Klavierkonzert

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Der Pianist Justus Frantz spielt ein Klavierkonzert

Ein Klavierkonzert ist ein Solokonzert, in dem das Soloinstrument Klavier einem Orchester gegenübergestellt wird.

Johann Sebastian Bach löste spätestens 1721 in seinem Fünften Brandenburgischen Konzert das Cembalo aus seiner üblichen Generalbass-Rolle heraus und wies ihm umfangreiche solistische Passagen zu. Vor allem sein 1. Klavierkonzert in d-Moll ist einerseits durch seine Länge, andererseits durch das erstmalige Auftreten einer ausführlichen Solo-Kadenz am Ende des ersten Satzes geprägt. Bei der Entwicklung des Klavierkonzerts ging Bach den Weg über das bereits ausgebildete Violinkonzert. Von Bachs 18 erhaltenen Konzerten für Klavier und Orgel sind 13 Übertragungen eigener oder fremder Violinsätze. Dies Vorgehen hatte zwei Gründe: Erstens hatte das Cembalo, unter anderem wegen des eingeschränkten Klangvolumens damals noch nicht den Rang eines Universalinstruments und trat im Kontext mit anderen Instrumenten meist in der dienenden Rolle eines Generalbassinstruments auf. Hier musste erst mit überkommenen Gewohnheiten gebrochen werden. Zweitens fehlte es dem Klavier an etablierten konzertgemäßen virtuosen und der Klaviertechnik angepassten Formeln, Figuren und Traditionen. [1]

Innerhalb weniger Jahrzehnte war für die Komponisten (etwa Bachs Söhne, Georg Friedrich Händel, Johann Adolph Hasse, die Brüder Graun und viele andere) der solistische Einsatz eines Tasteninstruments bereits Alltag – für das sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts durchsetzende Hammerklavier wurden von Anfang an Solokonzerte geschrieben.

Vom Barock bis zur Moderne ist das Klavierkonzert in allen Epochen anzutreffen. Dabei orientierte es sich in der Regel an den musikalischen Formen der jeweiligen Epochen.

In der Barockmusik folgt das Cembalokonzert der damaligen üblichen dreiteiligen Form. Es gibt heute Interpreten, die barocke Konzerte auf dem modernen Klavier aufführen.

Das Klavierkonzert der Wiener Klassik orientiert sich formal üblicherweise an der Sinfonie/Sonatenhauptsatzform. Haydn, Mozart und Beethoven haben derartige Konzerte geschrieben, die durch ein Wechselspiel von Orchester und Soloinstrument in Form eines Miteinander-Konzertierens charakterisiert sind. Oft gibt dem Solisten gegen Ende besonders des ersten Satzes eine Kadenz die Möglichkeit, seine pianistischen Fähigkeiten unbegleitet zu zeigen. Kadenzen wurden zu Beginn improvisiert und zunehmend von den Komponisten festgelegt; im Konzertbetrieb haben sich oft Kadenzen berühmter Interpreten durchgesetzt.

Klavierkonzerte der Romantik weichen häufig von den festen Formen des klassischen Klavierkonzerts ab. Da das 19. Jahrhundert zahlreiche virtuose Pianisten hervorbrachte, die sich eine bessere Präsentation ihres Könnens wünschten, verschob sich der Schwerpunkt des Wechselspiels zwischen Orchester und Solisten zugunsten der Solisten. Im solistischen Part stellt das Orchester im Wesentlichen nur eine sich zurücknehmende Begleitung dar. Ein bezeichnendes Beispiel hierfür sind die Klavierkonzerte von Frédéric Chopin, die komplett auch ohne Orchester gespielt werden könnten, wenn der Pianist den in Klavierfassung transkribierten Orchesterpart übernimmt. Ganz anders dagegen bei Schumann, dessen Klavierkonzert a-Moll als Meisterwerk thematisch-melodischer Integration von Klavier und Orchester unter Verzicht bloßer virtuoser Zurschaustellung des Solisten gilt. Einen Höhepunkt des Ineinanderfließens und -übergebens des Themenspektrums erreicht die Romantik im 2. Klavierkonzert von Brahms. Schon die Länge des Werkes sowie der Satzaufbau mit 4 Sätzen ist neu in diesem Metier. Ganz anders als in seinem ersten Klavierkonzert demonstriert hier bereits der Beginn einem neuen Weg: Hörner stellen ein Thema vor, das vom Klavier nicht aufgegriffen wird; vielmehr stellt sich der Solist mit einer eigenen thematischen Wendung dar und behält diese Eigenständigkeit durch das ganze Werk. Klavier und Orchester sind in diesem Konzert des reifen Brahms ebenbürtig im formalen und musikalischen Anspruch. Den Höhepunkt der virtuosen Stilrichtung erreicht die mittlere Romantik im oft vielgespielten 1. Klavierkonzert von Tschaikowski, aber mehr noch die späte Romantik in den Klavierkonzerten von Rachmaninow. Dessen Konzerte Nr. 2 c-Moll und 3 d-Moll zählen zu den pianistischen Höhepunkten, zu den technisch schwierigsten Werken überhaupt und zu den weltweit meistgespielten Stücken dieses Genres in der heutigen Konzertwelt. Nicht zuletzt ist deren Erfolg der überragenden Entwicklung im Klavierbau zuzuschreiben, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem Bau spezieller Konzertflügel ein mechanisch und klangtechnisch hochwertiges, neuartiges Fundament für den kompositorischen Klangansprüch an das Klavierkonzert mit großem Orchesterumfang anbot.

Aus dem 20. Jahrhundert werden bevorzugt die Konzerte von Bartók, Gershwin, Prokofjew und Ravel in der heutigen Konzertpraxis gespielt. Das Klavierkonzert als eigenständige musikalische Form hat sich bis in die Moderne erhalten, daneben sind aber auch andere Formen entstanden, die gleichermaßen das Konzertieren von Klavier und Orchester vorsehen, ohne Klavierkonzerte im eigentlichen Sinne zu sein. Beispielhaft hierfür sind Franz Liszts „Wanderer-Fantasie (nach Franz Schubert)“, César Francks „Sinfonische Variationen für Klavier und Orchester“ oder George GershwinsRhapsody in Blue“.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arnold Schering: Geschichte des Instrumentalkonzerts, Georg Olms, 1988, Seite 133

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Klavierkonzert – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Piano concertos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien