Nový Bor

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Nový Bor
Wappen von Nový Bor
Nový Bor (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Liberecký kraj
Bezirk: Česká Lípa
Fläche: 1944,1294[1] ha
Geographische Lage: 50° 46′ N, 14° 33′ O50.75972222222214.554166666667365Koordinaten: 50° 45′ 35″ N, 14° 33′ 15″ O
Höhe: 365 m n.m.
Einwohner: 11.962 (1. Jan. 2014) [2]
Postleitzahl: 471 18 - 473 01
Verkehr
Straße: Europastraße 442
Bahnanschluss: Bakov–Jedlová
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 5
Verwaltung
Bürgermeister: Jaromír Dvořák (Starostové pro Liberecký kraj) (Stand: 2012)
Adresse: nám. Míru 1
473 01 Nový Bor
Gemeindenummer: 561860
Website: www.novy-bor.cz
Lageplan
Lage von Nový Bor im Bezirk Česká Lípa
Karte

Nový Bor, bis 1948 Bor u České Lípy (deutsch Haida) ist die zweitjüngste Stadt des Okres Česká Lípa in der Region Liberec im Norden der Tschechischen Republik.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt zwischen dem südlichen Abhang des Lausitzer Gebirges (Lužické hory) und dem Böhmischen Mittelgebirge (České středohoří) rund acht Kilometer nördlich von Česká Lípa (Böhmisch Leipa) zu Füßen des markanten Spitzkegels des Klíč (Kleisberg) mit einer Höhe von 759 m. Durch Nový Bor fließt der Bach Šporka.

Klima[Bearbeiten]

Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 5–7 °C, und die jährliche Niederschlagsmenge liegt mit 800 bis 1000 mm relativ hoch.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Am 1. Januar 2006 lebten hier 12.192 Einwohner, davon waren 5.923 männlich und 6.269 weiblich. Das örtliche Durchschnittsalter betrug 39,7 Jahre (Männer: 37,9 Jahre, Frauen: 41,5 Jahre).

Geschichte[Bearbeiten]

Luftbild von Nový Bor

Entstehung im 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Hayda wurde im Jahre 1702 gegründet, als der zu Arnsdorf (heute Arnultovice) gehörende Meierhof „Haydaer Hof“ parzelliert wurde und dort ein Dorf mit 21 Häusern entstand. Nach Übernahme der Herrschaft durch die Grafen Kinský 1710 begann es sich schnell zu entwickeln und hatte im Jahr 1713 bereits 90 Einwohner. 1749 wurde die erste Kapelle errichtet. Entscheidende Bedeutung für den Aufschwung hatte der Aufbau der Kaiserstraße an der Strecke Prag-Rumburg-Zittau, an dem Graf Kinsky einen beträchtlichen Anteil hatte. Dieser entschied sich, die vorteilhafte Lage der Gemeinde auszunutzen und das wirtschaftliche Zentrum hierher zu verlagern. Graf Kinsky gründete hier 1757 die erste Weberei und Kaiserin Maria Theresia erhob das Dorf am 26. Februar 1757 zu einem freien unbefestigten Markt.

Rasch konzentrierte sich hier die Glasverarbeitung und der Verkauf des Glases aus den Glashütten der Umgebung, denn bereits 1754 war hier die erste Glasverkaufsgesellschaft entstanden. Haida wurde zum Zentrum der Glasverarbeitung in Nordböhmen. Hier war der Wirkungsort von Friedrich Egermann, der durch seine Erfindungen wie Achatglas, Perlmutt- und Biskuit-Emaille, Lithyalinglas, die gelbe und vor allem die rote Lasur 1832 Weltgeltung erlangte.

1869 wurde die Glasfachschule Haida gegründet, die 1926 mit der Glasfachschule in Steinschönau zusammengelegt wurde und entscheidend an der Entwicklung der böhmischen Glaskunst beteiligt war. Die Entwürfe wurden von Joh. Oertel & Co. verwirklicht und vertrieben. Diese Kunstgläser wurden auch über die Wiener Werkstätte weltweit verkauft. Um 1880 hat der Ort bereits 2737 Einwohner und war ein Zentrum der Porzellanfabrikation und des Glashandels. Auch die bekannte Firma „Brüder Rachmann“ für Glasraffinierung und -handel verlegte 1884 ihren Sitz von Langenau nach Haida. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts war Haida auch Sitz eines Bezirksgerichts (Gerichtsbezirk Haida) bzw. im Bezirk Böhmisch Leipa.

Rumburger Aufstand[Bearbeiten]

Am 21. Mai 1918 marschierten revoltierende tschechische Soldaten von Rumburk über das Lausitzer Gebirge und besetzten Haida, von wo sie über Česká Lípa nach Prag vorrücken wollten. Sie wurden jedoch von einer Übermacht des Grenzschutzes umzingelt und nach kurzem Kampf gefangen genommen. Am 29. Mai 1918 verurteilte das Militärtribunal in Haida 21 der Anführer zum Tode; an sieben von ihnen wurde am Abend desselben Tages das Urteil vollstreckt. An der Stelle der Hinrichtung wurde im Jahre 1923 ein Denkmal errichtet, welches später entfernt wurde. Heute steht hier ein Granitdenkmal, und auf dem Friedhof in der Nähe sind sieben Gräber mit den Namen der Hingerichteten.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

1919 kam Haida zur neugeschaffenen Tschechoslowakei. Nach dem Münchner Abkommen von 1938 war es bis Mai 1945 Teil des Reichsgaus Sudetenland.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Soldaten der tschechischen Revolutionsgarde haben am 2. Juni 1945 acht deutsche Männer und Frauen aus Haida gefoltert und vor dem Rathaus erschossen, ein weiterer Deutscher wurde am folgenden Tag willkürlich aus einem Vertreibungstransport über die Grenze herausgeholt und getötet. Zur Abschreckung wurden die Hingerichteten vierundzwanzig Stunden an Ort und Stelle belassen und dann in einem Massengrab beerdigt.

Der Vorfall wurde in der Öffentlichkeit lange verschwiegen. Durch Arbeiten[3] des Publizisten und Schriftstellers Jan Tichý in der „Novoborský měsíčník“ (Haidaer Monatsschrift) wurde er nach der Samtenen Revolution öffentlich gemacht. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Kriegsendes haben Vertreter der Stadt erstmals auch der neun deutschen Opfer gedacht und am Versöhnungskreuz auf dem Waldfriedhof einen Blumenstrauß niedergelegt. Auf die Bitten der Hinterbliebenen hat die Vertretung der Stadt Nový Bor am 25. Januar 2006 für die Errichtung eines Gedenksteins in deutscher und tschechischer Sprache auf dem Waldfriedhof von Nový Bor gestimmt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen und 1967 wurde auch das große Glaskombinat Crystalex eröffnet. 1948 erfolgte die Zusammenlegung der Gemeinden Bor u České Lípy und Arnultovice zu einer Gemeinde Nový Bor, wobei der Ortsteil Bor u České Lípy zugleich in Nový Bor umbenannt wurde.[4] Zwischen 1949 und 1961 war Nový Bor Bezirksstadt des Okres Nový Bor.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Nový Bor besteht aus den Ortsteilen[5]

  • Arnultovice (Arnsdorf) mit Dolní Arnultovice (Niederarnsdorf) und Horní Arnultovice (Oberarnsdorf)
  • Bukovany (Bokwen) mit Chomouty (Komt)
  • Janov (Johannesdorf)
  • Nový Bor (Haida) mit Hřebenka (Neu Kottowitz)
  • Pihel (Pihl) mit Dolní Pihel (Niederpihl), Horní Pihel (Oberpihl) und Pihelsko (Pihlerbaustellen)

Grundsiedlungseinheiten sind Borský vrch, Bukovany, Dolní Arnultovice, Dolní Pihel, Horní Arnultovice, Horní Pihel, Hřebenka, Chomouty, Janov, Lesná, Lesní hřbitov, Městský les, Nová Skalice, Nový Bor-střed, Pod Klíčem, Pod lomem, Pod nádražím, Pod skalkou, Rumburských hrdinů, Sídliště Západ, Skalická, U divadla, U koupaliště, U Krystalu, U lesa, V lomech und Za nádražím[6].

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Arnultovice u Nového Boru, Bukovany u Nového Boru, Janov u Nového Boru, Nový Bor ubd Pihel[7].

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche
  • Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, 1747–1749 zunächst als Kapelle errichtet und 1786–1788 vom Baumeister J. V. Kosch in ihre gegenwärtige Form umgebaut; 1893 wurden noch kleinere Veränderungen durchgeführt. Sie ist ein spätbarocker Zentralbau mit einem Turm, dessen Zwiebeldach mit zwei Laternen ausgestattet ist. An das ovale, mit einer Lünettenwölbung abgeschlossene Kirchenschiff schließt sich der halbkreisförmige Altarraum mit zwei Balkonen an. Die klassizistische Ausstattung stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts, der Hauptaltar mit seiner plastischen Ausstattung von I. M. Platzer ist aus dem Jahre 1792. Die Innenausstattung wird ergänzt von sechs Glas-Kronleuchtern aus den hiesigen Glaswerken und farbigen Glasfenstern mit figuralen Motiven (Johannes der Täufer und die Madonna) von Karl Meltzer aus Skalice (Langenau).
  • Ehemaliger herrschaftlicher Schüttboden, heute Sitz der Stadtverwaltung. Dieses barocke zweistöckige lange Gebäude hat ein Mansarddach. Im Portal über dem Eingang mit verzierten Türpfosten sind Rokoko-Kartuschen mit dem Stadtwappen, hinter dem Eingang im Durchgang das neu eingerichtete Wappen und auf Metalltafeln neuzeitliche Bilder aus der Vergangenheit und Gegenwart der Stadt.
Glasmuseum
  • Glasmuseum (Sklářské muzeum): Eine erste Ausstellung von Glas-Kunstwerken wurde 1893 vom Fachverband der Glaswerker im Rathaus eingerichtet. Heute befindet es sich im gegenüberliegenden Empire-Gebäude, das im Jahre 1804 der Glashändler Johann Christoph Socher nach der Rückkehr von seinem erfolgreichen dreizehnjährigen Aufenthalt in Mexiko bauen ließ; aus dieser Zeit stammt auch das Portal mit einem Anker - dem Symbol seines Exportgeschäftes. In der Eingangshalle ist die Werkstatt eines Glasmalers aus dem 19. Jahrhundert installiert; über der Treppe ist eine Unterglasmalerei, die die Geschichte der Stadt symbolisiert. Die ständige Ausstellung der geschichtlichen Entwicklung der Glasindustrie in Böhmen wird regelmäßig durch aktuelle Einzelausstellungen ergänzt.
  • Marktplatz mit dem zweistöckigen Postgebäude, einem bedeutenden Jugendstil-Bau mit Kuppel aus dem Jahre 1904 an der Südwestecke, dem weiträumigen Gebäude der Schule, das an der Stelle des ursprünglichen Piaristen-Kollegiums und Gymnasiums aus dem Jahre 1763 an der südöstlichen Seite des Platzes gebaut worden und den meist einstöckigen Empire-Bürgerhäusern, die um das Jahr 1800 und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut worden sind; sie sind aus Holz, gemauert oder mit einem hölzernen Obergeschoss, oft mit dekorierten steinernen Türpfosten versehen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Egermann

Der Ort ist besonders für seine Glasindustrie bekannt. Bereits 1930 gab es 68 Unternehmen, welche Handel, Produktion und Veredelung von Glas betrieben.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt hat einen Bahnhof an der Kursbuchstrecke 080 (Bakov nad Jizerou–Jedlová), ein Teil der Bahnstrecke Bakov nad Jizerou–Ebersbach. Die Europastraße 442 führt als Umgehungsstraße um den Ort herum.

Sport[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Verein für Geschichte der Deutschen in Böhmen: Mitteilungen des Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen, Bde. 3–4, 1865.
  • A. Jahnel: Chronik der Preussischen Invasion des nördlichen Böhmens im Jahre 1866, 1867.
  • Josef Sieber: Geschichte der Stadt Haida, 1913.
  • G. Höltl (Hg.): Das böhmische Glas 1700–1950.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nový Bor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/561860/Novy-Bor
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  3. Jan Tichý: Divoký odsun 1945 v Boru u České Lípy
  4. 22/1949 Sb
  5. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/561860/Obec-Novy-Bor
  6. http://www.uir.cz/zsj-obec/561860/Obec-Novy-Bor
  7. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/561860/Obec-Novy-Bor