Kronkorken

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abbildung zu dem Patent zum Kronkorken (1892)

Ein Kronkorken, Kronenkork oder Kronenkorken ist ein kreisförmiges Blechstück, dessen Rand kronenförmig gebogen und mit einer Einlage aus Presskork, Polyvinylchlorid (PVC) oder Polyethylen (PE) versehen ist. Der Kronkorken dient dazu, Getränkeflaschen luftdicht zu verschließen. Zum Öffnen einer durch Kronkorken verschlossenen Flasche wird ein Werkzeug, zumeist ein Flaschenöffner, benötigt.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Kronkorken

Der Kronkorken wurde von dem Erfinder William Painter (1838–1906) aus Baltimore 1892 zum Patent angemeldet. Er nannte seine Erfindung „Crown Cork“ − Kronkorken.[1]

Der Kronkorken wurde in den USA zunächst bei Bierflaschen eingesetzt und löste den Bügelverschluss bald größtenteils ab, da er in der Herstellung deutlich günstiger und der Verschließungsprozess wesentlich schneller ist. Durch den Erfolg dieses Produktes gründete Painter bereits im April 1893 die Firma „Crown Cork and Seal Company“, heute einer der größten Hersteller für Kronkorken und andere Getränkeartikel. Painter inspirierte mit seinem Erfolg King Camp Gillette zur Erfindung der Rasierklinge.

Zweckmäßig ist, dass Schaumweine (Champagner, Sekt) mit klassischer Flaschengärung in der Gärphase zunächst mit Kronkorken (Bidule) verschlossen werden. Nach Einfrieren des Flaschenhalses wird der Kronkorken automatisch geöffnet und der gefrorene Hefepfropf durch den Kohlendioxiddruck „herausgeschossen“ (Dégorgement). Erst danach wird die Flasche mit dem üblichen Sektkorken verschlossen.

Technischer Aufbau und Herstellung[Bearbeiten]

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Bei Glasflaschen, deren Mundstücke in Deutschland gemäß der Norm DIN 6094 hergestellt werden, ist die Norm für die passenden Kronkorken die DIN 6099. Im Folgenden sind die Abmessungen (in mm) aufgeführt:[2]

Kapsle z polskich piw.jpg
Beispiel einer Kronkorkensammlung
Caps.JPG
Gorker.jpg
Dichtungs–„Innenleben“ auf den Unterseiten der Kronkorken
in mm +/- in mm
Innendurchmesser: 26,75 00,15
Höhe: 6,00 00,15
Außendurchmesser: 32,10 00,2
Radius: 16,05 00,25
Blechdicke: 0,235 00,02

Der heute übliche Kronkorken weist weltweit 21 Zacken auf. Ursprünglich waren es 24 Zacken. Ein Grund für die Änderung war eine Reduzierung des Flaschenhalsdurchmessers. Zudem trägt die ungerade Anzahl der Zacken maßgeblich zur prozesssicheren Zuführung der Kronkorken zum Verschließerorgan bei. Kronkorken mit einer geraden Anzahl von Zacken verkanten leichter, da sich so zwei Zacken genau gegenüberliegen. Die Blechtafeln (verzinnte Weißblech- oder Chromblechtafeln nach Euro-Norm EN 10.202) für die Kronkorken können nach beidseitiger, transparenter oder farblicher Lackierung als zusätzlichen Schutz gegen Korrosion und Grundierung für die Druckfarben auch im Offset-Verfahren nach Kundenwünschen bedruckt werden. Dabei druckt die Fabrik in den meisten Fällen auch ihr Signet – das Randzeichen – so mit auf, dass es beim auf der Flasche sitzenden Kronkorken an der Seite auf den Zacken zu erkennen ist. Zusätzlich können auch farbliche Markierungen für „Sammelaktionen“ in die Innenseite der Kronkorken eingebracht werden. Aus diesen Tafeln werden dann auf speziellen doppeltwirkenden Pressen (mit zwei ineinanderlaufenden Stößeln), die in der Regel die ganze Tafel verarbeiten, die Kronkorken gestanzt. Dabei erhält der Kronkorken seine typische 21-zackige Form.

Dichtung[Bearbeiten]

In einem zweiten Arbeitsgang wird die Dichtung, heutzutage meist aus Folien oder Formlingen von Polyethylen, PVC oder PVdC eingesetzt, um einen sicheren formbündigen Verschluss zu garantieren. Flüssig aufgeschäumte und mit Weichmachern eingetragene Einlagen werden heute nicht mehr verwendet.

Je nach Land etwas unterschiedlich bestanden bis Anfang der 1970er Jahre viele dieser Dichtungen noch aus Kork oder Alufolie auf Kork. In Südosteuropa, zum Beispiel im damaligen Jugoslawien und Bulgarien, wurden sie sogar bis in die 1980er Jahre verwendet. Heutzutage tragen noch einige Milchprodukte Korkeinlagen.

Hersteller[Bearbeiten]

In Deutschland werden Kronkorken derzeit (Stand 2013) noch von der Rauh GmbH & Co. Blechwarenfabrikations-KG in Küps (Randzeichen RRK), der Helmut Brüninghaus GmbH & Co. KG in Versmold (Randzeichen HB), der Delmenhorster Kork-Fabrik (Randzeichen DKF) und der Blechwarenfabrik Limburg GmbH (Randzeichen BL) hergestellt. In Österreich produziert noch die Frais Flaschenverschlüsse GmbH in Stockerau (Randzeichen JF, von Josef Frais), in der Schweiz hat 2007 die letzte Fabrik (Ernst AG Verpackungen in Küsnacht) die Kronkorkenproduktion eingestellt.

Varianten[Bearbeiten]

Mittels einer besonderen Gestaltung des Flaschenhalses ist es auch möglich, einen Kronkorken als Schraubverschluss zu verwenden, so dass er ohne Flaschenöffner geöffnet und auch wieder verschlossen werden kann („Twist Top“ oder „Twist-off“). Das Prinzip findet sich bei französischen, südafrikanischen, australischen, südostasiatischen (San Miguel), US-amerikanischen und selten bei österreichischen und schweizerischen Bierflaschen − beispielsweise Zipfer Sparkling, Ottakringer kühles Blondes, Eichhof (CH) und 0,3 l Einwegflaschen der Stieglbrauerei zu Salzburg.

Eine weitere Neuerung ist der von der österreichischen Ottakringer Brauerei entwickelte so genannte Frischeverschluss, bei dem in den Kronkorken eine Kunststofflippe eingearbeitet ist, die bis in den Flaschenhals reicht. Daraus soll laut Hersteller eine geringere Kohlensäureentweichung während der Lagerung resultieren. Ein weiterer Vermarktungsaspekt liegt in dem beim Öffnen der Flasche entstehenden Plopp-Geräusch.

Der Firma D'Angelico & Dietrich Acoustic Consult wurden international zwei Patente erteilt, mit denen sich der Klang beim Öffnen von kohlensäurigen Getränken mit Kronenkorkenverschlüssen ändern lässt. Das erste Patent ermöglicht  − je nach Ausführung  − die Erzeugung eines champagnerartigen Knalleffekts bzw. eines Pfeifgeräuschs. Das zweite Patent erlaubt knirschende oder zerbrechende Geräusche. Die Klänge wurden Champagne, Fresh und Crush benannt und werden vom Patent Invest Fonds der Credit Suisse zur weltweiten Vermarktung vertrieben.

Eine Variante des Kronkorkens ist die sogenannte Abziehlasche. Diesen Verschluss kann man ohne Werkzeug durch Aufziehen der integrierten Lasche mit den Fingern öffnen.

Abziehlasche der Weldebräu

Begriff „Schlafmützen“[Bearbeiten]

Im Bereich der Abfüllung und Produktion bezeichnet man den Kronkorken-Verschluss auch als Schlafmützen. Der Begriff entstand Ende des 19. Jahrhunderts, weil in der damaligen Zeit die Schlafmützen einen gezackten Schnitt besaßen, ähnlich dem von Kronkorken. Speziell im Bereich der Produktionskontrolle spricht man heute noch von der „Schlafmützenkontrolle“. Es gibt hierbei unterschiedliche technische Verfahren für die Qualitätssicherung, mit deren Hilfe der korrekte Sitz von Kronkorken überprüft wird:

  • Überprüfung einer regelmäßigen/gleichmäßigen Deckelspannung der Schlafmützen
  • Mit Hilfe akustischer Signale wird die Schlafmütze zum Schwingen gebracht, wobei das Schwingungsverhalten Aufschluss über den korrekten Sitz gibt.
  • Optische Kontrolle mit Hilfe einer Kamera, wobei ein Computer den symmetrischen Sitz prüft
  • Kontrolle mittels einer Kronkorkenschablone (Prinzip einer Lehre), die mindestens zwei Durchmesser aufweist: Der Durchmesser 28,8 mm muss locker ohne Kraftaufwendung über den Kronkorken passen; beim Durchmesser 28,6 mm muss der Kronkorken stecken bleiben.

Andere Verwendungen[Bearbeiten]

Kronkorken mit Werbung

Für Kronkorken gibt es auch Nutzungen die über den Flaschenverschluss hinausgehen.

  • Gut geeignet sind sie für eine Variante des von Kindern und Jugendlichen praktizierten Geschicklichkeitsspiels Englisch Fußball.
  • Im Kunst- und Musikunterricht an Grund- und Sonderschulen dienen sie zur Anfertigung von Rassel- und Geräuschinstrumenten.
  • In Ländern der dritten Welt verwendet man Kronkorken unter anderem als Spielsteine beim Damespiel. Die schwarzen Figuren zeigen dabei die Rückseite, die weißen die Innenseite; in beiden Varianten lassen sie sich leicht zu einer Dame stapeln.
  • Auf die gleiche Weise kann man mit den Kronkorken Mühle oder andere Spiele, bei denen zwei unterschiedlich farbige Spielsteine vorkommen, spielen.
  • Bei einer bestimmten Art von Seifenhaltern wird ein Kronkorken in ein Stück Seife gedrückt, das dann von einem Magneten gehalten wird.
  • Kronkorken erfreuen sich wachsender Beliebtheit bei Sammlern. Der Wert variiert und hängt je nach Sammelart davon ab, wie alt oder wie selten der Kronkorken ist, ob er fabrikneu ist oder von einer Flasche entfernt wurde. Ein kostenloser Online-Katalog ist beispielsweise auf Colnect zu finden.
  • Inzwischen existieren aufgrund der gestalterischen Vielfalt der Flaschenverschlüsse zahlreiche Ansätze zur weiteren Verarbeitung der Kronkorken, zum Beispiel zu Schmuckstücken oder Dekorationsgegenständen
  • Abfalltechnisch stellen Kronkorken einen recyclingfähigen Rohstoff dar. In Deutschland ist daher die vom Restmüll getrennte Entsorgung als Verpackung gemäß dem grünen Punkt vorgesehen.
  • Hobbykünstler verwenden Kronkorken als Material für Kunstwerke unterschiedlicher Ausführungen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Patent Nr. 468,258 mit der 24er Zackenkrone vom 2. Februar 1892, bei Google patents
  2. Handbuch der Fülltechik abgerufen am 27. Juni 2009

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kronkorken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien