Kloster Speinshart

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Prämonstratenserabtei Speinshart

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Orden Praemonstratenser-Chorherren
Status Abtei
Administrator Abt Hermann-Josef Kugler
Prior Benedikt Joachim Schuster
Mitbrüder 9
Bistum Regensburg
Seelsorgsgebiet Barbaraberg, Ernstfeld, Haselbrunn, Höflas, Menzlas, Moss, Münchsreuth, Oberbibrach, Schlammersdorf, Seitenthal, Speinshart, Tremmersdorf, Zettlitz, Vorbach
Klosterkirche Maria Immaculata
Anschrift Klosterhof 2, 92676 Speinshart
Internetpräsenz www.kloster-speinshart.de

Das Kloster Speinshart ist eine Abtei des Prämonstratenserordens in Speinshart in der Oberpfalz in der Diözese Regensburg. Die Anlage mit vier Flügeln ist im Barock entstanden. Die Stiftskirche mit dem Patrozinium Maria Immaculata ist heute Kloster- und Pfarrkirche.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Ein weitläufiges Waldgebiet, der sogenannte Spechtswald (althochdeutsch Spetheshart), lag im Hochmittelalter im Nordgau. Auf diesem Territorium stiftete das kinderlose Ehepaar Adelvolk und Richenza von Reifenberg vermutlich im Jahre 1145 das Kloster Speinshart. Auch die Brüder von Adelvolk, Eberhard (später Bischof von Bamberg mit dem Namen Eberhard II. von Otelingen) und Reinhold beteiligten sich durch Güter an der Ausstattung dieser Klosterstiftung.

Ob bereits bei der Stiftung des Klosters Chorherren aus dem Prämonstratenserkloster Wilten bei Innsbruck in Tirol – von dort kamen die ersten Prämonstratenser nach Speinshart – anwesend waren, kann mit letzter Sicherheit nicht gesagt werden. In einem päpstlichen Schutzbrief von 1181 wurden zum ersten Mal die Prämonstratenser in Speinshart urkundlich erwähnt. Die Lage in einem sumpfigen Tal entspricht aber der klassischen Ortswahl für ein Prämonstratenserkloster, da auch Prémontré – das erste Kloster des Ordens vom Heiligen Norbert von Xanten – in einem sumpfigen Tal lag. Dieses Indiz spricht dafür, dass das Kloster Speinshart tatsächlich für die Prämonstratenser gegründet wurde. In verschiedenen Orten der Region übernahmen die Prämonstratenser die Seelsorge und pflegten dort in den nächsten Jahrhunderten das religiöse und kulturelle Leben.

Das Kloster im Spätmittelalter[Bearbeiten]

Geleitet wurde der Konvent von einem Propst. Der erste Propst Grimo schloss sich 1147 dem zweiten Kreuzzug an. Unter Konrad IV. und Heinrich III. kamen gegen Ende des 13. Jahrhunderts zahlreiche Besitzungen zum Kloster Speinshart hinzu. Eine erste Blüte erlebte das Kloster im 15. Jahrhundert unter dem Propst Georg Ochs von Gunzendorf. Damals erhob Papst Pius II. das Kloster zur Abtei. Nun stand ein Abt dem Konvent vor und repräsentierte mit seinen Pontifikalien das hohe Selbstbewusstsein des Chorherrenstiftes.

Die Folgen der Reformationszeit[Bearbeiten]

Eine erste Zäsur in der Geschichte bildete die Reformationszeit. Unter dem Kurfürst Ottheinrich wurde im Jahre 1556 in der gesamten Oberpfalz die katholische durch die neue lutherische Lehre verdrängt; alle katholischen Riten und Praktiken wurden verboten. Abt Johann III. Georg von Gleißenthal heiratete mit Genehmigung des Landesherrn 1556 und konnte weiterhin seine Abtswürde behalten. Ende des genannten Jahres kam es zu einer Visitation, dabei wurde eine durchwegs protestantisch geprägte Einrichtung vorgefunden. Unaufhaltsam kam es zum Zusammenbruch der Abtei Speinshart, die schließlich säkularisiert und Staatsgut wurde.

Wiedererrichtung[Bearbeiten]

Aus dem Kloster Steingaden kamen 1661 unter dem Kurfürsten von Bayern Ferdinand-Maria wieder Prämonstratenser nach Speinshart. In den nächsten Jahrzehnten bemühte sich der neue Konvent um die bauliche Instandsetzung der Stiftskirche und des Konventtraktes. 1691 erlangte das Kloster wieder den Status einer Abtei. Wolfgang Dientzenhofer fertigte die Pläne für den 1696 vollendeten Kirchenbau. Die Gebrüder Carlo Domenico und Bartolomeo Lucchese aus Mellide am Luganer See fertigten die schwere barocke Dekoration im Inneren. Ihr italienischer Einfluss lässt sich nicht leugnen.

Barocke Frömmigkeit[Bearbeiten]

Der allgemeinen barocken Volksfrömmigkeit entsprachen die Chorherren von Speinshart um 1684 mit der Wiederbelebung der mittelalterlichen Wallfahrt zum Barbaraberg. Schließlich fertigte Pater Hugo Strauß Pläne für einen Neubau der Wallfahrtskirche im Stil des Rokoko. Von diesem von 1741 bis 1756 entstandenen Kirchenbau steht nur noch die monumentale Fassade.

In Speinshart entstand im 18. Jahrhundert auch die Verehrung des gegeißelten Heilands wie in der Wieskirche bei Steingaden. Hierfür entstand neben der Stiftskirche eine eigene Kapelle zum gegeißelten Heiland, die noch den Namen Wieskapelle trägt. Sie ist nun im Besitz des Landkreises Neustadt a. d. Waldnaab und dient verschiedenen kulturellen Veranstaltungen.

Der barocken Frömmigkeit ist auch das Gebet des Kreuzweges zuzurechnen. Michael Wild fertigte für die Stiftskirche 1745/46 den Kreuzweg mit 14 Stationen.

Säkularisation[Bearbeiten]

Abt Dominikus I. von Lieblein

Doch auch der barocke Prunk, der unter Abt Dominikus I. von Lieblein zur Mitte des 18. Jahrhunderts eine hohe Blüte erreichte, ging schließlich am Markustag, dem 25. April, im Jahre 1803 mit der Säkularisation zu Ende. Bereits zum zweiten Mal fiel das Kloster mit seinen Besitzungen an die weltliche Macht. Das Kloster kam zunächst in staatlichen Besitz und beherbergte in der Folgezeit unter anderem den Pfarrhof, eine Schule und das Forstamt.

Die zweite Wiedererrichtung[Bearbeiten]

Am 30. September 1921 kaufte der Prämonstratenserorden die weiträumige Klosteranlage auf Vermittlung des Münchner Domherrn Prälat Michael Hartig vom bayerischen Staat zurück. Am 2. Oktober 1921 zogen Prämonstratenser vom Stift Tepl im Egerland ein. 1923 bestätigte der apostolische Stuhl das Kloster wieder als Abtei mit allen Rechten. Zunächst übernahm Abt Gilbert Helmer von Tepl die Administration von Speinshart.

Das Kloster heute[Bearbeiten]

Der Konvent von Speinshart besteht gegenwärtig aus acht Chorherren. Drei Prämonstratenser aus dem Kloster Windberg und dem Kloster Roggenburg unterstützen die Gemeinschaft bei den verschiedenen Aufgaben der Pfarrseelsorge und bei der Organisation der umfangreichen Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen am Klostergebäude. Seit 2007 ist Abt Hermann-Josef Kugler von Kloster Windberg Administrator von Speinshart.

Stiftskirche[Bearbeiten]

Romanische Basilika[Bearbeiten]

Im späten 12. Jahrhundert legte man die Grundmauern für eine dreischiffige romanische Basilika, die auf dem sogenannten Stifterbild in der Eingangshalle der barocken Stiftskirche zu sehen ist. Teile dieser Grundmauern, nämlich die der Chorapsiden, konnten in den vergangenen Jahren bei Grabungen im Klostergarten sichergestellt werden. Auch am Mauerwerk sind Spolien der romanischen Basilika zu erkennen. Von einem gemalten Fenster dieser Kirche gibt es eine Nachzeichnung aus dem 17. Jahrhundert.

Barocker Neubau[Bearbeiten]

Als die alte romanische Klosterkirche 1691 abgebrochen war, begann der Neubau nach den Plänen von Wolfgang und Georg Dientzenhofer, die zwischen Prag und Würzburg mehrere bedeutende Bauwerke mitgeprägt haben. Der Rohbau war 1696 vollendet.

Innenausstattung[Bearbeiten]

Nun galt es, den Innenraum würdevoll auszustatten und zu gestalten. Abt Gottfried Blum beauftragte die italienischen Brüder Carlo Domenico (Stuckateur) und Bartolomeo (Maler) Lucchese mit der Dekoration. Die Künstlerbrüder gaben dem Raum mit der schweren barocken Ausgestaltung eine italienische Prägung. Die durch Pilaster und stark hervortretende Gesimsen gegliederten Wände gehen scheinbar fließend in die mit schweren Frucht- und Blütengirlanden dekorierte Decke übert. Kunstvoll umrahmt heben sich im Langhaus drei großformatige Deckenfresken hervor, die wiederum von kleinen, ebenfalls freskierten Medaillons umgeben sind. Im Chorraum ist die Deckendekoration noch dichter und enger zusammengefügt.

