Johann Jakob Griesbach

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Johann Jakob Griesbach
Griesbach Hypothese.png
Johann Jakob Griesbach auf einem Gemälde von Johann Carl Bock

Johann Jakob Griesbach (* 4. Januar 1745 in Butzbach; † 12. März 1812 in Jena) war seit 1775 Professor für Neues Testament in Jena.

Neutestamentlicher Textkritiker[Bearbeiten]

Griesbach gilt als einer der Väter der neutestamentlichen Textkritik. Er publizierte 1774/1775 als erster eine kritische Ausgabe des Neuen Testaments, die die ältesten und besten Handschriften zugrunde legte und dabei in größerem Umfang von der traditionellen Textgestalt, dem textus receptus, abwich. Seine Vorlesungen hörte auch der spätere Geschichtsprofessor und Universitätsarchivar in Königsberg Johannes Voigt.

Evangeliensynopse[Bearbeiten]

Im Jahre 1776 gab Griesbach seine griechische Matthäus-Markus-Lukas Synopse separat von seiner kritischen Ausgabe des Neuen Testamentes (s.o.) heraus, in der sie bisher enthalten gewesen war, und etablierte damit das Handwerkzeug einer Synopse als eine unentbehrliche Forschungshilfe in der neutestamentlichen Wissenschaft.

Synoptische Frage[Bearbeiten]

Seine Lösung des so genannten Synoptischen Problems, wie die ersten drei (einander ähnlichen) Evangelien des Neuen Testamentes zueinander in Beziehung stehen, beschrieb Griesbach 1789 in seinem Werk Commentatio qua Marci evangelium totum e Matthaei et Lucae commentariis decerptum esse monstratur. Demnach hat Markus das Matthäusevangelium sowie das Lukasevangelium gekannt und beide Schriften gekürzt. Seine Theorie, die Griesbachhypothese, ist nach der Zweiquellentheorie die v. a. in den USA verbreitetste Erklärung des Verhältnisses der synoptischen Evangelien untereinander.

Johann Jakob Griesbach Bicentenary Colloquium 1776–1976[Bearbeiten]

Aus Anlass des 200. Jahrestages der Veröffentlichung von Griesbachs Evangeliensynopse als ein separates Werk hielt eine Gruppe von internationalen Bibelwissenschaftlern im Juli 1976 in Münster/Westfalen das „Johann Jakob Griesbach Bicentenary Colloquium 1776–1976“ ab.

Eine Auswahl der dort präsentierten Papiere über Griesbachs Leben, Werk und Auswirkung, dazu bestimmt aufzuzeigen, weshalb das Verständnis des Beitrages dieses Wissenschaftlers zur neutestamentlichen Kritik gleichwohl für die Geschichte der neutestamentlichen Wissenschaft wie auch für die derzeitige neutestamentliche Forschung bedeutsam ist, zusammen mit dem Text im originalen Latein sowie in englischer Übersetzung der Dissertation des J. J. Griesbach, Doktor der Theologie und Professor Primar der Jenaer Universität, worin er verauschaulicht, daß das ganze Markusevangelium den Evangelien des Matthäus und Lukas entnommen worden ist, geschrieben im Namen der Jenaer Universität (1789–1790), nun überarbeitet und mit vielen Zusätzen versehen, sind zu finden in: Bernard Orchard and Thomas R. W. Longstaff (ed.), J. J. Griesbach: Synoptic and Text-Critical Studies 1776–1976, SNTS Monograph Series Vol. 34 (Cambridge University Press, 1978 ISBN 0-521-21706-7, wiederveröffentlicht 2005 ISBN 0-521-02055-7).

Familie[Bearbeiten]

Seine Eltern waren Conrad Caspar Griesbach (1705–1777) und dessen Ehefrau Johanna Dorothea Rambach (1726–1775) Tochter des Dichters Johann Jakob Rambach. Die Schwester seiner Frau Charlotte Elisabeth war Kirchenlieddichterin und Erbauungsschriftstellerin und mit Heinrich Christoph Nebel verheiratet. Griesbach heiratete 1775 in Halle Friederike Juliane Schütz (1758–1836), die Tochter des Oberpredigers von Aschersleben Gottfried Schütz. Die Ehe blieb kinderlos. Sie hatten aber eine Pflegetochter: Bertha Sturm (1799–1857) Tochter des Stadtphysikus von Eisenach Benjamin Christian Gottlieb Sturm († 1813), diese heiratete den Professor Friedrich Gottlob Schulze.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Jakob Griesbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien