Juri Lwowitsch Awerbach

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Juri Awerbach feiert seinen 80. Geburtstag

Juri Lwowitsch Awerbach (russisch Юрий Львович Авербах, wiss. Transliteration: Jurij L'vovič Averbach; * 8. Februar 1922 in Kaluga) ist ein russischer Schachmeister und -funktionär. 1995 wurde er Ehrenmitglied der FIDE.[1] Seit dem Tod von Andor Lilienthal ist er der älteste lebende Schachgroßmeister.

Leben[Bearbeiten]

Juri Awerbach erlernte Schach als 7-Jähriger. 1938 gewann er die Schülermeisterschaft der UdSSR. 1944 erhielt er den Titel Meister der UdSSR. Dreimal (1949, 1950, 1962) gewann er die Meisterschaft Moskaus. 1952 erhielt er von der FIDE den Titel Großmeister verliehen.[2] Im gleichen Jahr wurde er beim Interzonenturnier von Saltsjöbaden geteilter 5. bis 8., was eine Qualifikation zum Kandidatenturnier in Zürich bedeutete, bei dem Awerbach den 10.–11. Platz erzielte. Er gab daraufhin seinen Beruf als Ingenieur auf und widmete sich ganz dem Schach.

1954 gewann Awerbach die UdSSR-Meisterschaft. 1955 verlor er beim Vergleichskampf UdSSR – USA gegen Donald Byrne mit 1:3 und wurde für ein Jahr aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen. Er begleitete Boris Spasski als Sekundant zur Jugend-Weltmeisterschaft in Antwerpen 1955. Bei der UdSSR-Meisterschaft 1956 in Leningrad teilte er sich mit Mark Taimanow und Boris Spasski die Plätze 1 bis 3. Beim Interzonenturnier in Portorož 1958 spielte er seine einzige Turnierpartie gegen Bobby Fischer, die mit einem Remis endete. Fischer kommentierte dies mit der Bemerkung: „Ich hatte Angst, gegen einen russischen Großmeister zu verlieren, und er hatte Angst, gegen ein Kind zu verlieren“.[3]

Awerbach errang im Laufe seiner Schachkarriere eine Vielzahl von Turniersiegen: 1.–2. in Dresden 1956, 1. in Djakarta 1956, 1. in Adelaide 1960, 1. in Wien 1961, 1.–2. in Moskau 1962, 1.–2. in Bukarest 1971, 1.–2. in Polanica Zdrój, 1.–3. in Manila 1979. Mit der sowjetischen Mannschaft gewann er die Mannschaftseuropameisterschaften 1957 in Baden (Niederösterreich) und 1965 in Hamburg. 1965 erreichte er außerdem das beste Einzelergebnis am achten Brett.[4]

Solid white.svg a b c d e f g h Solid white.svg
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Awerbach-System in der Königsindischen Verteidigung

1969 wurde er Internationaler Schachschiedsrichter. Er war unter anderem Schiedsrichter beim Wettkampf um die Weltmeisterschaft der Professional Chess Association zwischen Garri Kasparow und Nigel Short in London 1993. Von 1973 bis 1978 war er Präsident des Schachverbandes der UdSSR. Außerdem war er langjähriger Chefredakteur der Schachzeitschrift Schachmaty w SSSR. 2011 erschien seine Autobiographie in englischer Sprache unter dem Titel Centre-Stage and Behind the Scenes.[5]

Hohe Bekanntheit erlangte er im Kreise der Schachspieler als Autor und Analytiker, besonders von Endspielen. Er hat mehr als 200 theoretische Endspiele und ein paar Studien komponiert, wovon eine einen Spezialpreis erhielt.

Nach Awerbach ist eine Variante in der Königsindischen Verteidigung benannt:
1. d2-d4 Sg8-f6 2.c2-c4 g7-g6 3. Sb1-c3 Lf8-g7 4.e2-e4 d7-d6 5. Lf1-e2 0-0 6. Lc1-g5 (Awerbach-System). Ebenso der Aufbau 3. c2-c4 d7-d6 4. Sb1-c3 in der Modernen Verteidigung.

Awerbachs Elo-Zahl beträgt 2445 (Stand: Juli 2014), er hat allerdings seit 1993 keine elo-gewertete Partie mehr gespielt und wird daher als inaktiv geführt. Seine beste Elo-Zahl von 2550 erreichte er 1971 und 1972. Seine beste historische Elo-Zahl vor Einführung der Elo-Zahl war 2715. Diese erreichte er im Februar 1957 und lag damit auf Platz 8 der Weltrangliste.

Werke auf Deutsch[Bearbeiten]

  • Juri Awerbach: Lehrbuch der Endspiele, Teil 1, Sportverlag, Berlin 1958
  • Juri Awerbach: Lehrbuch der Endspiele, Teil 2, Sportverlag, Berlin 1960
  • Juri Awerbach: Lehrbuch der Endspiele, Teil 3, Sportverlag, Berlin 1963
  • Juri Awerbach: Lehrbuch der Endspiele, Teil 4, Sportverlag, Berlin 1964
  • Juri Awerbach: Lehrbuch der Schachendspiele, Band 1, Sportverlag, Berlin 1972
  • Juri Awerbach: Lehrbuch der Schachendspiele, Band 2, Sportverlag, Berlin 1972
  • Juri Awerbach: Schachtaktik für Fortgeschrittene, Sportverlag, Berlin 1979
  • Juri Awerbach: Was man über das Endspiel wissen muß, Schachverlag Rudi Schmaus, 2. Auflage, Heidelberg 1986
  • Juri Awerbach, Mark Taimanow: Schach-WM ´85. Karpow–Kasparow, Verlag Harri Deutsch, Frankfurt/M. 1986, ISBN 3-87144-914-8
  • Juri Awerbach: Turmendspiele, Band 1, Sportverlag, Berlin 1986, ISBN 3-328-00091-7
  • Juri Awerbach: Turmendspiele, Band 2, Sportverlag, Berlin 1986, ISBN 3-328-00092-5
  • Juri Awerbach, Michail Bejlin: ABC des Schachspiels. Ein Lehrbuch für die Anfängerausbildung, Sportverlag, 9. Auflage, Berlin 1987, ISBN 3-328-00232-4
  • Juri Awerbach: Erfolg im Endspiel, Sportverlag, Berlin 1987, ISBN 3-328-00165-4
  • Juri Awerbach: Läufer- und Springerendspiele, Sportverlag, Berlin 1988, ISBN 3-328-00234-0
  • Juri Awerbach: Bauernendspiele, Sportverlag, Berlin 1988, ISBN 3-328-00236-7
  • Juri Awerbach: Endspiele Springer gegen Läufer, Turm gegen Leichtfigur, Sportverlag, Berlin 1989, ISBN 3-328-00294-4
  • Juri Awerbach: Damenendspiele, Sportverlag, Berlin 1990, ISBN 3-328-00335-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Yuri Averbakh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 21
  2. Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924–2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 74
  3. Larry Evans: This crazy world of chess. New York 2007. S. 134
  4. Juri Awerbachs Ergebnisse bei Mannschaftseuropameisterschaften auf olimpbase.org (englisch)
  5. New In Chess, Alkmaar 2011, ISBN 978-90-5691-364-9