Kompensationsgeschäft

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Mit dem Begriff Kompensationsgeschäft (englisch: offset oder auch: offset agreement) werden in der Wirtschaft Handelsabschlüsse bezeichnet, bei denen eine Ware nicht ausschließlich mit Geld bezahlt werden muss, sondern im Zuge eines Gegengeschäfts ganz oder teilweise mit einer anderen Ware oder Dienstleistung beglichen wird. Kompensationsgeschäfte sind heute hauptsächlich im Import-Export-Geschäft üblich, wenn die Geschäftspartner oder Partnerländer finanzschwach bzw. devisenschwach sind. Eine Variante solcher Tauschgeschäfte im Inland über einen multilateralen Pool wird auch als Barter-Handel (en: barter transaction) bezeichnet. Weitere typische Begriffe sind Countergeschäft oder Verbundgeschäft.

Kompensationsgeschäfte im Außenhandel[Bearbeiten]

Kompensationsgeschäfte werden oft im Außenhandel abgewickelt, um Devisenprobleme zu vermeiden bzw. die Handelsbilanz ausgeglichen zu halten. Im Idealfall werden dabei Waren mit demselben Wert ins Ausland exportiert wie im Gegenzug von dort importiert werden. Die Wirtschafts- und Handelsministerien unterstützen und vermitteln oft solche Kompensationsgeschäfte, die auch mit dem Begriff Bartergeschäfte (Tauschgeschäft Ware gegen Ware) definiert werden.

Dabei können viele verschiedene Unternehmen beteiligt sein, die im grenzüberschreitenden Warenverkehr im Rahmen eines Kompensationsgeschäfts ihre Waren austauschen. Es geht dabei jedoch nicht um den geldlosen Tauschhandel, sondern es werden der Einfachheit halber alle Transaktionen zwischen den verschiedenen Beteiligten durchaus in Geldeswert beglichen. Letztlich soll aber der Geldrückfluss aus dem Verkauf und der Lieferung von Waren ins Ausland an bestimmte Unternehmen den Ankauf von Waren dieser Unternehmen kompensieren.

Kompensationsgeschäfte mit devisenschwachen Ländern können neue Märkte erschließen. Diese Länder sind dann in der Lage, z. B. Industrieprodukte zu importieren und im Gegenzug Rohstoffe zu exportieren. Neben den damit verbundenen Chancen gibt es natürlich auch Risiken, z. B. bei fallenden Rohstoffpreisen oder bei der Vermarktung der im Kompensationsweg erhaltenen Waren. Daher gibt es auch auf Kompensationsgeschäfte spezialisierte Handelsunternehmen.

Der Austausch von Realgütern zwischen Handelspartnern macht ca. 5 Prozent des gesamten Welthandels von 6 Billionen USD aus, das sind 300 Milliarden USD.

Kompensationsgeschäfte bei Wertpapieren[Bearbeiten]

Ein Kompensationsgeschäft bei Wertpapieren ist ein Handel, bei dem Käufe und Verkäufe innerhalb einer Bank ausgeglichen werden können, ohne eine Börse einzubeziehen.

In Deutschland haben sich die Banken freiwillig dem Börsenzwang unterworfen, sie gehen also in der Regel mit sämtlichen Wertpapierkäufen und -verkäufen an die Börse. Solche Kompensationsgeschäfte dürfen daher nur ausnahmsweise auf ausdrücklichen Wunsch eines Kunden erfolgen.

