Jugoslovenski-Aerotransport-Flug 367

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

50.826944414.3463889Koordinaten: 50° 49′ 37″ N, 14° 20′ 47″ O

Jugoslovenski-Aerotransport-Flug 367
JAT DC-9 (7107744587).jpg

Eine DC-9 der JAT

Unfall-Zusammenfassung
Unfallart Bombenanschlag
Ort Nahe Srbská Kamenice
Datum 26. Januar 1972
Todesopfer 27
Verletzte 1
Überlebende 1 (Vesna Vulović)
Luftfahrzeug
Luftfahrzeugtyp Douglas DC-9
Betreiber JAT
Kennzeichen YU-AHT
Abflughafen Flughafen Stockholm-Arlanda
1. Stopover Flughafen Kopenhagen-Kastrup
2. Stopover Flughafen Zagreb
Zielflughafen Flughafen Belgrad
Passagiere 23
Besatzung 5
Liste von Katastrophen der Luftfahrt

Der Flug JU 367 der Maschine vom Typ Douglas DC-9 der jugoslawischen Luftfahrtgesellschaft JAT am 26. Januar 1972 von Stockholm über Kopenhagen nach Zagreb und Belgrad endete für alle Insassen, bis auf die Stewardess Vesna Vulović, tödlich. Das Flugzeug stürzte über dem Dorf Srbská Kamenice in der Tschechoslowakei nahe der Grenze zur DDR ab. Der Unfallhergang und die offizielle Darstellung der tschechoslowakischen Behörden, die Maschine sei aus großer Höhe abgestürzt, werden heute von einigen Luftfahrtjournalisten angezweifelt.

Vesna Vulović steht für das Überleben des Absturzes aus angeblich 10.050 Metern Höhe im Guinness-Buch der Rekorde.

Hergang[Bearbeiten]

Die Kommunikation mit dem Flug JAT367

Die tschechoslowakische Staatssicherheit StB, die federführend für die Absturzuntersuchung war, behauptete nach monatelangen Ermittlungen, dass es an Bord der DC-9 ca. 40 Minuten nach dem Start in Kopenhagen eine Explosion gegeben habe. Im offiziellen Abschlussbericht der zivilen tschechoslowakischen Untersuchungskommission ist die Rede von einer Bombe, die im vorderen Gepäckraum des Flugzeugs explodiert sei und die die auf der Reiseflughöhe von 10.050 Metern fliegende Maschine „innerhalb von 3 bis 20 Sekunden“ nach der Explosion zerrissen habe.

Erklärt wurde das Überleben der Stewardess Vesna Vulović in bisherigen Medienberichten damit, dass sich Vesna zum Zeitpunkt der Detonation im Heck der Maschine befunden habe. Das infolge der Explosion abgerissene Heckteil sei in einer spiralförmigen Flugbahn aus etwa 10 Kilometern Richtung Erdboden gefallen und dort auf einen schneebedeckten Hang gestürzt und so abgebremst worden. Nach eigenen Aussagen saß die junge Stewardess jedoch in der Mitte der nur mit wenigen Passagieren besetzten Maschine – in der Reihe hinter dem letzten Fluggast, so wie es die Vorschriften der Fluggesellschaft JAT vorsahen.

Die jugoslawische Behörden beschuldigten kroatische Extremisten, den Absturz der Maschine mit einer an Bord geschmuggelten Bombe herbeigeführt zu haben. Als Beleg für eine Verwicklung von kroatischen Terroristen diente lediglich ein Bekenneranruf bei der Malmöer Zeitung Kvällsposten.

In Akten des FBI ist von einer extremistischen kroatischen, in den USA operierenden Gruppierung namens Otpor die Rede, die nach Einschätzung der Behörde mit dem Anschlag auf den Flug JU 367 in Verbindung steht.[1]

Zweifel[Bearbeiten]

Nach einem Bericht des ARD-Hörfunks in Prag, den das Internetportal tagesschau.de am 8. Januar 2009 veröffentlichte[2], handelt es sich bei diesem Hergang um eine Erfindung tschechoslowakischen Staatssicherheit in Zusammenarbeit mit dem jugoslawischen Geheimdienst. ARD-Korrespondent Peter Hornung-Andersen[3] und der ARD-Luftfahrtjournalist Tim van Beveren wollen nachgewiesen haben, dass das Flugzeug in nur wenigen hundert Metern Höhe zerbrach, abgeschossen durch die tschechoslowakische Luftwaffe. Tim van Beveren zufolge war der Sinkflug ein Notabstieg, und das Flugzeug wurde von der tschechoslowakischen Luftwaffe abgeschossen, weil es dabei über „sensibles“ militärisches Gebiet geriet. [4] Die Aussagen zum Hergang des Vorfalls beruhen weitgehend auf Augenzeugenberichten gegenüber der tschechoslowakischen Staatssicherheit, die Teil der damaligen Untersuchungsakte sind und die heute im tschechischen Archiv der Sicherheitsdienste lagern.

Ein Sprecher des Guinness-Buch der Rekorde hatte am 9. Januar 2009 zu den neuen Erkenntnissen Stellung genommen und einen möglichen „Schwindel", dem das Guinness-Buch der Rekorde erlegen ist, eingestanden.[5]

Eine endgültige Aussage über den Grund des Flugzeugabsturzes wird nicht gemacht. Trotz der Anzweifelung der bisherigen Darstellung des Vorfalls durch die Recherche, wonach es vielmehr wahrscheinlich sei, dass die Maschine von der Luftwaffe abgeschossen worden sei, bleibt diese Sichtweise Peter Hornung zufolge eine auf Indizien begründete Spekulation ohne endgültige Beweise.[6][5]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Anmerkung Verbindung kroatischer Extremisten in den Akten des FBI
  2. Vom Himmel gefallen - das Wunder der Vesna Vulović, Meldung auf tagesschau.de, 8. Januar 2009 (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  3. Interview des tschechischen Rundfunks mit Peter Hornung-Andersen, 9. Januar 2009
  4. Anmerkung: Das Dorf Srbska Kamenice liegt an der Grenze zur damaligen DDR und der damaligen Tschechoslowakei innerhalb des Ostblocks. Den Abschuss führt die Recherche auf mögliche Überschneidung der Flugrouten von Erich Honecker und des polnischen Ersten Sekretärs der PVAP Edward Gierek. Nach Hornung betrug die Flughöhe der JAT-Maschine zuletzt lediglich höchstens 900 Meter.
  5. a b Janusz Biene: Geheimdienst erfand Bombenattentat. In: die tageszeitung, 9. Januar 2009
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatVor 40 Jahren: Der mysteriöse Absturz von JU-367. AustrianWings.info, 12. Februar 2012, abgerufen am 22. April 2012.: „Wir haben nie behauptet, dass wir wissen, was wirklich passiert ist. Insofern war dieser Teil der Geschichte – dass die Maschine möglicherweise irrtümlich beschossen worden war – zwar Spekulation, aber eine begründete.”.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jugoslovenski-Aerotransport-Flug 367 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien