Hotel Waldhaus Vulpera
Das im Neorenaissance-Stil erbaute Kurgebäude und Grandhotel Hotel Waldhaus Vulpera mit kunstvollen Sgraffito-Elementen galt europaweit lange Zeit als erste Adresse im Bädertourismus der Alpen und Wahrzeichen der Belle Époque. Mit 270 Betten war es das grösste Hotel in Scuol-Tarasp-Vulpera und ging als einer der bedeutendsten Hotelneubauten des 19. Jahrhunderts in die Architekturgeschichte ein.
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Geschichte [Bearbeiten]
Erbaut wurde das Grandhotel Waldhaus Vulpera 1896–97 im Auftrag der "Hotelgesellschaft Waldhaus Vulpera" durch den Architekten Nikolaus Hartmann senior (1838–1903), eröffnet wurde es am 8. Juni 1897. Zu den regelmässigen Gästen des Hotel Waldhaus gehörte ab 1959 auch Friedrich Dürrenmatt, der seine Aufenthalte nutzte, um sie in seinen letzten Roman Durcheinandertal einfliessen zu lassen.
Im Jahr 1883 übernahmen die Gebrüder Duri und Caspar Pinösch aus Ardez die Pension "Waldhaus" in Vulpera. Der Keller und die Parterre-Räume der "Pension Waldhaus" wurden teilweise in den Südflügel des Hotelneubaus von 1896-1897 integriert, der Rest der "Pension Waldhaus" wurde abgerissen.
Im Jahr 1886 wurde ein Holz-Chalet als Villa Dependance des Hotel Waldhaus Vulpera im Auftrag der Gebrüder Pinösch durch die Baumeister Baur und Nabholz (Seefeld Zürich) errichtet. Vom 10. Juni 1894 bis 11. Juli 1894 war in diesem Chalet die Königin der Niederlande Wilhelmina (Niederlande) zu Gast. Aufgrund dieses Besuchs trägt die Villa nun den Namen "Villa Wilhelmina" bzw. "Villa Wilhelmine".
Bereits im Jahr 1894 erhält Vulpera ein eigenes Kraftwerk (Brown, Boveri & Cie und Escher Wyss & Cie.) und damit erstmals elektrisches Licht.
1930 erbaut die "Hotelgesellschaft Waldhaus Vulpera" das dritte Hotel-Freibad in der Schweiz (auch Strandbad genannt).
Am 27. Mai 1989 wurde das Hotel durch einen durch Brandstiftung verursachten Grossbrand zerstört. Laut Jahresbericht der Gebäudeversicherung Graubünden folgte daraus ein Totalschaden mit einer Schadenssumme: 23 Mio. Fr. Heute liegt dort eine Parkanlage, in der sich noch Elemente des Grandhotels (Brunnenanlage und Gusseisensäulen) sowie die Villa Wilhelmina befinden.
Heute noch im Betrieb befindliche Hotels der ehemaligen "Hotelgesellschaft Waldhaus Vulpera" sind das "Hotel Schweizerhof" (erbaut 1898-1900 durch Karl Gottlieb Koller), das "Hotel Villa Post" (erbaut 1901 als Postbüro von Vulpera) und das Hotel "Villa Engiadina" (erbaut 1901 durch Karl Gottlieb Koller). Das noch im Originalzustand existierende Hotelfreibad, die 1923 geschaffenen Golfanlagen des Golf Clubs Vulpera und das Kraftwerkmuseum zeugen ebenfalls noch von der Schaffenskraft der Hoteliersdynastie Pinösch. Vor allem durch diese einzigartigen Hotelbauten wurde Vulpera in das Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgenommen.
Ausstellungen [Bearbeiten]
- Wie es dem Gast gefällt. Hotelarchitektur einst und heute. Das Gelbe Haus, Flims, 2008–2009. Die Ausstellung präsentierte zehn Hotelbiographien, unter anderem Waldhaus Vulpera – heiss abgebrochen?.
- Grand Hotel Abgrund: Dichtung und Dichter im Hotel. Stiftung Schloss Neuhardenberg. 1. September 2009 bis 25. Oktober 2009. Die vom Literaturhaus München konzipierte Ausstellung umfasste unter anderem Ausstellungsstücke aus dem Hotel Waldhaus Vulpera und wurde für Neuhardenberg ergänzt um Stücke aus Grand Hotels in Berlin und entscheidend vertieft um eine bildkünstlerische Installation von Udo Lindenberg.
Filme [Bearbeiten]
- Tender is the Night (1985) BBC-Verfilmung des Romans „Tender is the night“ (Zärtlich ist die Nacht) von F. Scott Fitzgerald. (Kulisse)
- Brand des Hotel Waldhaus in Vulpera. Fernsehdokumentation von Claudia Knapp color/Romanisch 6 Min, 1989.
Literatur [Bearbeiten]
- Friedrich Dürrenmatt: Durcheinandertal. Diogenes, Zürich 1989; Neuausgabe 1998, ISBN 3-257-23067-2.
- Roland Flückiger-Seiler: Hotelträume zwischen Gletschern und Palmen. Hotelpaläste zwischen Traum und Wirklichkeit. Schweizer Tourismus und Hotelbau 1830–1920. Hier und Jetzt, Baden 2003, ISBN 3-906419-68-1, S. 166–219.
- M. Jakob: Der Park der Villa Wilhelmina. Graubünden Magazin, Sommer 2005, S. 8-17.
- Pauline Lenz: Die Kurärztin. Ein Roman nach dem Leben. Die Rose, München-Unterhaching 1959.
- Marcella Maier: Alte Gärten in der Schweiz: Kurpark Vulpera. Anthos. Zeitschrift für Freiraumgestaltung, Grün- und Landschaftsplanung, 1995, Band 34 (2), S. 39.
- Ulrich Weber: Das Kurhaus im «Durcheinandertal». Friedrich Dürrenmatt und das «Waldhaus Vulpera» In: Cordula Seger (Hrsg.): Grand Hotel. Bühne der Literatur. Dölling und Galitz, München 2007, ISBN 978-3-937904-54-2, S. 159–171.
Weblinks [Bearbeiten]
- Hotel Waldhaus Vulpera
- Hotel Revue
- Der grosse Verlust eines Kulturdenkmals: Vor 20 Jahren wurde das Hotel «Waldhaus» in Vulpera ein Raub der Flammen (PDF-Datei; 3,84 MB)
- Film über Renato Testa, den letzten Eigentümer des Hotel Waldhaus. Der Brand des Hotel Waldhaus wird in den Minuten 4.00 bis 5.00 des 25 minütigen Beitrags gezeigt
46.78764233055610.2891147136111270Koordinaten: 46° 47′ 15,5″ N, 10° 17′ 20,8″ O; CH1903: 817608 / 185784
- Hotel im Kanton Graubünden
- Großbrand
- Tarasp
- Scuol
- Abgegangenes Bauwerk in der Schweiz
- Neorenaissancebauwerk in der Schweiz
- Erbaut in den 1890er Jahren
- Katastrophe 1989
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