Carlo Domenico Lucchese fertigte auch den Hochaltar aus Stuck, dieser wurde erst 1714 farbig gefasst. Das Bild der Immaculata im Hochaltar stammt vermutlich von Antonio Triva, also ebenfalls von einem italienischen Künstler. Nach der Weihe des neuen Gotteshauses 1706 nahm der Innenraum erst nach einigen Jahren seine heutige Gestalt an. Die letzten Seitenaltäre weihte Abt Otto Peißner 1722.

In der repräsentativen Vorhalle des eigentlichen Kirchenraums ist das Gründungsereignis des Klosters an der Decke in Szene gesetzt. Geschaffen wurde dieses Fresko, das sogenannte Stifterbild, nach einer mittelalterlichen Vorlage, die nicht mehr existiert. Flankiert wird die Vorhalle links von der Nepomukkapelle und rechts von der Tauf- oder Silvesterkapelle. Der Innenraum stellt ein Gesamtkunstwerk dar: Architektur, Stuckatur, Malerei und die übrige Ausstattung stimmen gemeinsam in das Lob Gottes ein.

Klosterbau[Bearbeiten]

Kreuzgang im Kloster Speinshart

Der Konventtrakt, der sich über den Ost-, Süd-, und Westflügel der Anlage erstreckt, beherbergt die Wohn- und Arbeitsräume der Chorherren. Ab 1674 entstanden neue Gebäude für den Konvent. Die moderne barocke Vierflügelanlage fand erst nach Vollendung der Prälatur (Westflügel)1713 ihren Abschluss. Durch das Erdgeschoss zieht sich der großzügige Kreuzgang. An ihm sind unter anderem der Kapitelsaal und das Refektorium angegliedert.

Durch die beiden Obergeschosse zieht sich ebenso jeweils ein repräsentativer Gang. Im Nordtrakt, dem sogenannten Prälatenflügel, wo einst der Abt residierte, findet die „Internationale Begegnungsstätte Speinshart“ – das Bildungshaus des Klosters – neuen Räume. Die Deckengemälde in diesen Gemächern sind von Michael Wild gefertigt. Besonders interessant ist ein Gemälde in einem der Gastzimmer das den Empfang des Abtes von verschiedenen Gästen zeigt. Unter den Leuten geht auch Christus auf die Abtei zu und gliedert sich der vornehmen Gesellschaft an. Abt Dominikus I. von Lieblein begrüßt ihn.

Michael Wild fertigte auch ein perspektivisch gelungenes Deckenfresko in der Bibliothek. Leider wurde nach der Säkularisation in den Raum – der sich eigentlich über zwei Geschosse erstreckte – eine Zwischendecke eingezogen; so dass dieses Bildwerk nicht mehr wie ursprünglich gewünscht zur Wirkung kommt.

Die Höheren Oberen der Prämonstratenserabtei Speinshart[Bearbeiten]

Abtsthron im Kapitelsaal

Die Liste der Höheren Oberen der Prämonstratenserabtei Speinshart gliedert sich in vier Teile. Zunächst die Liste der Pröpste von der Gründung des Klosters 1145 bis zur Erhebung zur Abtei im Jahre 1459. Der zweite Teil nennt die Äbte bis zur Aufhebung in den Wirren der Reformation im Jahre 1557. Der dritte Teil beschäftigt sich mit den Äbten nach der Wiedererrichtung durch das Kloster Steingaden 1661 bzw. 1691 als man wieder zum ersten Mal einen Abt in Speinshart wählte. Die Säkularisierung bildet 1803 wieder eine starke Zäsur. Mit der Wiedererrichtung durch die Abtei Tepl in den Jahren 1921 bis 1923 beginnt die hier letzte und sich noch fortsetzende Liste.

Die Pröpste von Speinshart von 1145 bis 1459[Bearbeiten]

  • 1. Grimo, 1145–1151
  • 2. Wiggerus, 1151–1162
  • 3. Conradus I., 1162–1169
  • 4. Rudolf, 1169–1182
  • 5. Gotsalc, 1182–1203
  • 6. Godefridus, 1203–1211
  • 7. Hermannus, 1211–1219
  • 8. Heinricus I. de Osterhoven, 1219–1227
  • 9. Rupertus, 1227–1229
  • 10. Conradus II., 1229–1235
  • 11. Heribertus, 1235–1240
  • 12. Heinricus II., 1240–1246
  • 13. Cuno, 1246–1249
  • 14. Arnoldus, 1249–1253
  • 15. Conradus, III. 1253–1260
  • 16. Johannes, 1260–1279
  • 17. Conradus IV., 1279–1290
  • 18. Gothard, 1290–?
  • 19. Conradus V., ?–um 1303
  • 20. Heinrich III., 1303–1314
  • 21. Wolquinus I., 1314–um 1317
  • 22. Fridericus, 1317–1321
  • 23. Johannes, 1321–1332
  • 24. Volquinus II., 1332–1349
  • 25. Karel, 1349–1356
  • 26. Erhart Reutter, 1356–1367
  • 27. Gregor von Amberg, 1367–1369
  • 28. Martin von Erlbeck, 1369–1386
  • 29. Heinrich IV. Sack, 1386–1396
  • 30. Engelhart der Wilde, 1396–1406
  • 31. Conradus V. Kergl, 1406–1433
  • 32. Jordan von Newesser, 1433–1456
  • 33. Georg Taurus von Gunzendorf, 1457–1459

Die Äbte von Speinshart von 1459 bis 1557[Bearbeiten]

  • 1. Georg Taurus von Gunzendorf, 1459–1503
  • 2. Hermann Ochs von Wolframshof, 1503–1506
  • 3. Konrad I. von Wichsenstein, 1506–1522
  • 4. Johannes I. von Egloffstein, 1522–1539
  • 5. Johannes II. Gries, 1539–1552
  • 6. Johann III. Georg von Gleißenthal, 1552–1557

Die Äbte von Speinshart von 1691 bis 1803[Bearbeiten]

  • 1. Gottfried Blum, 1691–1711
  • 2. Otto Peißner, 1711–1734
  • 3. Dominikus I. von Lieblein, 1734–1771
  • 4. Eberhard Razer, 1771–1778
  • 5. Hermann-Josef von Brodreis, 1778–1788
  • 6. Guarinus Keiling, 1789–1794
  • 7. Dominikus II. Wagner, 1794–1803

Die Höheren Oberen von Speinshart seit 1921[Bearbeiten]

  • 1. Abt Gilbert Helmer (Abt von Tepl), Administrator, 1923–1944
  • 2. Prälat Gereon Motyka, 1944–1969
  • 3. Prälat Hermann-Josef Wolf, 1969–1992
  • 4. Prior Rainer Rommers (Prior von Roggenburg) Administrator, 1992–2000
  • 5. Abt Thomas Handgrätinger (Generalabt in Rom) Administrator, 2000–2006
  • 6. Abt Hermann-Josef Kugler (Abt von Windberg und Roggenburg) Administrator, seit 2006

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Prämonstratenserabtei Speinshart

Das Wappen der Abtei bezieht sich auf den Stifter des Klosters. Es zeigt auf roten Grund einen silbernen Turm. Das gleiche Wappen führte der Überlieferung nach auch Adelvolk von Reifenberg. Der Wappenschild ist mit der Mitra besetzt und stellt zusammen mit dem Hirtenstab dahinter die Abtswürden dar.

Auch die politische Gemeinde Speinshart trägt den Turm im Wappen. Als historischen Bezug zur Abtei zeigt das Gemeindewappen auch die Mitra.

Literatur[Bearbeiten]

  • Norbert Backmund: Die Chorherrenorden und ihre Stifte in Bayern. Augustinerchorherren, Prämonstratenser, Chorherren v. Hl. Geist, Antoniter. Mit einem Beitrag von Adalbert Mischlewski: Die Niederlassungen des Antoniterordens in Bayern, Passau 1966, S. 191–194
  • Hermann und Anna Bauer: Klöster in Bayern. Eine Kunst- und Kulturgeschichte der Klöster in Oberbayern, Niederbayern und der Oberpfalz. München 1985, S. 270–273
  • Hermann Lickleder: Die Urkundenregesten des Prämonstratenserklosterts Speinshart 1163–1557 (Speinshartensia. Beiträge zur Geschichte des Prämonstratenserklosters Speinshart 1), Speinshart 1995
  • Prämonstratenserabtei Speinshart (Hg.): 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart 1145–1995 (Speinshartensia. Beiträge zur Geschichte des Prämonstratenserklosters Speinshart 2), Speinshart 1995.
  • Annett Haberlah-Pohl, Münchberg (Historischer Atlas von Bayern Franken I/39), München 2011, S. 54

Weblinks[Bearbeiten]

49.78669511.820238055556Koordinaten: 49° 47′ 12″ N, 11° 49′ 13″ O