Herman Hollerith

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Herman Hollerith

Herman Hollerith (* 29. Februar 1860 in Buffalo, New York; † 17. November 1929 in Washington, D.C.) war ein US-amerikanischer Unternehmer und Ingenieur. Er ist Erfinder des nach ihm benannten Hollerith-Lochkartenverfahrens in der Datenverarbeitung.

Biografie[Bearbeiten]

Hollerith wurde als Kind deutscher Einwanderer aus Großfischlingen (bei Neustadt an der Haardt) in Buffalo im US-Bundesstaat New York geboren. Er besuchte das New Yorker City College. Das Studium der Ingenieurwissenschaften an der Columbia University schloss er 1879 als Bergwerksingenieur ab. Danach wirkte er als special agent bei der amerikanischen Volkszählung von 1880 mit, für die er einen statistischen Bericht über Art und regionale Verteilung der Energiequellen der Schwerindustrie erstellte. 1882 lehrte er am Massachusetts Institute of Technology, 1883 wechselte er ins US-Patentamt.

Lochkartenpatente[Bearbeiten]

Hollerith-Lochkarte aus dem Jahre 1895

1884 war er freiberuflich tätig. Im gleichen Jahr reichte er seine erste Erfindung zur Datenspeicherung ein, die nach einigen Umarbeitungen zu den Lochkarten-Patenten Nr. 395,781 und 395,782 von 1889 führte.[1] Hierbei griff er auf die Konstruktionsideen des französischen Mechanikers Falcon zurück, der seinen Webstuhl mittels eines Holzbrettchens mit Lochkombinationen steuerte und der Weiterentwicklung dieses Verfahrens durch Jacquard, der das Holzbrettchen durch Lochkarten aus Pappschablonen ersetzte. Hollerith übertrug das Steuerungsverfahren mittels gelochter Karten auf organisatorische Problemstellungen. Ein damaliger Kniff der Eisenbahnschaffner brachte ihn auf die Idee des Lochkarteneinsatzes zur Massendatenerfassung: Sie lochten die Fahrkarten an bestimmten Stellen, um bestimmte Merkmale eines Passagiers, wie Geschlecht und Hautfarbe, festzuhalten. So wurde die mehrfache Benutzung des Tickets durch verschiedene Personen ausgeschlossen.[2] Er entwickelte ein System zur Erfassung von Daten auf Lochkarten. Dies bestand im Einzelnen aus der Tabelliermaschine, dem Lochkartensortierer, dem Lochkartenlocher und dem Lochkartenleser. Am 9. Dezember 1888 installierte er die Erfindung im US-Kriegsministerium. Am 8. Januar 1889 meldete er sein System zum Patent an.

Ehrungen[Bearbeiten]

Maschinen[Bearbeiten]

Maschinen nach Herman Hollerith 1890 Siehe auf dem Tisch rechts einen Lochkartenleser gekoppelt mit senkrecht montierten runden Zählwerken (die frühe Tabelliermaschine) sowie neben dem Tisch rechts damit verbundenen Sortierkästen die Geburt des Lochkartensortierers, links auf dem Tisch der Phantographlocher ein Lochkartenlocher

Sein System (auch Hollerithmaschine genannt) wurde 1890 bei der amerikanischen Volkszählung verwendet. Es trug zu einer enormen Beschleunigung der Auszählung bei. In nur zwei Jahren mit 43 Maschinen und 500 Angestellten als Bedienungspersonal gelang die Auswertung des Datenmaterials, zuvor hätte dieselbe Anzahl an Leuten ganze sieben Jahre gebraucht. Hollerith verkaufte seine Maschinen nicht, er vermietete sie an die Volkszählungsbehörde.[3] Sein erster größerer Auftrag außerhalb der Vereinigten Staaten kam aus Russland, wo erstmals eine Volkszählung durchgeführt wurde.

Firmen[Bearbeiten]

Tabulating Machine Company[Bearbeiten]

Nach weiteren Verbesserungen des Systems gründete er schließlich 1896 die Tabulating Machine Company, um seine Erfindung kommerziell zu verwerten. Allerdings verlor er 1905 wegen überzogener Preise seinen besten Kunden, das US-amerikanische Census Bureau, das bis heute alle zehn Jahre Volkszählungen durchführt. Er verklagte das Volkszählungsbüro 1910 erfolglos wegen angeblicher Patentverletzung und versuchte so, die anstehende Volkszählung zu verhindern. 1911 verkaufte Hollerith schließlich seine Gesellschaft für rund 1,21 Millionen Dollar sowie einen über zehn Jahre laufenden Beratervertrag, der mit 20.000 Dollar jährlich dotiert war.

Computing Tabulating Recording Corporation[Bearbeiten]

Tabulating Machine Company fusionierte mit der Computing Scale Corporation und der International Time Recording Company zur Computing Tabulating Recording Corporation (CTR).

IBM[Bearbeiten]

1924 wurde CTR schließlich in International Business Machines Corporation (IBM) umbenannt.

Hollerith-Maschinen in Deutschland[Bearbeiten]

Deutscher Lizenznehmer war ab 1910 die Deutsche Hollerith-Maschinen Gesellschaft DEHOMAG in Berlin.

Literatur[Bearbeiten]

  • Geoffrey D. Austrian: Herman Hollerith. Forgotten Giant of Information Processing. Columbia University Press, New York NY 1982, ISBN 0-231-05147-6.
  • Bernhard J. Dotzler: Die Schaltbarkeit der Welt. Herman Hollerith und die Archäologie der Medien. In: Stefan Andriopoulos, Bernhard J. Dotzler (Hrsg.): 1929. Beiträge zur Archäologie der Medien (= Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft. Bd. 1579). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-29179-3, S. 288–315.
  • Hartmut Petzold: Moderne Rechenkünstler. Die Industrialisierung der Rechentechnik in Deutschland. Beck, München 1992, ISBN 3-406-35755-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herman Hollerith – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Herman Hollerith: Vater der Datenverarbeitung, Großvater der IBM.
  2. Patrick Bernau: IBM baut kaum noch Computer. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 27. Februar 2011, S. 34.
  3. Heinz Nixdorf Museumsforum zeigt Hollerithmaschine. auf: heise-online, 10. Mai 2007.