Stockerau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stockerau
Wappen von Stockerau
Stockerau (Österreich)
Stockerau
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Korneuburg
Kfz-Kennzeichen: KO
Fläche: 37,44 km²
Koordinaten: 48° 23′ N, 16° 13′ O48.38583333333316.210833333333176Koordinaten: 48° 23′ 9″ N, 16° 12′ 39″ O
Höhe: 176 m ü. A.
Einwohner: 16.127 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 431 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 2000, 2003
Vorwahl: 0 22 66
Gemeindekennziffer: 3 12 30
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
2000 Stockerau
Website: www.stockerau.at
Politik
Bürgermeister: Helmut Laab (SPÖ)
Gemeinderat: (2010)
(37 Mitglieder)
18 SPÖ, 12 ÖVP, 4 FPÖ, 3 Grüne
Lage der Stadt Stockerau im Bezirk Korneuburg
Bisamberg Enzersfeld im Weinviertel Ernstbrunn Großmugl Großrußbach Hagenbrunn Harmannsdorf Hausleiten Korneuburg Langenzersdorf Leitzersdorf Leobendorf Niederhollabrunn Rußbach Sierndorf Spillern Stetteldorf am Wagram Stetten Stockerau NiederösterreichLage der Gemeinde Stockerau im Bezirk Korneuburg (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Stockerau ist mit 16171 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014)[1] die größte Stadt des Weinviertels in Niederösterreich.

Der Name Stockerau leitet sich angeblich aus der Zusammensetzung Stocker-Au ab: die Au der Holzfäller. Die Stockerauer Au - der Flusswald zwischen der Stadt und der Donau - ist heute noch ein wichtiges Erholungsgebiet für die Stockerauer, auch wenn durch den Bau des Donaukraftwerks Greifenstein merkliche Eingriffe in Landschaft und Ökosystem stattgefunden haben. Das Gebiet steht seit 1994 unter Naturschutz.

Stockerau wird auch „Lenaustadt“ genannt, da der Dichter Nikolaus Lenau in seiner Jugend hier oft Zeit bei seinen Großeltern verbracht hat.

Geografie[Bearbeiten]

Stockerau ist die größte Stadt im Weinviertel und liegt 25 km nordwestlich von Wien am Nordrand des Tullner Beckens, nur wenige Kilometer von der Donau entfernt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende drei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[2]):

  • Oberzögersdorf (249)
  • Stockerau (15038)
  • Unterzögersdorf (337)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Oberzögersdorf, Stockerau und Unterzögersdorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Um 791 siedelten sich mit den in der Au arbeitenden Holzfällern die ersten Menschen an der Stelle des heutigen Stockerau an. 1012 wurde Stockerau in Zusammenhang mit dem Heiligen Koloman erstmals urkundlich als „Stoccaerouwe“ erwähnt. Koloman war ein irischer Wandermönch, der von den Stockerauern getötet wurde, da sie seine Sprache nicht verstanden und ihn für einen Spion hielten. Als der morsche Baum, an dem er erhängt wurde, wieder zu sprießen begann, spätestens aber, als sein Grab bei einer Überschwemmung wie durch ein Wunder verschont blieb, war man überzeugt davon, dass man es hier mit jemandem zu tun hatte, der offenbar in Gottes Gnade stand. Der Holunderstrauch, an dem Koloman angeblich erhängt wurde, wächst heute noch an der Rückwand des Klosters der Steyler Missionsschwestern St. Koloman, des so genannten „Klösterls“.

Stockerau (Mitte unten) und Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

1014 erfolgte die Gründung der Pfarre Stockerau. Am 5. April 1465 erhielt Stockerau von Kaiser Friedrich III. das Marktrecht verliehen. 1514 bekam die Marktgemeinde von Maximilian I. Wappen und Siegel als Zeichen besonderer kaiserlicher Gunst. Das Wappen zeigt auf rot-weiß-rotem Hintergrund einen jungen Baum, der aus einem morschen Baumstumpf herauswächst, eine Erinnerung an den Heiligen Koloman, aber auch an die „Stocker“ als Gründer von Stockerau.

Zwischen 1722 und 1726 erfolgte der Bau des 88 m hohen Kirchturms (höchster Kirchturm Niederösterreichs). 1738 bis 1740 entstand das Rathaus. Der Dichter Nikolaus Lenau lebt von 1818 bis 1822 in Stockerau und beginnt hier zu dichten.

1841 wurde die dritte Bahnlinie Österreichs von Wien-Jedlesee nach Stockerau eröffnet. Auf dieser Linie verkehren heute die Schnellbahnzüge nach Wien. Durch den Bau der Bahnlinie konnte die lokale Industrie sich stark entwickeln. Eine Reihe von Unternehmen erbauten ihre Fabriken in der Gegend, unter anderem für Textilien, Kerzen, Seifen, Parfums, Nahrungsmittel, Leder, Chemie und Maschinen, usw.[3] Ein bedeutendes Unternehmen war Jos. Stefsky, Posamentier- und Schnürwaren-Fabrik und k.u.k. Hoflieferant. Am 29. August 1893 wurde Stockerau von Kaiser Franz Joseph I. zur Stadt erhoben.

1962 war die Eröffnung der Schnellbahnverbindung Wien - Stockerau. 1964 begannen die Stockerauer Festspiele mit Jean Anouilhs „Jeanne oder die Lerche“. 1966 war die Eröffnung des Erholungszentrums. Die Stockerauer Au wurde 1994 zum Naturschutzgebiet erklärt. 2006 trat Stockerau dem Regionalentwicklungsverein 10 vor Wien bei.

Geschichte des Namens „Stockerau“[Bearbeiten]

  • 1012: Stoccaerouwe erste urkundliche Nennung
  • 1070: Stockarawe Nennung in den Annalen von Niederaltaich
  • 1122: Stocchaeroaw in den Melker Annalen
  • 1230: Stokkerowe in einer Heiligenkreuzer Urkunde
  • 1327: Stockherau in einer Urkunde Friedrichs des Schönen
  • 1465: Stockherau in der Markterhebungsurkunde Kaiser Friedrichs III.
  • 1514: Stockheraw in der Wappenverleihungsurkunde Kaiser Maximilians I.
  • 1517: Stockerau in der Urkunde über die Verleihung des Michaelimarktes

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung Stockeraus hat seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fast ununterbrochen zugenommen. Eine markante Abnahme der Bevölkerung gab es lediglich während der Kriegsjahre von 1939 bis 1951.

Auch seit der vorletzten Volkszählung im Jahr 1991 hat die Bevölkerung um 6,2 Prozent zugenommen, was auf die positive Wanderungsbilanz (+8,1 %) zurückzuführen war, während die Geburtenbilanz negativ war (-1,9 %). Stockerau zählt zum sogenannten Speckgürtel im Wiener Umland.

Religionen[Bearbeiten]

Die Mehrheit der Einwohner Stockeraus (72,5 %) ist römisch-katholisch. Evangelisch sind 3,8 %, orthodox 1,2 %. Zum Islam bekennen sich 3,6 %. 15,8 % sind ohne religiöses Bekenntnis.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[4][Bearbeiten]

  • 1893–1908 Julius Schaumann
  • 1908–1912 Josef Weineck
  • 1912–1914 Wenzel Kreuz
  • 1919–1927 Eduard Rösch
  • 1927–1933 Josef Wolfik
  • 1933–1938 Johann Schidla
  • 1938-1945 Heinrich Mayrl
  • 1945–1970 Josef Wondrak
  • 1970–1979 Franz Blabolil
  • 1979–2006 Leopold Richentzky
  • 2006-0000 Helmut Laab

Partnerstädte[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Stockerau

Theater[Bearbeiten]

Das Lenautheater in Stockerau zeigt in ganzjährigem Spielbetrieb Theater, Musik und Kabarettaufführungen. Künstlerischer Leiter ist Richard Maynau.

