Juliane Koepcke

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Juliane Margaret Beate Koepcke (verheiratete Juliane Diller; * 10. Oktober 1954 in Lima, Peru) ist eine deutsche Biologin, Leiterin der Bibliothek und stellvertretende Direktorin der Zoologischen Staatssammlung München.[1] Sie überlebte 1971 als 17-Jährige als einzige den Absturz von LANSA-Flug 508 im peruanischen Regenwald mit 91 Todesopfern.

Leben[Bearbeiten]

Ihre Eltern, Hans-Wilhelm Koepcke und Maria Koepcke, beide ebenfalls Biologen, wanderten nach dem Zweiten Weltkrieg aus Deutschland nach Peru aus, um im Amazonas-Regenwald zur Artenvielfalt zu forschen.[2]

Die Familie lebte anfangs in Lima, siedelte aber Ende der 1960er Jahre in eine durch Hans-Wilhelm Koepcke im Regenwald gegründete Forschungsstation („Panguana“) über. Schon zu ihrer Zeit in Lima hatte Juliane Koepcke ihre Eltern zu Expeditionen in den Dschungel begleitet, wodurch sie mit diesem Lebensraum vertraut war.

Bekannt wurde Juliane Koepcke durch ein dramatisches Ereignis am Heiligabend 1971: An jenem 24. Dezember wollte die damals 17-Jährige zusammen mit ihrer Mutter von Lima, wo sie einen Schulabschlussball besucht hatte, nach Pucallpa fliegen, um dort ihren Vater zu treffen. Dieser knapp einstündige Flug sollte mit einer Turboprop-Maschine des Typs Lockheed L-188 Electra der peruanischen Fluggesellschaft Líneas Aéreas Nacionales S. A. (LANSA) durchgeführt werden. Nachdem der erste Teil des Fluges normal verlaufen war, zog eine schwere Gewitterfront auf. Statt dieser Front auszuweichen blieb der Pilot auf der planmäßigen Route. Das Flugzeug geriet in schwere Turbulenzen, wurde schließlich von einem Blitz getroffen, zerbrach noch in der Luft und stürzte in den Regenwald. Juliane Koepcke fiel, noch auf dem Flugzeugsitz festgeschnallt, aus etwa 3000 m Höhe der Erdoberfläche entgegen. Vermutlich durch starke Aufwinde innerhalb des Gewitters und durch die stoßmildernde Wirkung der Blätter der Urwaldpflanzen wurde der Aufprall soweit abgefangen, dass Juliane Koepcke das Unglück mit relativ leichten Verletzungen, einer Gehirnerschütterung, einem Bruch des Schlüsselbeins, einem Kreuzbandriss und nur wenigen Wunden überlebte. Nachdem sie nach mehreren Stunden aus ihrer Bewusstlosigkeit erwacht war, suchte sie nach dem Flugzeugwrack und weiteren Überlebenden, insbesondere ihrer Mutter, allerdings ohne Erfolg.

Durch ihre Expeditionen mit den Eltern in den Regenwald und ihr Leben in der Forschungsstation ihres Vaters war ihr der Dschungel nicht fremd, und so hielt sie gezielt Ausschau nach einem Wasserlauf, um von dort an einen größeren Fluss zu gelangen, wo die Wahrscheinlichkeit, auf menschliche Siedlungen zu treffen, am höchsten war. Trotz ihrer Verletzungen wanderte und schwamm Juliane Koepcke zehn Tage durch den Regenwald, bis sie an einem Flussufer ein Boot und einen Unterstand von Waldarbeitern entdeckte. Diese fanden das völlig entkräftete Mädchen am Abend des folgenden Tages, versorgten seine Wunden und brachten es zur nächstgelegenen Siedlung namens Tournavista, wo es ärztlich versorgt wurde. Von hier wurde Juliane Koepcke in das Krankenhaus von Pucallpa geflogen, wo sie ihren Vater wiedertraf. Sämtliche anderen Passagiere einschließlich ihrer Mutter und des Bordpersonals der LANSA-Maschine kamen bei dem Unglück ums Leben.

Juliane Koepckes Geschichte erzeugte Anfang 1972 ein großes Medienecho; in Deutschland hatte sich das Magazin Stern die Exklusivrechte gesichert.

1972 flog Juliane Koepcke, die bis dahin noch nie in Deutschland gewesen war, auf Wunsch ihres Vaters nach Frankfurt. Von dort reiste sie nach Kiel, wo sie im Haus ihrer Tante und ihrer Großmutter wohnte. In Kiel besuchte sie die Oberstufe des Gymnasiums, die sie mit der Abiturprüfung erfolgreich abschloss. Anschließend studierte sie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Biologie und wurde schließlich 1987 mit der Dissertation Ökologische Studien an einer Fledermaus-Artengemeinschaft im tropischen Regenwald von Peru an der Ludwig-Maximilians-Universität München promoviert. Sowohl für ihre Diplom- als auch für ihre Doktorarbeit kehrte sie in den peruanischen Regenwald zurück, um Forschungen zu den von ihr gewählten Themengebieten vorzunehmen. Auch gegenwärtig fliegt sie mindestens einmal im Jahr nach Peru[3], wo sie inzwischen die Leitung der von ihrem Vater gegründeten Forschungsstation „Panguana“ übernommen hat, die seit Dezember 2011 als Naturschutzgebiet anerkannt ist.

Der Regisseur Werner Herzog drehte 1998 den Dokumentarfilm „Wings Of Hope“ (deutscher Titel „Julianes Sturz in den Dschungel“, alternativ "Schwingen der Hoffnung"), für den er mit Juliane Koepcke an den Absturzort zurückkehrte und sie unter anderem mit im Urwald verstreuten Wrackteilen der Lockheed Electra konfrontierte. Auch der US-amerikanisch-italienische Film „I miracoli accadono ancora“ (wörtlich übersetzt „Wunder kommen immer noch vor“, deutscher Titel „Ein Mädchen kämpft sich durch die grüne Hölle“) des italienischen Regisseurs Giuseppe Maria Scotese (1916–2002) aus dem Jahr 1974 basiert auf den Erlebnissen Juliane Koepckes.[4]

Ihr mit Beate Rygiert 2011 veröffentlichtes Buch Als ich vom Himmel fiel wurde 2011 mit dem Publikumspreis des Literaturpreises Corine ausgezeichnet.[5]

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mitarbeiter der Bibliothek
  2. Obituaries: Hans-Wilhelm Koepcke (englisch; PDF; 169 kB)
  3. Gunnar Henze: Paradies Panguana In: bild der wissenschaft, Ausgabe 8/2011, S. 36 (Digitalisat)
  4. „Ein Mädchen kämpft sich durch die grüne Hölle“ auf der Seite von TV Spielfilm online
  5. Corine.de