Johann Hermann Schein

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Johann Hermann Schein

Johann Hermann Schein (* 20. Januar 1586 in Grünhain; † 19. November 1630 in Leipzig) war ein deutscher Dichter und Komponist des Frühbarock. Er war Thomaskantor von 1616 bis 1630.

Leben[Bearbeiten]

Erste Ausbildung in Dresden[Bearbeiten]

Johann Hermann Schein wurde als Sohn des evangelischen Pastors Hieronymus Schein geboren und verlebte die ersten Jahre im erzgebirgischen Grünhain.

Nach dem Tod des Vaters 1593 zog seine Mutter mit ihrem Sohn nach Dresden, weil sie in der kleinen Stadt den Lebensunterhalt kaum sichern konnte. In Dresden konnte Johann Hermann als Alumnus im Knabenchor[1] der Dresdner Hofkapelle unter Rogier Michael der Kurfürstlichen Kantorei sein Gesangstalent entwickeln und war bis 1603 Diskantist. Mit dem Stimmbruch wurde Schein in die sächsische Fürstenschule Pforta aufgenommen, wo er ein vorzügliches musikalisches Grundwissen erwarb.

Jurastudium und musikalische Ämter[Bearbeiten]

Von 1608 bis 1612 studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig. Obwohl er das Jurastudium ernsthaft betrieben hatte und den Abschluss erreichte, richtete sich sein Interesse mehr auf Dichtkunst und Musik, er begann zu komponieren. Schein stieg vom Musiklehrer bei Gottfried von Wolffersdorf ab 1612 in Weißenfels, wo er Heinrich Schütz kennenlernte, zum Weimarer Hofkapellmeister 1615 und danach zum Nachfolger Sethus Calvisius’ als Thomaskantor der Thomasschule und städtischer Musikdirektor in Leipzig auf.

Familiengründung[Bearbeiten]

In Weimar heiratete er Sidonia, Tochter des Kurfürstlich Sächsischen Rentsekretarius Hösel. Drei Töchter starben jedoch in den ersten Lebensjahren, Sidonia starb 1624 bei der Geburt der dritten Tochter; nur die beiden Söhne überlebten den Vater.

1625 heiratete er Elisabeth von der Perre, Tochter des Kunstmalers Johann von der Perre. Von den aus dieser Ehe hervorgegangenen fünf Kindern verstarben vier im Säuglingsalter. In Scheins Cantional aus dem Jahre 1629 finden sich – die zweite Ausgabe dieser Sammlung von 1645 eingeschlossen – 58 von ihm komponierte, teils auch von ihm gedichtete Trauergesänge, darunter zum Begräbnis seiner ersten Frau und für sieben seiner Kinder.

Er selbst kränkelte stark. Trotz eines Lungenleidens und schwerer Nierensteine arbeitete er weiter als Schullehrer, Chorleiter, Organist und komponierte. Noch nicht 45-jährig starb er.

Werk[Bearbeiten]

Historische Einordnung[Bearbeiten]

Er ist in der Reihe der „drei großen Sch“ neben Samuel Scheidt (in Halle) und Heinrich Schütz (in Dresden) einzuordnen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Von Mitteldeutschland aus wirkten diese drei Komponisten (die in den aufeinanderfolgenden Jahren 1585, 1586 und 1587 geboren wurden) wesentlich auf die Musik ihrer Zeit.

Scheins Cantional (1629) ist eines der wichtigsten Gesangbücher. In seiner Leipziger Kirchenmusik bemerkenswert ist die beginnende Entwicklung der Kantate durch selbstständige Verwendung von Instrumenten. Hauptwerke sind das Cymbalum Sionum (Motettensammlung, 1615), die geistlichen Konzerte der Opella nova (1618 und 1627), seine geistlichen Motetten Israelisbrünnlein (1623), die in Verwandtschaft und zu Unrecht im Schatten der Geistlichen Chormusik von Schütz stehen, sowie die weltlichen Waldliederlein und Venuskräntzlein. Schein gilt als einer der Mitbegründer des weltlichen deutschen Liedes.

Zeitgenössische Rezeption[Bearbeiten]

In musikalischen Kreisen seiner näheren Umgebung genoss Schein hohes Ansehen. Er wurde als Thomaskantor und Musikdichter gefeiert. Gottfried Vopelius übernahm 98 seiner Kantionalsätze in das Neu Leipziger Gesangbuch. Zu Heinrich Schütz, dem Dresdner Hofkapellmeister, unterhielt er ein freundschaftliches Verhältnis.[1] Aber erst die nachfolgende Generation mit Komponisten wie Heinrich Albert wusste seine Bedeutung voll zu würdigen.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Lied Machs mit mir Gott nach deiner Güt; insgesamt sind 77 Choralmelodien von Schein überliefert[1]
  • Venus-Kräntzlein. Wittenberg 1609
  • Cymbalum Sionum. Leipzig 1615
    • darin Motetten Verbum caro factum est, O Domine, Jesu Christe, Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und andere
  • Opella nova. Erster (-ander) Theil Geistlicher Concerten. 2 Tle. Leipzig 1618–16
  • Musica boscareccia, Wald-Liederlein. Leipzig 1621 u. ö.
  • Fontana d’Israel. Israelis Brünnlein. Leipzig 1623 (Sammlung von 26 geistlichen Madrigalen, darunter ist das Madrigal Die mit Tränen säen berühmt für seine chromatische Radikalität)
  • Gesangbuch Augsburger Konfession, 1627[1]
  • Diletti pastorali deutsche Madrigale.
Werkausgaben
  • 1617: Banchetto musicale (Bankett- und Tafelmusiken)
  • 1643: Musica Boscareccia oder Waldliederlein mit Liebesliedern, Trinkliedern

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Gerhard Dünnhaupt: Johann Hermann Schein (1586–1630). In: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock. Bd. 5. Hiersemann, Stuttgart 1991, S. 3557–3593, ISBN 3-7772-9133-1
  • I. Hueck: Die künstlerische Entwicklung Johann Hermann Scheins. Dissertation, Universität Freiburg im Breisgau 1943
  • Heinz Linnerz: Das Trinklied in der deutschen Dichtung von Johann Hermann Schein bis Viktor von Scheffel. Dissertation [masch.], Köln 1952.
  • Martin Petzoldt (Hrsg.): St. Thomas/zu Leipzig. Leipzig 2000
  • Arthur Prüfer: Johann Hermann Schein und das weltliche deutsche Lied des 17. Jahrhunderts. Leipzig 1908
  • Arthur Prüfer: Zur Familiengeschichte des Leipziger Thomas-Kantors Joh. Herm. Schein. In: Monatshefte für Musik-Geschichte 30 (1898), S. 141-145
  • Hermann Rauhe: Dichtung und Musik im weltlichen Vokalwerk Johann Hermann Scheins. Dissertation, Universität Hamburg 1960
  • Walter Reckziegel: Das „Cantional“ von Johann Hermann Schein. Berlin 1963
  • Bernhold Schmid: Schein, Johann Hermann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 637 f. (Digitalisat).
  • R. Hinton Thomas: The Transition of the Continuo Lied: Johann Hermann Schein, in: ders., Poetry and Song in the German Baroque, Oxford 1963, S. 21–33

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Manfred Blechschmidt, Klaus Walther: Bergland-Mosaik. Ein Buch vom Erzgebirge. Greifenverlag zu Rudolstadt; 1. Auflage 1969; S. 82–86

Weblinks[Bearbeiten]