Syro-Malankara Katholische Kirche

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Syro-malankarische Messe, Kundara, Little Flower Church, Erzdiözese Trivandrum, 1998

Die syro-malankara katholische Kirche oder syro-malankarische Kirche ist eine katholische Ostkirche der indischen Thomaschristen, die dem west-syrischen Liturgieritus folgt; s. auch christliche Konfessionen in Kerala.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Syro-Malankaren sind ein Teil jener indischen Thomaschristen, die nach dem sogenannten Schwur vom Schiefen Kreuz (1653), autokephal und zur malankara-syrisch-orthodoxen Kirche wurden (in Südindien auch „Jakobiten“ genannt). Sie mussten dabei ihren angestammten ost-syrischen Ritus (auch Chaldäischen Ritus) der Thomaschristen aufgeben, da sie zur Weiheerteilung nur westsyrische Bischöfe aus dem orthodoxen Patriarchat von Antiochien fanden. Von dort übernahmen sie zwangsweise den west-syrischen Ritus (auch Antiochischen Ritus). Der größere Teil der Thomaschristen bewahrte 1653 die Einheit mit Rom und folgt bis heute immer noch dem originären ostsyrischen Ritus. Er wird als syro-malabarische Kirche bezeichnet.

Angesichts permanenter Spaltungen innerhalb der syrisch-orthodoxen Thomaschristen in Indien nahm 1926 der in Opposition zum syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochia stehende Metropolit von Malankara, Mar Basilios II. († 1929), mit seinen fünf Bischöfen Unionsverhandlungen mit Rom auf. Hierbei stellten sie lediglich die Forderung nach:

  • (1) Bewahrung ihrer nach 1653 angenommenen westsyrischen Liturgie,
  • (2) Belassung der amtierenden Bischöfe auf ihren Sitzen und
  • (3) Unabhängigkeit vom Patriarchat Antiochia.

Diesen Bedingungen wurde vom Heiligen Stuhl zugestimmt.

Gedenktafel an die Gründung der syro-malankarisch katholischen Kirche am 20. September 1930 in der Bischofskapelle von Quilon.

Die Unionsverhandlungen kamen in Gang durch die Freundschaft zwischen dem lateinischen Bischof von Quilon, Msgr. Alois Benziger und dem in dessen Diözesangebiet residierenden orthodoxen Erzbischof Mar Ivanios. Benziger war ein Kenner der orientalischen Liturgien und überarbeitete mit Mar Ivanios angesichts der bevorstehenden Vereinigung mit Rom, die westsyrische Liturgie der Gemeinschaft. Beide Bischöfe handelten auch die Detailfragen der Union aus.

Am 20. September 1930 traten zunächst lediglich zwei Bischöfe in Kommuniongemeinschaft mit dem Papst in Rom:

Der feierliche Übertritt fand in der Bischofskapelle zu Quilon statt, wo heute noch eine Gedenktafel daran erinnert. Bischof Benziger nahm im Auftrag des Papstes das Glaubensbekenntnis der beiden Bischöfe entgegen und hieß sie in der vollen Einheit der katholischen Kirche willkommen. Am nächsten Morgen fand dort die erste Messe in dem neuen syro-malankarischen-Ritus statt. Für Mar Ivanios ist inzwischen der Seligsprechungsprozess eingeleitet und er wurde in einer Vorstufe zum "Ehrwürdigen Diener Gottes" erklärt.

Einige Jahre später folgten zwei weitere Bischöfe:

  • 1932 Joseph Mar Severios Valakuly[3], (ab 1938 zunächst Apostolischer Administrator, ab 1950 Bischof von Tiruvalla, 1954 Titularerzbischof, † 1955) und
  • 1939 Thomas Mar Dioskoros Ottathaikal[4], Bischof der sog. Südchristen (Knananiten) innerhalb des syrisch-antiochenischen Patriarchats († 1943).

1932 wurde die ordentliche Hierarchie der syro-malankara katholischen Kirche eingerichtet mit dem Großerzbistum Trivandrum (Thiruvananthapuram) als Metropolie und Tiruvalla als Suffragandiözese, ohne rechtliche Bindung an das syrisch-katholische Patriarchat Antiochia.

Der Priester Givergis Paniker (1912–1986) war einer der führenden Liturgiker der malankarischen Katholiken.

Gegenwart[Bearbeiten]

syro-malankarische Pontifikalmesse für den Gründer, Mar Ivanios, mit dessen geschmücktem Bild im Vordergrund

Die Union mit der römisch-katholischen Kirche war so erfolgreich, dass die acht Diözesen, an deren Spitze heute der Großerzbischof von Trivandrum (Thiruvananthapuram) steht, derzeit etwa 430.000 Gläubige zählen. Außerhalb Indiens gibt es zwölf Gemeinden in den USA und fünf in Deutschland.

Im syro-malankarischen Ritus ist die Zelebration in Richtung Volk – wie heute im lateinischen Ritus üblich – verboten. Von Interesse ist auch das monastische Leben auf der Grundlage von Kurisumala Ashram (1958). Es ist eine Gemeinschaft von Zisterziensern, welche die syrische Liturgie feiern und in strenger Askese leben.

Am 10. Februar 2005 wurde die syro-malankarische Kirche von Papst Johannes Paul II. mit der Apostolischen Konstitution Ab ipso sancto Thoma Apostolo kanonisch als autonomes Großerzbistum errichtet und der bisherige Erzbischof von Thiruvananthapuram, Cyril Mar Baselios Malancharuvil O.I.C., zum Großerzbischof erhoben (syro-malankarische Katholiken nennen ihn Katholikos). Der derzeitige Großerzbischof ist seit 10. Februar 2007 Kardinal Isaac Cleemis Thottunkal.

Administrative Struktur[Bearbeiten]

Die administrative Struktur besteht aus zwei Erzdiözesen und jeweils drei Suffraganbistümern. Zudem existiert seit 2010 ein Apostolisches Exarchat für die syro-malankarischen Gläubigen in den Vereinigten Staaten:

(Groß-) Erzbischöfe von Trivandrum[Bearbeiten]

Lebensdaten Amtszeit Anmerkungen
Geevarghese Mar Ivanios Panicker 1882–1953 1932–1953
Benedict Varghese Gregorios Thangalathil 1916–1994 1955–1994
Cyril Baselios Malancharuvil 1935–2007 1995–2007 ab 2005 Großerzbischof
Isaac Cleemis Thottunkal 1959– 2007–

Galerie zur Hauptkathedrale des Großerzbischofs in Trivandrum[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Malankara: Acts of the Holy Synod of the Syro-Malankara Catholic Church. Vol. 1, No. 1, July 2005

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Syro-Malankara Katholische Kirche – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erzbischof Mar Ivanios
  2. Bischof Mar Theophilos
  3. Bischof Joseph Mar Severios
  4. Bischof Thomas Mar Dioskoros

8.525013676.9374597Koordinaten: 8° 31′ 30″ N, 76° 56′ 15″ O