Johannes Sturm

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Pädagogen. Zum Arzt siehe Johannes Sturm (Mediziner)
Johannes Sturm (Relief) am ehem. Landtag/heute Nationaltheater Straßburg

Johannes Sturm, latinisiert Ioannes Sturmius, französisch Jean Sturm, auch Johann Sturm (* 1. Oktober 1507 in Schleiden, damals in der luxemburgischen Eifel; † 3. März 1589 in Straßburg, Elsass) war ein Humanist und Schulreformer, Gelehrter und Pädagoge. Er hat das europäische Bildungssystem wesentlich beeinflusst.

Leben[Bearbeiten]

Johannes Sturm, Sohn eines Rentmeisters der Grafen von Manderscheid, besuchte von 1521 bis 1524 die Hieronymitenschule der Brüder vom gemeinsamen Leben in Lüttich und studierte anschließend an der Universität von Löwen. Er setzte sich während seiner Studien mit dem Werk des Erasmus von Rotterdam auseinander. In Löwen gründete er mit einem Gräzisten eine Druckerei, in der er hauptsächlich griechische Klassiker herausbrachte. [1] 1529 erhielt er einen Ruf als Professor klassischen Sprachen und Logik am Collège Royal in Paris. Sturm galt als Vertreter der pädagogischen Ideen Philipp Melanchthons und die theologischen Lehren der Reformation, denen er sich anschloss, ohne in der Folgezeit einer Richtung dogmatisch anzuhängen. [2]

1537 wurde er von Jakob Sturm von Sturmeck (der nicht mit ihm verwandt war) und dem Straßburger Reformator Martin Bucer nach Straßburg berufen, wo er im folgenden Jahr neben dem bereits bestehenden Theologenkonvikt und Pädagogium ein Gymnasium gründete, die Schola Argentoratensis (Straßburger Schule) - das heutige Jean-Sturm-Gymnasium (Gymnase Jean Sturm) - und deren erster Rektor wurde. Im selben Jahr ließ sich der seinerzeit wegen seiner Übersetzungen der Schriften griechischer Ärzte (Galenos u.a.) berühmte protestantische Philologe, Arzt und Anatom Dr. Johann Winter aus Andernach nieder, den Sturm als Griechischlehrer an seinem neu gegründeten Gymnasium verpflichtete. Die Neuordnung des Schulwesens in Straßburg sowie Lehrplan, -methode und -ziel hatte er in seiner Schrift De litterarum ludis recte aperiendis liber veröffentlicht. Die für damalige Verhältnisse pädagogisch fortschrittliche Schule bot später Vorlesungen in Dialektik, Rhetorik, Theologie, Philosophie, Recht und Medizin an. 1566 erhielt sie von Kaiser Maximilian II. das Akademieprivileg, konnte somit u. a. Promotionen erteilen.

Dieses wurde sehr rasch europaweit zu einem Vorbild humanistischer Schulgestaltung. Sturm fasste seine Vorstellungen vor allem in der Schrift "Scholae Lauinganae" ("Lauingische Schulen", 1565) zusammen. Von Karl V. wurde er geadelt.[1][3]

Der Calvinist Sturm wurde 1582 nach Vermittlungsversuchen zwischen französischen Hugenotten und den deutschen Protestanten, insbesondere von seinem Straßburger Professorenkollegen Johannes Marbach, aber auch von Johannes Pappus, Lucas Osiander und Jakob Andreae bekämpft und schließlich als Rektor der Akademie vom Straßburger Rat abgesetzt.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • De literarum ludis recte aperiendis, 1538, auch 1543 und 1557
  • Partitionum dialecticarum libri II priores, 1539 (liber III., 1543; liber IV., 1548, auch 1571 und 1592)
  • De amissa et recuperanda dicendi ratione, 1539
  • De amissa dicendi ratione, et quomodo ea recuperanda sit, libri duo, Straßburg o.J.
  • Ausgabe des Cicero, 1540 ff. (eine andere nach Naugerius und Victorius in 9 Bdn. 1557)
  • Prolegomena (Praefationes), 1541
  • De nobilitate literata, 1549
  • Leges scholae lauinganae, 1565
  • Epistolae academicae, 1569
  • De formis orationis, 1571
  • De imitatione oratoria, 1574
  • De exercitationibus rhetoricis, 1575
  • De universa ratione Elocutionis Rhetoricae, libri IV, 1576
  • Platonis Gorgias aut de rhetorica, Straßburg 1541 (darin De ratione interrogandi atque collocandi dialectica ad Iacobum Bonerum); daneben Kommentare zur Rhetorik des Cicero, Aristoteles, Hermogenes u.a.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Josef Krey: Sturm, Johannes. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 11, Bautz, Herzberg 1996, ISBN 3-88309-064-6, Sp. 145–149.
  • Ernst Laas: Die Pädagogik des Johannes Sturm. Leipzig 1872
  • Jean Rott: Bibliographie des œuvres imprimés du recteur Strasbourgeois Jean Sturm (1507-1589). In: Actes du 95e congrès nationale des sociétés savantes. Section de philologie et d'histoire jusqu'à 1610, Reims 1970, t.l, 319-404
  • Anton Schindling, Humanistische Hochschule und freie Reichsstadt - Gymnasium und Akademie in Straßburg 1538 bis 1621 (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Bd. 77). Wiesbaden 1977, 441 Seiten. Übersetzung ins Französische: L'Ecole latine et l'Académie de 1538 à 1621, in: Pierre SCHANG/Georges LIVET (Hrsg.), Histoire du Gymnase Jean Sturm. Berceau de l'Université de Strasbourg 1538-1988 (= Société Savante d'Alsace et des Régions de l'Est. Collection "Grandes Publications", Bd. 34). Strasbourg 1988, 17-154.
  • Charles Schmidt: La vie et les travaux de Jean Sturm. Straßburg 1855 (mit Bibliographie)
  • Bernd Schröder (Hrsg.): Johannes Sturm (1507–1589) – Pädagoge der Reformation. Jena, 2009, ISBN 978-3-938203-88-0.
  • Barbara Sher Tinsley: Johann's Sturms method for humanistic pedagogy. In: Sixteenth century journal  Bd. 20, New York und Kirksville (MO) 1989, S. 23-41; ISSN 0361-0160
  • Walter Sohm: Die Schule Johann Sturms und die Kirche Straßburgs in ihrem gegenseitigen Verhältnis 1530-1581, Ein Beitrag zur Geschichte deutscher Renaissance. München-Berlin 1912
  • Nathalie de Swaef: Joannes Sturmius, 1559 – 1650, een bio-bibliografische studie. Dissertation XXIV, 119 Bl., Leuven (Louvain, Löwen) 1991
  • Theobald ZieglerSturm, Johann. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 37, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 21–38.
  • Sturm (Johann). In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 40, Leipzig 1744, Spalte 1413–1416. (umfangreiches Schriftenverzeichnis)
  • Sturm Johann 3). In:  Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Bd. 17, Altenburg 1863, S. 11 (online bei zeno.org).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b siehe Weblink Philosophengalerie der Universität Düsseldorf
  2. siehe BBKL
  3. siehe Pierer