Konrad Grebe

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Konrad Grebe (* 7. Juni 1907 in Heiligenwald, heute Ortsteil von Schiffweiler; † 12. Juli 1972 in Wuppertal[1][2]) war ein deutscher Steiger und Erfinder. International bekannt ist er als Vater des Kohlenhobels.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft, Ausbildung und erste Berufsjahre[Bearbeiten]

Der im Saarrevier geborene Sohn eines Grubeninspektors begann als Vierzehnjähriger seine bergmännische Laufbahn in den Werkstätten der Grube Reden in Landsweiler-Reden. Nach Abschluss der Bergvorschule in Neunkirchen und der Elektrosteigerklasse der Bergschule in Bochum trat er 1931 als Hilfssteiger in den Dienst der Steinkohlenbergwerke Ibbenbüren der Preußischen Bergwerks- und Hütten AG (Preussag). 1933 wurde er dort zum Steiger, 1935 zum Reviersteiger und 1938 zum Elektrofahrsteiger befördert.[3][4] Als Maschinen- und Elektroobersteiger leitete er den Maschinen- und Elektrobetrieb unter Tage.[5]

Erfinder des Kohlenhobels[Bearbeiten]

Kohlenhobel-Denkmal in Ibbenbüren

In diesen Jahren hatte sich Grebe bereits betriebsintern einen Namen als Tüftler und Erfinder gemacht, hielt mehr als ein Dutzend Patente, darunter eines für ein elektrotechnisches Gerät, das die Grubensicherheit erhöhte.[6] Um 1937 erfand er in enger Zusammenarbeit mit seinem Team den Kohlenhobel. Erste Versuche mit einem schälend arbeitenden Kohlengewinnungsgeräts gab es bereits zur Jahreswende 1936/37.[7] Dazu hatte man bereits 1936 im Ibbenbürener Bergwerk bereits eine Klappförderrinne entwickelt. Die ersten Versuche mit einer an einer Grubenschiene angeschweißten Schneide verliefen jedoch nicht völlig befriedigend. Auch bei einer 1939 gebauten Konstruktion aus Schrapperkasten mit beiderseitigen Schneiden gab es noch verschiedene technische Probleme. Anfang 1940 gab es zudem Versuche mit einem pflugartigen Aufreißer.[7] Aus den Erkenntnissen all dieser Vorversuche wurde schließlich im Juni 1941 ein Modell entwickelt, das fast schon dem späteren Kohlehobel entsprach. Der anhand dieser Vorlage gebaute Ur-Hobel kam im September 1941 in einem Restpfeiler des Flözes Glücksburg erstmals zu Einsatz und wurde bis zum Jahresende nochmals weiter verbessert.[8] Damit war der einsatztechnische Durchbruch gelungen, und am 24. März 1942 folgte die Patentanmeldung als „Abbau- und Lageanlage, insbesondere für niedrige Flöze in Erz-, Kohle- bzw. Salzbergwerken“ durch die Preussag beim Reichspatentamt.[8]

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Reichsvereinigung Kohle einen Wettbewerb zur „Förderung der maschinellen Kohlengewinnung“ gestartet, bei dem sie einen Preis von 60.000 Reichsmark für denjenigen aussetzte, dem es gelang, eine Maschine zu bauen, mit der bei der Förderung von 100 Tonnen Kohle drei Mann eingespart werden konnten. Die Preussag meldete Grebes Kohlenhobel im Juni 1942 zu dem Wettbewerb an und erbrachte den Nachweis, dass sich mit dessen Konstruktion sogar neun Mann einsparen ließen. Bereits Ende August 1942 erhielt der Erfinder die 60.000 Mark und zum Ende des Jahres von der Reichsvereinigung Kohle weitere 60.000 Mark, weil er durch Verbesserungen seinen Kohlenhobel auch für ganz niedrige Flöze einsatzfähig gemacht hatte.[9][10] Am 1. Mai 1943 wurde Konrad Grebe schließlich während einer Tagung der Reichsarbeitskammer im Mosaiksaal der Reichskanzlei als neunter „schaffender Deutscher“ mit dem Ehrenzeichen Pionier der Arbeit ausgezeichnet.[4]

Was ihn zu seiner Erfindung bewogen hatte, erläuterte er 1943 mit diesen Worten:

„Ich war als Steiger sehr oft vor Ort und wunderte mich immer, weshalb in unserem technischen Zeitalter die Maschine noch nicht bis in den Streb vorgedrungen war. Ich sah die Hauer mit Spitzhacken und Preßlufthämmern die Kohle losschlagen. Ich sah, wie sie schwitzten und schufteten und dachte mir: Überall hat die Maschine das Los der Menschen erleichtert. Warum nicht auch hier?[11]

Grebes Erfindung stieß umgehend auf großes Interesse in den bergbaulichen Fachkreisen, und bereits im August 1942 gab es erste Besprechungen mit der Zulieferindustrie, damit diese die Neuentwicklung in ihr Produktionsprogramm aufnahm. Im gleichen Jahr startete man noch erfolgreiche Versuche mit selbst gebauten Hobeln in 14 Schachtanlagen des Ruhrreviers.[4] Der Hobel erhielt die Bezeichnung Einheitshobel, wurde aber wegen seiner Entwicklungsfirma auch Preußenhobel genannt.[4] Damit begann der Siegeszug der mechanisierten Kohlengewinnung, der sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs auch im ausländischen Bergbau fortsetzte. Ibbenbüren wurde dadurch als „Wiege des Kohlenhobels“ international bekannt.[4]

Weiterer Berufsweg nach Kriegsende[Bearbeiten]

Grab von Konrad und Luise Grebe auf dem Zentralfriedhof Ibbenbüren

Konrad Grebe setzte nach Kriegsende seine Tätigkeit als Erfinder von Bergbaumaschinen bei der Zulieferindustrie und ab 1949 im eigenen Ingenieurbüro in Wuppertal-Elberfeld fort.[9][5] Auch seine späteren Erfindungen hingen fast alle mit der Rationalisierung des Bergbaus zusammen. 1950 entwickelte sein Büro einen umlaufenden, kurvengängigen Endlos-Förderer für die Zechen Victor und Ickern in Castrop-Rauxel.[12] Dieses Hemscheidt-Grebe-Kurvenband wurde von der Salzgitter-Maschinen-AG in Lizenz gebaut.[5] Ebenfalls sehr bekannt wurde das Schrämkeilverfahren zur Kohlengewinnung.[4]

Insgesamt hielt Grebe weit über 100 Patente.[2] 1962 ehrte ihn das Deutsche Institut für Erfindungswesen (DIE) mit der Verleihung der Rudolf-Diesel-Medaille in Gold.[5]

Konrad Grebe starb nur wenige Wochen nach seinem 65. Geburtstag am 12. Juli 1972 in Wuppertal Seine letzte Ruhe fand er auf dem Zentralfriedhof Ibbenbüren.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Hans Röhrs: Die Wiege des Kohlenhobels (mit Kurzbiografie Konrad Grebes) im Webauftritt der RAG Anthrazit Ibbenbüren
  • Klaus Rotte: Kohlenhobel revolutionierte Bergbau: Konrad Grebe – Pionier der Arbeit. In: Ibbenbürener Volkszeitung vom 30. Dezember 1998

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Todesanzeige der Familie in der Ibbenbürener Volkszeitung vom 18. Juli 1972
  2. a b c N.N.: Konrad Grebe †. Kurzer Nachruf in: Ibbenbürener Volkszeitung vom 19. Juli 1972
  3. Kurzbiografie Grebes im Webauftritt der RAG Anthrazit Ibbenbüren; abgerufen am 31. Juli 2012
  4. a b c d e f Hubert Rickelmann und Hans Röhrs: Der Ibbenbürener Steinkohlenbergbau von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schöningh, Paderborn, München, Wien und Zürich 1987, S. 149
  5. a b c d Notiz unter Ibbenbürener Mosaik. In: Ibbenbürener Volkszeitung vom 10. November 1962
  6. Klaus Rotte: Kohlenhobel revolutionierte Bergbau: Konrad Grebe – Pionier der Arbeit. In: Ibbenbürener Volkszeitung vom 30. Dezember 1998
  7. a b Hubert Rickelmann und Hans Röhrs: Der Ibbenbürener Steinkohlenbergbau von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schöningh, Paderborn, München, Wien und Zürich 1987, S. 144
  8. a b Hubert Rickelmann und Hans Röhrs: Der Ibbenbürener Steinkohlenbergbau von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schöningh, Paderborn, München, Wien und Zürich 1987, S. 147
  9. a b N.N.: Konrad Grebe. der Erfinder des Kohlenhobels war lange an der Ibbenbürener Preußag tätig. In: Ibbenbürener Volkszeitung vom 24, November 1962
  10. Nach anderen Quellen wurde das Geld dem Ibbenbürener Bergwerk zugesprochen; vgl. Hubert Rickelmann und Hans Röhrs: Der Ibbenbürener Steinkohlenbergbau von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schöningh, Paderborn, München, Wien und Zürich 1987, S. 149
  11. Konrad Grebe 1943 gegenüber einem Journalisten; hier zitiert nach: Klaus Rotte: Kohlenhobel revolutionierte Bergbau: Konrad Grebe – Pionier der Arbeit. In: Ibbenbürener Volkszeitung vom 30. Dezember 1998
  12. Angaben auf der Homepage zur Geschichte der ehemaligen Steinkohlenzeche Victor-Ickern; abgerufen am 31. Juli 2012