Jesus Freaks

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Symbol der Jesus Freaks

Die Jesus Freaks sind eine Glaubensbewegung, die Elemente der Jugendkultur gebraucht. Die Idee einen Ort zu haben, wo „Freaks, Punks, Hippies und Szeneleute sich wohl fühlen“ geht zurück auf die Jesus-People-Bewegung.[1] Diese entwickelte sich in den 1960er und 1970er Jahren in den Vereinigten Staaten aus der Hippie-Kultur.

Geschichte und Struktur[Bearbeiten]

Lobpreis beim Hauptseminar auf der Mainstage des Freakstock 2004

Gegründet wurden die Jesus Freaks im September 1991 in Hamburg von Martin Dreyer. Dreyer absolvierte Anfang der 1990er Jahre eine freikirchliche Pastorenausbildung in der Theologischen Ausbildungsstätte der Anskar-Kirche und wurde dort 1995 zum Pastor ordiniert. Dachverband der Jesus Freaks ist der deutsche Verein Jesus Freaks Deutschland e. V. (JFD). JFD ist seit 1994 ein gemeinnütziger Verein und hat seinen Sitz in Kassel. Bis 2012 lief der Verein unter dem Namen Jesus Freaks International e. V.

Etwa 2.000 Jesus Freaks gehören der Jesus-Freaks-Bewegung an. Sie treffen in sich in gut 60 Jesus-Freak-Gemeinden und Gruppen in Deutschland, besuchen aber auch andere Gemeinden.[2] Dazu kommen Gruppen in den Niederlanden, in der Schweiz, in Österreich, Tschechien und Dänemark. Die Bewegungsleitung geht vom so genannten „Leitungskreis“ aus. Dieser setzt sich zusammen aus dem „Diakonkreis“ (Vereinsvorstand, Büro und Ü-Team), der organisatorische und rechtliche Aufgaben wahrnimmt, sowie den Vertretern der verschiedenen Regionen und Bereiche und gewählten Einzelpersonen.[3]

Symbol ist ein in ein Omega gestelltes Alpha. Alpha und Omega sind der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets und symbolisieren Jesus entsprechend (Offb 22,13 EU): „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“

Die Jesus Freaks organisieren seit 1995 einmal jährlich das Freakstock-Festival. Weitere Arbeitsbereiche sind u.a. das "Willo", ein Treffen für Jesus Freaks, die Seelsorge-Arbeit, die Drogenarbeit und das "Educamp", die Ausbildungsarbeit der Jesus Freaks.[4]

Verstand sie sich früher vor allem als eine Bewegung von jungen, progressiven Christen, die sich in den Strukturen der Landes- und Freikirchen nicht wohlfühlten, ist das Spektrum heute breiter geworden. Auch die Haltung zu anderen christlichen Gruppierungen hat sich geändert. So arbeiten an einigen Orten Jesus Freaks in der Evangelischen Allianz mit.[5] In Chemnitz bilden die örtlichen Jesus Freaks und das Heilsarmeekorps seit 2000 eine gemeinsame Gemeinde.[6]

In der zweiten Hälfte der 2000er-Jahre verloren die Jesus Freaks einige Mitglieder und Gemeinden an die Glaubensgemeinschaft Wort und Geist.

Charakteristik und Positionen[Bearbeiten]

Die geistliche Prägung der Jesus Freaks wird als evangelikal-charismatisch bezeichnet.

Gemäß ihrer Selbstdarstellung sind sie der Überzeugung, dass trotz allem, was in der Kirchengeschichte passiert sei, die „Auseinandersetzung mit Jesus“ heute etwas bieten würde und stellt dabei einen „Aufbau einer persönlichen Beziehung zu Gott“ in den Vordergrund. Mission sei, „Menschen für Jesus zu gewinnen“, die ihrer Meinung nach außerhalb einer gesellschaftlichen Wertegemeinschaft stehen.

Charakteristisch für diese Gruppierung ist die starke Anlehnung an bestehende Jugendkulturen und Szenen. Dies äußert sich etwa in betont jugendlich anmutendem Sprachgebrauch. So werden beispielsweise Gottesdienste u. a. als Jesus-Abhäng-Abende bezeichnet. Die Bewegung pflegt lockere Umgangsformen und lehnt traditionelle, gesetzeshafte Gottesdienstregeln und Kleidungsstile ab. Ihr Lebensstil findet insbesondere Ausdruck in der Musik, wo populäre Stile wie etwa Rock, Punk, Techno und Hip Hop adaptiert und mit christlichen Inhalten versehen werden (siehe Christliche Popmusik). Beispielsweise werden Abendmahlsliturgien gerappt oder Lobpreislieder im Stil von Thrash Metal gesungen.

Die Sexualmoral gilt als konservativ: Vorehelicher Geschlechtsverkehr wird abgelehnt, manche sehen Homosexualität als Sünde an.[7] Als offizielles Statement gilt die 2008 beschlossene Charta von Jesus Freaks Deutschland, einer Art Glaubens- und Wertebekenntnis. Darin heißt es: „Wir wollen für die Würde und Gleichberechtigung aller Menschen gleichermaßen eintreten – unabhängig von Bildung, Geschlecht, Religion, (ethnischer) Herkunft, ((sub-)kultureller) Prägung und finanziellen Möglichkeiten u.v.m. – kurz: über alle menschlichen Grenzen hinweg.“[8] In der Bewegungszeitschrift „Der Kranke Bote“ vom Februar 2009 setzte sich unter dem Titel „Im Zweifel für die Liebe — Warum Christen beim Thema Homosexualität umkehren müssen“ der Autor für eine ausgeglichenere Sichtweise über Homosexualität und Anerkennung der Liebe bei dauerhaften gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ein.[9] Dies führte zu einer großen Diskussion innerhalb der Gemeinschaft, einem runden Tisch beim Willo-Freak-Treffen im Mai 2009[10] und einer übersetzten Version des Artikels in der englischen Schwesternzeitschrift „The Sick Messenger“ im Juni 2009.[11] Die Abtreibung wird konsequent abgelehnt.

