Luise Rainer

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Luise Rainer auf einem Porträt von Carl van Vechten (September 1937)

Luise Rainer (* 12. Januar 1910 in Düsseldorf) ist eine deutsche Schauspielerin. Sie ist die erste Person, die 1937 und 1938 zweimal hintereinander einen Oscar als Beste Hauptdarstellerin gewann und die einzige deutsche Schauspielerin, die jemals mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. Ihre Karriere in Hollywood begann 1935 und endete nach einem Streit mit ihrem Studio bereits 1938. Luise Rainer zählt zu den wenigen noch lebenden Stars ihrer Generation und ist momentan die älteste noch lebende Oscargewinnerin.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Luise Rainer erhielt ihre Ausbildung zur Theaterschauspielerin zwischen 1927 bis 1928 an der 'Hochschule für Bühnenkunst', die dem Schauspielhaus Düsseldorf von Louise Dumont und Gustav Lindemann angeschlossen war. Ein erstes Engagement hatte sie von 1928 bis 1931 am Schauspielhaus in Düsseldorf. Danach wurde sie von Max Reinhardt an das Wiener Theater in der Josefstadt engagiert. Sie war eine angesehene Jungschauspielerin in Deutschland und Österreich, als Louis B. Mayer sie 1935 persönlich für MGM unter Vertrag nahm. Die Studiopublicity lancierte Rainer als Österreicherin. Sie wurde als neue Greta Garbo vermarktet; die gleiche Methode wandte Mayer auch bei Hedwig Kiesler an, die er in Hedy Lamarr umbenannte.

Ihre erste Hollywood-Rolle hatte Luise Rainer 1935 an der Seite von William Powell in Escapade, nachdem Myrna Loy für mehr Geld gestreikt und die Rolle abgelehnt hatte. Neben Powell agierte die Rainer in zwei weiteren Filmen. Schon mit ihrer zweiten Rolle als Anna Held in dem aufwändig produzierten Musical Der große Ziegfeld aus dem Jahr 1936 bekam sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Berühmt wurde die Szene, in der Anna Held, frisch geschieden von Ziegfeld, diesem am Telefon zu seiner neuen Hochzeit gratuliert und dabei ihre Tränen hinter einem Lächeln verbirgt. Solche Szenen wurden danach zu einem Markenzeichen von Rainer, die für die Darstellung auch den New York Film Critics Circle Award gewann. Wegen ihrer emotionsgeladenen Filmauftritte bekam sie sogar den Spitznamen „die Wiener Träne“ – „the Viennese Teardrop“. 1937 wurde Rainer in Die gute Erde als chinesische Bäuerin eingesetzt, die Hungersnot und Revolution erlebte und sich für Mann und Familie aufopferte. Die Rolle der O-lan hat nur wenig Text, doch Luise Rainer überzeugte durch Mimik und Gestik. Ab 1938 zeigte das Publikum nur noch wenig Interesse an ihren Filmen und die Schauspielerin brach Ende des Jahres ihren laufenden Vertrag und verließ Hollywood. Im Studio galt die Schauspielerin als schwierig. Zudem soll ihr damaliger Ehemann Clifford Odets regelmäßig in die Karriereplanung hineingeredet haben. Nach einigen Auftritten am Theater drehte sie 1943 ihren letzten US-Film und zog sich danach dauerhaft nach London zurück. Pläne für ein Comeback zerschlugen sich in den Folgejahren. Federico Fellini wollte die Schauspielerin in La Dolce Vita einsetzen. Als Rainer feststellte, dass sie eine Bettszene mit Marcello Mastroianni drehen sollte, reiste sie überstürzt von den Dreharbeiten aus Rom wieder ab. Danach zog sich die Schauspielerin zurück und kehrte nur für zwei Gastauftritte auf die Leinwand zurück. 1997 war Luise Rainer als Großmutter in Der Spieler von Károly Makk nach dem gleichnamigen Roman von Fjodor Dostojewski zu sehen.

Rainer war in zweiter Ehe mit dem Verleger Robert Knittel verheiratet, dem Sohn des Schweizer Schriftstellers John Knittel. Sie haben eine Tochter.

Luise Rainer (2011)

Rainer ist bis heute die einzige deutsche Schauspielerin, die einen Oscar als beste Hauptdarstellerin gewann, und sie war vor Spencer Tracy die erste Person, die zwei Jahre hintereinander in einer der wichtigsten Kategorien erfolgreich war. Sie reiste noch zweimal nach Los Angeles zu einer Oscar-Verleihung: 1998 und 2003. Zudem hat man sie mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt. Eine Facebook-Initiative, Anregungen von Feuilletonisten, Fans und des Zentralrats der Juden in Deutschland bewogen die Verantwortlichen des deutschen Boulevards der Stars dazu, Luise Rainer am 5. September 2011 mit dem 21. Stern zu würdigen, nachdem sie bei der Einrichtung des Boulevards noch leer ausgegangen war.[1] Rainer zeigte sich darüber mit den Worten „Wie schön, dass man mich in Deutschland nicht vergessen hat“ erfreut.[2][3] Derzeit ist sie die älteste lebende Oscar-Gewinnerin.

Ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame, Höhe 6300 Hollywood Boulevard, erinnert an die Schauspielerin.

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1932: Sehnsucht 202
  • 1932: Madame hat Besuch
  • 1933: Heut kommt’s drauf an
  • 1935: Seitensprung (Escapade)
  • 1936: Der große Ziegfeld (The Great Ziegfeld)
  • 1937: Die gute Erde (The Good Earth)
  • 1937: Finale in St. Petersburg (The Emperor’s Candlesticks)
  • 1937: Die große Stadt (Big City)
  • 1938: The Toy Wife
  • 1938: Der große Walzer (The Great Waltz)
  • 1938: Dramatic School
  • 1943: Hostages
  • 1988: A Dancer
  • 1997: Dunkle Tage in St. Petersburg (The Gambler)
  • 2003: Poem – Ich setzte den Fuss in die Luft, und sie trug

Fernsehen[Bearbeiten]

  • 1949: The Chevrolet Tele-Theatre (1 Episode)
  • 1951: Faith Baldwin Romance Theatre (1 Episode)
  • 1952: Schlitz Playhouse of Stars (1 Episode)
  • 1950/1953: Lux Video Theatre (2 Episoden)
  • 1954: Suspense (1 Episode)
  • 1965: Combat! (1 Episode)
  • 1984: Love Boat (1 Episode)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Rainer zerschneidet mit Klaus Wowereit das goldene Band des Boulevards der Stars (2011)

Literatur[Bearbeiten]

  • Marten Rolff im Gespräch mit Luise Rainer: „Die letzte Göttin“ In: SZ vom 23. Juli 2009
  • Prokasky, Judith: Luise Rainer. Ausdruck und Anspruch. Erscheinungsbilder einer Schauspielerin. In: Filmblatt, 12. Jg., Heft 33, Frühjahr 2007, S. 4–18.
  • Prokasky, Judith: Zu deutsch für Hollywood? Die Schauspielerin Luise Rainer. In: Heimat und Exil. Emigration der deutschen Juden nach 1933. Ausstellungskatalog Jüdisches Museum Berlin/Haus der Geschichte der BRD. Frankfurt a. M. 2006, S. 212–217.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Luise Rainer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Boulevard der Stars: Warum fehlt die einzige deutsche Oscar-Siegerin?, Jüdische Allgemeine. 23. Dezember 2010. 
  2. Geht doch, Jüdische Allgemeine, 9. August 2011.
  3. Ein Stern für Luise Rainer, boulevard-der-stars-berlin.de, 9. August 2011.
  4. Doch ein Stern für unseren Oscar-Star, Express, aufgerufen 8. September 2011