Unternehmensteile relevant sind. Hierbei gibt es zwei verschiedene Ansätze, Gebiete voneinander abzugrenzen: Institutionelle Betriebswirtschaftslehren betrachten alle Funktionsbereiche, jedoch immer nur für bestimmte Betriebstypen, die sich z. B. nach Branche, Betriebsgröße und -alter unterscheiden. Funktionale Betriebswirtschaftslehren fokussieren demgegenüber jeweils einzelne Funktionsbereiche in Betrieben, unabhängig von der jeweiligen Branche.

Funktionale Betriebswirtschaftslehren sind:

Unternehmensführung mit unterschiedlichem Fokus:

  • Marktorientierte Unternehmensführung oder Marketingmanagement
  • Wertorientierte Unternehmensführung oder Finanzmanagement (siehe auch Shareholder Value)
  • Mitarbeiterorientierte Unternehmensführung oder Personalmanagement

Institutionelle, auf spezielle Branchen fokussierte Betriebswirtschaftslehren sind

Weitere institutionelle Betriebswirtschaftslehren mit Fokus auf bestimmte Unternehmenstypen sind z. B.

Üblicherweise werden in einem Studium der Betriebswirtschaftslehre noch Hilfswissenschaften gelehrt, insb.:

Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile. Die funktionale BWL ist nur schwer in der Lage, branchenspezifische Probleme zu behandeln, liefert dafür aber branchenunabhängige Aussagen. Die Branchen-Betriebswirtschaftslehre fokussiert auf die für die Branche relevanten funktionalen Aspekte, besteht aber in weiten Teilen aus Doppelungen mit anderen Betriebswirtschaftslehren.

Schnittmengen mit anderen Wissenschaften[Bearbeiten]

Die BWL bildet mit anderen Wissenschaften Schnittmengen. Diese Schnittmengen sind häufig bestimmte betriebswirtschaftliche Problemfelder, deren Lösung nur interdisziplinär möglich ist. Sie bilden wiederum eigenständige Lehr- und Forschungsbereiche, können oft aber auch als SBWL gewählt werden.

Von diesen Bereichen ist die Wirtschaftspädagogik zumeist den wirtschaftswissenschaftlichen, erziehungswissenschaftlichen oder philosophischen Fakultäten der Hochschulen zugeordnet. Die Wirtschaftsinformatik und das Wirtschaftsingenieurwesen sind uneinheitlich entweder den BWL- oder den jeweiligen technischen Fakultäten zugeordnet. Je größer die Auswahl an unterschiedlichen ingenieurwissenschaftlichen Vertiefungen ist, umso eher ist es den BWL-Fakultäten zugeordnet. Wirtschaftsmathematik und Wirtschaftsgeografie befinden sich, in der Regel, in naturwissenschaftlichen Fakultäten, wie zum Beispiel Mathematik- und Geografiefakultäten.

Ausbildung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Betriebswirt

Betriebswirtschaftliche Kenntnisse werden auch im Rahmen der kaufmännischen Lehrberufe (Beispiel: Gehilfe zum Industrie-, Speditions-, Bankkaufmann usw.) vermittelt. Berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es an Fachschulen und Fachakademien (zum Beispiel zum staatlich geprüften Betriebswirt oder Betriebswirt der Sparkasse usw.) Betriebswirtschaftliche Studienmöglichkeiten an Hochschulen (Universitäten und Fachhochschulen) werden mit akademischen Graden (Diplom-, Bachelor-, Masterabschluss) abgeschlossen. Duale Studiengängen an Berufsakademien verleihen ihren Absolventen den 'Bachelor' als staatliche Abschlussbezeichnung. Wachsenden Zulauf verzeichnen in Deutschland auch die privaten Business Schools. Eine Möglichkeit zur Grundlagenbildung bietet der EBC*L – Europäische Wirtschaftsführerschein.

Forschungslandschaft[Bearbeiten]

Die betriebswirtschaftliche Forschung umfasst sowohl Grundlagen- als auch angewandte Forschung. Die Grundlagenforschung beschäftigt sich oftmals mit sehr speziellen und abstrakten Fragestellungen, die häufig formal-mathematisch modelliert oder empirisch analysiert werden. Die Präzision der wissenschaftlichen Methoden ist dabei mittlerweile auf ähnlichem Niveau wie z. B. in der Volkswirtschaftslehre oder der Psychologie. Die angewandte Forschung dient dazu, der Praxis konkrete Problemlösungen zu liefern. Empfänger der Forschung sind oft das Management, aber auch Gesetzgeber, Gesellschaft und Nichtregierungsorganisationen.

Bekannte deutschsprachige Fachzeitschriften sind Die Betriebswirtschaft (DBW), Zeitschrift für Betriebswirtschaft (ZfB) und Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung (zfbf). In der Handelsblatt-Zeitschriftenliste 2009, die verschiedene Zeitschriftenbewertungen konsolidiert, erreichten unter den betriebswirtschaftlichen Fachzeitschriften Academy of Management Journal, Academy of Management Review, Administrative Science Quarterly, Information Systems Research, Journal of Consumer Research, Journal of Finance, Journal of Financial Economics, Journal of Marketing, Management Science und Marketing Science die höchsten Platzierungen.[25] In seiner höchsten Kategorie 4* werden im Ranking der britischen Association of Business Schools (2010) die folgenden Zeitschriften eingeordnet: Academy of Management Journal, Academy of Management Review, Accounting Review, Accounting, Organizations and Society, Administrative Science Quarterly, Information Systems Research, Journal of Accounting and Economics, Journal of Accounting Research, Journal of Consumer Research, Journal of Finance, Journal of Marketing, Journal of Marketing Research, Management Science, Marketing Science, MIS Quarterly, Operations Research, Organization Science, Review of Financial Studies und Strategic Management Journal.[26]

