Labyrinth

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Labyrinth (Begriffsklärung) aufgeführt.
Fingerlabyrinth an der Pfarrkirche von Beyenburg

Labyrinth bezeichnet ein System von Linien oder Wegen, das durch zahlreiche Richtungsänderungen ein Verfolgen oder Abschreiten des Musters zu einem Rätsel macht. Labyrinthe können als Bauwerk, Ornament, Mosaik, Pflanzung und Maislabyrinth, als Zeichnung oder Felsritzung ausgeführt sein. Auch in gedruckter Form existieren Abbildungen labyrinthischer Muster. Darüber hinaus wird der Begriff im übertragenen Sinne verwendet, um einen Sachverhalt als unüberschaubar oder schwierig zu kennzeichnen.

Abgrenzung[Bearbeiten]

Labyrinthe sind nicht zu verwechseln mit konzentrischen Kreisen oder Spiralen, die im selben Zusammenhang ggf. sogar auf gleichem Trägermaterial vorkommen.

Wortherkunft[Bearbeiten]

Die Herkunft des Wortes Labyrinth (griechisch λαβύρινθος labyrinthos) ist ungeklärt.

MacGillivray will es auf den Pränomen Labaris des ägyptischen Pharaos Amenemhet III. zurückführen.[1] Eine alte Theorie sieht einen Zusammenhang zwischen den Worten Labyrinth und Labrys (was ursprünglich (Doppel-)Axt oder Stein bedeutet haben könnte) mit der Ortsendung -inthos.[2] Nach Karl Kerényi bezeichnete das Wort Labyrinth einen Steinbruch mit vielen Schächten und Gängen.[3] Eine der ältesten Quellen für das Wort ist eine bei Knossos gefundene Steintafel in Linear B, welche die Wörter DA-PU-RI-TO-JO PO-TI-NI-JA enthält. Aus DA-PU-RI-TO-JO könnte das Wort Labyrinth entstanden sein.[2]

Arten von Labyrinthen[Bearbeiten]

Kretisches („klassisches“) Labyrinth
Römisches Labyrinth
Christliches Labyrinth

Die Formen von Labyrinthen sind vielfältig. Anhand der Linienführung (des Wegemusters) lassen sich zwei Arten unterscheiden:

  • Labyrinth im ursprünglichen Sinn: Ein verschlungener, verzweigungsfreier Weg, dessen Linienführung unter regelmäßigem Richtungswechsel zwangsläufig zum Ziel, dem Mittelpunkt gelangt.
  • Labyrinth im weiteren Sinn: Ein System mit Verzweigungen, das Sackgassen oder geschlossene Schleifen enthalten kann. Diese Art Labyrinth wird auch Irrgarten genannt. Dort ist ein Verirren möglich und meist Sinn der Anlage.

Das Gebäude, das Daidalos für den kretischen König Minos in Knossos als Gefängnis für den Minotauros errichtete, besaß ein verzweigtes Gangsystem, wie der zur Orientierung verwendete Ariadnefaden nahelegt. Archäologisch ist ein solches Labyrinth nicht nachgewiesen. Ornamentale Darstellungen von Labyrinthen wurden möglicherweise im kretischen Stierkult verwendet.

Labyrinthische Muster mit Verzweigungen sind in Europa vereinzelt ab dem 15. Jahrhundert belegt. Echte Irrgärten entstehen im 16. Jahrhundert. Die ersten mit hohen Hecken ausgestatteten Anlagen, in denen man sich verirrren konnte, kommen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf (Verona, um 1570). Von diesem Zeitpunkt ab nimmt die Entwicklung der Labyrinthe im weiteren Sinn (der „echten“ Irrgärten) eine eigenständige Entwicklung, die bis heute zu immer komplizierteren Mustern und Wegenetzen geführt hat.

Aus dem kretischen Muster kann durch vierfache Wiederholung das römische, durch Ineinanderfügen zweier verkleinerter römischer das christliche Muster entwickelt werden. Dass sich die Muster wirklich auf diese Weise gebildet haben, ist nicht belegbar. Überlegungen, durch Aufschneiden einer Spirale oder konzentrischer Kreise und Verbinden der dabei entstehenden offenen Wegestücke sei die Grundform der labyrinthischen Figur entstanden, sind Spekulationen des späten 19. Jahrhunderts und entbehren jeder Grundlage.

Aus diesen Grundformen entwickelten sich differenziertere Muster. Die Gangsysteme des römischen Labyrinths wurden in dreierlei Weise abgewandelt: so kamen Muster mit Serpentinen, Spiralen und einfachen oder komplexen Mäandern zustande.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Datierung von Labyrinthen in Felsritzungen ist strittig. Ein Labyrinth ist in die Wand des Felsengrabes von Luzzanas auf Sardinien, lokal "Tomba del Labirinto" genannt, eingeritzt.

Altertum[Bearbeiten]

Kretisches Labyrinth auf einer Tontafel aus Pylos, Rückseite, 7 × 5,7&nbspcm, gebrannter Lehm, Archäologisches Museum Athen
Römisches Mosaik: Darstellung eines Labyrinths mit dem Minotaurus im portugiesischen Conímbriga
Kretische Silbermünze mit dem „klassischen“ Labyrinth-Muster, 400 v. Chr.

Griechenland und Kreta[Bearbeiten]

Eine Tontafel mit einem Text in Linear-B-Schrift trägt auf der Rückseite ein Labyrinth. Diese älteste sicher datierbare Abbildung stammt aus dem Palast des Nestor im griechischen Pylos und entstand um 1200 v. Chr.

Die Ruinen des Palastes von Knossos werden häufig als „Labyrinth von Knossos“ bezeichnet. Eine Struktur, die Ähnlichkeit mit einem klassischen Labyrinth aufweist, wurde dort bis heute nicht aufgefunden. Eine Tontafel mit (mykenischer Linear-B-Schrift) aus der Zeit um 1200 v. Chr. aus Knossos beschreibt Opfergaben und meint möglicherweise ein Labyrinth oder den Palast als Ganzes. Die Bezeichnung da-pu-ri-to-jo, was soviel wie „Struktur in Stein“ bedeutet, ist vielleicht die Benennung der labyrinthischen Architektur.

Labyrinthe mit sieben Umgängen waren zwischen 431 bis 67 v. Chr. auf kretischen Münzen abgebildet. Es handelt sich sowohl um runde als auch viereckige Labyrinthe, die in figürlich einer Swastika, einem Rutenbündel, oder Mäandern ähneln. Gelegentlich ist der Schriftzug Knossos hinzugefügt.

Ägypten[Bearbeiten]

Strabon berichtet über den im Fayyum-Becken gelegenen Totentempel bei der Pyramide des Amenemhet III. (1844–1797 v. Chr.) in Hawara, den er als Labyrinth bezeichnet. In hieroglyphischer Schreibweise hieß er l-p-r-n-t, was als lo-pe-ro-hunt („Palast am See“) vokalisiert wird.

Etrusker und Römer[Bearbeiten]

In eine etruskische Oinochoë aus Tragliatella ist ein Speerträger eingeritzt, gefolgt von zwei Reitern. Am Schwanz des letzten Pferdes hängt ein kretisches Labyrinth, in den ersten Umgang ist "Truva" eingeritzt[4].(660–620 v. Chr.). Matthews interpretierte dies als Abbild des Troja-Spiels[5].

An einer Säule des Peristyls im Haus des Marcus Lucretius (Via Stabiniana) in Pompeji befindet sich eine Zeichnung zusammen mit der Inschrift Labyrinthus hic habitat Minotaurus („Labyrinth, hier wohnt der Minotauros“)[6], der aus der Zeit der Katastrophe (79 n. Chr.) stammen dürfte.

Labyrinte sind auch auf römischen Fußbodenmosaiken abgebildet. Etwa sechzig dieser Labyrinthe sind erhalten. Sie finden sich im gesamten Römischen Reich. Die Ornamente sind zu klein, um begangen zu werden. Sie entstanden zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 5. Jahrhundert n. Chr. Einige zeigen Minotauros oder der Kampf des Theseus' mit dem Ungeheuer im Zentrum (Minotauromachie). Gut erhalten ist das Labyrinth in der Villa des Theseus in Nea Paphos (Cypern). Andere Labyrinthe der römischen Zeit sind mit Mauer- und Stadttor-Abbildungen umgeben. Das Mosaik von Loig bei Salzburg (275–300 n. Chr.) hat dreizehn Umgänge und im Zentrum eine Minotauromachie.

Das früheste bekannte Labyrinth in einer christlichen Kirche befindet sich in Reparatus in El Asnam (Wilaya de Chlef, Algerien), ein Spiralmuster mit elf Umgängen. Die Darstellung stammt von 324 n. Chr. In der Mitte des labyrinthischen Quadrats befindet sich ein Anagramm mit dem Schriftzug Sancta Ecclesia.

Mittelalter[Bearbeiten]

Kathedrale von Amiens, Fußboden-Labyrinth, ca. 12 × 5 m, 1894–97 nach dem zerstörten Vorbild von 1288 wiederhergestellt
Labyrinth der Kathedrale von Chartres
Zeichnung von Villard de Honnecourt
Kathedrale von Lucca, Fingerlabyrinth, Durchmesser 50 cm, 13. Jahrhundert

In vielen mittelalterlichen Kathedralen gibt es Fußbodenlabyrinthe. Sie dienten zu Bußübungen, bei denen der Penitent auf Knieen dem Muster folgte und an bestimmten Stationen Gebete sprach[7]. Das Labyrinth symbolisierte den Weg der Seele zur Erlösung und gleichzeitig die Pilgerfahrt nach Jerusalem[8]. Beispiele finden sich in der Basilika Saint-Quentin (Nordfrankreich, achteckig), in der Kathedrale von Amiens (Frankreich) und im Dom von Siena (Italien). Es handelt sich um die Form des christlichen Labyrinths, das nach dem Muster in der Kathedrale von Chartres als „Chartres-Typ“ bezeichnet wird. Dieses wohl bekannteste Fußbodenlabyrinth geht auf eine Zeichnung von Villard de Honnecourt zurück (1200/1210). Es hat einen Durchmesser von 12,8 m und elf Umgänge. Es ist in blauem und weißem Stein ausgeführt, ein Kranz von 112 regelmäßig angeordneten Zacken bildet die Außenkante. Das runde Zentrum entspricht mit einem Durchmesser von 3,1 Meter dem inneren Teil des Fensters in der Hauptfassade.

Rasenlabyrinth in der Burgruine Reichenfels

Das Labyrinth in der Kathedrale von Bayeux besteht aus roten und schwarzen Ziegel, hat zehn Umgänge, Durchmesser 3,75 m (um 1200). Das Labyrinth in der Kathedrale von Reims (quadratisch mit Eckbastionen, elf Umgänge) aus dem frühen 13. Jahrhundert wurde 1779 zerstört.

Ein rundes Fingerlabyrinth ist in die Wand am Westeingang der Kathedrale von Lucca (Norditalien) senkrecht eingemeißelt; so kann es mit dem Finger nachgefahren werden. Eine Sandsteinplatte mit Labyrinth stammt aus der Klosterkirche San Pietro de Conflentu in Pontremoli (bei La Spezia, Italien). Rasenlabyrinthe symbolisieren ebenfalls den "Chemin de Jerusalem"[9], ihre Datierung ist jedoch selten gesichert. Vermutlich ahmen sie die Fußbodenlabyrinthe der mittelalterlichen Kathedralen nach.

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In skandinavischen Kirchen in Dänemark und dem Süden von Schweden, Norwegen und Finnland finden sich lediglich einfache Kalkmalereien. Sie stellen fast ausschließlich den kretischen Typ dar. Die kleinflächigen Wandmalereien, waren meist einfarbig auf weißem Grund ausgeführt. Sie waren unter Wandanstrichen verborgen und wurden bei Restaurierungsarbeiten Ende des 20. Jahrhunderts entdeckt und freigelegt. In Dänemark befinden sich unter anderem in der alten Kirche von Skive (Jütland, kretisch, rot, 15 Umgänge, 125 cm), in den Kirchen von Hesselager (Fünen, kretisch, rot, 11 Umgänge, 0,4 m, von 1481) und von Roerslev (Fünen, kretisch, rot und dunkelgrau, 15 Umgänge, 125 × 110 cm, 15. Jh.), von Gevninge (Seeland, kretisch, rotbraun, 11 Umgänge, 0,5 m, 14. Jh.) Labyrinthe. In Schweden können die Kirchen von Grinstad (Dalsland, rot, christlicher Typ mit Zeichenfehlern, 11 Umgänge, 100 cm, zur Hälfte erhalten) und von Hablingbo (Gotland, kretisch, 18 Umgänge, 100 cm) angeführt werden; in Norwegen die Kirche von Seljord (Telemark, kretisch mit Abwandlungen, rotbraun, 11 Umgänge, 0,8 m, möglicherweise 12. Jh.).

In Woodstock in England ist im 12. Jahrhundert ein gemauertes Labyrinth nachgewiesen, das zu den frühesten säkularen Anlagen gehören dürfte. Es wurde durch die Affäre von Heinrich II. mit der schönen Rosamunde bekannt[10]. Es ist nicht erhalten.

Neuzeit[Bearbeiten]

Bartolomeo Veneto, Bildnis eines jungen Mannes, um 1510, Öl auf Holz

Im nur in unvollständigen Abschriften erhaltenen Architekturtraktat des Antonio Averlino (genannt Filarete) aus dem 15. Jahrhundert finden sich drei Zeichnungen von Labyrinthen, die offenbar als Entwürfe für Verteidigungsanlagen waren. In Sebastiano Serlios Sette libri dell'architettura („Sieben Bücher über die Architektur“) werden im vierten Buch (1537) zwei quadratische Labyrinthe dargestellt, eines mit fünf, das andere mit sieben Umgängen. Sie dürften als ornamentaler Schmuck oder als Pflanzschema für Blumen oder Kräuter gedacht sein und treten in der Folgezeit an zahlreichen anderen Stellen auf.

Im Palazzo ducale in Mantua befindet sich ein beschädigtes Wandfresko eines unbekannten Meisters, das zwischen 1521–23 entstanden sein dürfte und den Olymp inmitten eines Wasserlabyrinths zeigt. Im Palazzo del Te in Mantua sind zahlreiche Darstellungen von Labyrinthen und mit Bezug zum Minotauros-Mythos, meist als Impresen vorhanden.

In der späten Renaissance treten Muster auf, die sich durch zahlreiche Verzweigungen und Sackgassen von den Wegesystemen der bis dahin bekannten Labyrinthe deutlich unterscheiden. Diese Irrgärten sind eine eigenständige Entwicklung. Die ersten begehbaren Irrgärten finden sich in norditalienischen Gärten, Anlagen mit kopfhohen Wänden entstehen im italienischen Manierismus. Die frühen Irrgärten sind meist aus Spalierhecken gebildet, beschnittene Hecken treten verstärkt erst im Barock auf. Im Gegensatz zum unverzweigten Labyrinth zeichnen sich Irrgärten durch ein komplexes Wegenetz mit zahlreichen Abzweigungen, Kreuzungen und Sackgassen aus. Irrgärten vermitteln die Gefahr des Irrgangs, das Vergnügen der Zielsuche und das Spiel des Versteckens. Viele Irrgärten des Barock wurden in den Lustgärten von Residenzschlössern zum Zeitvertreib der höfischen Gesellschaft angelegt, sie finden sich aber auch als Attraktion für jedermann in den Gasthausgärten in den Niederlanden des beginnenden 17. Jahrhunderts. In England ließ Heinrich VIII. 1690 einen Irrgarten in Hampton Court anlegen, der 66 × 25 m misst und noch heute erhalten ist[11].

Das Entstehen der Irrgärten stellt eine Parallelentwicklung dar, die weder das Labyrinth als Schmuck noch als Symbol verdrängt.

In den Emblembüchern des 16. bis 18. Jahrhunderts werden Labyrinthdarstellungen als Warnungen vor der Verwicklung des Menschen in die „sündige Welt“ verwendet. In der Tafelbildmalerei finden sich zwei Gartenlabyrinthe bei Lucas van Valckenborch von 1584 und 1587. Bartolomeo Veneto malte um 1510 einen jungen Mann mit einem runden Labyrinth auf der Brust und einem mit Salomonsknoten geschmückten Mantel.

Labyrinthe entstehen auch in den folgenden Jahrhunderten. Ein Fußbodenlabyrinth schmückt einen Saal im Rathaus von Gent (helle und dunkle Fliesen, 13 × 11 m, von 1533), es bildet das zerstörte Fußbodenmosaik der Klosterkirche von St. Bertin in St. Omer nach. In der Kathedrale von Ely (Cambridgeshire) wurde 1870 ein Fußbodenlabyrinth neu geschaffen (schwarze und weiße Fliesen, 6 × 6 m). Ein Beispiel für ein Pflasterlabyrinth findet sich im Ende des 19. Jahrhunderts begonnenen Neuen Rathaus in München. Es liegt im linken Innenhof und stellt ein auf neun Umgänge verkleinertes Muster vom Chartres-Typ dar (17,5 × 18,5 m). Im Thorvaldsen-Museum in Kopenhagen befindet sich ein Fußbodenlabyrinth (römischer Typ, rote und weiße Fliesen, etwa 5 × 5 m, 1839–48).

Schwer datierbar sind die Trojaburgen, in der Mehrzahl Steinlabyrinthe, aber auch einige Rasenlabyrinthe. Die Kanten der Routen bestehen aus Steinen, die zur Hälfte in der Erde vergraben sind. Das Labyrinth enthält keine Sackgassen, sondern einen einzigen Weg, der in die Mitte endet. Troy Town Maze auf St. Agnes, Scilly-Inseln, ein Steinlabyrinth, wurde 1729 von einem Leuchtturmwärter angelegt.

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Die Häufung der Steinsetzungen an den Küsten Skandinaviens ist auffällig. Meist handelt es sich um Anlagen vom kretischen Typ. Die Datierung ist schwierig (Lichenometrie), nur wenige scheinen aus dem späten Mittelalter zu stammen, die meisten Bauwerke fallen in das 18. und 19. Jahrhundert. Beispiele: auf Blå Jungfrun (Gotland, erstmals 1741 beschrieben), Steinvåg bei Gamvik (Finnmark) und zwölf Steinlabyrinthe auf den Solowezki-Inseln (Weißes Meer).

Gegenwart[Bearbeiten]

Labyrinth vor St. Lambertus
Pflasterlabyrinth im Erholungspark Marzahn (Berlin)

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahmen verschiedene Künstler das Labyrinthmotiv wieder auf, so der Bildhauer und Schriftsteller Michael Ayrton, der sich dem antiken Mythos von Dädalus und Ikarus widmete, die Künstlerin Alice Aycock, eine Vertreterin der Konzeptkunst, und, seit den 1980er Jahren, der Designer Adrian Fisher, der Pflasterlabyrinthe mit Darstellungen des Minotauros' schuf. Eine Neu-Interpretation eines Kirchenlabyrinthes wurde 1981 in Grey's Court bei Reading durch Robert Runcie, den Erzbischof von Canterbury eröffnet[12].

Das Labyrinth der Bibliothek im Roman Der Name der Rose

Ein begehbares Pflasterlabyrinth wurde 2007 im Erholungspark Marzahn in Berlin eröffnet. Es stellt eine vergrößerte Nachbildung des Chartres-Labyrinths dar. Der Durchmesser der Anlage, die an den Vorplatz eines Hecken-Irrgartens angrenzt, beträgt 20,8 Meter. Der Entwurf stammt von dem Landschaftsarchitekten Thomas Michael Bauermeister. Im Schlosspark Schönbrunn in Wien wurde in Nachbarschaft zu einem 1999 wiederhergestellten Hecken-Irrgarten ein Labyrinth mit einem Feng-Shui-Stein errichtet. "Feministische Labyrinthe" finden sich auf dem Zeughausplatz in Zürich und in Frankfurt (Frauengedenklabyrinth). Die religiöse Sinngebung des Labyrinths soll mit seinen Heilpflanzen und Weidenfiguren das im Jahre 2007 eingeweihte "Lebendige Labyrinth" der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) auf dem Gelände des Klosters Helfta neu erfahrbar machen. Auch in Literatur und Film spielen Labyrinthe eine Rolle, so bei Jorge Luis Borges und im Roman Der Name der Rose von Umberto Eco.

Der Reiz des Geheimnisvollen und unbekannte Ursprung des Labyrinths ließen es vor allem für esoterische, christliche und feministische Gruppen zur Projektionsfläche ihrer Vorstellungen werden. Zahlreiche neue Labyrinthe wurden angelegt, gepflegt und für Veranstaltungen genutzt.[13] Es gibt sowohl im anglo-amerikanischen als auch im deutschen Sprachraum eine Labyrinth-Bewegung, die sich mit der Bedeutung des Labyrinths beschäftigt. Das Abschreiten eines begehbaren Labyrinths, das als Symbol des verschlungenen Lebensweges verstanden wird, dient der Meditation und fordert zum Überdenken des eigenen Lebensweges auf. Zusätzlich kann in einem Advents-Labyrinth die Symbolik des Lichtes aufgegriffen werden. Es steht für Jesus Christus, der die Menschen aus der Dunkelheit erlöst. Im Zentrum kann sich als Ziel etwa das Licht in Form einer Kerze oder symbolisiert durch ein Evangeliar als Wort Gottes befinden.

