Kieler Schloss

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Ostflügel mit dem südwestlichen Turm (links)
Gemälde von 1900, Blickrichtung Norden
Rantzaubau (Westflügel), gebaut 1695
Aufnahme von 2007, Blickrichtung Norden

Das Kieler Schloss in Kiel in Schleswig-Holstein war eine der Nebenresidenzen der Gottorfer Herzöge. Das Schloss konnte eine abwechslungsreiche Baugeschichte vorweisen und wurde in der jüngeren Kunstgeschichte als einer der bedeutendsten Profanbauten Schleswig-Holstein bezeichnet. Das Schloss brannte während des Zweiten Weltkrieges aus, die Ruine wurde anschließend größtenteils abgetragen und durch einen Neubau ersetzt.

Nutzungsgeschichte[Bearbeiten]

Vom Mittelalter in die Neuzeit[Bearbeiten]

Das Kieler Schloss hatte seinen Ursprung in einer Burg des Mittelalters, die vermutlich bereits 1242 zur Zeit der Gründung Kiels errichtet wurde und die Siedlung an einer schmalen Landzunge zwischen Kieler Förde und Kleinem Kiel schützen sollte. Bauherr war der Stadtgründer Adolf von Schauenburg.

Im 15. Jahrhundert kam das Schloss durch die Auswirkungen des Vertrags von Ribe in den Besitz des dänischen Königs Friedrich I., der an der mittelalterliche Burg einige moderne Erweiterungen vornehmen ließ und sie so zu einem Schloss erweiterte. Sein Sohn Adolf begründete als Adolf I. das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf, dem die Stadt Kiel samt Schloss zugeschlagen wurden. Unter Herzog Adolf wurden im Land zahlreiche neue Schlösser errichtet. Wie auch in Reinbek, Husum und Tönning wurde in Kiel ein Neubau errichtet, der das alte Schloss um einen großen Renaissancebau erweiterte.

Ostflügel mit dem nordwestlichen Turm
hinter den Bäumen der Rantzaubau (Westflügel)
Aufnahme von 1893, Blickrichtung Westen
Ostflügel mit dem südwestlichen Turm (rechts)
Aufnahme von 1893, Blickrichtung Nordwesten
Ostflügel (links), Kieler Förde (rechts)
Aufnahme von 1893, Blickrichtung Norden

Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Das Schloss war zu dieser Zeit eine Nebenresidenz, Hauptsitz und Regierungszentrum des Herzogtums war das Schloss Gottorf. Das Kieler Schloss diente der herzoglichen Witwe Christine von Hessen bis 1604, ebenso wie anschließend Sophie von Mecklenburg bis 1631 als Witwensitz. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss mehrmals besetzt und die Ausstattung dabei zum Teil geplündert. 1665 wurde im Schloss die Gründungsfeier zur Stiftung der Christiana-Albertina, der Kieler Universität, begangen. Der alte Schlossflügel Friedrichs I. stürzte 1685 aufgrund von Baufälligkeit teilweise ein. Nach den Plänen des Architekten Domenico Pelli wurden von 1695 bis 1697 der West- und Südflügel neu errichtet (Pelli-Bau).[1]

Nach dem Ende des Großen Nordischen Krieges wurden Schleswig und Holstein aufgeteilt. Das Herzogtum Schleswig wurde von da an in Personalunion durch den dänischen König regiert. Aus diesem Grund wurde die Stammresidenz der Gottorfer, das Schloss Gottorf aufgegeben, und das Kieler Schloss wurde kurzzeitig Hauptresidenz des jetzt nur noch über Holstein regierenden Gottorfer Herzogs Karl Friedrich. Das Schloss war der Geburtsort seines Sohnes Karl Peter Ulrich, dem nachfolgenden Herzog und späteren russischen Zaren Peter III. Nach Peters Tod übernahm Katharina die Große die Regierungsgeschäfte, unter ihr wurde der Renaissancebau des Schlosses zu einem großen, barocken Palais umgestaltet. Sie entsagte ihren Ansprüchen in Schleswig-Holstein im Vertrag von Zarskoje Selo vom 27. August 1773. Das Herzogtum Holstein ging nun für die nächsten 89 Jahre ebenfalls an den dänischen König, der feierliche Übergabeakt wurde im Kieler Schloss abgehalten.

Vom 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert diente das Schloss unterschiedlichen Zwecken. Es stand zeitweise der Universität zur Verfügung und war von 1848 bis 1851 Sitz der Schleswig-Holsteinischen Landesversammlung. Während des Deutsch-Dänischen Krieges diente es als Lazarett und militärisches Hauptquartier. In der Preußischen Zeit bekam das Schloss wieder einen bedeutenden Bewohner, von 1888 bis 1918 diente es als Wohnsitz des Prinzen Heinrich von Preußen. Der Prinz diente als Großadmiral in der Kaiserlichen Marine, während Kiel zum bedeutendsten Marinehafen des Kaiserreichs aufstieg.

