José de Anchieta
José de Anchieta (* 19. März 1534 in San Cristóbal de La Laguna (Teneriffa); † 9. Juni 1597 in Iriritiba (heute Anchieta) war spanischer Missionar, Jesuit und Sprachforscher und wird in der katholischen Kirche als Seliger verehrt.
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Leben [Bearbeiten]
Nachdem er sein Studium in Coimbra beendete, trat Anchieta im Alter von 17 Jahren dem Jesuitenorden bei. Als Novize schädigte er durch übertriebene Askese seine Gesundheit und litt seither unter einem Rückenleiden. Um sein Leiden zu lindern, wurde er nach Brasilien geschickt.
Der "Apostel Brasiliens" kam 1553 als Jesuit nach Bahia (Brasilien) und wirkte als Missionar mit bei der Verbreitung des Glaubens, als Schriftsteller, Dichter und Sprachforscher. 1563 reiste er mit Manuel da Nóbrega zu Friedensverhandlungen zwischen den Portugiesen und dem Stamm der Tamoyo. Anchieta wurde als Geisel genommen. Während seiner Geiselhaft verfasste er ein Gedicht zu Ehren der Jungfrau Maria, dessen über 5.000 Zeilen er auswendig lernte.
Anchieta ist zusammen mit Manuel da Nóbrega der Gründungsvater von São Paulo.
Da es in der Neuen Welt an Bischöfen mangelte, wurde Anchieta erst im Juni 1566 in Bahia zum Priester geweiht, ein Jahr später zum Superior des Kollegs São Paulo ernannt. 1577 erfolgte seine Ernennung zum Provinzial.
Seine lädierte Gesundheit wurde zunehmend unvereinbar mit seinem Amt, das mitunter beschwerliche Reisen durch das nur wenig erschlossene Brasilien mit sich brachte. Anchieta bat um seine Entlassung aus dem Amt des Provinzials. Bis zu seinem Tod leitete er die Missionsstation Espirito Santo. 1597 starb José de Anchieta in Retiriba (São Paulo), wo man ihn hinbrachte, als sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechterte.
Durch seine Sprachforschungen lernte er als einer der ersten Weißen einige Indigenenstämme am unteren Amazonas und an der Ostküste Brasiliens die gemeinsame Tupí-Sprache. 1595 gab Anchieta eine Grammatik mit Wörterbuch dieser späteren Verkehrssprache zwischen Weißen und Einheimischen heraus.
Nachleben in Brasilien [Bearbeiten]
Anchieta gilt als Nationalheiliger Brasiliens. Zahlreiche Kirchen sowie öffentliche Einrichtungen sind nach ihm benannt; „José Anchieta“ ist ein geläufiger Vorname. Papst Johannes Paul II. sprach ihn 1980 selig (Gedenktag: 9. Juni). Zu den Feierlichkeiten anlässlich der Seligsprechung in São Paulo, der u.a. Kardinal Paulo Evaristo Arns sowie der Präsident der Republik Cardosa beiwohnten, wurde eine Messe mit Rhythmen und Texten der Tupi-Guarani-Indianern komponiert, eines seiner Theaterstücke mit 120 Schauspielern aufgeführt. Er ist einer der Patrone für den Weltjugendtag 2013.
Kritische Stimmen zu José de Anchieta [Bearbeiten]
Der Spiegel zitiert - ohne Quellenangabe - José de Anchieta mit dem Satz: "Schwert und Eisenstab sind die besten Mittel der Predigt." [1]
Werke [Bearbeiten]
- Arte de Grammatica da lingua mais vsada na costa do Brasil pelo padre Ioseph de Anchieta da Companhia de IESV. Com Licença do Ordinario é do Prepoſito geral da Companhia de IESV. Coimbra 1595.
- Monumenta Anchietana. Obras completas do Pe. José de Anchieta, 11 Bände, São Paulo 1975-1993.
Literatur [Bearbeiten]
- Michael Sievernich: José de Anchieta, Kirchenvater Brasiliens. In: Johannes Arnold u.a. (Hg.): Väter der Kirche. Ekklesiales Denken von den Anfängen bis in die Neuzeit (Festschrift für Hermann Josef Sieben), Paderborn 2004, S. 967-992.
- Maria de Fatima Medeiros Barbosa: As letras e a cruz, pedagogia da fé e estética religiosa na experiência missionária de José de Anchieta, S.I. (1534 - 1597). Roma 2006.
- Helen G. Dominian: Apostle of Brazil - the biography of Padre José de Anchieta, S.J., 1534-1597. New York 2007.
Referenzen [Bearbeiten]
Weblinks [Bearbeiten]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Anchieta, José de |
| KURZBESCHREIBUNG | kanarischer Missionar und Sprachforscher |
| GEBURTSDATUM | 19. März 1534 |
| GEBURTSORT | San Cristóbal de La Laguna |
| STERBEDATUM | 9. Juni 1597 |
| STERBEORT | Iriritiba (heute Anchieta) |