Berat

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Berat (Begriffsklärung) aufgeführt.
Berat
Berati
Berat (Albanien)
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40.70666666666719.95222222222260Koordinaten: 40° 42′ N, 19° 57′ O

Basisdaten
Qark: Berat
Kreis: Berat
Gemeinde: Berat
Höhe: 60 m ü. A.
Einwohner: 36.496 (2011[1])
Telefonvorwahl: (+355) 032
Postleitzahl: 5001–5006
Kfz-Kennzeichen: BR
Struktur und Verwaltung (Stand: 2011)
Gemeindeart: Bashkia
Bürgermeister: Fadil Nasufi (PS)
Postanschrift: Rruga Antipatrea
5001 Berat
Webpräsenz:
Sonstiges
Stadtgründung: 314 v. Chr.
Stadtfest: 13. September

Berat (albanisch auch Berati) ist eine der ältesten Städte Albaniens. Die am Fluss Osum gelegene Stadt hatte im Jahr 2004 nach eigenen Angaben 64.473 Einwohner,[2] gemäß Volkszählung 2011 hingegen nur 36.467 Einwohner.[3] Die "Stadt der tausend Fenster", die 1961 offiziell zur "Museumsstadt" ernannt wurde, steht unter einem besonderen Schutz. Dank diesem Schutz wurden die weißen, historischen Häuser vor Neubauten verschont. Berat ist mit seinen drei kompakten Altstadt-Quartieren Mangalem, Gorica und Kalaja (deutsch: Burg) und den vielen Moscheen und Kirchen eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes.

Berat ist Hauptort des gleichnamigen Qarks und des gleichnamigen Kreises sowie Sitz eines orthodoxen Bischofs.

Etymologie[Bearbeiten]

Die erste schriftliche Erwähnung der Stadt, griechisch Poulcheriopólis Πουλχεριοπόλις, stammt aus dem 9. Jahrhundert und bedeutet „schöne Stadt“. Im Jahr 1019 taucht die slawische Bezeichnung Belagradon auf, was die Übersetzung des älteren Namens ist und „weiße Stadt“ bedeutet. 1230 und 1258 wird Belgrad erwähnt. Weitere Namen sind Bellagradi (1280) und Belgradi (1431).

Lage und Stadtteile[Bearbeiten]

Berat umfasst einen Bereich von nur 6,3 km2 [4]. Die Stadt wurde anfangs als Festung auf dem felsigen Hügel von 187 müA aufgebaut, wo der Fluss Osum durch einen Engpass im Tal in die mittelalbanische Ebene Myzeqe vorstößt. Über dieser strategischen Stelle thront die Burg, die nicht nur aus den befestigten Anlagen besteht, sondern einen ganzen Stadtteil mit zahlreichen Kirchen und Moscheen umfasst. Am gegenüberliegenden Ufer liegt der historische Stadtteil Gorica. Unterhalb der Burg dehnen sich der Stadtteil Mangalem sowie das heutige Stadtzentrum aus. Vor der Stadt entstanden zur kommunistischen Zeit neue Quartiere mit zahlreichen Plattenbauten. Östlich der Stadt liegt das Bergmassiv Tomorr (2416 m).

Geschichte[Bearbeiten]

Berat im Jahr 1830

Frühgeschichtliche Wohnstätten konnten seit etwa 2600 v. Chr. nachgewiesen werden. Der Burghügel wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. erstmals von Illyrern befestigt. Der Ort war das Siedlungszentrum der illyrischen Dassareten. Diese gerieten Ende des 4. Jahrhunderts in die Abhängigkeit des Königreichs Makedonien. Vermutlich war es Kassander, der den alten Ort als Stadt neu begründete und griechische Kolonisten ansiedelte. Zu Ehren seines Vaters nannte er die Stadt Antipatreia. Auch unter der Herrschaft der Römer blühte die Stadt.

Der heutige Name Berat geht auf die slawische Bezeichnung Beligrad (die weiße Stadt) zurück. Im 9. bis 11. Jahrhundert hatten die Bulgaren die Region besetzt. Schon zu dieser Zeit war Berat orthodoxer Bischofssitz. Die Eparchie unterstand dem Metropoliten des Erzbistums Ohrid.

Im Jahr 1018 eroberten die Byzantiner die Stadt zurück. In der Folge geriet Berat unter wechselnde Herrschaft lokaler Despoten, der Könige von Neapel, der Bulgaren und der Serben. Im Frühjahr 1281 schlug der byzantinische Kaiser Michael VIII., der seit 1274 über die Stadt herrschte, das Heer Karls I. von Neapel vor Berat entscheidend und stoppte die weitere Ausdehnung der Anjou östlich der Adria.

1417 nahmen die Osmanen die Stadt erstmals ein.[5] In den 1420er Jahren hatte die Adelsfamilie Muzaka die Herrschaft über Berat inne. Theodor von Muzaka, ein Mitstreiter Skanderbegs in der Liga von Lezha, verlor die Stadt 1450 durch einen Überraschungsangriff der Türken endgültig. Die durch Skanderbeg 1455 angestrengte Belagerung von Berat blieb ohne Erfolg.

Unter der osmanischen Herrschaft war Berat Sitz eines Sandschak-Beys und regionales Handelszentrum. Sowohl die Muslime als auch die orthodoxe Kirche unterhielten bedeutende Schulen in der Stadt.

Im November 1670 besuchte der türkische Reisende Evliya Çelebi unter anderem die Stadt Berat. Sie war Sitz des Beys vom Sandschak Vlora und besaß 489 Lehnsgüter (türkisch Tımar). Neben 5000 mit roten Ziegeln bedeckten Steinhäusern zählte er 100 prächtige Herrenhäuser mit Zisternen und Brunnen. Berat war in 30 Quartiere geteilt, und Çelebi beschreibt ziemlich ausführlich die Festung und die Zitadelle der Stadt.[6]

1809 konnte Tepedelenli Ali Pascha die Stadt für kurze Zeit seinem Herrschaftsgebiet angliedern. Als örtlichen Gouverneur setzte er seinen Sohn Myftar ein. 1822 eroberte der osmanische Sultan Berat wieder zurück, nachdem Ali Pascha einem Mordanschlag zum Opfer gefallen war.[7]

1851 wurde Berat von einem starken Erdbeben erschüttert. Die kurz danach errichteten Bauten prägen noch heute das Aussehen der historischen Stadtteile. 1903 gab es in der Stadt einen Aufstand der Bevölkerung. Die Einwohner forderten eine Senkung der zu hohen Steuern und die Besetzung der Stadtämter mit Albanern anstatt mit Osmanen.[8] Im Oktober 1944 wurde in Berat eine „Demokratische Regierung“ mit Enver Hoxha als Ministerpräsidenten gebildet, nachdem die Partisanen die deutschen Truppen aus der Region vertrieben hatten.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Han im Stadtzentrum (17. Jahrhundert)

Das Stadtbild von Berat wird geprägt von der typischen Balkanarchitektur, wie man sie vergleichbar beispielsweise auch in Gjirokastra und Ohrid antrifft. Im Gegensatz zu einigen anderen albanischen Städten werden in Berat die touristischen Sehenswürdigkeiten und das Stadtzentrum gepflegt und unterhalten.

2008 wurde die Altstadt von Berat in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbe aufgenommen. Dort wird sie nun gemeinsam mit Gjirokastra als Beispiele für den Erhalt einer ottomanischen Stadt und die Koexistenz verschiedener Kulturen geführt.

Nach einem Bericht des International Council on Monuments and Sites vom April 2013 befindet sich das Weltkulturerbe von Berat zusammen mit demjenigen von Gjirokastra in Gefahr. Größtes Problem sind die vielen illegalen Bauten nahe den historischen Stadtzentren, vor allem in Gjirokastra. Ein weiterer Mangel besteht im Personal, das eine ungenügende Überwachung über die Entwicklung vor Ort ausübt. Zudem müssen einige wichtige Änderungen in der Gesetzgebung gemacht werden. Falls die örtlichen Behörden bis zum Jahresende 2014 die Probleme nicht beheben, kommen beide auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes.[9]

Mangalem[Bearbeiten]

Stadtteil Mangalem und neue Hängebrücke über den Osum

Dieser Stadtteil zieht sich den Hügel zur Burg hinauf. Die Häuser stehen sehr dicht, die Fassaden zum Tal haben alle große Fenster. Dem Viertel verdankt deshalb die Stadt ihre Bezeichnung "Stadt der tausend Fenster". Im ehemals nur von Muslimen bewohnten Quartier liegen die Junggesellenmoschee, die Bleimoschee und die Königsmoschee sowie die Helveti-Tekke und das Ethnographische Museum, das einen Einblick in die Lebensweise zur türkischen Zeit erlaubt. Fast an der steilsten Stelle des Burgbergs klebt die kleine Michaelis-Kirche über dem Fluss.

Gorica[Bearbeiten]

Blick von der Burg auf den Stadtteil Gorica

Lange war dieses Viertel nur durch eine Steinbrücke mit dem Rest der Stadt verbunden, weshalb sich hier nur wenig verändert hat. Sehenswert ist insbesondere das St. Spyridon-Kloster (auch orthodoxe Kathedrale; 1864). Die osmanische Steinbrücke Ura e Goricës ersetzte eine Holzbrücke. Sie wurde 1780 von Ahmet Kurt Pasha gebaut und später 1922 von der Stadtverwaltung renoviert.

Kalaja[Bearbeiten]

Gasse im Stadtteil Kalaja
Die Stadt der Tausend Fenster – Stadtteil Mangalem

Die Burg von Berat, Kalaja genannt, gehört zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der alten Stadt. Das Burgviertel besteht noch heute aus zahlreichen bewohnten kleinen Häuschen. Noch immer sind in den verwinkelten Gassen diverse Kirchen zu besuchen. Ebenso finden sich die Ruinen der Roten Moschee, Weißen Moschee und einer osmanischen Kaserne auf dem Burgberg. Sehenswert ist die römische Zisterne, die bis ins 19. Jahrhundert hinein in Benutzung war. Berühmt ist das Onufri-Museum, das Werke des gleichnamigen und bedeutendsten albanischen Ikonen-Malers zeigt.

Blick von der Burg nach Westen über die nördliche Neustadt

Wirtschaft[Bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus wurden die meisten Fabriken in Berat stillgelegt. Die Stadt kann deshalb kaum wirtschaftliche Perspektiven bieten. Auch als regionales Dienstleistungs- und Handelszentrum steht der Ort in Konkurrenz mit zahlreichen weiteren ähnlich großen Städten Mittelalbaniens.

Im Tourismussektor und Gastgewerbe finden einige Bewohner ein Auskommen. Für Touristen bietet Berat einige Hotels und Restaurants. Zur Förderung des Tourismus wurden einige Ansätze unternommen, unter anderem mit deutscher Hilfe. Berat zählte zu den ersten albanischen Orten, die für Touristen eine Website erstellten und wo gut sichtbare Wegweiser aufgestellt wurden.

Im Umland von Berat begannen in den letzten Jahren diverse Bauern, Reben anzubauen und Wein zu produzieren.

Sport[Bearbeiten]

Das Tomori-Stadion ist das drittgrößte Stadion Albaniens. Der lokale Fußballclub FK Tomori Berat spielt in der Saison 2013/14 in der zweiten Liga.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Apollon Baçe, Aleksander Meksi u. Emin Riza: Berat, son histoire et son architecture. Editions Encyclopediques, Tirana 1996.
  • Carl Patsch: Das Sandschak Berat in Albanien. Kaiserliche Akademie der Wissenschaften Wien. Schriften der Balkancommission, Antiquarische Abtheilung 3. Hölder, Wien 1904, Repr. Kraus, Nendeln Liechtenst. 1976.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berat – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung Albanien 2011 (Qark Berat). In: Instituti i Statistikës. Abgerufen am 2. November 2013 (PDF; 2,4 MB, englisch).
  2. UNESCO Nomination File
  3.  Instat (Hrsg.): Population and Housing Census in Albania 2011: Preliminary Results. Tirana Dezember 2011 (Online-Version (PDF; 6,0 MB)).
  4. Berat: Geography, History, Architecture values, Tourism, Craft
  5.  Miranda Vickers: Shqiptarët - Një histori moderne. Bota Shqiptare, 2008 (Originaltitel: The Albanians - A Modern History, übersetzt von Xhevdet Shehu), ISBN 978-99956-11-68-2, Mbërritja e osmanëve, S. 19.
  6. Robert Elsie: 1670 Evliya Chelebi: Seyahatname – a Journey to Berat and Elbasan. Abgerufen am 9. November 2012 (englisch).
  7.  Miranda Vickers: Shqiptarët – Një histori moderne. Bota Shqiptare, 2008 (Originaltitel: The Albanians - A Modern History, übersetzt von Xhevdet Shehu), ISBN 9789995611682, 1.3 Pashallëqet e Mëdha të Shkodrës dhe Janinës, S. 43.
  8.  Miranda Vickers: Shqiptarët – Një histori moderne. Bota Shqiptare, 2008 (Originaltitel: The Albanians - A Modern History, übersetzt von Xhevdet Shehu), ISBN 9789995611682, 2.6 Dobësimi i vazhdueshëm i pushtetit të Portës, S. 82.
  9. Icomos: Trashëgimia në rrezik (Icomos: Erbe in Gefahr). Top Channel, 17. April 2013, abgerufen am 19. April 2013 (albanisch).