Nach dem Ersten Weltkrieg verlor das Schloss seine Bedeutung, Prinz Heinrich zog sich auf sein Gut Hemmelmark zurück, das Schloss wurde Verwaltungssitz und nahm die Landesbibliothek auf. In den 1930er Jahren wurde geplant, das Gebäude zu einem Haus der Landeskultur zu machen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Ostflügel, gebaut 1961
Aufnahme von 2007, Blickrichtung Süden
Ostflügel (rechts), gebaut 1961
Historische Landeshalle (links), gebaut 1961
Aufnahme von 2007, Blickrichtung Nordosten

In den Luftangriffen des Zweiten Weltkrieges erlitt das Schloss starke Zerstörungen und brannte nach einem Angriff am 4. Januar 1944 bis auf die Grundmauern aus. Dabei wurde auch die wertvolle Möbelsammlung vernichtet, die zum Teil aus anderen holsteinischen Schlössern wie dem in Plön stammte. Der in den 1960er Jahren neu errichtete Ostflügel beherbergte in den oberen Stockwerken die Landesbibliothek. Die unteren Geschosse mit teilweise sehr hohen Räumen und der daran anschließende Anbau wurden zum Kulturzentrum „Kieler Schloss“. Der Anbau beherbergt einen Konzertsaal und ein Regionalstudio des NDR. Der Westflügel wurde von der Volkshochschule genutzt.

An Stelle des abgetragenen Südflügels wurde ein aufgestelzter Flachbau gebaut und Historische Landeshalle genannt.

Das Kulturzentrum wurde 2003 privatisiert, die Landesbibliothek zog in den weiter südlich gelegenen Sartori & Berger-Speicher um. Jährlich finden im Schlosskomplex um die 300 verschiedene Veranstaltungen mit bis zu 200.000 Besuchern statt.

Seit 2005 steht der gesamte Schlosskomplex – einschließlich der Nachkriegsbauten – unter Denkmalschutz.[2]

Die Gebäude und ihre Architektur[Bearbeiten]

Westflügel (links), gebaut 1512
Ostflügel (rechts) Renaissancebau, gebaut 1558 – fälschlicherweise mit einem großen, statt vier kleinen Dächern dargestellt. Stich von Georg Braun und Frans Hogenberg, 16. Jahrhundert

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ließ Adolf IV. von Schauenburg und Holstein eine Burg in der Holstenstadt tom Kyle – dem späteren Kiel – erbauen, die sich zeitgleich mit dem Ort entwickelte. Über die Gestalt dieser ersten Burg gibt es kaum Überlieferungen. Sie stand an der Stelle des heutigen Rantzaubaus auf der Westseite des Schlossplatzes. Sie wurde 1502 nieder gerissen.

Bis 1512 errichtete Friedrich I. an der Stelle der vorgannten Festung einen Neubau, der als „Neues Haus“ bezeichnet wurde.

Adolf I. baute das Schloss von 1558 bis 1568 zu einem aufwendigen Renaissancesitz aus. Dem „Neuen Haus“ auf der Westseite wurde nun ein Bau von der Form eines großen Quaders auf der Wasserseite, der Ostseite, entgegengestellt. Hiervon ist heute nur noch das Fundament erhalten. Das Gebäude besaß vier nebeneinander liegende Einzeldächer und entsprach damit dem in der holsteinischen Schloss- und Gutsarchitektur häufig anzutreffenden Mehrfachhaus, wie man es z. B. auch heute noch in den Schlössern Ahrensburg und Glücksburg vorfindet. Der Quader war mit einem Kranz von zwölf Ziergiebeln umgeben, je vier auf den Stirnseiten der Dächer und je zwei auf den Schmalseiten des Baus. Zwei schlanke Treppentürme schmückten die Hofseite, ein weiterer Gebäudetrakt verband die beiden Schlossteile. Im Inneren fanden zahlreiche gewölbte Säle und Kabinette sowie die prächtig ausgestattete Schlosskapelle ihren Platz. Nach Beendigung der Bauarbeiten hatten die gesamten Schlossgebäude einen dreiflügeligen, c-förmigen Grundriss, der auch am heutigen Nachkriegsbau noch nachempfunden werden kann.

1685 stürzte der ältere, unter Friedrich I. erbaute Flügel ein und wurde von 1695 bis 1697 im Auftrage Friederike Amalies, der Frau Herzog Christian Albrechts, durch einen Neubau, den sogenannten Rantzauflügel oder Rantzaubau, der heute noch größtenteils steht, ersetzt. Baumeister war hierbei Domenico Pelli.

Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich der Flügel auf der Wasserseite, der Ostseite, in einem schlechten baulichen Zustand und wurde durch den Baumeister Rudolph Matthias Dallin umgebaut. Dies geschah auf Veranlassung Katharina II., die Zarin von Russland und Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorf war. Die geschmückten Renaissancegiebel samt den Einzeldächern wurden entfernt und stattdessen 1763 durch Ernst Georg Sonnin ein mächtiges Mansarddach auf das Hauptgebäude gesetzt, dessen optische Wirkung dadurch vollständig verändert wurde. Auch an den Innenräumen nahm Sonnin diverse Veränderungen vor. Am südwestlichen Turm des Flügels wurde die Haube entfernt und stattdessen eine Plattform angelegt, die als Sternwarte dienen sollte. 1838 vernichtete ein Brand weite Teile des Gebäudes und der Schlosskapelle. Die Neuausstattung der Innenräume erfolge daraufhin in bescheideneren Formen. Weitere Umbauten fanden für Prinz Heinrich statt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden alle Teile des Schlosses stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Westflügel (Rantzaubau) wurde etwas verkürzt und renoviert. Der Südflügel und der Ostflügel wurden, nachdem Pläne, die erhaltenen Mauern in einen Neubau einzubeziehen, verworfen wurden, bis auf Teile des nordwestlichen Turms des Ostflügels abgerissen.

Von 1961 bis 1963 wurde durch die Architekten Sprotte und Never ein architektonisch anspruchsloser neuer Ostflügel aus Backstein errichtet, der zwar die Dimensionen des Vorgängerbaus imitiert und auf dem erhaltenen Fundament steht, sonst aber keine Ähnlichkeit mit ihm hat.

An der Stelle des abgerissenen südlichen Verbindungstraktes wurde ein aufgestelzter Flachbau gebaut, die „Historische Landeshalle“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein., 3. Auflage, München 2009, ISBN 978-3-422-03120-3, S. 412.
  • Silke Hunzinger: Fürstliche Lustgärten des Barock in Schleswig-Holstein. In: Marion Bejschowetz-Iserhoht, Reiner Hering (Hrsg.): Die Ordnung der Natur. Historische Gärten und Parks in Schleswig-Holstein. Ausstellungskatalog Landesarchiv Schleswig (= Veröffentlichungen des Landesarchivs Schleswig-Holstein. 93). Hamburg University Press, Schleswig 2008, ISBN 978-3-931292-83-6, S. 79-90.
  • Deert Lafrenz: Aus gegebenem Anlass – Eine Lanze für das Kieler Schloss. In: Denkmal. Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein. 15/2008, ISSN 0946-4549, S. 15–16 ([1] PDF-Datei 337,35 KB).
  • Margita Marion Meyer, Ingrid Wettig-Homm: Zur Rekonstruktion der historischen Teppichbeete am Fuße des Reiterstandbildes Kaiser Wilhelms I. im Kieler Schlossgarten. In: Denkmal. Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein. 14/2007, ISSN 0946-4549, S. 107–111.
  • Eva von Engelberg-Dočkal: Kulturkarte Schleswig-Holstein. 1000mal Kultur entdecken., 2. Auflage, Wachholtz-Verlag, Neumünster 2005, ISBN 3-529-08006-3.
  • Adrian von Buttlar, Margita Marion Meyer: Historische Gärten in Schleswig-Holstein. 2. Auflage. Boyens & Co., Heide 1998, ISBN 3-8042-0790-1, S. 345-355.
  • Deert Lafrenz: Das Kieler Schloß. Christians, Hamburg 1987, ISBN 3-7672-1027-4.
  • Carl-Heinrich Seebach: Das Kieler Schloß – Nach Grabungsfunden, Schriftquellen und Bildern (Studien zur schleswig-holsteinischen Kunstgeschichte, Band 9). Neumünster 1965.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kieler Schloss – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Günther Andresen: Ahlmanns Häuser. In: Jürgen Ostwald (Hrsg.): Wilhelm Ahlmann 1817−1910. Ein Schleswig-Holsteiner aus Nordschleswig. Bund Deutscher Nordschleswiger, Apenrade 1998, S. 93.
  2. Verzeichnis der eingetragenen Kulturdenkmale des Landes Schleswig-Holstein (außer Lübeck) (PDF/423 KB), herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege, Stand: 31. Dezember 2007; Erscheinungsdatum: 9. Juni 2008; abgerufen am 23. März 2011. Dokument referenziert von dieser Webseite.

54.3242510.14341Koordinaten: 54° 19′ 27″ N, 10° 8′ 36″ O