Johann Hermann Schein
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Johann Hermann Schein (* 20. Januar 1586 in Grünhain; † 19. November 1630 in Leipzig) war ein deutscher Dichter und bedeutender Komponist des Barock. Er bekleidete das Amt des Thomaskantors von 1616 bis 1630.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Leben
Er ist in der Reihe der „drei großen Sch“ neben Samuel Scheidt (in Halle) und Heinrich Schütz (in Dresden) einzuordnen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Von Mitteldeutschland aus wirkten diese drei Komponisten wesentlich auf die Musik ihrer Zeit. Scheins Cantional (1629) ist eines der wichtigsten Gesangbücher. In seiner Leipziger Kirchenmusik bemerkenswert ist die beginnende Entwicklung der Kantate durch selbstständige Verwendung von Instrumenten. Hauptwerke sind das Cymbalum Sionum (Motettensammlung, 1615), die geistlichen Konzerte der Opella nova (1618 und 1627), seine geistlichen Motetten Israelisbrünnlein (1623), die in Verwandtschaft und zu Unrecht im Schatten der Geistlichen Chormusik von Schütz stehen sowie die weltlichen Waldliederlein und Venuskräntzlein.
Der Sohn des evangelischen Pastors Hieronymus Schein zog nach dem Tod des Vaters mit seiner Mutter von Grünhain nach Dresden. Sein Lebenslauf enthält viel Leid. Als Waisenknabe wurde Schein in den Chor der Dresdner Hofkapelle unter Rogier Michael aufgenommen, war bis 1603 Diskantist in der Kurfürstlichen Kantorei, danach erhielt er weitere Ausbildung in Fürstenschule Pforta, einer sächsischen Fürstenschule. Von 1608 bis 1612 konnte er Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig studieren, stieg vom Musiklehrer bei Gottfried von Wolffersdorf ab 1612 in Weißenfels, wo er Schütz kennen lernte, zum Weimarer Hofkapellmeister 1615 und danach zum Nachfolger Sethus Calvisius’ als Thomaskantor der Thomasschule und städtischer Musikdirektor in Leipzig auf.
In Weimar heiratete er Sidonia, Tochter des Kurfürstlich Sächsischen Rentsekretarius Hösel. Seit 1618 war er ein kränkelnder Mann, noch nicht 45-jährig starb er. In seinem Cantional aus dem Jahre 1629 finden sich – die zweite Ausgabe dieser Sammlung von 1645 eingeschlossen – 58 von ihm komponierte, teils auch von ihm gedichtete Trauergesänge, darunter zum Begräbnis seiner Frau und für sieben seiner Kinder. Nach dem Tod seiner ersten Frau im Jahre 1625 heiratete er Elisabeth von der Perre, Tochter des Kunstmalers Johann von der Perre. Die aus dieser Ehe hervorgegangenen fünf Kinder verstarben im Säuglingsalter.
In musikalischen Kreisen seiner näheren Umgebung genoss Schein hohes Ansehen. Obwohl er heute als einer der Mitbegründer der Kunst des weltlichen deutschen Lieds gilt, war es erst die nachfolgende Generation mit Komponisten wie Heinrich Albert, die seine Rolle voll zu würdigen wusste.
[Bearbeiten] Werke (Auswahl)
- Lied Machs mit mir Gott nach deiner Güt
- Venus-Kräntzlein. Wittenberg 1609
- Cymbalum Sionum. Leipzig 1615
- darin Motetten Verbum caro factum est, O Domine, Jesu Christe und andere
- Opella nova. Erster (-ander) Theil Geistlicher Concerten. 2 Tle. Leipzig 1618–16
- darin Vom Himmel hoch, Gelobet seist, du Jesu Christ und andere lutherische Choralbearbeitungen
- Musica boscareccia, Wald-Liederlein. Leipzig 1621 u. ö.
- Fontana d’Israel. Israelis Brünnlein. Leipzig 1623 (Sammlung von 26 Motetten, darunter ist Die mit Tränen säen berühmt für ihre chromatische Radikalität)
- Diletti pastorali deutsche Madrigale.