Beim Handelsblatt Betriebswirte-Ranking 2009, das die Forschungsleistung von 2100 Betriebswirten in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz gemessen an der Qualität der Publikationen seit 2005 analysiert, erreichten Christian Homburg, Ulrich Lichtenthaler, Adamantios Diamantopoulos, Martin Högl, Martin Weber, Armin Scholl, Nils Boysen, Andreas Herrmann, Dirk Sliwka und Stephan M. Wagner die zehn besten Plätze.[27]

Organisationen, Verbände und Vereine[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Portal: Wirtschaft – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Wirtschaft
 Wiktionary: Betriebswirtschaftslehre – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikibooks: Betriebswirtschaft – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernhard Bellinger: Geschichte der Betriebswirtschaftslehre. Poeschel, Stuttgart 1967, S. 13.
  2. Bernhard Bellinger: Geschichte der Betriebswirtschaftslehre. Poeschel, Stuttgart 1967, S. 15.
  3. Zitiert nach Karl-Heinz Groll: Kennzahlen für das wertorientierte Management. Hanser, München/Wien 2003, ISBN 3-446-22293-6, Vorwort
  4. Hellmut Ritter Ein arabisches Handbuch der Handelswissenschaft. Separatdruck aus: Der Islam. Bd. 7, Straßburg 1916, in: Dissertationes philosophiae, Bonn 1916
  5. Edmund Sundhoff: Dreihundert Jahre Handelswissenschaft. Schwartz, Göttingen 1979, ISBN 3-509-01091-4, S. 20.
  6. Edmund Schreiber: Die volkswirtschaftlichen Anschauungen der Scholastik seit Thomas, Fischer, Jena 1913
  7. Rolf Dubs: Die Ursprünge der Kaufmannswissenschaften in der italienischen Renaissance, St. Gallen 1965, S. 22 ff.
  8. Rudolf Seyffert: Über Begriff, Aufgaben und Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre. 4. Auflage. Poeschel, Stuttgart 1957, S. 35.
  9. Als Reprint herausgegeben von Allan Evans, Cambridge Mass. 1936
  10. Eduard Weber: Literaturgeschichte der Handelsbetriebslehre. Tübingen 1914, S. 7.
  11. Die Handschrift ist in der Herzog August Bibliothek zu Wolfenbüttel mit der Signatur Cod. Guelf. 18.4 Aug. 4° archiviert
  12. Lorenz Meder: Handel-Buch. Darin angezeigt wird, welcher gestalt inn den fürnembsten Hendelstetten Europe allerley wahren anfencklich kaufft, dieselbig wider mit nutz verkaufft, wie die Wechsel gemacht, Pfund, Ellen unnd Müntz uberal verglichen und zu welcher zeit die Merckten gewönlich gehalten werden. Vom Berg und Neuber, Nürnberg 1562
  13. Eduard Weber: Literaturgeschichte der Handelsbetriebslehre. Tübingen 1914,, S. 32.
  14. Sundhoff: Dreihundert Jahre Handelswissenschaft. 1979, S. 25.
  15. Sundhoff: Dreihundert Jahre Handelswissenschaft. 1979, S. 37. Zum folgenden vgl. Eduard Weber: Literaturgeschichte der Handelsbetriebslehre. Tübingen 1914.
  16. Fritz Klein-Blenkers: Zur Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre in Deutschland. Festschrift anlässlich des 100-jährigen Gründungsjubiläums der Handelshochschule Leipzig am 25. April 1998, S. 18.
  17. Fritz Klein-Blenkers: Zur Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre in Deutschland. Festschrift anlässlich des 100-jährigen Gründungsjubiläums der Handelshochschule Leipzig am 25. April 1998, S. 26 f.
  18. Erich Gutenberg: Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Bd. 1, Die Produktion, 24. Aufl., Berlin 1984; ders.: Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Bd. 2, Der Absatz, 17. Aufl., Berlin 1983; ders.: Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Bd. 3: Die Finanzen, 8. Aufl., Berlin 1980
  19. Hans Ulrich: Die Unternehmung als produktives soziales System, 2. Aufl., Berlin/Stuttgart 1970
  20. Edmund Heinen: Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, 9. Aufl., Wiesbaden 1992
  21. Günther Schanz: Grundlagen der verhaltenstheoretischen Betriebswirtschaftslehre, Tübingen 1977
  22. Jean-Paul Thommen und Ann-Kristin Achleitner: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre,6. Aufl., Wiesbaden 2009
  23. Günter Wöhe/Ulrich Döring: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 24. Aufl., München 2010
  24. Vereinigung zur Förderung der Geschichte der Betriebswirtschaftslehre (Hrsg.): Schriften zur Geschichte der Betriebswirtschaftslehre. Seit 1988 sind in Bergisch Gladbach und Köln 20 Bände erschienen.
  25. Handelsblatt Ranking BWL: Zeitschriftenliste 2009 auf Handelsblatt.com
  26. ABS Launches Academic Journal Quality Guide Version 4.
  27. Handelsblatt Ranking Betriebswirtschaftslehre 2009.