In den Sommermonaten Juli und August finden die Stockerauer Festspiele auf dem Platz vor der Stadtpfarrkirche statt. Intendant der Stockerauer Festspiele ist ab 2013 Zeno Stanek.

Museen[Bearbeiten]

In Stockerau gibt es zwei Museen:

Bauwerke[Bearbeiten]

Turm der Stadtpfarrkirche

Folgende Bauwerke von Stockerau sind besonders hervorzuheben:

  • die dem Heiligen Stefan geweihte barocke Stadtpfarrkirche mit dem mit 88 m höchsten Kirchturm Niederösterreichs
  • das Rathaus, das in den Jahren 1738 bis 1740 erbaut wurde
  • die Lutherkirche: vormals Synagoge, der in der NS-Zeit ein Glockenturm aufgesetzt wurde

Parks[Bearbeiten]

  • Stadtpark im Zentrum von Stockerau
  • Marienhöhe, Grüngebiet am nordwestlichen Stadtrand
  • Schaumannpark

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Die Stockerauer Au ist seit 1994 Naturschutzgebiet. Sie ist eine der letzten großen zusammenhängenden Auen Mitteleuropas. Die Stockerauer Au wird von einem sogenannten Gießgang bewässert. Dieser Gießgang ist ein künstlich geschaffener Fluss, der im Zusammenhang mit der Errichtung des Donaukraftwerkes Greifenstein im Jahr 1984 fertiggestellt wurde. Durch das Bewässerungssystem sind viele neue Wasserlebensräume wie Feuchtwiesen und Teiche entstanden.

Sport[Bearbeiten]

In Stockerau befindet sich ein großes Erholungszentrum mit Freibad, Hallenbad und Kunsteislaufplatz. Darüber hinaus bietet die nahe gelegene Au Erholung sowie weitere Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Außerdem befindet sich in Stockerau das Sportzentrum Alte Au, bestehend aus einem Fußballstadion, einer Sporthalle und einer Mehrzweckhalle (Millenniumshalle, eröffnet 1999). Das Stadion Alte Au ist Heimstätte des Fußballvereins SV Stockerau, der vor allem in den frühen 1990er Jahren als Zweitligist mit dem ÖFB-Cupsieg gegen den SK Rapid Wien, der Teilnahme am Supercupendspiel gegen FK Austria Wien und den knappen Niederlagen im Europacup der Cupsieger gegen Tottenham Hotspur für Furore sorgte.

Außerdem besitzt Stockerau eine hervorragende Handballmannschaft, den UHC Stockerau.

Speziell hervorzuheben ist das Leistungszentrum für Judo und Tischtennis. Das Tischtenniszentrum ist auch immer wieder Schauplatz der Trainings der österreichischen Nationalmannschaft. Hier spielt auch der österreichische Topverein UTTC-Stockerau.

Des Weiteren befindet sich ca. drei Kilometer nördlich von Stockerau ein Sportflugplatz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Stockerau liegt direkt an der Autobahn A22 sowie an der Nordwestbahn und verfügt somit über gute Verkehrsanbindungen. Die S-Bahn-Linien S3/S9 und S5/S6 verbinden Stockerau mit Wien, Wiener Neustadt und Hollabrunn; zusätzlich verkehren Regionalzüge Richtung Wien, Retz und Krems.

Ebenso betreibt der FSV2000, Flugsportverein Stockerau, am nördlichen Stadtrand einen Flugplatz, der das Anfliegen mit Privatmaschinen erlaubt.

Energiewirtschaft[Bearbeiten]

Die Weinviertler Energie GmbH & Co KEG betreibt einen Windpark mit 4 Windenergieanlagen. Bei einer Gesamtleistung von 2,4 MW werden jährlich 3,5 Millionen kWh elektrischer Strom produziert.

Das Kraftwerk Greifenstein in der Donau erzeugt mit einer Engpassleistung von 293 MW jährlich 1.717,3 GWh Strom. Betreiber ist die VERBUND Hydro Power AG, eine Tochter der Verbund AG.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Jos. Stefsky Posamentir- und Schnürwaaren-Fabrik in Stockerau (um 1898)

Folgende international agierende Unternehmen stammen aus Stockerau bzw. haben dort ihren Firmensitz:

  • ASOTRA Internationale Spedition- und Transport- Gesellschaft m.b.H.
  • J.u.A. Frischeis, Großhändler für Holz und Holzwerkstoffe (Umsatz 2004 ca. 270 Millionen Euro)
  • ISOVER Austria (vormals TEL-Mineralwolle), Dämmstoffprodukte (Umsatz 2003 ca. 50 Millionen Euro)
  • Vogel Pumpen, Hersteller von Pumpen (Umsatz 2004 ca. 45 Millionen Euro)
  • Peter Max, Möbelproduktion und -handel
  • WEINLINGER Ges.m.b.H, Kiesgewinnung, Erdbau, Transporte, Taxi
  • MOLL - MOTOR, Mechatronische Antriebstechnik GmbH (Umsatz 2005 ca. 11 Millionen Euro)
  • M-U-T Maschinen, Umwelttechnik, Transportanlagen (Umsatz 2003 ca. 23 Millionen Euro)
  • Cimbria Heid, Agrarmaschinen (Umsatz unbekannt)
  • RedCon - Ing. Felix Redl (IT-Dienstleistungsunternehmen)
  • Würfel Handel- u. Dienstleistungs GmbH, Elektro Unternehmen, Handel mit Mutterbedarfsartikel
  • DeWitt, Möbelproduktion und -handel
  • Messtechnik Neulinger & Partner GmbH - Handel und Entwicklungen von Messgeräten, Lasermesstechnik, Kundenapplikationen
  • Jos. Stefsky - Posamentier- und Schnürwaren-Fabrik
  • Kanzlei Contact - Kauntz KG - Immobilientreuhänder

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Ämter und Behörden[Bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten]

  • Josef-Wondrak Volksschule
  • Volksschule West
  • Informatik Hauptschule Ost
  • Europa Hauptschule West
  • Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium
  • Handelsschule
  • Polytechnische Schule
  • Allgemeine Sonderschule
  • Landesberufsschulen für Elektrotechnik, KFZ-Mechaniker und KFZ-Elektriker
  • Fachschule für Sozialberufe
  • Schule für allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege

Gesundheit[Bearbeiten]

Militär[Bearbeiten]

  • Landwehrkaserne I (erbaut 1886 in der Schaumanngasse)
  • Prinz-Eugen-Kaserne (erbaut 1898 von Max Kropf als Landwehr-Kavalleriekaserne II, 1937 in Prinz Eugen-Kaserne umbenannt; derzeit mit einem Lager der AFDRU und zivilen Wohneinheiten genutzt).
  • Kavallerie Kaserne (erbaut 1721, militärisch stillgelegt 1955; heute als Niembsch-Hof ziviler genutzt)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatIndustriegeschichte von Stockerau. Stadtgemeinde Stockerau, 2011, abgerufen am 16. September 2011.
  4. Liste der Bürgermeister Stockeraus auf der Homepage der Stadtgemeinde

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean-Paul Lehners, 1973: Die Pfarre Stockerau im 17. und 18. Jahrhundert - Erste Resultate einer demographischen Studie ; in: H. Helczmanovski (Hg.): Beiträge zur Bevölkerungs- und Sozialgeschichte Österreichs ; München & Wien, Ss. 373-401.
  • Jean-Paul Lehners, 1974: Haus und Familie im Markt Stockerau am Ende des 17. Jahrhunderts ; in: Unsere Heimat - Zeitschrift des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich und Wien , 45, Ss. 222-235.
  •  Friedrich Buschmann: Dein Stockerau, die Chronik der Stadt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stockerau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien