John Knittel

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John Knittel (* 24. März 1891 in Dharwar, Indien; † 26. April 1970 in Maienfeld, Graubünden; eigentlich Hermann Emanuel Knittel) war ein Schweizer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

John Knittel wurde als Sohn des württembergischen Missionars Hermann Wilhelm Knittel, der im Dienst der Basler Mission stand, und dessen Ehefrau Anna geborene Schultze, deren Familie aus Südtirol stammte, in Indien geboren. Hermann Wilhelm Knittel entstammte einer Glockengießerfamilie in Cannstatt; Anna Schultzes Vater war Inhaber der C. Schultze'schen Universitäts-Buchdruckerei Basel gewesen. 1895 kehrten die Knittels mit ihren drei Kindern von Karnataka in die Schweiz zurück und erhielten in Basel das Schweizer Bürgerrecht zugesprochen. Dort besuchte John Knittel, der anfangs nur Kannada sprach, zuerst das Knabenhaus der Mission und anschließend das Gymnasium am Münsterplatz, wo er Mitschüler von Carl Jacob Burckhardt war. Vor dem Abitur wurde er jedoch des Gymnasiums verwiesen und kam kurzzeitig auf die Oberrealschule. Bald darauf besuchte er eine Handelsschule und wurde schließlich Lehrling in der Baumwollfabrik seines Patenonkels.

Schriftstellerische Anfänge[Bearbeiten]

1908 übersiedelte er wegen einer Romanze nach London und wurde Bankangestellter der Crédit Lyonnais. Nebenher betätigte er sich später auch als Schiffseigner, Filmproduzent und Teilhaber eines Theaters (1922). In London lernte er seine Frau Frances White Mac Bridger kennen, die er 1915 heimlich und gegen den Willen ihrer Eltern ehelichte. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

Die Begegnung mit dem englischen Schriftsteller Robert Smythe Hichens im Jahr 1917 wurde zu einem Schlüsselerlebnis. Dieser erkannte sein literarisches Talent und ermutigte ihn, auf Englisch zu schreiben. 1919 erschien Knittels erster Roman Die Reisen des Aaron West (The Travels of Aaron West), der sogleich ein kommerzieller Erfolg wurde. In England wurde er Mitglied des P.E.N.-Clubs.

Rückkehr in die Schweiz und Auslandsaufenthalte[Bearbeiten]

1921 reiste Knittel mit seiner Ehefrau, den Kindern und Robert Hichens in die Schweiz und liess sich am Genfersee nieder. In den folgenden Jahren kam es mit der Familie zu weiten Reisen: Ägypten, Algerien und Tunesien. In Ägypten wurde er zum Bewunderer von Mohandas Karamchand Gandhi und unterstützte ein humanitäres Schweizer Projekt, das das ärmliche Leben der Fellachen verbessern sollte. Die unsichere weltpolitische Lage veranlasste Knittel und Hichens nach Europa zurückzukehren. 1938 wurde als neue Unterkunft das Haus Römersteig über den Weinbergen von Maienfeld in Graubünden bezogen.

Tätigkeiten im Zweiten Weltkrieg und die Folgen[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges besuchte er Propagandaminister Joseph Goebbels in Berlin und wurde auf Einladung von Hans Carossa beim Weimarer Dichtertreffen 1941 Mitglied der Europäischen Schriftsteller-Vereinigung (ESV). Auch im Jahr 1942 besuchte er als Schweizer Vertreter des ESV das Weimarer Dichtertreffen. 1944 setzte er sich vergeblich für die zum Tode verurteilten Freunde seiner Tochter ein, die zum Widerstandskreis der Weißen Rose gehörten: Willi Graf, Alexander Schmorell und Kurt Huber. Schweizer Schriftstellerkollegen galt er als „Nazifreund“. Daraufhin verließ er 1945 den Schweizerischen Schriftstellerverband (siehe Autorinnen und Autoren der Schweiz, AdS).

Werke[Bearbeiten]

Sämtliche Werke wurden in englischer Sprache geschrieben. Sein Schweizer Verlag vermarktete ihn als Schweizer Schriftsteller, ohne die jeweiligen Übersetzer anzugeben.

Romane und Erzählungen[Bearbeiten]

  • The Travels of Aaron West, Roman, 1919 (dt. Die Reisen des Aaron West / Kapitän West, 1922)
  • A Traveller in the night, Roman, 1924 (dt. Der Weg durch die Nacht, 1926)
  • Into the abyss, Roman, 1927 (dt. Thérèse Etienne, 1927)
  • Nile Gold, Roman, 1929 (dt. Der blaue Basalt, 1929)
  • Midnight People, Roman, 1930 (dt. Abd-el-Kader, 1930)
  • Cyprus Wine, 1933 (ohne deutsche Übersetzung!)
  • The Commander, Roman, 1933 (dt. Der Commandant, 1933)
  • Via Mala, Roman, 1934 (dt. Via Mala, 1934)
  • Dr. Ibrahim, Roman, 1935 (dt. El Hakim, 1936)
  • The asp and other stories, Erzählungen, 1936 (dt. Die Aspis-Schlange und andere Erzählungen, 1942)
  • Power for sale, Roman, 1939 (dt. Amadeus, 1939; Fortsetzung von Thérèse Etienne, in der er für das Atlantropa-Projekt wirbt)
  • Terra Magna, Roman, 1948
  • Jean-Michel, Roman, 1953
  • Arietta, Roman, 1957 (dt. Arietta. Marokkanische Episode, 1959)
  • Abd El Kader. Roman. Wilhelm Heyne, München 1975 (Heyne Bücher 5170)

Theaterstücke[Bearbeiten]

  • The Torch, Schauspiel, 1922
  • High Finance, Schauspiel, 1934
  • Protektorat. Ein volkstümliches Drama unseres Zeitalters, 1935 (Dramatisierung von Abd-el-Kader)
  • Via Mala, Drama, 1937
  • Sokrates, Drama, 1941
  • La Rochelle, Drama, 1943/44
  • Thérèse Etienne, Drama, 1950

Filmografie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]