Jesus Camp
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| Filmdaten | |
|---|---|
| Originaltitel: | Jesus Camp |
| Produktionsland: | USA |
| Erscheinungsjahr: | 2006 |
| Länge: | 84 Minuten |
| Originalsprache: | Englisch |
| Stab | |
| Regie: | Rachel Grady und Heidi Ewing |
| Produktion: | Rachel Grady und Heidi Ewing |
| Musik: | Force Theory |
| Kamera: | Mira Chang und Jenna Rosher |
| Besetzung | |
Jesus Camp ist ein US-amerikanischer Dokumentarfilm von Rachel Grady und Heidi Ewing über ein evangelikales Sommerlager für Kinder. Dort werden die Kinder aufgerufen, sich dafür einzusetzen, die Vereinigten Staaten für Christus zurückzugewinnen.
Der Film wurde im September 2006 in den USA veröffentlicht und für die Oscar-Verleihung 2007 als Bester Dokumentarfilm nominiert. Im Ursprungsland löste der Film zahlreiche Diskussionen über die dargestellten Methoden der Evangelikalen und die Objektivität der Produzenten aus. Der Film wurde 2007 beim Internationalen Dokumentarfilmfestival München in der Originalsprache gezeigt.[1]. Jesus Camp wurde am 19. Juni 2007 erstmals vom ORF ausgestrahlt; synchronisiert von Sprechern des Österreichischen Fernsehens. Am 15.Oktober 2007 wurde der Film in deutscher Bearbeitung im WDR ausgestrahlt.
Der Film wurde deutschlandweit im Winter 2007/ 2008 im Rahmen der Filmreihe Über Morgen der Aktion Mensch / Die Gesellschafter in deutscher Fassung an etlichen Orten gezeigt.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Handlung
Jesus Camp ist eine Dokumentation über das evangelikale Sommerlager Kids On Fire (deutsch: Entflammte Kinder) in North Dakota, das von der Pastorin Becky Fischer geleitet und von Kids in Ministry International organisiert wird. In diesem Ferienlager werden Kinder evangelikaler Christen im Grundschulalter dazu angeleitet ihre „prophetische Gabe“ zu entdecken und zu stärken. Von der Pastorin werden die Kinder in einer großen, schlichten Kirche dazu aufgefordert sich von ihren Sünden zu „reinigen“ und sich ganz der Mission und der Verbreitung evangelikaler Lehren, z.B. dem Intelligent Design und dem Verbot von Abtreibung, zu verschreiben. Die Kinder werden als „ausgewählte Generation“ bezeichnet, die Amerika wieder für Christus zurückerobern soll, und daher sollen sie sich der „army of God“ (dt.: Armee Gottes) anschließen. Durch die Rhetorik der Pastorin, außer ihr predigen vor den Kindern auch noch der „Prophet“ Lou Engle und der Prediger Ted Haggard, sowie den Einsatz von Musik, Tanz und Computer-Präsentationen werden die Kinder animiert mitzumachen und diese beten und singen offensichtlich begeistert mit. Mehrmals ist zu sehen, wie eine Vielzahl der Kinder kollektiv in Tränen ausbricht oder in religiöser Ekstase „in Zungen“ betet.
Der Film begleitet schwerpunktmäßig drei Kinder, die am Lager teilnehmen. Alle drei sind fest von der Richtigkeit der Lehren überzeugt und engagieren sich dafür. Der Junge Levi wird, wie viele der Teilnehmer, von seinen Eltern zu Hause unterrichtet und lernt somit ausschließlich evangelikale Standpunkte. So wird ihm beispielsweise beigebracht, dass die Klimaerwärmung keine große Bedeutung haben kann, da sie nur wenige Grad beträgt, und andere Probleme wichtiger sind. Levi hat selbst schon mehrfach gepredigt und will daher Prediger werden. Rachael verteilt regelmäßig kleine Broschüren an fremde Menschen in ihrer Umgebung, wenn sie fühlt, dass diese einer Bekehrung bedürfen. Spott von anderen Kindern ignoriert sie in der Überzeugung, dass nicht die Meinung der Menschen, sondern das Urteil Gottes über sie im Jüngsten Gericht entscheidend ist. Victoria (Tory) ist Mitglied einer Kinder-Tanzgruppe, die mit martialisch anmutenden Auftritten in Pseudo-Militär-Uniformen für einen Kampf für den Evangelikalismus wirbt, und damit offensichtlich besonders Kinder derselben Altersgruppe anspricht. Sie genießt das Tanzen, hört aber nur christliche Musik und verachtet säkuläre Künstler wie Britney Spears.
Die Produzenten des Dokumentarfilms verzichten völlig auf einen Kommentar oder Erzähler aus dem Off, lediglich kurze Angaben zu Personen oder Orten werden eingeblendet. Nur kurzzeitig wird einfache, bedrückende Filmmusik eingespielt und am Ende das Lied Spirit in the Sky. Die Handlung setzt sich aus Filmmaterial aus den Gottesdiensten, Szenen aus dem Alltagsleben der Porträtierten und vielen Stellungnahmen dieser zusammen. Einzige kritische Stimmen sind eingespielte Radiobeiträge, vor allem von Mike Papantonio, der auch in seinem Studio gefilmt wurde. Hintergrund der Radio-Diskussionen ist der zu der Zeit aktuelle Streit um die geplante Berufung eines sehr konservativen Richters in den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten durch Präsident George W. Bush, die von Evangelikalen unterstützt wurde und wegen der Papantonio an die Trennung von Religion und Staat erinnert.
[Bearbeiten] Kontroverse
Die Bilder des Films legen Vergleiche mit der religiösen Erziehung von Kindern in Teilen der islamischen Welt nahe, wo diese zu Gotteskriegern erzogen werden. Diesen Vergleich stellt auch Becky Fisher im Film auf, allerdings als Rechtfertigung für ihre eigenen Methoden. Dass den Kindern eine Indoktrination zuteil wird, die ihnen kaum Raum zu freier Entscheidung lässt, wird von den Verantwortlichen nicht diskutiert.
Von den Produzenten wird der Anspruch erhoben, einen ehrlichen und vorurteilsfreien Film vorzulegen, der keinen vorgegebenen Standpunkt nahelegt.[2] Von evangelikaler Seite wurde ihnen vorgeworfen, nur einen kleinen Aspekt des Evangelikalismus darzustellen und dadurch das Bild zu verzerren. Die Regisseure halten in einer Stellungnahme fest, dass lediglich Ted Haggard mit Art und Weise seiner Darstellung unzufrieden war, und beanspruchen alle Personen realistisch und wohlwollend dargestellt zu haben.[3]
Michael Moore zeigte den Film auf seinem Traverse City Film Festival, obwohl die Filmverleiher Magnolia Pictures dies nicht wünschten. Sie befürchteten, dass der Film mit bestimmten Vorstellungen und Interessen assoziiert wird.[4]
[Bearbeiten] Weblinks
- Homepage des Films Jesus Camps (englisch)
- Jesus Camp in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Dokumentarfilmfestival München Zusammenfassung des Films und Informationen zum Festival
- ↑ Christian NewsWire Jesus Camp Distributors Adverse to Screening at Traverse: Michael Moore Ignores Request to Remove Documentary from Festival
- ↑ Stellungnahme der Regisseure zu Vorwürfen von Ted Haggard
- ↑ indieWire: On The Scene When A Fest Strategy Goes Awry: Traverse City Screens „Jesus Camp“ Against Magnolia's Wishes

