Himalayasalz

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Grob gemahlenes Himalayasalz (ca. 5 mm)
Rotes Steinsalz aus Pakistan, werbewirksam als „Himalayasalz“ im Handel.

Himalayasalz ist eine Handelsbezeichnung für rosagetöntes (eisenionenhaltiges) Steinsalz, das vorwiegend in Reformhäusern, Naturkost- und Esoterikläden als Speisesalz angeboten wird.

Wie andere rohe (unraffinierte) Steinsalze besteht es zu 97 bis 98 Prozent aus Natriumchlorid und einem geringen Anteil von etwa sieben weiteren Mineralien wie Gips und begleitende Sulfate, sowie Kaliumchlorid. Seine rötliche Färbung verdankt es den Eisenionen eines geringfügigen Anteils an Eisenoxidverunreinigungen.[1] Einen gesundheitlichen Vorteil bietet das Himalayasalz nicht.

Der Abbau erfolgt zum größten Teil im Salzbergwerk Khewra im Salzgebirge, einem Mittelgebirge in der pakistanischen Provinz Punjab, 200 Kilometer südwestlich des Himalayagebirges. Dieses Salzbergwerk ist das zweitgrößte der Welt und es gibt hier seit mindestens dem 16. Jahrhundert kommerziellen Salzabbau.

Angebot[Bearbeiten]

Salzlampe mit Teelicht

Himalayasalz wird fein gemahlen, als Granulat oder in Form von Halitbrocken angeboten. Aus Halitbrocken werden außerdem Salzlampen hergestellt. Als Alexandersalz wird das Produkt bezeichnet, weil der Legende nach die Lagerstätte Khewra von den Pferden im Heer Alexanders des Großen entdeckt wurde. Den gleichen Bezug des Besonderen vermittelt die Bezeichnung Hunza-Kristallsalz, weitere Handelsbezeichnungen sind, Zaubersalz, Kaisersalz oder Kristallsalz.

Herkunftsfragen[Bearbeiten]

Das Produkt wurde vormals als „Lahoresalz“ (nach einer nahegelegenen Stadt) vertrieben.[2] Himalayasalz als Herkunftsbezeichnung ist für den Verbraucher irreführend.[3] Der Bezug vom Abbauort im Mittelgebirge im Punjab zum höchsten Gebirge der Erde (Karakorumgebiet) ist lediglich werbewirksam und insofern esoterisch bedeutsam. Zudem wird der Eindruck durch entsprechende Bezüge. „Wie das Landgericht zutreffend ausgeführt hat, verbindet der durchschnittlich informierte deutsche Verbraucher mit der Angabe „Himalaya“ die Vorstellung von einer Hochgebirgsregion mit den höchsten Erhebungen der Erde. Durch die Aufmachung mit dem Bild eines schneebedeckten Gipfels wird diese Vorstellung noch verstärkt. […]Dagegen findet der Abbau des von der Beklagten angebotenen Steinsalzes unstreitig im Tagebau in einer vom Himalaya-Massiv durch eine dichtbesiedelte Ebene getrennten, rund 200 km entfernten Hügellandschaft statt. Damit rechnet auch kein besonders aufmerksamer Verbraucher, der den englischsprachigen Text auf dem Etikett entziffert, wo von Salzminen Alexanders des Großen in den Regionen Karakorum (mit dem zweithöchsten Berg der Erde) und Kaschmir (am Hindukusch) die Rede ist.“ [4] Ein kleinerer Teil der als Himalayasalz vertriebenen Produkte stammt aus polnischem Bergbau.[5]

Zugeschriebene Wirkweise[Bearbeiten]

Populär wurde Himalayasalz durch Peter Ferreiras (Pseudonym des Autors und Geschäftsmannes Peter Druf) im Oktober 2001 erschienenes Buch Wasser und Salz, Urquell des Lebens, in dem es bei regelmäßiger Anwendung als Allheilmittel für Zivilisationskrankheiten gepriesen wird. Es könne sogar Fehlernährung, wie durch zu viel Kochsalz, korrigieren. Begründet wird dies vor allem damit, dass dieses Salz 84 chemische Elemente in einem ähnlichen Mischungsverhältnis enthalte wie das menschliche Blut. Außerdem habe das Salz dieselben „energetischen Schwingungen“ wie der menschliche Organismus und ihm wird ein besonderer „Informationsgehalt“ zugesprochen. Angeblich bestätigt werden diese Angaben von einem nicht auffindbaren „Institute of Biophysical Research“ mit Sitz in Las Vegas, USA.[6] Gleichzeitig war Ferreira Inhaber der Firma Lichtkraft, einem der größten Vertreiber von Himalayasalzprodukten.[7]

Wissenschaftliche Beurteilung[Bearbeiten]

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat 15 verschiedene Proben des Himalayasalzes untersucht und konnte nur zehn Elemente finden.[8] Das ZDF-Magazin WISO hat im Jahr 2006 Proben des sogenannten Himalayasalzes an der Technischen Universität Clausthal untersuchen lassen. Auch dort wurden lediglich zehn Elemente festgestellt. Zusätzlich war in der untersuchten Probe als Verunreinigung Polyhalit, eine Form von Gips enthalten.[9]

„Das Salz unterscheidet sich in seiner chemischen Zusammensetzung in keinster Weise von anderen natürlichen Steinsalzen. Gegenüber dem bekannten Küchensalz unterscheidet es sich nur dadurch, dass es mehr Verunreinigungen enthält.“

Mineraloge Michael Siemann.[9]

Anders als behauptet, finden sich im menschlichen Körper weniger als 30 Elemente – etwa zehn Elemente bilden praktisch die gesamte Körpersubstanz, elf Elemente sind essentielle Spurenelemente etwa als Bestandteil von Enzymen. Einige weitere Elemente kommen je nach Umweltbedingungen in Spuren vor, spielen für den Stoffwechsel aber keine oder eine schädigende Rolle. Schädigend wirken insbesondere die Schwermetalle Quecksilber, Blei und Cadmium.[10] Enthielte Himalayasalz tatsächlich über 80 Elemente, so wäre der Großteil von ihnen für den menschlichen Körper nutzlos oder giftig. Im Übrigen ist zu bedenken, dass nicht die Elemente an sich, sondern deren Verbindungen entscheidend sind.

Für die behaupteten positiven Auswirkungen von Kristallsalz auf die Gesundheit gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Ein Nachweis dafür, dass mit Solelösung Schwermetalle oder Ablagerungen in den Gefäßen (Arteriosklerose) aus dem Körper ausgespült werden könnten, liegt nicht vor.[11] Mit der in Mitteleuropa üblichen Kost wird ausreichend Salz aufgenommen, eine zusätzliche Zufuhr kann den Stoffwechsel und die Nieren belasten. Die Aussage, dass es möglich sei, mit Hilfe von Kristallsalz hohen Blutdruck (arterielle Hypertonie) zu senken, ist wissenschaftlich unhaltbar. Das trifft auch für Aussagen im Hinblick auf eine angebliche Übersäuerung des Körpers zu.[12]

Himalayasalz enthält – wie jedes Speisesalz – abgesehen von Chlorid und Natrium, nur geringe Spuren anderer Mineralstoffe. Zur Deckung des täglichen Bedarfs an weiteren Mineralstoffen trägt es praktisch nichts bei.

„Kristallsalz als ‚reich an Mineralstoffen‘ zu bezeichnen, ist schlicht Irreführung des Verbrauchers.“

Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung[11]

Nach Angaben des Verbandes der Ernährungswissenschaftler Österreichs sind in zwei Teelöffeln Himalayasalz 45 mg Calcium (Tagesbedarf: 1000 mg), 5 mg Magnesium (Tagesbedarf: 300 mg) und 0,7 mg Eisen (Tagesbedarf: 10 mg) enthalten.[12]

Trotz seiner durchschnittlichen Zusammensetzung wird Himalayasalz zu annähernd dem zwanzigfachen Preis von üblichem Speisesalz verkauft. Öko-Test und Stiftung Warentest sprechen dem Himalayasalz jede besondere Wirkung ab und sehen darin eine „üble Geschäftemacherei“ beziehungsweise eine Irreführung des Verbrauchers.[3][13][14]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Petrographie. Bildung, Zusammensetzung und Veränderung der Gesteine von Justus Roth, S. 558: „Punjub, Saltrange. Rothe Mergel mit Steinsalz, Gyps und etwas Dolomit. In den Mayo salt mines, Khewra, kommt auch Sylvin, Kieserit, Glauberit, Blödit vor. Medlicott and Blanford. Geolog. of India. 1878, II, 486“
  2. „Das Salz, welches diese Kette liefert, ist theils klar und durchsichtig wie Krystall, und dabei so hart, daß man Schüsseln zum Essen und anderes Geräth daraus verfertigt, weshalb es auch starken Absatz in Kaschmir findet, theils ist es, und zwar ostwärts von bräunlicher Farbe und wird in Ostindien unter dem Namen Lahoresalz verkauft.“Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, herausgegeben von J.S.Ersch und J.G.Gruber, Dritte Section, Siebzehnter Theil, F.A. Brockhaus, Leipzig 1842, Stichwort Peshawer, S. 295
  3. a b Ludmilla Tüting zum Himalaya-Salz
  4. Oberlandesgericht Köln, Urteil vom 01.10.2010 – 6 U 71/10
  5. Was ist dran an Himalaya-Salz und Co.? auf wissen.de
  6. Weißes Gold des Himalaja in FOCUS Nr. 11 (2002)
  7. Kristallsalz in aller Munde, gesalzene Preise in allen Läden - und wer profitiert? Artikel von Walter von Holst in der Zeitschrift ZeitGeist vom Oktober 2002 (Online; PDF; 126 kB)
  8. Pressemitteilung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
  9. a b ZDF: Teure Würze aus dem Himalaya (2006) (Memento vom 24. Oktober 2006 im Internet Archive)
  10. FU Berlin: Elementverteilung im menschlichen Körper
  11. a b UGB: Das Geschäft mit dem Himalayasalz
  12. a b VEÖ: Der Nepp mit dem Himalayasalz (2003) (Memento vom 9. Oktober 2007 im Internet Archive) (PDF; 137 kB)
  13. Gesünder durch Himalaya-Salz?, Öko-Test 7/2002, S. 126
  14. Himalaya-Salz - Glaubensfrage, Stiftung Warentest, in:test 10/2002, S. 17