Verwandte Gruppen[Bearbeiten]

Seit Ende 2006 besteht ein deutscher Zweig des in England gegründeten SPEAK-Netzwerkes. Die Gruppe versucht, die Kultur und einige der traditionellen Inhalte linker Protestbewegungen mit einem evangelikal-religiösen Hintergrund zu verbinden.[12] Ein Schwerpunkt ist die Migrationspolitik. Die meisten Gründungsmitglieder sind Menschen, die den Jesus Freaks angehören oder ihnen nahestehen.[13]

Reaktion anderer Kirchen[Bearbeiten]

Offiziell gibt es wenige Reaktionen der Volkskirchen. Früher wurde die Bewegung als „schwärmerische Jugendbewegung“ bezeichnet und wohlwollend ignoriert. Heute wird sie oftmals als Ergänzung und besonders im Hinblick auf die Jugendarbeit der Kirchen als wertvoller Impulsgeber geschätzt.[14]

Brigitte Hahn, Referentin für Sekten- und Weltanschauungsfragen beim Bischöflichen Generalvikariat des Bistums Münster äußert anlässlich des Weltjugendtages 2005 „Die Jesus Freaks sind keine Sekte. Darin sind sich alle einig.“ Dennoch sehen einige Beobachter seitens der katholischen Kirche einige Aspekte der Freaks-Einstellungen kritisch. „Sie scheinen ein moderner Haufen zu sein, und dabei haben sie konservative Werte.“ Außerdem tendierten sie dazu, sich von Nichtglaubenden abzugrenzen, indem sie sich selbst als Freunde Jesu bezeichneten. 2011 fügte die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen dem hinzu „[…] der Fundamentalismusverdacht dürfte sich durch die neue Entwicklung relativiert haben“.[15]

Jörn Möller, Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Nordelbischen Evangelischen Landeskirche, sagte: „Die Jesus Freaks sind eine Teilkirche.“ Er sieht es trotz ihrer „Nähe zu konservativ-christlichen Kreisen“ als unwahrscheinlich an, dass „die Gruppe irgendwann einmal eine Sekte wird“. Dagegen kritisiert er, dass auch die Jesus Freaks taufen: „Das Sakrament ist ein Geschenk Gottes und kann nicht beliebig wiederholt werden.“ Michael Freitag, Grundsatzreferent der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend sagte: „Die Jesus Freaks stoßen in ein Vakuum, weil es ihnen gelingt, Drogenabhängigen, Straßenkindern und Punks den Glauben sinnlich zu vermitteln“, aber kritisierte „Der Gruppendruck ist unbestritten. Starke Emotionalität kann Menschen zu Sachen hinreißen, die sie nicht wollen“.[16]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Film
  • Freakstock 2012 von Himmelsstürmern und Bruchpiloten, Eigenproduktion, veröffentlicht am 27. November 2012 bei Youtube
  • Freakstock 2012 - Die Doku, Eigenproduktion, veröffentlicht am 25. August 2012 bei Youtube
  • Jesus Freaks, Dokumentarfilm von Anne Pütz (BRD 2008), gesendet am 6. Juni 2008 im WDR

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martin Dreyer: Jesus-Freak. Leben zwischen Kiez, Koks und Kirche. Pattloch Verlag, 2012, ISBN 978-3-629-02306-3
  2. jesus.de: Wer glaubt was (5): Die Jesus Freaks 21. Juni 2013
  3. Jesus Freaks Deutschland:Strukturpapier (PDF; 850 kB) 2009
  4. jesusfreaks.de: Aktivitäten 2013
  5. Jesus Freaks wollen ihre Einheit stärken. In: Idea vom 2. August 2008
  6. Geschichte der Jesus Freaks Chemnitz bis 1999
  7. Conny Agel, Klaus Farin, Doris Hofer und Antje Pfeffer: Jesus Freaks — Reportage und Interviews. In: Journal der Jugendkulturen, Ausgabe No. 3, Oktober 2000, zitiert nach: Michael Klarmann: Das Netz ist das Leben, Gott der Provider, Jesus der Browser. In: Telepolis, 8. Mai 2001
  8. Jesus Freaks International e.V.: Charta. Jesus Freaks Deutschland. 2008, Kapitel 3 Vision & Werte.
  9. Frank Hartkopf: Im Zweifel für die Liebe — Warum Christen beim Thema Homosexualität umkehren müssen, Der Kranke Bote 1/2009 (Februar/März) — Kurzversion, S. 14
  10. Willow-Freak-Treffen, news.jesusfreak.de, 2. April 2009
  11. Frank Hartkopf: Giving Love the Benefit of Doubt — Why Christians have to convert when it comes to homosexuality, The Sick Messenger 3/2009 (Juni/Juli), S. 16
  12. Texte und Selbstdarstellung des SPEAK-Netzwerks.
  13. Aus den Onlinenachrichten der Jesus Freaks.
  14. religio.de: „Jesusfreaks“
  15. Karina Meyer: 20 Jahre Jesus Freaks – Die Entwicklung einer Jugendbewegung, S.464&465. Materialdienst der EZW 12/2011
  16. Focus: „Gottes geile Truppe“ Nr. 4 (1996)