- Banchetto musicale
[Bearbeiten] Literatur (Auswahl)
- I. Hueck: Die künstlerische Entwicklung Johann Hermann Scheins. Diss. Freiburg/B. 1943
- Arthur Prüfer: Johann Hermann Schein und das weltliche deutsche Lied des 17. Jahrhunderts. Leipzig 1908
- Hermann Rauhe: Dichtung und Musik im weltlichen Vokalwerk Johann Hermann Scheins. Diss. Hamburg 1960
- Walter Reckziegel: Das <Cantional> von Johann Hermann Schein. Berlin 1963
- R. Hinton Thomas: The Transition of the Continuo Lied: Johann Hermann Schein, in: ders., Poetry and Song in the German Baroque, Oxford 1963, S. 21–33
- Heinz Linnerz: Das Trinklied in der deutschen Dichtung von Johann Hermann Schein bis Viktor von Scheffel. Dissertation [masch.], Köln 1952.
Siehe auch: Liste deutscher Komponisten klassischer Musik
[Bearbeiten] Werk- und Literaturverzeichnis
- Gerhard Dünnhaupt: Johann Hermann Schein (1586–1630). in: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock. Bd. 5. Hiersemann, Stuttgart 1991, S. 3557–93, ISBN 3-7772-9133-1
[Bearbeiten] Quellen
- Martin Petzoldt (Hrsg.): St. Thomas/zu Leipzig. Leipzig 2000
[Bearbeiten] Weblinks
- Gemeinfreie Noten von Johann Hermann Schein im Werner-Icking-Musikarchiv (WIMA)
- Aktuelles Verzeichnis der Werke Scheins im VD 17
- Eine historische Betrachtung – Stationen seines Lebens und sein Wirken (Ev.-luth. Kirchgemeinde Grünhain)
- Literatur von und über Johann Hermann Schein im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Digitalisierte Drucke von Johann Hermann Schein im Katalog der Herzog-August-Bibliothek
- Einträge zu Johann Hermann Schein im Katalog des Deutschen Musikarchivs
… | Thidericus (um 1295) | … | Johannes Steffani de Orba (1436–1443) | Thomas Ranstete (1443–1444) | Peter Seehausen (um 1460) | Martin Klotzsch (um 1470) | Johannes Fabri de Forchheym (um 1472) | Ludwig Götze (ab 1480) | Gregor Weßnig (1482–1488) | Heinrich Höfler (1488–1490) | Nikolaus Zölner (um 1494) | Johannes Conradi (um 1508) | Johann Scharnagel (um 1513) | Georg Rhau (1518–1520) | Johannes Galliculus (1520–1525) | Valerian Hüffeler (1526–1530) | Johann Hermann (1531–1536) | Wolfgang Jünger (1536–1539) | Johannes Bruckner (1539–1540) | Ulrich Lange (1540–1549) | Wolfgang Figulus (1549–1551) | Melchior Heger (1553–1564) | Valentin Otto (1564–1594) | Sethus Calvisius (1594–1615) | Johann Hermann Schein (1615–1630) | Tobias Michael (1631–1657) | Sebastian Knüpfer (1657–1676) | Johann Schelle (1677–1701) | Johann Kuhnau (1701–1722) | Johann Sebastian Bach (1723–1750) | Johann Gottlob Harrer (1750–1755) | Johann Friedrich Doles (1756–1789) | Johann Adam Hiller (1789–1801) | August Eberhard Müller (1801–1810) | Johann Gottfried Schicht (1810–1823) | Christian Theodor Weinlig (1823–1842) | Moritz Hauptmann (1842–1868) | Ernst Friedrich Richter (1868–1879) | Wilhelm Rust (1880–1892) | Gustav Schreck (1893–1918) | Karl Straube (1918–1939) | Günther Ramin (1939–1956) | Kurt Thomas (1957–1960) | Erhard Mauersberger (1961–1972) | Hans-Joachim Rotzsch (1972–1991) | Georg Christoph Biller (seit 1992)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schein, Johann Hermann |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Dichter und Komponist |
| GEBURTSDATUM | 20. Januar 1586 |
| GEBURTSORT | Grünhain |
| STERBEDATUM | 19. November 1630 |
| STERBEORT | Leipzig |

