Leo Arons

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Porträt Leo Arons

Martin Leo Arons (* 15. Februar 1860 in Berlin; † 10. Oktober 1919 ebenda) war Physiker und sozialdemokratischer Politiker. Nach ihm wurde die Lex Arons benannt, die eine Tätigkeit an einer preußischen Universität bei gleichzeitiger Mitgliedschaft in der SPD ausschloss.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Leo Arons stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Berliner Bankiersfamilie ab. Seine Eltern waren Albert Arons (1826–1897), Teilhaber des angesehenen Privatbankhauses Gebrüder Arons, und Clara Goldschmidt (1837–1867). 1887 heiratete Leo Arons Johanna Bleichröder (1861–1938), eine Tochter des Bankiers Julius Bleichröder (1828–1907). Sein Bruder, der Bankier Paul Arons (1861–1932), heiratete einige Jahre später deren Schwester Gertrud Bleichröder (1865–1917).

Nach dem Abitur studierte Leo Arons Chemie und Physik. Als Wissenschaftler beschäftigte er sich mit Experimentalphysik. Außerdem entwickelte er eine Quecksilberdampflampe (auch Aronssche Röhre genannt), die später von der AEG unter dem Namen „Dr. Arons-Quecksilberdampflampe“ vermarktet wurde. Im Jahr 1890 wurde er Privatdozent an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. Ein Jahr später wurde er erster Assistent am physikalischen Institut, schied aus dieser Position aber bereits 1893 wieder aus. Seither war er wieder Privatdozent.

Über die Bodenreformbewegung kam Arons in Kontakt mit der Sozialdemokratie und schloss sich ihr nach inneren Zweifeln Anfang der 1890er Jahre an. Als Bürgerlicher hatte er vor allem Vorbehalte gegen den von der Partei propagierten Klassenkampf. Das Bekenntnis der Partei, ihre Ziele nur auf gesetzlichem Weg durchzusetzen, erleichterten ihm den Eintritt. In der Folge schrieb er einige Artikel für die Parteipresse. Innerhalb der Partei stand er auf Seiten der Revisionisten. So forderte Arons etwa die Beteiligung der SPD an den preußischen Landtagswahlen und entwickelte sich zu einem Experten des Dreiklassenwahlrechts. Auch versuchte er seit den 1890er Jahren, bürgerliche Sozialreformer und Sozialdemokraten in einer regelmäßigen und lockeren Runde („Schmalzstullenclub“) zusammenzuführen. Er war führend an der Konzeption des Wahlkampfes zur Reichstagswahl von 1903 beteiligt. Die Presse bezeichnete ihn teilweise gar als „Generalstabschef der Partei für den Wahlkampf“. In den Jahren 1904 bis 1914 gehörte Arons der Berliner Stadtverordnetenversammlung an. Seine Kandidatur für einen Posten im Stadtrat scheiterte allerdings. Neben der Partei unterstützte Arons auch die freien Gewerkschaften und die 1907 gegründete Baugenossenschaft „Ideal“.

Gewerkschaftshaus am Luisenstädtischen Kanal, um 1908, Blick vom Bethanienufer (seit 1947 Bethaniendamm) auf das Anwesen Engelufer 15

Arons finanzierte weitgehend aus seinem eigenen Vermögen das erste eigens errichtete Gewerkschaftshaus in Berlin sowie zusammen mit der Ideal Kleinwohnungen für Arbeiter. Ab 1908 musste sich Arons aus gesundheitlichen Gründen immer stärker aus dem politischen Leben zurückziehen.

Er war Abgeordneter im Berliner Bezirk Neukölln. Dort wurde 1973 nach ihm die Aronsstraße[1] benannt (1926 bis 1934 Leo-Arons-Straße, 1934 bis 1973 Sackführerdamm).

Die Lex Arons[Bearbeiten]

Die preußischen Behörden versuchten bald nach Arons Parteibeitritt, den Sozialdemokraten aus seinem Lehramt zu entfernen. Die für das Verfahren zuständige philosophische Fakultät widersetzte sich diesem Wunsch mehrfach. Den mehrheitlich konservativen Mitgliedern ging es dabei vor allem um die Verteidigung der Autonomie der Hochschule gegenüber einem staatlichen Reglement. Ihr Argument war, dass jeder Universitätslehrer in seinen politischen Überzeugungen frei und außerdem ein Privatdozent kein weisungsgebundener Beamter sei. Als Arons 1897 auf einem sozialdemokratischen Parteitag sprach, äußerte Kaiser Wilhelm II. „Ich dulde keine Sozialisten unter (…) den Lehrern unserer Jugend an den Königlichen Hochschulen.“[2]

Nicht zuletzt diese Willensäußerung zwang die preußische Regierung und den für das Hochschulwesen zuständigen Beamten Friedrich Althoff, gegen dessen Widerstreben eine Lösung herbeizuführen. Da die Regierung kein direktes Eingriffsrecht auf die Anstellung von Privatdozenten hatte, wurde im Jahr 1898 ein Gesetz erlassen, das nunmehr auch Privatdozenten der staatlichen Disziplinargewalt unterstellte. Da dieses Gesetz vor allem auf den Fall Arons zugeschnitten war, wird es „Lex Arons“ genannt. Dieses Gesetz stand in einem inneren Zusammenhang mit Versuchen in den 1890er Jahren, das weitere Vordringen der Sozialdemokraten mit Hilfe von Ausnahmegesetzen zu verhindern. Die Lex Arons war das einzige dieser Ausnahmegesetze, das die parlamentarische Hürde des preußischen Abgeordnetenhauses passierte. Umsturzvorlage oder Zuchthausvorlage scheiterten dagegen an der Mehrheit im Reichstag. Arons wurde auf der Grundlage dieses Gesetzes suspendiert. Auf Grund der befürchteten Auseinandersetzungen mit den betroffenen Fakultäten blieb Arons der einzige Fall, auf den das Gesetz angewandt wurde.

In der Öffentlichkeit und vor allem im wissenschaftlichen Raum lösten der Fall und schließlich das Gesetz Debatten über die Freiheit der Wissenschaft aus. Unmittelbar nach der Novemberrevolution wurde Arons kurz vor seinem Tod von der neuen Regierung rehabilitiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Klemm: Arons, Martin Leo. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 398 (Digitalisat).
  • Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866–1918. Band I: Arbeitswelt und Bürgergeist. München 1998, ISBN 3-406-44038-X, S. 575.
  • Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Band 3: Von der Deutschen Doppelrevolution bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. München 1995, S. 1221f.
  • Hans-A. Schwarz: Leo Arons – Politiker zwischen Bürgertum und Arbeiterbewegung. In: Gewerkschaftliche Monatshefte. Band 51, Heft 5, 2000, ISSN 0016-9447, S. 285–296. (fes.de, PDF; 129 kB)
  • Stefan L. Wolff: Leo Arons – Physiker und Sozialist. In: Centaurus. 41, 1999, S. 183–212.
  • Stefan L. Wolff: Die Quecksilberdampflampe von Leo Arons. In: Oskar Blumtritt, Ulf Hashagen, Helmuth Trischler (Hrsg.): Circa 1903. Wissenschaftliche und technische Artefakte in der Gründungszeit des Deutschen Museums. München 2003, S. 329–348.
  • Kurt Beutler: Friedrich Paulsen und der „Fall“ Leo Arons. Dokumente zur Diskussion um die „Freiheit von Forschung und Lehre“ nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes (1890). Schroedel, Hannover 1977.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leo Arons – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aronsstraße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  2. zit. nach Nipperdey: Arbeitswelt und Bürgergeist, S. 575