Georg Christoph Biller

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Georg Christoph Biller (* 20. September 1955 in Nebra) ist ein deutscher Dirigent und Thomaskantor zu Leipzig.

Leben[Bearbeiten]

Biller wurde 1955 als Pfarrerssohn in Nebra geboren. Er erhielt seine erste musikalische Ausbildung von 1965 bis 1974 als Thomaner unter Erhard Mauersberger und Hans-Joachim Rotzsch. Als Chorpräfekt sammelte er hier bereits erste Erfahrungen im Dirigieren. Nach dem Abitur 1974 an der Thomasschule zu Leipzig studierte er von 1976 bis 1981 Orchesterdirigieren bei Rolf Reuter und Kurt Masur sowie Gesang an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Im Jahre 1976 gründete er das Leipziger Vocalensemble.

Von 1980 bis 1991 leitete er den GewandhausChor Leipzig. Gleichzeitig lehrte er als Dozent für Chorleitung an der Kirchenmusikschule Halle. 1982 erfolgte die Gründung des Männerstimmen-Sextetts „Arion-Collegium“. Im selben Jahr erwarb er das Diplom im Orchesterdirigieren an der Sommerakademie des Mozarteums Salzburg. Seit 1983 ist er Mitglied der Akademie der Künste Berlin. 1985 wurde er mit dem Osaka-Musikpreis ausgezeichnet. 1991/92 war er Dozent für Chordirigieren an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und Hochschule für Musik Detmold.

1992 wurde er zum Thomaskantor zu Leipzig berufen und ist damit der sechzehnte Thomaskantor nach Johann Sebastian Bach. Biller führt bei seiner Arbeit mit dem Thomanerchor die kirchenmusikalische Tradition seiner Vorgänger fort. Dabei legt er großen Wert auf einen liturgischen Aufbau der Motetten- und Konzertprogramme, in denen sich die gesamte Chortradition von den gregorianischen Anfängen bis hin zur Moderne wiederfindet. Er ist mit vielen zeitgenössischen Komponisten eng verbunden, selbst kompositorisch tätig und Gastdirigent prominenter Klangkörper wie z. B. dem New York Philharmonic Orchestra, Konzerthausorchester Berlin und Sydney Symphony Orchestra.

1992 begann er, die gesamten erhaltenen Bach-Kantaten zyklisch in chronologischer Reihenfolge durch die Thomaner und das Gewandhausorchester aufzuführen, wobei die Kantaten ihre Zuordnung zum entsprechenden Sonntag zum Kirchenjahr erhalten. 1994 wurde Georg Christoph Biller zum Professor für Chordirigieren an der Hochschule für Musik Leipzig ernannt. Seit 2009 lehrt er ebenda als Professor für Orchesterdirigieren. 2013 setzte er mit dem Auswahlchor der Thomaner neue Akzente unter besonderer Berücksichtigung der historischen Aufführungspraxis. Er besetzte die Stimmen drei- bis vierfach und positionierte die Sänger vor dem Orchester am Geländer der Empore. Zudem ließ er den Chor aus Reproduktionen der originalen Handschriften singen.[1][2]

Biller ist Schirmherr des Schönberger Musiksommers und des Bachfestes Leipzig sowie Ehrenmitglied der Richard Wagner Gesellschaft Leipzig 2013. Seit einigen Jahren verfolgt er als Thomaskantor die Vision des Forum Thomanum, eines Bildungscampus rund um Thomasschule und Thomanerchor.

Georg Christoph Biller ist verheiratet mit der Schauspielerin Ute Loeck.[3] Sein älterer Bruder ist der Kirchenmusiker Gottfried Biller.[4]

Kompositionen[Bearbeiten]

  • Der apostolische Segen / Benedicamus (2011)
  • Naunhofer Choralbuch
  • Responsorien
  • Gesänge nach Worten von Clemens Brentano
  • 7 Lieder aus Stille
  • Psalmen David
  • Eine kleine Thomasmusik (2000)
  • Der Nebraer Himmelspsalm
  • Res severa verum gaudium (Kanon)
  • Herr, tue meine Lippen auf
  • Verleih uns Friede
  • In einem Glauben (2009)
  • versch. Gemeindeliedersätze
  • Halleluja-Verse für den Gottesdienst
  • St. Thomas - Motette
  • Vater unser im Himmelreich (Gesangssatz, 2013)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.leipzig-online.de (PDF; 69 kB), abgerufen am 26. Oktober 2013.
  2. Forum Kirchenmusik, Ausgabe 5, 2013, S. 23.
  3. Interview bei www.concerti.de, abgerufen am 1. März 2014
  4. www.quedlinburger-musiksommer.de, abgerufen am 1. März 2014