Lockheed L-188 Electra

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Lockheed L-188 Electra
Frachtversion der Lockheed L.188 Electra der österreichischen Amerer Air
Frachtversion der Lockheed L.188 Electra der österreichischen Amerer Air
Typ: Viermotorige Turbopropmaschine
Entwurfsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Lockheed Corporation
Erstflug: 6. Dezember 1957
Indienststellung: 12. Januar 1959
Produktionszeit: 1957 bis 1961
Stückzahl: 170

Die Lockheed L-188 Electra ist ein viermotoriges Turboprop-Flugzeug für den Personen- und Frachttransport auf Kurz- und Mittelstrecken. Sie war das einzige große amerikanische Passagier-Verkehrsflugzeug mit Propellerturbinenantrieb und wurde von 1957 bis 1961 von den Lockheed-Werken in den USA gebaut.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Projektstudien für die L-188 Electra begannen Mitte der 1950er Jahre, als zwei der führenden US-Fluggesellschaften, American Airlines und Eastern Air Lines, Bedarf für einen solchen Flugzeugtyp als Ersatz für die Douglas DC-6 und Lockheed Constellation anmeldeten.

Die Electra repräsentiert – wie auch die britischen Bristol Britannia, Vickers Vanguard oder die sowjetische Tupolew Tu-114 – die höchste Entwicklungsstufe der propellergetriebenen Verkehrsflugzeuge: Dank des Turboprop-Antriebs (Gasturbinen statt Kolbenmotoren treiben die Propeller an) erreichte sie Reisegeschwindigkeiten über 600 km/h bei niedrigem Treibstoffverbrauch und Reichweiten über 4.000 km. Trotzdem wurde sie zum kommerziellen Misserfolg, da Anfang der 1960er Jahre bereits Düsenflugzeuge für Mittelstrecken (etwa die Boeing 727 oder die Convair 880) zur Verfügung standen. So wurden lediglich 170 Exemplare der Electra gebaut.

Angeboten wurde die Electra in der Mittelstreckenvariante L-188A und in einer L-188C (inoffiziell Super Electra) genannten Version mit erhöhter Reichweite. Hauptabnehmer waren große US-Fluggesellschaften wie Eastern Air Lines (40 L188A), American Airlines (35 L188A), Northwest Airlines (18 L188C) und National Airlines (14 L188A). Auslandsverkäufe gingen u.a. an die niederländische KLM (12 L188C), die australischen Qantas (4 L188C), Ansett (3 L188A) und Trans Australia Airlines (3 L188A) sowie Tasman Empire Airways aus Neuseeland (3 L188C).

Die letzten beiden produzierten Electras hatten im Juni 1961 Erstflug und wurden kurz darauf an Northwest Airlines ausgeliefert. Es waren die Werk-Nummern 1142 und 1144. Letzte Auslieferung war am 25. August 1961 die Werk-Nummer 1147 an Trans Australia Airlines.

Schließlich wurde für die US-Kriegsmarine auch noch die Variante Lockheed P-3 Orion als U-Boot-Jäger und Seeaufklärer hergestellt. So wurde die Produktion des Grundmusters bis in die 1990er aufrechterhalten.

Die mit dem Bau des militärischen Transporters C-130 Hercules gemachten Erfahrungen beim Einsatz von kurzen Startbahnen mit hoher Nutzlast führten dazu, dass Lockheed für den Antrieb des neuen Musters ebenfalls Propellerturbinen vorsah. 1954 schlug Lockheed der American Airlines unter der Typenbezeichnung CL-303 einen von vier Dart- oder Eland-Triebwerken angetriebenen Schulterdecker vor, doch erwies sich dieses Projekt als zu klein. Auch der Tiefdecker CL-310, der mit vier Allison-PTL-Turbinen ausgerüstet werden sollte, erfüllte nicht die Bedingungen der Fluggesellschaft. Im Januar 1955 gab schließlich die American ein detailliertes Pflichtenheft bekannt, auf welches die Lockheed-Werke mit einer vergrößerten Ausführung der CL-310, welche die neue Typenbezeichnung L-188 und den Namen Electra 11 erhielt, antworteten. American erteilte einen Auftrag über 35 Flugzeuge, gefolgt von Eastern mit 40 Maschinen. Als der erste von zwei Prototypen (N1881) am 6. Dezember 1957 seinen Erstflug durchführte, standen bereits 144 Bestellungen in den Auftragsbüchern.

Der zweite Prototyp (N1882) flog erstmals am 13. Februar 1958. Ein weiteres Flugzeug (N1883), als dritter Prototyp bezeichnet, folgte am 19. August 1958 und diente als aerodynamischer Prototyp für den Hochseeaufklärer P3V-1 Orion (später P-3) der United States Navy. Alle drei Maschinen wurden von Triebwerken des Typs Allison 501-D13 von je 3.750 WPS (2.756 WkW) Startleistung angetrieben, einer Zivilversion des militärischen Triebwerks T56, das in der Hercules zum Einbau kam. Am 22. August 1958 wurde der L-188 die Luftverkehrszulassung erteilt, so dass im Oktober des gleichen Jahres die ersten Serienflugzeuge L-188A an American Airlines und Eastern Air Lines abgeliefert werden konnten. Am 12. Januar 1959 begann Eastern mit dem Einsatz des neuen Flugzeugmusters auf den Routen von New York nach Miami und Montreal, gefolgt von American am 23. Januar 1959 auf der Strecke New York-Chicago. Als erster Auslandskunde erhielt die australische Ansett-ANA im März 1959 die von ihr bestellten Electras.

Auf die L-188A folgte die L-188C mit knapp 1.400 kg höherem Startgewicht und vergrößerter Treibstoffkapazität. Als Antrieb wurden die verbesserten Allison-501-D15-Triebwerke eingebaut.

Die ersten L-188C erhielt die Northwest Airlines. Als einzige europäische Fluggesellschaft bestellte die niederländische KLM die L-188C und das erste Exemplar (PH-LLA Mercurius) wurde im Dezember 1959 in Betrieb genommen. Bei der KLM blieb die Electra bis 1969 im Liniendienst, bevor sie von der Douglas DC-9 ersetzt wurde.

Bereits bald nach Indienststellung im Januar 1959 fielen zwischen Februar 1959 und März 1960 drei Electras rätselhaften Abstürzen zum Opfer, bei denen insgesamt 162 Insassen getötet wurden und nur (in einem Fall) 8 überlebten.

Diese Unfälle führten im Frühjahr 1960 zur Einschränkung der Höchstgeschwindigkeit durch die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA. Als Ursache dieser mysteriösen Unfälle entpuppten sich zu schwach konstruierte Triebwerksaufhängungen, welche die Vibrationen der Turboprop-Motoren nicht ausreichend dämpften. Diese Vibrationen konnten sich dann auf die Tragflächen übertragen, deren Struktur ihnen auf Dauer nicht standhielt. Nachdem bei allen Flugzeugen umfangreiche Verstärkungen an den Triebwerksgondeln und an der Flügelstruktur vorgenommen worden waren, konnte die Geschwindigkeitsbeschränkung im Januar 1961 wieder aufgehoben werden. Bis dahin hatte aber Lockheed sehr viel Geld und die Kunden das Vertrauen in den Typ verloren.

Die brasilianische Varig setzte insgesamt 15 Electras im Passagier-Liniendienst ein, überwiegend auf der "Ponte Aerea" zwischen Rio de Janeiro/Santos Dumont und Sao Paulo/Congonhas, beide sehr innenstadtnah gelegen. Die letzten wurden im Januar 1992 außer Dienst gestellt. Als allerletzte Airline setzte Reeve Aleutian Airways bis zu ihrem Konkurs im Dezember 2000 Passagier-Varianten der Electra ein.

Ab Mitte der 70er Jahre wurden die meisten Electras, an die 100, zu reinen Frachtflugzeugen mit großen Ladetoren umgerüstet. Von diesen Maschinen, je nach Serie als L-188AF oder L-188CF bezeichnet, stehen heute noch rund 20 vorwiegend in den USA und Kanada im Einsatz. In Europa war die britische Atlantic Airlines der letzte Betreiber dieses Flugzeugmusters (bis 27. April 2013). Insgesamt wurden mit den Prototypen 170 Electras gebaut. Von der L-188A wurden total 115 Maschinen gefertigt. Diese Ausführung hat ein maximales Startgewicht von 51.257 kg und ist für Streckensegmente bis zu 4.400 km ausgelegt. Bei der L-188C wurde das maximale Startgewicht auf 52.665 kg gesteigert; das Muster kann Streckensegmente von 5.600 km bedienen. Von der L-188C wurden 55 Einheiten gebaut. Die Fertigung der Electra lief im Sommer 1960 aus.

Auf der Basis der Electra wurde die P3V Orion entwickelt, die 1962 in P-3 umbenannt wurde und heute noch im Einsatz ist. [1]

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße Daten der L-188A Daten der L-188C
Länge: 31,80 m 31,80 m
Flügelspannweite: 30,18 m 30,18 m
Höhe: 10,25 m 9,77 m
Leergewicht: 26.037 kg 25.878 kg
Maximales Startgewicht: 51.257 kg 52.665 kg
Höchstgeschwindigkeit: 721 km/h 721 km/h
Reisegeschwindigkeit: 652 km/h 652 km/h
Dienstgipfelhöhe: 8.655 m 9.150 m
Flugreichweite: 4.458 km 5.567 km
Kapazität: 3+4 Mann Besatzung, 74-98 Passagiere 3+4 Mann Besatzung, 74-98 Passagiere
Antrieb: Vier Allison Turboprop 501 D-13 (je 2.800 kW) oder 501 D-15 (je 3.022 kW) Vier Allison Turboprop 501-D15, 4.050 WPS (je 2.977 kW)
Propeller: vierblättrig vierblättrig

Zwischenfälle[Bearbeiten]

Es gab seit Indienststellung 58 Zwischenfälle mit diesem Muster, bei denen insgesamt 1040 Personen getötet wurden:[2]

  • Beim Absturz von American-Airlines-Flug 320 am 3. Februar 1959 starben 65 Personen, als die Piloten zu früh den Landeanflug auf den New Yorker Flughafen La Guardia begannen und etwa 1.500 Meter vor der Landebahn ins Meer stürzten. Dies war der erste Absturz einer Electra.[3]
  • Eine Electra (LANSA-Flug 508) zerbrach aufgrund strukturellen Versagens am 24. Dezember 1971 in der Luft, nachdem die Piloten das Flugzeug in ein Gewitter eingeflogen hatten. Die Maschine wurde von einem Blitz getroffen, der zu einem Brand in der rechten Tragfläche führte. 91 Personen starben, einzige Überlebende war die 17-jährige deutsche Passagierin Juliane Koepcke.[4]
  • Am 18. Dezember 1995 starben 141 Personen beim Absturz einer von der UNITA gecharterten Maschine kurz nach dem Start in Damba. Als Grund konnte Überladung (40 Personen) ermittelt werden. Es handelt sich hierbei um den Absturz dieses Musters mit den meisten Todesopfern.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Verwandte Entwicklungen
Typen mit vergleichbarer Rolle, Konfiguration und Ära

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lockheed L-188 Electra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Antony L. Kay (2007): Turbojet History and Development 1930-1960, Volume 2: USSR, USA, Japan, France, Canada, Sweden, Switzerland, Italy and Hungary. Crowood Press, 978-1861269393.
  • David G. Powers: Lockheed 188 Electra, Hongkong 1999

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. S. 127 oben rechts
  2. Übersicht aller Zwischenfälle im Aviation Safety Network
  3. Flugunfalldaten und -bericht des Fluges AA320 im Aviation Safety Network
  4. Flugunfalldaten und -bericht des LANSA-Flugs 508 im Aviation Safety Network
  5. Flugunfalldaten und -bericht des Charterflugs im Aviation Safety Network