Hessische/Niedersächsische Allgemeine

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Hessische/Niedersächsische Allgemeine
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Beschreibung regionale Tageszeitung
Verlag Verlag Dierichs GmbH & Co. KG
Erstausgabe 26. September 1945
Erscheinungsweise täglich Montag bis Samstag
Verkaufte Auflage
(IVW 3/2014, Mo–Sa)
184.188 Exemplare
Reichweite (MA  2008) 0,632 Mio. Leser
Chefredakteur Horst Seidenfaden
Herausgeber Dirk Ippen
Weblink hna.de
Verlagshaus Dierichs in Kassel, Frankfurter Straße

Die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) ist eine von Montag bis Samstag erscheinende Tageszeitung für den Bereich Nordhessen und Südniedersachsen. Der Verlag Dierichs GmbH & Co KG gibt die HNA heraus. Ihre verkaufte Auflage beträgt 184.188 Exemplare.[1] Die HNA hieß bis 1975 Hessische Allgemeine und war 1959 aus der Fusion der Hessischen Nachrichten und der Kasseler Zeitung entstanden.

Geschichte[Bearbeiten]

Hessische Nachrichten[Bearbeiten]

Am 26. September 1945 erschienen erstmals die Hessischen Nachrichten in Kassel. Die Herausgeber Wolfgang Bartels (SPD), Fritz Schmidt (KPD), August Heinrich Berning, Gustav Römer (LDP-nah) und Wolfgang Poeschl (CDU-nah) hatten von der amerikanischen Militärregierung die Lizenz erhalten, die dritte Zeitung in Hessen (nach der Frankfurter Rundschau und der Marburger Presse) herauszugeben. Aus Papiermangel erschien die Zeitung zunächst nur mittwochs und samstags und kostete im Monat 1,85 Reichsmark. Seit dem 7. November 1945 erschien eine Stadtausgabe für Kassel und eine Landesausgabe. Diese Aufteilung wurde kurz darauf zugunsten von Lokalausgaben aufgegeben. Im Landkreis Hünfeld erschienen seit dem 23. Januar 1946 der Werrabote und im Landkreis Hersfeld seit dem 23. März 1946 die Hersfelder Rundschau. Entsprechend stieg die Papierzuteilung und die Auflage stieg Anfang Februar 1946 auf 90.000 Exemplare. Auch erschien die Zeitung ab April 1946 an drei Tagen in der Woche.

Im Sommer 1946 setzte die Zeitung ihre Expansion über Lokalausgaben fort. Am 7. Juni 1946 wurde aus der Hersfelder Rundschau der Fuldabote, der die Kreise Hersfeld, Rotenburg und Melsungen abdeckte. Das Schwälmer Echo war die neue Lokalausgabe der Landkreise Ziegenhain und Fritzlar-Homberg und der Nordhessische Spiegel die für die Kreise Hofgeismar und Wolfhagen.

Seit dem 1. August 1948 erschien die Zeitung an vier Tagen der Woche, seit dem 1. September 1948, bei einer Auflage von 130.000 Exemplaren, täglich. Die monatlichen Kosten betrugen 2,95 DM. Neben der Kasseler Ausgabe und der Zonenausgabe erschienen sechs Lokalausgaben: Der Werrabote, der „Fuldabote, der Ederbote, der Nordhessische Spiegel, das Schwälmer Echo und das Heimatecho.

Kasseler Zeitung[Bearbeiten]

Am 29. November 1946 erschien die zweite Kassler Lizenzzeitung, die Kasseler Zeitung, erstmals und machte den Hessischen Nachrichten Konkurrenz. Sie erschien zunächst montags, mittwochs und freitags.

Weitere Geschichte[Bearbeiten]

Die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) wurde am 2. Januar 1974 umbenannt. Grund war eine zunehmende Leserzahl aus dem südniedersächsischen Raum. Beim Verkauf der SPD-eigenen Hannoverschen Presse an die Madsack-Gruppe übernahm die Hessische Allgemeine deren südhannoversche Ausgaben: Neben der Göttinger Allgemeinen (ursprünglich Göttinger Presse) , die später eingestellt wurde, gelangten die Northeimer Neuesten Nachrichten (mit der Sollinger Allgemeinen), die Duderstädter Volkszeitung und die Mündener Nachrichten zum Verlagshaus Dierichs. Zur Verbreiterung der redaktionellen Basis lieferte die HNA den Mantelteil für den ökonomisch selbständigen Harz Kurier des expansiven Druckhauses Jungfer in Herzberg. Nach der Wende versuchte sich die HNA nach Thüringen auszudehnen und gründete die Mitteldeutsche Allgemeine mit Lokalausgaben im Eichsfeld, die aber später an die Thüringische Landeszeitung veräußert wurden. Im Ergebnis zahlreicher Transaktionen gibt es den Kopftitel Eichsfelder Tageblatt in identischer Typographie doppelt: als Kopfblatt des Göttinger Tageblatts für den Altkreis Duderstadt und als Kopfblatt der Thüringischen Landeszeitung für den benachbarten Landkreis Eichsfeld (Heiligenstadt). In der Folge der Übernahme der Braunschweiger Zeitung und des Harz Kuriers durch die WAZ-Mediengruppe übernahm das inzwischen in Osterode ansässige Blatt den Mantelteil der Braunschweiger Zeitung.

Eng verbunden war die HNA mit der 1976 vom damaligen Herausgeber und Verleger Paul Dierichs (1901–1996) gegründeten und nach ihm benannten Paul-Dierichs-Stiftung, die das gesellschaftliche Zusammenleben im Verbreitungsgebiet der Zeitung förderte. Nach dem Generationswechsel in der Verlagsleitung setzte Rainer Dierichs (1939–2007) auch das Stiftungswerk seines Vaters fort, bis die Stiftung nach dem Verkauf des Verlags dann 2003 aufgelöst wurde. Von der Stiftung wurden insgesamt mehr als 300 Initiativen von Bürgerinnen und Bürgern für ihr vorbildliches Engagement mit dem Paul-Dierichs-Preis ausgezeichnet, was von der HNA jeweils durch umfangreiche Berichterstattungen begleitet wurde.[2]

Verkauf und aktuelle Entwicklung[Bearbeiten]

Im Jahre 2002 wurde die HNA an die in München ansässige Ippen-Gruppe (u. a. Herausgeber des Münchner Merkur) verkauft. Seitdem hat sich das Erscheinungsbild der Zeitung stark gewandelt. So wird der Lokalberichterstattung wesentlich mehr Platz eingeräumt als zuvor. Insbesondere im Ressort Politik bedient sich die HNA weniger bei Agenturen, sondern setzt verstärkt auf eigene Hintergrundartikel. Im Sommer 2009 stellte die HNA ihre Blattstruktur um und den Lokalteil nach vorne. Die ersten beiden Bücher füllt das Lokale, es folgen Politik/Wirtschaft, Sport und Fernsehen/Kultur.

Die seit 1998 erscheinende Onlineausgabe der HNA bietet interaktive Leser-Blogs, Fotoseiten und Leserforen, seit 2007 auch einen wöchentlichen Podcast sowie selbst produzierte Videos an. Die HNA initiierte in Nordhessen ein Regio-Wiki.

Für Aufsehen in der Medienbranche sorgte die Information, ab April 2009 für sechs Wochen probeweise und laut stellv. Chefredakteur Jan Schlüter „mit ergebnisoffenem Ausgang“ auf die Verwendung von Texten und Fotos der Deutschen Presseagentur (dpa) zu verzichten.

Seit dem 2. Januar 2012 betreibt die HNA einen eigenen Internetradiosender.

Die HNA ist Deutschlands erfolgreichste Zeitung auf YouTube mit 11.721.637 Aufrufen. [3]

Auflage[Bearbeiten]

Die HNA hat ebenso wie die meisten deutschen Tageszeitungen in den vergangenen Jahren an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 21,7 Prozent gesunken.[4] Sie beträgt gegenwärtig 184.188 Exemplare.[5] Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 95,6 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[6]


Verbreitung[Bearbeiten]

HNA-Geschäftsstelle und Redaktion in Schwalmstadt

Die HNA bedient auch das weitere Umland Kassel, genauer gesagt die Kreise Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, Werra-Meißner sowie Hersfeld-Rotenburg. In Südniedersachsen unterhält die HNA Redaktionen in Göttingen, Hann. Münden, Northeim und im Solling (Uslar). Insgesamt gibt es 16 verschieden Lokalausgaben der HNA, diese reichen von Northeim im Norden bis Schwalmstadt im Süden.

Kultur[Bearbeiten]

Die HNA veranstaltet, mit dem Staatstheater Kassel zusammen, seit 2008 jährlich das HNA Sommer Open Air und betreibt Verkaufsstelle für Eintrittskarten verschiedener kultureller Veranstaltungen im Raum Kassel wie z. B. dem Kulturzelt.

Kritik[Bearbeiten]

In Nordhessen hat diese Zeitung quasi eine Monopolstellung, da weitere regionale Tageszeitungen fehlen. Lediglich im Landkreis Waldeck-Frankenberg erscheint die Waldeckische Landeszeitung/Frankenberger Zeitung. Während die Waldeckische Landeszeitung im Nordteil des Landkreises Marktführer ist, hat die HNA Frankenberger Allgemeine im Südteil des Landkreises die höhere Auflage.

Im April 2006 wurde das von der HNA produzierte Magazin Alszus, welches auf dem Offenen Kanal Kassel ausgestrahlt wird, kritisiert, da man in ihm zunächst eine unerlaubte Werbesendung für die HNA sah. Nach der Entfernung des HNA-Logos aus der Sendung sowie der Versicherung, die HNA-Redakteure würden diese in ihrer Freizeit gestalten, erlaubte die Landesanstalt für privaten Rundfunk die weitere Ausstrahlung.[7]

In die Kritik kam die HNA zusätzlich im Oktober 2007, als bekannt wurde, dass der Verlag der Zeitung sich zum 1. Januar 2008 aus der Tarifbindung des Arbeitgeberverbandes der hessischen Zeitungsverleger lösen wollte[8].

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. laut IVW, drittes Quartal 2014, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  2. Wolfgang Mentzel: Die „Paul-Dierichs-Stiftung“. In: Rolf Hauer (Hrsg.): Stiftungen aus Vergangenheit und Gegenwart. Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 1982, ISBN 3-16-944484-0, S. 331–335.
  3. newsroom.de: Hessische/Niedersächsische Allgemeine: Erfolgreichste deutsche Zeitung auf Youtube., abgerufen am 28. Januar 2014
  4. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  5. laut IVW, drittes Quartal 2014, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  6. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)
  7. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.dgb.de[3]
  8. http://www.nordhessische.de/cms/jml/content/view/713/40/