Helga Nowotny

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Helga Nowotny (* 9. August 1937 in Wien) ist eine österreichische Soziologin und Wissenschaftsforscherin. Sie war von 1996 bis zu ihrer Emeritierung 2002 Professorin für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich und ist Vizepräsidentin des Europäischen Forschungsrates. Von 2010 bis 2013 war sie dessen Präsidentin sowie Vorsitzende des wissenschaftlichen ERC-Beirats.[1]

Leben[Bearbeiten]

Von 1998 an leitete sie das Collegium Helveticum der ETH Zürich. Bis zu ihrer Rückkehr in ihre Geburtsstadt Wien im Jahr 2004 war sie Gründungsdirektorin des post-graduate Fellowship-Programms „Society in science: the Branco Weiss Fellowship“ an der ETH Zürich. Sie erwarb ein Doktorat in Rechtswissenschaften an der Universität Wien (Dr. iur.) und ein Ph.D. in Soziologie an der Columbia University, New York. Ihre Lehr- und Forschungstätigkeit führte sie vom Institut für Höhere Studien (IHS) in Wien an das King´s College in Cambridge, U.K., an die Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld, an das Wissenschaftskolleg zu Berlin, das Wissenschaftszentrum Berlin und an die École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. Von 1992–1999 war sie Permanent Fellow am Collegium Budapest/Institute of Advanced Study. Vor ihrer Berufung an die ETH Zürich war Helga Nowotny Professorin und Vorstand des auf Initiative des Wissenschaftstheoretikers Erhard Oeser gegründeten Instituts für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsforschung der Universität Wien.

Helga Nowotny ist unter anderem Mitglied der Academia Europaea und Auswärtiges Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Unter anderen Ehrungen erhielt Helga Nowotny den John-Desmond-Bernal-Preis für ihr Lebenswerk in der Wissenschaftsforschung, 2008 den Preis der Stadt Wien für Geisteswissenschaften.

Forschung und Publikationen[Bearbeiten]

Helga Nowotnys Forschungsinteressen haben sie von der Makrosoziologie und ihren Methoden zur Wissenschaftsforschung (Social Studies of Science and Technology beziehungsweise Science and Technology Studies, STS) geführt. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit in den 70er und 80er Jahren standen Themen wie wissenschaftliche Kontroversen und technologische Risiken, soziale Zeit, der Umgang mit Unsicherheit, Selbstorganisation in der Wissenschaft sowie Geschlechterverhältnisse in den Wissenschaften. Sie publizierte dazu Monographien und gab mehrere Bücher heraus. Ihr Buch Eigenzeit (1987) wurde in mehrere Sprachen übersetzt und von 1992–95 war Helga Nowotny Präsidentin der International Society for the Study of Time. In den 1990er Jahren konzentrierte sie sich auf neue Themen in der Wissenschaftsforschung. Sie untersuchte gemeinsam mit Ulrike Felt wissenschaftliche Durchbrüche und deren Folgen auf die Forschungsförderung. Zunehmend rückten die sich verändernden Beziehungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft in den Mittelpunkt. Zusammen mit Michael Gibbons und Peter Scott ist sie Autorin von ‚Re-Thinking Science‘ (2001) (dt.: Wissenschaft neu denken: Wissenschaft und Gesellschaft in einem Zeitalter der Ungewissheit, 2004), das auf das einflussreiche Buch‚The New Production of Knowledge‘ (1994) folgte. Zu ihren jüngsten Publikationen zählen die Herausgabe von ‚Cultures of Technology and the Quest for Innovation‘ (2006) und ihre Monographie ‚Unersättliche Neugier. Innovation in einer fragilen Zukunft‘ (dt. 2005, italienisch 2006, engl. 2008 bei MIT Press). Sie ist außerdem Mitautorin von ‚The Public Nature of Science Under Assault‘ (2005). Insgesamt publizierte sie mehr als 250 Artikel in wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Zusammen mit dem Molekularbiologen Giuseppe Testa veröffentlichte sie 2009 das Werk Die gläsernen Gene. Die Erfindung des Individuums im molekularen Zeitalter, in dem der Einfluss der Lebenswissenschaften auf die Gesellschaft untersucht wird.

Forschungspolitik/Forschungsberatung[Bearbeiten]

Neben ihren Aktivitäten in Lehre und Forschung, beides an mehreren Universitäten und europäischen Forschungsinstitutionen, war und ist Helga Nowotny stark in der Forschungspolitik engagiert. Von 1985-1992 war sie Vorsitzende des ständigen Komitees für Sozialwissenschaften der European Science Foundation. Sie war und ist Vorsitzende und Mitglied wissenschaftlicher Beiräte von Forschungsinstitutionen und Beratungsgremien in Europa. Außerdem ist sie Vorsitzende des International Advisory Board der Universität Wien. Von 2001 bis Anfang 2006 war sie Vorsitzende von EURAB, des European Research Advisory Board der Europäischen Kommission, eine Funktion, die sie abgab, als sie zur Vize-Präsidentin des ERC bestellt wurde. Dieser wurde gegründet, um Frontier Research auf EU-Ebene zu fördern und einem einzigen Kriterium entsprechen muss - wissenschaftliche Exzellenz bei europaweitem Wettbewerb.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tageszeitung Der Standard