Lars Vilks

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Lars Vilks

Lars Endel Roger Vilks (Aussprache: [ˌlɑːʁs ˈvilːks], * 20. Juni 1946 in Helsingborg) ist ein schwedischer Künstler. Er ist Doktor der Kunstgeschichte und war von 1997 bis 2003 Professor an der Kunst- und Designhochschule Bergen.

Nimis und Arx[Bearbeiten]

Vilks wurde 1980 als Schöpfer der Holzskulpturen Nimis und Arx bekannt, die sich heute im Naturschutzgebiet Kullaberg in Höganäs, Schonen befinden. 1996 wurde das kleine Gebiet mit den Skulpturen von Vilks zu einem unabhängigen Staat namens Ladonia erklärt.

Mohammed-Zeichnungen[Bearbeiten]

2007 wurde Vilks zur Teilnahme an einer Ausstellung mit dem Motto Hunden i konsten („Der Hund in der Kunst“) in Tällerud, Värmland eingeladen. Vilks lieferte drei Federzeichnungen in A4, die alle den islamischen Propheten Mohammed als Rondellhund zeigen.

Am 20. Juli, dem Tag vor der Ausstellungseröffnung, entschieden sich die Organisatoren, Vilks' Zeichnungen aus der Ausstellung zu entfernen. Die Sprecherin Märta Wennerström sagte, dass sie zunächst nicht die „Schwere der Situation erkannte“ und sich dann entschieden habe, die Zeichnungen zu entfernen, nachdem sie sich mit den schwedischen Behörden und Privatpersonen beraten hätte.[1][2]

Nach der ersten Weigerung, die Zeichnungen zu veröffentlichen, schickte Vilks seine Zeichnungen an die Gerlesborgsskolan in Bohuslän für eine Ausstellung, die am 18. August eröffnet werden sollte. Allerdings erklärte die Schule (an der Vilks gelegentlicher Dozent ist), dass sie sich entschieden habe, die Zeichnungen wegen Sicherheitsbedenken nicht zu zeigen.[3]

Am 18. August druckte die Zeitung Nerikes Allehanda in Örebro eine der Zeichnungen in einem Leitartikel über Selbstzensur und Religionsfreiheit ab. Eine Woche später, am 25. August, demonstrierten 60 Muslime vor dem Zeitungsbüro gegen die „Beleidigung der Muslime des Islam“.[4] Vilks selber bekam Morddrohungen von islamistischen Extremisten.[5][6][7][8][9]

Vilks' Holzskulptur Nimis im Naturschutzgebiet Kullaberg.

Am 27. August wurde die schwedische Geschäftsträgerin in Teheran, Gunilla von Bahr, zum iranischen Außenministerium bestellt, wo sie eine Protestnote der iranischen Regierung entgegennahm.[10] Am 28. August erklärte der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad in einer Pressekonferenz, dass Zionisten hinter den Zeichnungen stünden.[11]

Am 30. August schloss sich Pakistan dem iranischen Protest an. Das Außenministerium in Islamabad erklärte: „Bedauerlicherweise nimmt unter manchen Europäern die Tendenz zu, Meinungsfreiheit mit der unverblümten und wohlüberlegten Beleidigung der 1,3 Milliarden Muslime in der Welt zu vermischen.“ [12] Nach Angaben Pakistans, sagte der schwedische Geschäftsträger in Islamabad, Lennart Holst, dass er „die Ansichten der muslimischen Gemeinschaft vollkommen“ teile und die Veröffentlichung vom 18. August „unglücklich“ fände.

