Karawanserei

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Alara Han im Süden der Türkei
Drawing of a "Karavanserai" in Brokhaus Conversations-Lexikon 1838
Han im Stadtzentrum von Berat, Albanien
Die alte Karawanserei von Milas, Türkei
Großer Khan in Nikosia, Zypern

Eine Karawanserei (veraltete Schreibweise auch Karavanserai,[1] aus persisch ‏كاروانسراkārwānsarā „Karawanenhof“, türkisch kervansarayı) war eine ummauerte Herberge an Karawanenstraßen. Reisende konnten dort mit ihren Tieren und Handelswaren sicher nächtigen und sich mit Lebensmitteln versorgen. Große Karawansereien dienten zugleich als Warenlager und Handelsplatz für Im- und Exportwaren.

Seldschuken[Bearbeiten]

Das Wort Karawanserei stammt aus der persischen Sprache. Es wird in den meisten modernen Sprachen verstanden. Die ersten Karawansereien entstanden im späten 10. Jahrhundert in Zentralasien. Militärbefestigungen übernahmen dort zunehmend wirtschaftliche und religiöse Funktionen, entwickelten sich zu wehrhaften Herbergen.

Die Sultane der Rum-Seldschuken bauten vor allem im 13. Jahrhundert in Anatolien ein Netz von Karawansereien auf. Der Abstand voneinander betrug etwa 30 bis 40 Kilometer. Das entsprach dem Tagespensum einer Karawane. Im Osmanischen Reich und im safawidischen Persien wurde das System der Karawansereien ausgebaut. Es gab sie vom Kaukasus im Norden bis zum Mittelmeer im Süden, vom Vrana-See (im heutigen Kroatien) im Westen bis nach Afghanistan im Osten. Erst im 20. Jahrhundert verloren sie ihre Funktion.

Karawansereien waren massive Wehranlagen mit steinernen Mauern und eisenbeschlagenen Toren. Der Grundriss entsprach meist einem Quadrat oder Rechteck, gelegentlich einem Achteck. Sie hatten einen großen Innenhof, um den arkadengesäumte Gebäude standen. Im Erdgeschoss waren Ställe für Tiere und Läden untergebracht. Im Obergeschoss befanden sich die Quartiere für die Reisenden.

Die ursprünglichen, seldschukischen Karawansereien verfügten über Werkstätten, boten ärztliche Versorgung, hatten Bäder, Küchen, Tee- und Kaffeestuben. Musikkapellen spielten zur Unterhaltung. Seitlich des Eingangstores befand sich ein Betraum. Manche Stationen verfügten über kleine Moscheen im Innenhof. Die Dienstleistungen an den Karawanenstraßen waren kostenfrei, nur in den Städten mussten Gebühren entrichtet werden. Die osmanischen und persischen Karawansereien waren weitaus sparsamer eingerichtet: Matratzen und Decken, Koch- und Essgeschirr mussten mitgebracht werden.

Osmanisches Reich[Bearbeiten]

Kleinere Gasthäuser im osmanischen Machtbereich wurden Han genannt. Hane hatten zumeist keinen geschlossenen Innenhof, waren aber ebenso wie die Karawanserei zweigeschossig, sodass sich über den Ställen die Gastzimmer befanden. Hane wurden entweder von privaten Betreibern unterhalten oder gehörten zu einer islamischen Stiftung (Külliye oder Vakıf). Besonders in großen Städten wie Istanbul waren Hane als Warenlager, Verkaufsstelle und Unterkunft für nicht in der Stadt ansässige Händler sowie als Ort für Handwerk und Gewerbe wichtig.

Jemen[Bearbeiten]

Auf Arabisch heißen Karawansereien Funduk. Im Jemen sind dies heute einfache Herbergen zur Übernachtung. In den Ländern des Maghreb wurden einige der früheren mehrstöckigen Funduks, die früher auch Warenlager, Werkstätten und Handelsorte waren, als Museen eingerichtet oder zu Hotels umgebaut. Fondaco ist das abgeleitete Wort für mittelalterliche Handelsplätze in Venedig.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Erdmann, Hanna Erdmann: Das anatolische Karavansaray des 13. Jahrhunderts. Gebrüder Mann, Berlin 1976, ISBN 3-7861-2241-5.
  • Heinrich Schöttler: Die rumseldschukischen Handelsstraßen und ihre Karavansarays. In: Pitty Schöttler, Heinrich Schöttler: Die Rumseldschuken, Gründer der Türkei: Geschichte und Kultur. Schillinger, Freiburg im Breisgau 1995, ISBN 3-89155-145-2.
  • Wolfram Kleiss: Karawanenbauten in Iran. Reimer, Berlin 1996 ISBN 3-496-02587-5 (Teil 1) bis 2001, ISBN 3-496-02722-3 (Teil 6).
  • Gholamreza Golmohammadi: Karawanserei in Persien: Ein Bauwerk an den Karawanenwegen Irans im Laufe der Jahrhunderte. Universität Hannover, Dissertation, 1996 (DNB 949734691).
  • Klaus Stefan Freyberger: Die frühkaiserzeitlichen Heiligtümer der Karawanenstationen im hellenisierten Osten: Zeugnisse eines kulturellen Konflikts im Spannungsfeld zweier politischer Formationen. von Zabern, Mainz am Rhein 1998, ISBN 3-8053-2268-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 549-550