Hieronymiten

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Wappen der Hieronymiten von Segovia. Der Löwe und der Kardinalshut sind Attribute des hl. Hieronymus.

Hieronymiten (auch Hieronymianer, Eremiten des heiligen Hieronymus) sind Geistliche einer christlichen Ordensgemeinschaft, die unter dem Patrozinium des hl. Hieronymus steht. Es handelt sich um einen iberischen Orden, der hauptsächlich in Spanien und Portugal Klöster gründete. Der Orden benutzt das Ordenskürzel OSH.

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

Francisco de Zurbarán: Zwei hieronymitische Mönche. Das Gemälde befindet sich im Kloster von Guadalupe.

Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden verschiedene Gruppen von Eremiten, die danach strebten, das Leben des heiligen Hieronymus nachzuahmen. Wichtige Persönlichkeiten dieser Gründungsphase waren Pedro Fernández Pecha und Fernando Yáñez de Figueroa. Am 18. Oktober 1373 erließ Papst Gregor XI. in Avignon eine Bulle, laut der diese Eremiten die Augustinusregel einzuhalten und der Spiritualität Hieronymus’ zu folgen hatten. Der neue Orden hatte seinen Hauptsitz dank Pecha im Kloster San Bartolomé in Lupiana in der Provinz Guadalajara. 1415 hatte der Orden 25 Klostergründungen.

Das spanische Königshaus bevorzugte den hieronymitischen Orden wegen seiner Sittenstrenge und Bußfertigkeit und bedachte viele der Gründungen reich. Darunter waren das Klöster von Guadalupe in der Provinz Cáceres, Fresdelval in der Provinz Burgos, Yuste, das Karl V. zu seinem Ruhesitz wählte, Mirat in Salamanca, eines in Madrid, das zum Palast Buen Retiro gehörte, und vor allem das Kloster El Escorial, das von Philipp II. zur königlichen Grablege gewählt wurde.

Die Hieronymitinnen[Bearbeiten]

Die hll. Paula und Eustochium im Habit der Hieronymitinnen. Der sie unterrichtende hl. Hieronymus trägt unter den Insignien eines Kardinals ebenfalls den Habit des Ordens. Ölgemälde von Francisco de Zurbarán

Zur gleichen Zeit entstanden auch Gemeinschaften von Hieronymitinnen. Eine Gruppe Frauen, unter denen María García und Mayor Gómez besonders zu erwähnen sind, begannen, sich in Werken der Demut und der Nächstenliebe zu üben, bis sie sich entschlossen, sich ganz dem geistlichen Leben in Gebet und Buße zu widmen. Pedro Fernández Pecha gründete 1374 das Kloster von Sisla in der Nähe von Toledo. Er betreute die Nonnen und richtete ihr Leben am Vorbild des gerade gegründeten hieronymitischen Ordens aus. Die Hieronymitinnen erhielten die gleiche Regel, als Vorbild gelten die hll. Paula und Eustochium, die Schülerinnen des Kirchenvaters Hieronymus waren. Die mexikanische Dichterin Sr. Juana Inés de la Cruz gehörte dem Orden der Hieronymitinnen an.

Die Hieronymiten in Portugal[Bearbeiten]

Die Hieronymiten breiteten sich auch nach Portugal aus. Genauso wie in Kastilien wurden sie dort vom Königshaus bevorzugt. Manuel I. vertraute ihnen das Kloster der Betlehemitischen Hieronymiten in Lissabon an, ein bauliches Meisterwerk der Manuelinik, das zur königlichen Grablege ausersehen wurde. 1833 wurde das Wirken des Ordens von der Staatsführung verboten, was seine völlige Auslöschung in Portugal bedeutete.

Kongregationen[Bearbeiten]

Die um 1380 in Fiesole von Carlo di Montegraneli gegründete Kongregation wurde 1688 wieder aufgelöst. Ebenfalls um 1380 wurde von Peter Gambacorti in Montebello (Umbrien) ein Zweig der Hieronymiten gegründet, der sich schließlich die Armen Eremiten des heiligen Hieronymus von der Kongregation des seligen Peter von Pisa nannte und sich auch in Tirol, der Steiermark und Bayern ausbreitete. Lope de Olmeda stiftete 1424 die italienische Kongregation der Hieronymiten von der Observanz, die von Martin V. bestätigt wurde. Von diesen Gründungen ist keine erhalten.

Vernichtung und Wiederherstellung[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert durchlebten die Hieronymiten die gleichen Schwierigkeiten wie alle anderen geistlichen Orden in Spanien. Sie mussten drei Auflassungswellen erleiden, zwischen 1808 und 1813, zwischen 1820 und 1823 und schließlich 1836 als Folge der Säkularisation, die die Enteignung aller 48 Klöster und die Vertreibung tausender Mönche bedeutete. Da es außerhalb Spaniens keine Hieronymiten gab, hätte dies das Ende des Ordens bedeuten müssen.

Die Hieronymitinnen existierten jedoch weiter und verfolgten das Ziel der Wiedererstehung des Mönchsordens. 1925 erhielten sie vom Heiligen Stuhl das Reskript zur Restaurierung des Ordens des heiligen Hieronymus. Der wieder ins Leben gerufene Orden musste verschiedene Schwierigkeiten überstehen, die laizistische Politik der Republik ab 1931, den spanischen Bürgerkrieg zwischen 1936 und 1939 sowie innere Schwierigkeiten, die seinen Fortschritt aufhielten, bis er 1969 seine Generalautorität gründen konnte. Zurzeit hat der männliche Zweig des Ordens wenige Mitglieder. Es gibt nur zwei Mönchskloster, in El Parral (Ávila)/Segovia und in Yuste. Hingegen gibt es 17 Hieronymitinnenklöster.

Geistliches Leben[Bearbeiten]

Nebengebäude des Klosters Nuestra Señora de la Victoria in Salamanca, dass 1513 fertiggestellt und später von französischen Truppen verwüstet wurde; seine Reste sind Teil der Einrichtungen der Grupo Mirat.

Der Orden der Hieronymiten ist ein kontemplativer Orden, der sich am Leben des hl. Hieronymus orientiert, um Christus nachzufolgen. Morgens ist das Leben der Mönche der Arbeit gewidmet, nachmittags Gebet, Lektüre, Studium.

Außerdem ist der Hieronymitenorden „seit seinen Anfängen dazu bestimmt, klein, demütig, versteckt und zurückgezogen zu sein, seine Kinder auf einen schmalen Pfad zu führen, in seinen Mauern für die Gesundheit ihrer Seelen zu sorgen, indem sie sich fortwährend dem göttlichen Lob widmen, sie für die Anfechtungen entschädigend, die sie woanders treffen: betend, singend und weinend der Kirche dienen und den Zorn Gottes über die Sünden der Welt besänftigen“.[1]

Habit[Bearbeiten]

Der Habit besteht aus einer weißen Tunika aus grobem Stoff, einer kleinen Kapuze und einem Skapulier, beide schwarz gefärbt. Die Hieronymitinnen tragen eine weiße Tunika mit braunem Skapulier und einen schwarzen Schleier.

Berühmte Hieronymiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. José de Siguenza: Historia de la Orden de San Jerónimo. 2. Auflage. Bailly-Ballière, Madrid 1907, S. 355 (online).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hieronymiten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien