Homosexualität in Trinidad und Tobago

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Geografische Lage von Trinidad und Tobago

Homosexualität ist in Trinidad und Tobago sowohl für Männer als auch Frauen gesetzlich verboten. Das Gesetz gegen Homosexuelle wurde erst 2000 erneuert und wird von weiten Teilen der religiös-konservativen Bevölkerung befürwortet. Trotz langsam wachsender Akzeptanz ist Homophobie noch immer im Land verankert, weswegen LGBT-Menschen ihre sexuelle Identität vielerorts verbergen.

Illegalität[Bearbeiten]

In Trinidad und Tobago wird Analverkehr nach § 13 des Sexual Offences Act von 2000 (auch heterosexueller Analverkehr) mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 25 Jahren geahndet. § 16 sieht eine Bestrafung für alle anderen gleichgeschlechtlichen sexuellen Handlungen zwischen Männern, ebenso wie zwischen Frauen, mit Gefängnis von bis zu fünf Jahren vor. Ausdrücklich von der Bestrafung dieser „Unanständigkeiten“ („acts of serious indecency“) ausgenommen, sind solche von Ehepaaren oder von Männern mit Frauen ab einem Alter von 16 Jahren. Dieses eindeutig anti-homosexuelle Gesetz wurde erst 2000 im novellierten Sexual Offences Act eingeführt, um Homosexualität zu kriminalisieren. Außer Guyana und Barbados existiert kein weiteres Land auf dem Doppel-Kontinent Amerika mit derart drakonischen Strafen für einvernehmlichen Sex.[1] (Zum Vergleich: Für Anstiftung zum Mord beträgt die Höchststrafe 10 Jahre.)

Gemäß Artikel 8 des Immigration Act ist es ausländischen Prostituierten, Schwulen und Lesben nicht gestattet, das Land zu betreten. Allerdings ist kein Fall bekannt, dass dieses Gesetz vollstreckt wurde. Gegen die Einreise des offen schwulen Popstars, Sir Elton John, startete die lokale anglikanische Kirche 2007 eine Kampagne, konnte jedoch dessen Einreise und Teilnahme am Plymouth Jazz Festival auf Tobago letztlich nicht verhindern.[2]

Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare[Bearbeiten]

Gleichgeschlechtliche Paare werden weder im Wege der eingetragenen Partnerschaft noch im Rahmen einer gleichgeschlechtlichen Ehe anerkannt.

Gesellschaftliche Situation[Bearbeiten]

In Trinidad und Tobago herrschen, wie in fast allen ehemals britischen Kolonien in der Karibik, diskriminierende Gesetze und homophobe Praktiken, die verhindern dass homosexuelle Menschen Zugriff auf die Gesundheitsdienste haben. Die Regierung des Inselstaates wurde wiederholt von Menschenrechtsaktivisten aufgefordert, die Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit anderer sexueller Orientierung zu reduzieren.

Trinidad und Tobago gehört zu den letzten elf Ländern (allesamt Commonwealth-Staaten) auf dem Doppel-Kontinent Amerika, in denen Homosexualität noch sanktioniert wird. Die Strafgesetzgebung, die seit 2000 auch sexuelle Beziehungen zwischen Personen des gleichen Geschlechts kriminalisiert, würde „allerdings seit vielen Jahren nicht durchgesetzt und Homosexuelle nicht strafrechtlich verfolgt werden“.[3]

In einer Umfrage aus dem Jahr 2009 (Trinidad and Tobago's Newsday 17. April 2009) gaben 66 Prozent der Befragten an, nicht in der Nachbarschaft eines Homosexuellen leben zu wollen. Zwei Prozent gaben in der gleichen Umfrage an, nicht neben Menschen anderer Abstammung leben zu wollen, wogegen eine im Dezember 2007 durch Gallup durchgeführte Umfrage ergab, dass Trinidad und Tobago zu den Ländern mit der geringsten Akzeptanz von Schwulen und Lesben in Amerika gehört. Zugleich waren 17 Prozent der landesweit Befragten der Ansicht, dass die Region, in der sie lebten, ein guter Ort für Homosexuelle wäre. (im Vergleich: durchschnittlich 24 Prozent bei 113 Ländern).[4]

In den Jahren 2008 und 2009 unterzeichnete Trinidad und Tobago die Resolutionen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), die das Verbot von Gewalt wegen sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität fordern. Im Dezember 2008 lehnte die Regierung jedoch die Unterzeichnung einer von 66 Staaten unterstützen unverbindlichen Erklärung der Generalversammlung der Vereinten Nationen zur Entkriminalisierung der Homosexualität ab.

In der Hauptstadt Port of Spain existiert eine homosexuelle Szene. Einigen Berichten zufolge scheint die Situation im Land für Touristen wie für Einheimische weniger gefährlich, als die Gesetze vermuten lassen. Die Szene soll nach Puerto Rico die größte im karibischen Raum sein.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ILGA: ILGA State-Sponsored Homophobia Report, abgerufen 29. April 2012
  2. ttgapers.com: Sir Elton John given special permit for Tobago visit, abgerufen 29. April 2012
  3. gaytimes.co.uk: Gay Guide - Trinidad and Tobago, abgerufen 29. April 2012
  4. UNHCR: Trinidad and Tobago: Situation of homosexuals; state protection; whether Sections 13 and 16 of the Sexual Offences Act and Paragraph 8(1)(e) of the Immigration Act are enforced (January 2003 - July 2009), abgerufen 29. April 2012