Felsritzung im Rocky Valley bei Tintagel (Großbritannien), Schieferfelsen

Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Eine intensivere Beschäftigung mit Labyrinthen begann mit dem wachsenden Interesse an der Antike Anfang des 18. Jahrhunderts. So besuchte 1700 im Rahmen einer Expedition Joseph Pitton de Tournefort die Höhle bei Gortyn auf Kreta, wo man das antike kretische Labyrinth vermutete. Im 19. Jahrhundert entstanden spekulative Theorien, die sich weitgehend an den Schilderungen antiker Autoren orientierten. Das römische Labyrinthmosaik von Loig bei Salzburg wurde 1815 entdeckt, die Weinkanne von Tragliatella 1877 geborgen. Arthur Evans legte 1922 die Ruinen des Palastes von Knossos frei, in denen fortan – ohne nachvollziehbare Begründung – das Labyrinth des Daidalos gesehen wurde. Die Pylos-Tafel wurde 1957 ausgegraben.

William Henry Matthews (1882–1948) gelang 1922 mit seinem Buch Mazes and labyrinths („Irrgärten und Labyrinthe“) eine erste systematische Darstellung. 1967 folgte mit Il libro dei labirinti („Das Buch der Labyrinthe“) von Paolo Santarcangeli (1909–1995) eine weitere ausführliche Darstellung der labyrinthischen Thematik. Die auf Ausstellungen in Mailand und München (Haus der Kunst, 1982) zurückgehende, umfangreiche Veröffentlichung von Hermann Kern dokumentierte erstmals katalogartig die mannigfaltigen Labyrinthformen ausführlich. In der Folgezeit wurde das Werk Bezugspunkt und Quelle weiterer Forschungen. Der Brite Jeff Saward gründete 1983 die kleine Zeitschrift Caerdroia.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

Allgemeinverständliche Darstellungen in deutscher Sprache[Bearbeiten]

  • Janet Bord: Irrgärten und Labyrinthe. Verlag DuMont, Köln 1976. ISBN 3-7701-0923-6.
  • Greg Bright: Wer findet sich heraus? 35 knifflige Labyrinthe. Verlag DuMont, Köln 1975. ISBN 3-7701-0923-6.
  • Greg Bright: Der Irrgarten. Aussergewöhnliche Puzzles für aussergewöhnliche Leute. Verlag Benteli, Bern 1975. ISBN 3-7165-0057-7.
  • Gernot Candolini: Das geheimnisvolle Labyrinth. Mythos und Geschichte. Pattloch, München 2008, ISBN 978-3-629-02160-1.
  • Frithjof Hallman: Das Rätsel der Labyrinthe. Woher kommen sie? Wie alt sind sie? Wo liegen sie? Damböck, Ardagger, NÖ 1994, ISBN 3-900589-15-1.
  • Jürgen Hohmuth: Labyrinthe & Irrgärten. Frederking & Thaler, München 2003, ISBN 3-89405-618-5.
  • Hermann Kern: Labyrinthe. Erscheinungsformen und Deutungen. 5000 Jahre Gegenwart eines Urbilds. 4., unveränderte Auflage. Prestel, München 1999, ISBN 3-7913-2096-3 / ISBN 3-7913-0614-6 (Erstausgabe 1982).
  • Ulrich Koch: Das große Buch der Labyrinthe. Irrwege, Wirrgärten, Suchbilder, 80 Labyrinthe / The Book of Mazes [Mit einer Daidaleia von Hans-Peter Niebuhr und einem Ariadnefaden für Verirrte], Anaconda, Köln 2010, ISBN 978-3-86647-450-5 (deutsch und englisch).
  • John Kraft: Die Göttin im Labyrinth. Spiele und Tänze im Zeichen eines matriarchalen Symbols. Edition Amalia, Bern 1997, ISBN 3-905581-00-0.
  • Jeff Saward: Das große Buch der Labyrinthe und Irrgärten. AT, Aarau / München 2003, ISBN 3-85502-921-0.
  • Ilse M. Seifried (Hrsg.): Das Labyrinth oder die Kunst zu wandeln. Haymon, Innsbruck 2002, ISBN 3-85218-400-2.
  • Thomas Thiemeyer / Bertrun Jeitner-Hartmann: Magische Labyrinthe. Reisen durch Raum und Zeit. ars edition, München 2001. (Mit 26 Aufgaben und Lösungen) ISBN 3-7607-1835-3.
  • Erzähl mir Labyrinth. Frauenkultur im öffentlichen Raum. 20 Jahre Labyrinthplatz Zürich, Goettert Christel Verlag 2011, ISBN 978-3939623335

Wissenschaftliche Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Birkhan: Labyrinth. In: Engelbert Kirschbaum (Hrsg.): Lexikon der christlichen Ikonographie. Band 3: Allgemeine Ikonographie. Rom 1971, Sp. 2–4.
  • Fabio Collonese: Il labirinto e l'architetto. Kappa, Rom 2006, ISBN 88-7890-740-5. (italienisch)
  • Maria Cristina Fanelli: Labirinti. Storia, geografia e interpretazione du un simbolo millenario. Cerchio Iniziative, Rimini 1997, ISBN 88-86583-30-3. (italienisch)
  • Bruno Hervé: Avatars du labyrinthe de la protohistoire à la postmodernité. In: Bruno Hervé: Le jardin comme labyrinthe du monde. PUPS, Paris 2008, ISBN 978-2-84050-602-7, S. 17–66. (französisch)
  • Adrian Fisher / Georg Gerster: Labyrinth. Solving the riddle of the maze. Verlag Harmony Books, New York 1990. ISBN 0-517-58099-3.
  • William Henry Matthews: Mazes and labyrinths. A general account of their history and developments. London 1922. (englisch)
  • Kurt Röttgers: Kopflos im Labyrinth. Die Blaue Eule, Essen 2013,ISBN 978-3-89924-353-6.
  • Paolo Santarcangeli: Il libro dei labirinti. Storia di un mito e di un simbolo. Sperling & Kupfer, Mailand 2000, ISBN 88-200-2960-X. (italienisch)
  • Jørgen Thordrup: Alle tiders labyrinter. KunstCentret, Silkeborg 2002, ISBN 87-87643-97-9. (dänisch)
  • Labyrinthes. Du mythe au virtuel. Paris-Musées, Paris 2003, ISBN 2-87900-776-3. (französisch)
  • Labyrinthus. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 16, Leipzig 1737, Spalte 35–37.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alexander MacGillivray 2004, The astral labyrinth at Knossos. British School at Athens Studies 12 (Knossos: Palace, city, state), 330
  2. a b Fritz Schachermeyr: Die Minoische Kultur des alten Kreta 1964, pp. 161, 237, 238
  3. Labyrinth-Studien. Labyrinthos als Linienreflex einer mythologischen Idee (Albae Vigiliae. Bd. 15, ZDB-ID 527248-8). Amsterdam u. a. 1941
  4. H. G. Orpen, The Hollywood Stone and the Labyrinth at Knossos. Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland 13/2, 1923, fig. 2
  5. H. G. Orpen, The Hollywood Stone and the Labyrinth at Knossos. Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland 13/2, 1923, 179
  6. H. G. Orpen, The Hollywood Stone and the Labyrinth at Knossos. Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland 13/2, 1923, fig. 3
  7. Anon 1853, The Cathedral of Chartres, in France. Illustrated Magazine of Art 2/7, 1853, 10
  8. Penelope Hobhouse, The National Trust, A Book of Gardening. Ideas - Methods - Designs. A practical Guide. London, Pavillon, Michael Joseph 1986, 44
  9. Penelope Hobhouse, The National Trust, A Book of Gardening. Ideas - Methods - Designs. A practical Guide. London, Pavillon, Michael Joseph 1986, 44
  10. Penelope Hobhouse, The National Trust, A Book of Gardening. Ideas - Methods - Designs. A practical Guide. London, Pavillon, Michael Joseph 1986, 44
  11. Penelope Hobhouse, The National Trust, A Book of Gardening. Ideas - Methods - Designs. A practical Guide. London, Pavillon, Michael Joseph 1986, 44
  12. Mary Keen 1989, The Glory of the English Garden. Boston, Litte, Brown and Co., 17
  13. Vergl.: Labyrintplatz Zürich

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Labyrinth – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Labyrinth – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen