Willi Graf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt das Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose Willi Graf, für den aus Stuttgart stammenden Architekten siehe: Willy Graf.
Willi Graf (1942/1943)

Willi Graf (* 2. Januar 1918 in Euskirchen-Kuchenheim; † 12. Oktober 1943 in München-Stadelheim) war Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose.

Leben[Bearbeiten]

München, Mandlstraße 28: Gedenktafel für Willi Graf
Saarbrücken, Mainzer Straße 30: Gedanktafel am Johannishof, der ehemaligen Dienstwohnung des Vaters
Grab auf dem Alten Friedhof St. Johann in Saarbrücken

Grafs Vater war kaufmännischer Geschäftsführer, er hatte noch zwei Schwestern. Die Familie zog 1922 nach Saarbrücken, wo er nach der Volksschule das Ludwigsgymnasium besuchte. Graf war Messdiener in der Basilika St. Johann in Saarbrücken.

Schon bald trat er in den katholischen Verband für Jungen höherer Schulen ein, den Bund Neudeutschland (ND). Dieser wurde nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verboten. 1934 schloss er sich dem Grauen Orden an, einem verbotenen Jugendbund, der sich auf Grund des Verbots vieler bündischer Jugendverbände gebildet hatte. Nach dem Abitur am Ludwigsgymnasium Saarbrücken 1937 absolvierte Graf von April bis Oktober 1937 in Dillingen an der Saar den Reichsarbeitsdienst. [1] und begann danach in Bonn ein Medizinstudium. 1938 wurde er mit anderen Mitgliedern des Grauen Ordens inhaftiert und wegen bündischer Umtriebe angeklagt. 1940 bis 1942 nahm Graf als Sanitäter an verschiedenen Kriegseinsätzen teil. 1942 kam er als Mitglied der 2. Studentenkompanie der Mediziner in München mit der Weißen Rose in Kontakt. Graf wurde aktives Mitglied der Widerstandsgruppe.

Am 18. Februar 1943 wurde Graf zusammen mit seiner Schwester Anneliese in München festgenommen. Er wurde am 19. April 1943 wegen Hochverrats, Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung vom Volksgerichtshof unter Vorsitz Roland Freislers zum Tode verurteilt. Die Gestapo versuchte noch monatelang, Namen aus ihm herauszupressen. Graf wurde am 12. Oktober 1943 im Gefängnis Stadelheim mit dem Fallbeil enthauptet[2][3] und auf dem Friedhof am Perlacher Forst bestattet. 1946 wurden seine sterblichen Überreste nach Saarbrücken übergeführt und am 4. November auf dem Alten Friedhof St. Johann beigesetzt.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Nach seinem Namen wurden mehrere Schulen in Deutschland benannt, u. a.
  • sowie ein Studentenwohnheim in München und eine Familienbildungsstätte in Neuss (das Willi-Graf-Haus).
  • Am Münsteraner Geschwister-Scholl-Gymnasium wird jährlich der von Anneliese Knoop-Graf ins Leben gerufene Willi-Graf-Preis an besonders zuverlässige und engagierte Abiturienten verliehen.
  • 2003 wurde ihm an seinem 60. Todestag postum die Ehrenbürgerwürde von Saarbrücken verliehen.
  • 2008 wurde nach ihm eine Straße im Bonner Ortsteil Vilich-Müldorf benannt. Die Straße wurde am 29. Oktober 2014, nach Abschluß der Baumaßnahmen, durch den amtierenden Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch eingeweiht.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte sich seine Schwester, Anneliese Knoop-Graf, die bis zu seiner Verhaftung nichts von seiner Tätigkeit in der Weißen Rose wusste, intensiv mit seinem Leben, seinem Wirken und seinen Motiven und wertete dabei unter anderem seine Tagebücher aus. Für ihre lebenslange Beschäftigung mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus bekam Knoop-Graf am 26. April 2006 die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Karlsruhe verliehen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Tatjana Blaha: Willi Graf und die weiße Rose. Eine Rezeptionsgeschichte. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11654-3.
  • „Weitertragen“. Studien zur „Weißen Rose“. Festschrift für Anneliese Knoop-Graf zum 80. Geburtstag. Herausgegeben von Michael Kißener und Bernhard Schäfers; UVK: Konstanz 2001, ISBN 3-87940-727-4.
  • Hans-Josef Gebel: Konsequent - von der Schulbank bis zum Schafott. In: Gedenkschrift zum 50. Jahrestag der Hinrichtung des Saarbrücker Widerstandskämpfer Willi Graf. Stadtverwaltung, Saarbrücken, S. 28-37.
  • Hans-Josef Gebel: Willi Graf, ein Lebensbild. Zum 40. Jahrestag seiner Hinrichtung am 12. Oktober 1943. In: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend. Jg. 31 (1983).
  • Theo Heinrichs: Willi Graf, Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. In: Gerg G. Koenig (Hrsg.): Cuchenheim 1084–1984. Euskirchen 1984, S. 153-163.
  • Hans-Dieter Arntz: Widerstand gegen die nationalsozialistische Rassenpolitik. In: JUDAICA - Juden in der Voreifel. Euskirchen, 1983, S. 451-456.
  • Anneliese Knoop-Graf, Inge Jens (Hrsg.): Willi Graf. Briefe und Aufzeichnungen. Fischer, Frankfurt/M. 1994, ISBN 3-596-12367-4.
  • Helmut Moll: Den Widerstand mit dem blutigen Tod bezahlt. Katholiken unter Hitlers Terror im Euskirchener Raum. In: Euskirchen im 20. Jahrhundert. Stadtverwaltung, Euskirchen 2002, S. 239-260.
  • Klaus Vielhaber u. a. (Hrsg.): Gewalt und Gewissen. Willi Graf und die „Weiße Rose“. Eine Dokumentation. Herder, Freiburg/B. 1964.
  • Hildegard Vieregg u. a. (Hrsg.): Willi Grafs Jugend im Nationalsozialismus im Spiegel von Briefen. Gruppe Willi Graf im Bund Neudeutschland. München 1984.
  • Klaus Vielhaber: Willi Graf. Von den Wurzeln der „Weißen Rose.“ In: Hirschberg. Jg. 10 (1983).
  • Inge Aicher-Scholl: Die Weiße Rose. Fischer Verlag, ISBN 3-596-11802-6.
  • Peter Goergen: Willi Graf. Ein Weg in den Widerstand. Röhrig Universitätsverlag, St. Ingbert 2009, ISBN 978-3-86110-458-2.

Film[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

  • "Willi Graf Lied" , handelt von der abenteuerlichen Reise Willi Grafs im Januar 1942 mit dem 5. Flugblatt und einer Kopiermaschine nach Saarbrücken, Ferdinand Ledwig (CD "Aufbruch für meine Freunde" 1990)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Willi Graf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Goergen: Willi Graf: ein Weg in den Widerstand, Band 11 der Schriftenreihe der Stiftung Demokratie Saarland e.V., Geschichte, Politik und Gesellschaft, St. Ingbert 2009, S. 70-72.
  2. www.gdw-berlin.de/de/vertiefung/biographien/biografie/view-bio/graf/
  3. Kirsten Schulz: Biographie Willi Graf - Bundeszentrale für politische Bildung
  4. Willi-Graf-Ring - Mit einer Zeremonie wurde Straße in Vilich-Müldorf eingeweiht - General-Anzeiger Bonn