Karl Anselm von Thurn und Taxis

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Karl Anselm, Porzellanporträt von Johann Peter Melchior
Wappen des Fürstenhauses von Thurn und Taxis

Karl Anselm von Thurn und Taxis (* 2. Juni 1733 in Frankfurt am Main; † 13. November 1805 in Winzer bei Regensburg) war ein Sohn von Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis und der vierte Fürst von Thurn und Taxis. Nach dem Tod seines Vaters am 17. März 1773 wurde er Generalerbpostmeister der Kaiserlichen Reichspost, die durch die Eroberungen Napoleons und letztlich mit der Niederlegung der Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches durch Franz II. im Jahre 1806 ihr Ende nahm. In der Zeit von 1773 bis 1797 war er als Vertreter des Kaisers Prinzipalkommissar des Immerwährenden Reichstags zu Regensburg.

Ehen[Bearbeiten]

Karl Anselm heiratete am 3. September 1753 in Stuttgart seine Cousine Auguste von Württemberg, Tochter von Karl Alexander Herzog von Württemberg und Marie-Auguste von Thurn und Taxis, die ihm bis 1772 acht Kinder gebar. Nach mehreren Mordversuchen seitens seiner Ehefrau verbannte er sie im Januar 1776 unter strengem Hausarrest zuerst nach Schloss Trugenhofen bei Dischingen (später umbenannt in Schloss Taxis) und dann nach Schloss Hornberg im Schwarzwald, wo sie am 4. Juni 1787 starb. Von einer Anklage sah er ab.[1] Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er noch im selben Jahr in morganatischer Ehe Elisabeth Hildebrand von Train.[2]

Erwerb von Territorien[Bearbeiten]

Karl Anselm erwarb im Jahre 1786 die schwäbische Grafschaft Friedberg-Scheer und musste dafür fast die gesamten Erträgnisse der Post aufwenden. Daraufhin erhob Kaiser Joseph II. die Grafschaft zur „Gefürsteten Grafschaft“. Beim Einfall der französischen Truppen in die Österreichischen Niederlande im Jahre 1794 wurden die dortigen Besitztümer der Thurn und Taxis beschlagnahmt. Mit dem weiteren Vorrücken der französischen Truppen gingen sämtliche linksrheinischen Besitztümer der Thurn und Taxis verloren. Zum Ausgleich erhielt Karl Anselm von Thurn und Taxis im Jahre 1803 laut Artikel 13 des Reichsdeputationshauptschlusses weitere schwäbische Ländereien, wie die Reichsstadt Buchau, das Damenstift Buchau, die Reichsabtei Marchtal und Neresheim, das Amt Ostrach und einige Dörfer, sodass die gefürstete Grafschaft Friedberg-Scheer als Reichsfürstentum Buchau ein relativ geschlossenes Territorium bildete.

Verluste innerhalb der Reichspost[Bearbeiten]

Im Jahre 1790 hatte die von den Thurn und Taxis als Erblehen betriebene Kaiserliche Reichspost ihre größte Ausdehnung erreicht. Hinzu kam die von den Thurn und Taxis gepachtete Post in den Österreichischen Niederlanden und Tirol. Bedingt durch die Revolutionskriege und die Eroberungen Napoleons verlor Karl Anselm von Thurn und Taxis als Betreiber der Kaiserlichen Reichspost nach und nach immer mehr Postbezirke und damit wichtige Einnahmequellen, beginnend mit dem Verlust der Österreichischen Niederlande, ausführlicher beschrieben unter Gebietsverlusten nach 1790. Mit dem Frieden von Lunéville am 9. Februar 1801 wurde der Verlust aller Reichspostlinien in den linksrheinischen Gebieten festgeschrieben. Nachdem Preußen im Mai 1802 für den Verlust seiner linksrheinische Gebiete durch rechtsrheinische Gebiete entschädigt worden war, übernahm dort Preußen die Oberhoheit über das Postwesen, und so gingen Karl Anselm von Thurn und Taxis weitere Postbezirke verloren.

Erst unter seinem Sohn und Nachfolger Karl Alexander konnte sich eine von den Thurn und Taxis betriebene private Post neu etablieren.

Freimaurerei[Bearbeiten]

1765 stiftete er in Regensburg die Freimaurerloge Charles de la Constance, die 1768 vom National-Großmeister der Niederlande ein Patent erhielt. Aus dieser Loge ging die Mutterloge (eine Loge, aus der andere Logen gegründet wurden) Die Wachsende zu den drei Schlüsseln hervor, die später zur Großloge von Regensburg wurde. Der Fürst war der erste Großmeister dieser Mutterloge. Zweiter Großmeister wurde sein Sohn Karl Alexander.

Musikliebhaber[Bearbeiten]

Der vierte Fürst von Thurn und Taxis förderte die Hofmusik in der Sommerresidenz Schloss Taxis (Trugenhofen) und in der Hauptresidenz in Regensburg. Er setzte damit den bereits von seinem Vater Fürst Alexander Ferdinand zum Zweck der Repräsentation als kaiserlicher Prinzipalkommissar in Regensburg konsequent betriebenen Ausbau des Ensembles fort. Waren schon mit dem berühmten Musiktheoretiker Joseph Riepel, dem französischen Violinisten Joseph Touchemoulin (seit 1761) oder dem böhmischen Musiker und Komponisten Franz Xaver Pokorny (seit etwa 1766) bedeutende Musikerpersönlichkeiten engagiert, so erlebte die Hofkapelle unter Carl Anselm gerade mit dem Engagement zahlreicher Virtuosen wie Giovanni Palestrini (Oboe) oder Fiorante Agustinelli (Flöte) eine weitere Qualitätssteigerung und Vergrößerung auf bis zu 42 Personen in den 1790er Jahren. Die Zeitgenossen zählten sie (neben unter anderem der Mannheimer Hofkapelle oder dem Ensemble Joseph Haydns in Eszterhaza) zu den besten Orchestern der Zeit.

Seit 1773 war die zentrale Gestalt für den Musikbetrieb der Hofbeamte und Komponist Freiherr Theodor von Schacht, den der Fürst 1773 zum Hofintendanten ernannte und ihn zunächst mit der Auflösung des französischen Theaterbetriebes und dem Aufbau einer italienischen Oper beauftragte. Eine der frühen Opern Schachts, die man im Schloss Trugenhofen aufführte, war Il trionfo della virtu. Anlass für dieses musikalische Ereignis war die Hochzeit von Prinzessin Maria Theresia von Thurn und Taxis mit Fürst Kraft Ernst von Oettingen-Wallerstein im Jahre 1774.

Erst in den späten 1790er Jahren wurde aus finanziellen Gründen, hervorgerufen durch die Revolutionskriege, die Besetzung der Hofkapelle etwas reduziert. Ihre Auflösung erfolgte allerdings erst im Herbst 1806, unmittelbar nachdem das Heilige Römische Reich aufgelöst, der Immerwährende Reichstag beendet und das durch das fürstliche Haus bekleidete Amt des Prinzipalkommissars eine weitere repräsentative Hofhaltung nicht mehr nötig machte.

Nachkommen[Bearbeiten]

Kinder aus erster Ehe[Bearbeiten]

  • Maria Theresia (* 10. Juli 1757; † 9. März 1776) ∞ 25. August 1774 mit Kraft Ernst I. Fürst zu Oettingen-Wallerstein (1748-1802)
  • Sophie Friederike (* 20. Juli 1758; † 31. Mai 1800)
∞ am 31. Dezember 1775 mit Fürst Hieronim Wincenty Radziwiłł (* 11. Mai 1759; † 18. September 1786);
∞ um 1795 mit NN Kazanowski
∞ um 1797 mit einem Graf Ostrorog
  • Franz Johann Nepomuk (getauft 2. Oktober 1759; † 22. Januar 1760)
  • Henrica Karolina (getauft 25. April 1762; † 25. April 1784) ∞ 21. April 1783 mit Johann Alois II., Fürst zu Oettingen-Spielberg (1758–1797)
  • Alexander Karl (* 19. April 1763; † 21. April 1763)
  • Friederika Dorothea (* 11. September 1764; † 10. November 1764)
  • Karl Alexander (* 22. Februar 1770; † 15. Juli 1827) ∞ 25. Mai 1789 mit Therese zu Mecklenburg (1773–1839)
  • Friedrich Johann (* 11. April 1772; † 7. Dezember 1805), unverheiratet

illegitim[Bearbeiten]

  • (Nikolaus) Joseph Karl August Kranz, seit 1814 von Train

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Wolfgang Behringer, Thurn und Taxis, München 1990 ISBN 3-492-03336-9
  • Wolfgang Behringer, Im Zeichen des Merkur, Göttingen 2003 ISBN 3-525-35187-9
  • Wolfgang Behringer, in: Damals, Juli 2005
  • Martin Dallmeier, Quellen zur Geschichte des europäischen Postwesens, Kallmünz 1977
  • Martin Dallmeier und Martha Schad, Das fürstliche Haus Thurn und Taxis, 300 Jahre Geschichte in Bildern, Verlag Pustet, Regensburg 1996 ISBN 3-7917-1492-9
  • Siegfried Grillmeyer, Habsburgs Diener in Post und Politik. Das Haus Thurn und Taxis zwischen 1745 und 1867, Mainz 2005
  • Adolf Layer, Schloß Trugenhofen(= Schloß Taxis) im 18. Jahrhundert, in: Jahrbuch des Historischen Vereins in Dillingen an der Donau, Jahrgang 1983, Dillingen an der Donau 1983, S. 179-194
  • Christoph Meixner, Die Familien Oettingen-Wallerstein und Thurn und Taxis und die Fürstenhochzeit auf Schloß Trugenhofen 1774. Ein Beitrag zur Geschichte der Hofmusik im 18. Jahrhundert, in: Rosetti-Forum 7, 2006, S. 12-25.
  • Christoph Meixner, Artikel Thurn und Taxis, in: MGG2 (Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2. Auflage), Supplementband, Kassel unter anderem 2008, Sp. 942-945
  • Max Piendl, Das fürstliche Haus Thurn und Taxis, Regensburg 1980
  • Josef Rübsam: Taxis (Thurn und Taxis), Karl Anselm Fürst von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 37, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 504–507.
  • Europäische Stammtafeln Band V, Genealogie Thurn und Taxis, Tafel 131

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dallmeier, Schad, a. a. O., S. 58f.
  2. Dallmeier, Schad, a. a. O., S. 57.
Vorgänger Amt Nachfolger
Alexander Ferdinand Fürst von Thurn und Taxis
1773–1805
Karl Alexander