Kennzeichenbeleuchtung

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Die Kennzeichenbeleuchtung soll ermöglichen, dass das Kennzeichen bei Dunkelheit aus einer Entfernung von 20 Metern noch ablesbar ist.

Die Kennzeichenbeleuchtung (auch Kennzeichenleuchte) eines Kraftfahrzeuges dient dem einzigen Zweck, die Ablesbarkeit des hinteren Kraftfahrzeugkennzeichens auch bei Dunkelheit zu gewährleisten. Für das Automobildesign stellt die Einhaltung der dazu bestehenden europäischen und nationalen Regelungen eine besondere Herausforderung dar.

Rechtliche Vorschriften[Bearbeiten]

Im Bereich der Europäischen Union schreiben mehrere EG-Richtlinien die Bauweise und Ausführung der Kennzeichenbeleuchtung detailliert vor.[1][2][3] In Deutschland werden diese Regelungen durch § 10 Abs. 6 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) umgesetzt.

Danach ist eine Kennzeichenleuchte grundsätzlich für alle Kraftfahrzeuge und Anhänger vorgeschrieben. Lediglich Versicherungskennzeichen für Kleinkrafträder (Mofas) und vierrädrige Leichtfahrzeuge müssen nicht beleuchtet sein (§ 27 Abs. 4 Satz 2 FZV). Für Anhänger in der Land- und Forstwirtschaft, die häufig abnehmbare Leuchtenträger verwenden, gelten besondere Bestimmungen. Es dürfen nur Kennzeichenleuchten verwendet werden, für die eine ECE-Genehmigung erteilt wurde. Diese ist erkennbar an dem internationalen Genehmigungszeichen, das u. a. aus einem Kreis besteht, in dem sich der Buchstabe "E" und die Kennzahl des Landes befinden, das die Genehmigung erteilt hat.[3][4] Beim Einbau einer Leuchte ohne diese Kennzeichnung kann bei sehr strikter Auslegung die Betriebserlaubnis des Kraftfahrzeuges erlöschen.

Bauweise und Funktion[Bearbeiten]

Die elektrische Schaltung muss so ausgeführt sein, dass die Kennzeichenbeleuchtung immer gleichzeitig mit den Rückleuchten und eventuell vorhandenen Begrenzungsleuchten ein- und ausgeschaltet wird.[5] Verwendet werden zunehmend Leuchtdioden. Diese sind u.a. wegen des geringeren Wärmeverlusts effizienter als herkömmliche Glühlampen und vor allem erheblich langlebiger. In der Regel funktionieren sie über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeuges. Das Licht der Kennzeichenleuchte soll möglichst farblos sein, damit die Farben des Kennzeichens nicht wesentlich verändert erscheinen. Um eine Irritation nachfahrender Kraftfahrer zu vermeiden darf kein Lichtstrahl unmittelbar nach hinten ausstrahlen; das heißt das Licht der Kennzeichenbeleuchtung darf nicht erkennbar sein. Das wird durch die Festlegung eines bestimmten Lichtausfallswinkels erreicht. Darüber hinaus enthalten die Vorschriften detaillierte Vorgaben u.a. zur Intensität, zum Lichtstärkepegel, zur Leuchtdichte und zum Lichtquellenmodul.[2][3]

Zusammengefasst dienen alle Bestimmungen dem einzigen Zweck: Das Kennzeichen soll bei Dunkelheit aus einer Entfernung von 20 Metern ablesbar sein.

Kennzeichenbeleuchtung im Automobildesign[Bearbeiten]

Integration der Kennzeichenbeleuchtung in das Gesamtdesign beim Volkswagen 1200

Der hohe Detaillierungsgrad der rechtlichen Vorgaben stellt für das Design insbesondere von geschwungenen PKW-Karosserien mit rundlichem Heck bisweilen eine besondere Herausforderung dar. So kann z. B. der vorgeschriebene Winkel von acht Grad[3], in dem das Licht auf das Kennzeichen treffen muss, nur eingehalten werden, indem entweder eine Leuchte direkt auf die Karosserie aufgesetzt oder - umgekehrt - das Kennzeichen in die Karosserie bis zu sieben Zentimeter vertieft eingebaut wird.

Als Beispiel einer Integration der Kennzeichenbeleuchtung in das Gesamtdesign eines Fahrzeuges gilt der frühe Volkswagen 1200 Brezelkäfer: Hier wurde die halbovale Motorhaube in der Mitte mit einer durchgehenden, senkrechten Ausbuchtung versehen. Zweck dieser geschwungenen und sich nach oben verjüngenden Gestaltung ist es u.a., die tropfenförmige Kennzeichenbeleuchtung ansprechend zu integrieren. Bei späteren Modellen wurde diese Gestaltung der Motorhaube wieder geändert.

Die Kennzeichenbeleuchtung liegt versteckt im Innern der Stoßstangen bei einem Ferrari Dino

Eine andere Gestaltung der Kennzeichenbeleuchtung findet sich beim Ferrari Dino Pininfarina: Hier wurden diese Leuchten in die Hohlräume der beiden Stoßstangenhälften versteckt integriert.

Alternativen[Bearbeiten]

Entgegen verbreiteter Vorstellungen können die 1971 eingeführten reflektierenden Kennzeichen eine Kennzeichenbeleuchtung nicht ersetzen. Diese vor allem aus Sicherheitsgründen eingeführten Kennzeichen (§ 10 Abs. 2 Satz 2 FZV) erleichtern zwar ein Ablesen durch nachfolgende Kraftfahrer, nicht jedoch durch Fußgänger auf unbeleuchteten Landstraßen oder durch Überwachungskameras.