Kompensationsgeschäfte bei Rüstungsgütern[Bearbeiten]

Ein Spezialfall sind Kompensations-, Gegen- oder Offsetgeschäfte (in Englisch auch Industrial Participation) im Bereich von Rüstungsgütern. Kauft ein Staat für einen größeren Betrag bei einem Unternehmen aus einem anderen Land ein, so wird oft eine Kompensation (Offsetverpflichtung) fällig. Dies muss nicht im Vertrag vorgesehen sein, sondern kann in einem Gesetz geregelt werden, das funktioniert wie "Allgemeine Geschäfts- und Lieferbedingungen", und kann manchmal zu Überraschungen bei einem unbedarften Anbieter führen. Die Forderung auf Kompensation bei größeren Beschaffungsvorhaben ist in den meisten Staaten üblich, zuständig ist oft das Wirtschaftsministerium und nicht das Verteidigungsministerium. Es werden im Gesetz oder Vertrag Umfang (in % des Rüstungsgeschäfts, 30 bis 130 % ist üblich), Strafe bei Nichterfüllung, Dauer und Art der zugelassenen Kompensationsgeschäfte sowie eine amtliche Kontrollstelle definiert.

Unterschieden wird zwischen direkter oder indirekter Beteiligung, das erstere heißt direkte Fertigungsbeteiligung an dem Rüstungsgut (also Beistellung oder Lizenzfertigung etc. des Produktes, das gekauft wird), das zweite sind allgemeine Aufträge an die Industrie des Käuferlandes. Mit Multiplikations-"Faktoren" wird manchmal versucht, einzelne Branchen speziell zu fördern. Beispiel: Ein Auftrag an die Rüstungsindustrie des Käuferlandes wird mit dem "Faktor" 1,4 versehen, um einen Anreiz zu geben, diese Branche des eigenen Landes zu fördern.

Was "kompensationsfähige" Güter sind, hängt von den wirtschaftspolitischen Zielen im Käuferland ab. In Europa sind es meist Hightech-Industriegüter, keine Produkte aus Landwirtschaft, Bergbau, Dienstleistung, Rohwaren, Finanzprodukte usw. In wenig industrialisierten Ländern kann der Fokus auch auf allgemein Arbeitsplätze generierende Investitionen sein.

Ein Nichterfüllen der Kompensationverpflichtung innerhalb der vorgegebenen Dauer führt üblicherweise zu hohen Strafen von bis etwa 15 % und diese löst meist die Verpflichtung nicht endgültig ab. Auch riskiert der Schuldner auf eine schwarze Liste gesetzt zu werden.

Es gibt spezialisierte Unternehmen für die Abwicklung der Gegengeschäfte, diese verlangen meist eine einstellige Prozentsumme des totalen Geschäfts als Kommission und versuchen dann systematisch, den notwendigen Wert zu generieren. Auch gibt es webbasierte Plattformen und andere Tools, wo Firmen mit Offsetverpflichtungen einen Gegenpartner zum Erfüllen der Schuld suchen können.

Werden zwei Offsetverpflichtungen (der Industrie) von zwei Staaten gegenseitig verrechnet (zum Beispiel durch Antrag zweier Firmen mit je einer Schuld im anderen Land), redet man von einem "Swap" der Verpflichtungen.

Die staatspolitischen Begründungen für Offsetgeschäfte sind je nach Staat unterschiedlich, aber meist ist es ein Instrument, um Know-How oder Wertschöpfung für das eigene Land zu erhalten. Das führt manchmal aus innenpolitischen Gründen zu merkwürdigen Vorgängen. Kompensationsgeschäfte haben nichts mit Nepotismus oder Korruption zu tun, obwohl in Drittweltländern dies manchmal gefährlich nahekommt. Meist sind Dienstleistungs-, Agrar- und Bergbauprodukte ausgeschlossen, da deren Nachhaltigkeit begrenzt ist.

Im Widerspruch zu den allgemeinen Vorstellungen eines liberalen Welthandels ist in den letzten Jahren eine Zunahme des Verlangens nach (auch verkappter) Kompensation zu beobachten. Dies trifft auch für europäische Staaten zu. Die Gründe sind wohl in den Ängsten des Verlustes von Technologie sowie Arbeitsplätzen bei großen Auslandaufträgen zu suchen.

Siehe auch[Bearbeiten]

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