Die Sprecherin des schwedischen Außenministeriums, Anna Björkander, sagte hingegen, dass dies ein „Missverständnis“ seitens der Pakistanis gewesen sei. Sie fügte hinzu: „Der Geschäftsträger sagte, dass es ihm leid tue, wenn die Veröffentlichung muslimische Gefühle verletzt habe.“ Holst soll der pakistanischen Seite ebenfalls erklärt haben, welchen hohen Stellenwert die Pressefreiheit in der schwedischen Verfassung habe.[13]

Am 15. September gab die irakische Gruppe des Terrornetzwerks Al-Qaida "Islamischer Staat im Irak" per Videobotschaft bekannt, dass sie auf Lars Vilks ein Kopfgeld von 100.000 Dollar ausgesetzt habe: „Von heute an rufen wir alle auf, das Blut des Karikaturisten zu vergießen, der es gewagt hat, den Propheten zu entwürdigen“, hieß es in der Botschaft. „Wir erhöhen die Belohnung auf 150.000 Dollar, wenn er geschlachtet wird wie ein Lamm“, drohten sie weiter. Die schwedische Polizei reagierte prompt und leitete "entsprechende Maßnahmen" zum Schutz ein.

Während einer Vorlesung an der Universität Uppsala am 11. Mai 2010 wurde Vilks von einem Zuschauer angegriffen und leicht verletzt. Im Saal brach ein Tumult aus, im Zuge dessen auch ein Polizist verletzt wurde. Zwei muslimische Angreifer wurden verhaftet.[14][15]

Auch ein nur knapp ohne verheerende Wirkung verlaufener[16] islamistischer Terroranschlag in Stockholm am 11. Dezember 2010 wurde außer mit dem schwedischen Militäreinsatz in Afghanistan mit den Mohammed-Karikaturen von Vilks begründet.[17]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lars Vilks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Muhammed som rondellhund stoppas (Schwedisch), Nya Wermlands-Tidningen. 20. Juli 2007. Abgerufen am 27. August 2007. 
  2. Bosse Brink: Teckningar på Muhammed togs bort (Schwedisch), Svenska Dagbladet. 21. Juli 2007. Abgerufen am 27. August 2007. 
  3. Johan Sjöstrand: Stopp igen för Vilks Muhammed-bilder (Schwedisch), Svenska Dagbladet. 13. Juli 2007. Abgerufen am 27. August 2007. 
  4. Erik Hedtjärn: Demonstration mot Muhammedhundar (Schwedisch), Dagens Nyheter. 24. August 2007. Abgerufen am 27. August 2007. 
  5. Lars Vilks: Del 357 Dags för svensk biennal i Göteborg (Schwedisch) 8. August 2007. Abgerufen am 28. August 2007.
  6. Lars Vilks: Del 359: “Du skall slaktas!” (Schwedisch) 11. August 2007. Abgerufen am 28. August 2007.
  7. Lars Vilks: Del 365: På den 30:e dagen - kom det mera hot (Schwedisch) 18. August 2007. Abgerufen am 28. August 2007.
  8. Lars Vilks: Del 370: Innanför och utanför konstvärlden (Schwedisch) 22. August 2007. Abgerufen am 28. August 2007.
  9. Lars Vilks: Del 373: Norden, andra tagningen (Schwedisch) 25. August 2007. Abgerufen am 28. August 2007.
  10. Iran protests over Schwedisch Muhammad cartoon, The Local. 27. August 2007. 
  11. Ahmadinejad claims 'Zionists' behind Schwedisch cartoon, The Local. 28. August 2007. 
  12. Pakistan: Erneut Protest gegen Mohammed-Karikatur, ORF. 31. August 2007. 
  13. Muhammad cartoon: Sweden 'sorry for hurt feelings', The Local. 30. August 2007. Abgerufen am 31. August 2007. 
  14. Zuschauer attackiert Mohammed-Karikaturist, Spiegel Online. 11. Mai 2010. 
  15. Mohammed-Zeichner Vilks bei Angriff verletzt, Welt Online. 11. Mai 2010. 
  16. Matthias Wyssuwa: Stockholm entgeht nur knapp einer Katastrophe, www.faz.net
  17. Selbstmordanschlag in Stockholm. Neue Zürcher Zeitung, abgerufen am 12. Dezember 2010.