Eine Alternative bieten selbstleuchtende Kennzeichen, die 2006 vom Kraftfahrt-Bundesamt zugelassen wurden.[6] Es handelt sich dabei um sehr flache Nummernschilder, die selbst Licht abstrahlen und somit die üblichen Kennzeichenleuchten überflüssig machen. Es gibt verschiedene Systeme, z.B. Kennzeichenschilder, die mittels einer rückstrahlenden Elektrolumineszenzfolie hinterleuchtet werden. Von dem Unternehmen 3M entwickelte Schilder dieser Bauart wurden 2002 in den ersten Modellen des Volkswagen Phaeton eingebaut.

Kennzeichenbeleuchtung in Japan[Bearbeiten]

In Japan zulässige Kennzeichenbeleuchtung mit Leuchtdioden unter dem Kennzeichen

Eine Besonderheit stellen die in Japan auf Antrag erhältlichen, lichtdurchlässigen Kennzeichen dar. Dabei wird nicht das Kennzeichen selbst beleuchtet, sondern unmittelbar hinter dem Kennzeichen befindliche Leuchten lassen Zahlen und Schriftzeichen durchscheinen. Erste Versuche im Jahre 1970 begannen auf der schneereichen Nordinsel Hokkaidō. Dabei wurde festgestellt, dass die von den Glühbirnen abgegebene Wärme ausreicht um den Schnee auf den Kennzeichen zu schmelzen. Diese frühen Bauarten konnten jedoch die Schriftzeichen nicht gleichmäßig erhellen. Neuere Bauarten dieser sogenannten "jiko-shiki" (字光式) (deutsch etwa "Schriftzeichen-Beleuchtung") basieren auf Leuchtdioden, die die gesamte Fläche des Kennzeichens von hinten gleichmäßig ausleuchten. Das Licht strahlt dabei jedoch nur durch die aus grünen Kunststoff-Formteilen gebildeten Schriftzeichen, welche so bei Dunkelheit klar ablesbar erscheinen.[7]

Sonstiges[Bearbeiten]

Wer die Kennzeichenbeleuchtung ausschaltet, um die Ablesbarkeit des hinteren Kennzeichens zu vereiteln, macht sich wegen Kennzeichenmissbrauchs strafbar. Das gilt auch für ein bewusstes Abschalten der Kennzeichenbeleuchtung durch technische Maßnahmen. In einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Stuttgart (OLG Stuttgart Beschluss vom 6. Juli 2011, 2 Ss 344/11)[8] wurde die Beleuchtung als zwingender Bestandteil des hinteren Nummernschildes bestätigt. Siehe auch § 17 Abs. 1 der Straßenverkehrs-Ordnung und § 22 Abs. 1 Nr. 3 des Straßenverkehrsgesetzes.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Hermann Braess, Ulrich Seiffert: Vieweg Handbuch Kraftfahrzeugtechnik, 6. Auflage, Verlag Vieweg + Teubner Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-8348-1011-3
  • Jürgen Kasedorf, Richard Koch: Service-Fibel für die Kfz-Elektrik, 15. Auflage, Vogel Buchverlag, 2007, ISBN 978-3-8343-3098-7
  • Joachim Petsch: Geschichte des Auto-Designs, DuMont Buchverlag, Köln 1982, ISBN 3-7701-1330-6

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richtlinie 76/760/EWG des Rates vom 27. Juli 1976 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Beleuchtungseinrichtungen für das hintere Kennzeichen von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern Richtlinie über Kennzeichenbeleuchtung vom 27. Juli 1976. Abgerufen am 5. März 2012.
  2. a b Regelung Nr. 48 - Einheitliche Bedingungen für die Genehmigung der Fahrzeuge hinsichtlich des Anbaus der Beleuchtungs- und Lichtsignaleinrichtungen (PDF; 6,7 MB) EU-Regelung zum Anbau von Fahrzeugbeleuchtungen vom 11. Juli 2008. Abgerufen am 21. April 2012.
  3. a b c d ECE-Regelung Nr. 4 zur hinteren Kennzeichenbeleuchtung (PDF; 626 kB) Amtsblatt der Europäischen Union vom 15. Oktober 2008. Abgerufen am 5. März 2012.
  4. Liste der Kennzahlen Webseite des Bundesverkehrsministeriums. Abgerufen am 5. März 2012.
  5. Regelung Nr. 48 - Einheitliche Bedingungen für die Genehmigung der Fahrzeuge hinsichtlich des Anbaus der Beleuchtungs- und Lichtsignaleinrichtungen (PDF; 6,7 MB) Nr. 5.11 der EU-Regelung zum Anbau von Fahrzeugbeleuchtungen vom 11. Juli 2008. Abgerufen am 21. April 2012.
  6. Selbstleuchtende Kennzeichen-Schilder (PDF; 1,3 MB) Jahresbericht 2006 des Kraftfahrt-Bundesamtes, Seite 59. Abgerufen am 7. April 2012.
  7. Motor Vehicle Registration System of Japanese License Plates Private Webseite zur japanischen Kfz-Zulassung (Update 4. April 2004). Abgerufen am 21. April 2012.
  8. Landesrechtsprechung Baden-Württemberg Entscheidungssammlung der Landesrechtsprechungsdatenbank vom 6. Juli 2011. Abgerufen am 21. April 2012.